Schlagwort: Mythos

Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #27 – Schrecken als ästhetische Ware: Der Prager Golem – Bloch, Chajim

Chajim Bloch
Der Prager Golem
Benjamin Harz, Berlin (1920)
2. Auflage
 
Der Golem von Prag: Chajim Blochs Beitrag zur Modernisierung eines jüdischen Mythos …
 
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Von der Gestaltlosigkeit zur Ikone der Popkultur: Kaum eine Figur des jüdischen Mystizismus hat den Sprung in das moderne kollektive Gedächtnis so nachhaltig geschafft wie der Golem. Während der Begriff in biblischen Zeiten noch eine „ungeformte Masse“ oder einen „Embryo“ (Psalm 139:16) beschrieb, wandelte sich das Motiv über Jahrhunderte hinweg zu einem künstlichen Menschen aus Lehm. Einen entscheidenden Wendepunkt in dieser Entwicklung markiert das Jahr 1919. Chajim Bloch (geboren am 27. Juni 1881 in Nagybocskó, Österreich-Ungarn; gestorben am 23. Januar 1973 in New York) war ein bedeutender chassidischer und kabbalistischer Rabbiner, Publizist und Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Vermittler der jüdischen Mystik und Folklore im deutschsprachigen Raum des frühen 20. Jahrhunderts. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine literarischen Bearbeitungen osteuropäischer jüdischer Sagen – allen voran der Legende um den Golem von Prag. Mitten in den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er sein Werk „Der Prager Golem: Von seiner ‚Geburt‘ bis zu seinem ‚Tod‘“ in Wien. Bloch schuf damit kein rein fiktionales Werk, sondern sammelte, sichtete und systematisierte die verstreuten mündlichen und schriftlichen Sagen des Prager Ghettos. Dieses Essay analysiert die historische Entwicklung des Golem-Mythos, die spezifische Struktur von Blochs Erzählungen und dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Schöpfungsmythen. …


Die zeitliche Entwicklung: Vom Ritual zur Rettungsfigur

Die Transformation des Golems vollzog sich nicht abrupt, sondern in klar abgrenzbaren historischen Phasen. Um Chajim Blochs Werk in seiner Tragweite zu verstehen, muss diese Evolution chronologisch nachvollzogen werden: …

… In seinem bekannten Roman „Der Golem“ sagt Gustav Meyrink: „Ich kann freilich nicht wissen, worauf sich die Golemsage zurückführen läßt, daß aber irgend etwas, was nicht sterben kann, in diesem Stadtviertel sein Wesen treibt und damit zusammenhängt, dessen bin ich mir sicher …Auszug aus dem Vorwort

Die zeitliche Entwicklung: Vom Ritual zur Rettungsfigur

Die Transformation des Golems vollzog sich nicht abrupt, sondern in klar abgrenzbaren historischen Phasen. Um Chajim Blochs Werk in seiner Tragweite zu verstehen, muss diese Evolution chronologisch nachvollzogen werden:

Spätantike und Frühmittelalter, 200–500 n. Chr.

Im Babylonischen Talmud wird die Erschaffung eines künstlichen Wesens als rein mystische, meditative Erfahrung beschrieben. Gelehrte nutzten das „Sefer Jezira“ (Buch der Schöpfung), um Gott durch die Kombination hebräischer Buchstaben nachzueifern. Das Wesen war stumm und diente keinem praktischen Zweck; die Schöpfung war ein Beweis spiritueller Reife.

Frühe Neuzeit: Der Golem als Diener, 1674

Die Erzählung verlässt den rein innerjüdischen Kreis. Der christliche Dichter Christoph Arnold beschreibt erstmals das Motiv eines Golems, der von polnischen Juden als stummer Hausdiener aus Lehm erschaffen wird. Hier taucht auch die Aktivierung durch das hebräische Wort „Emet“ (Wahrheit) auf der Stirn auf. Das Wesen wächst unaufhaltsam und droht seinen Schöpfer zu erdrücken – ein frühes Motiv der Hybris.

Die Romantik und die Verortung in Prag, 1808–1847

Die Brüder Grimm (1808) und Achim von Arnim popularisieren den Stoff im deutschsprachigen Raum. Ab den 1830er Jahren und manifestiert durch Wolf Pascheles‘ Textsammlung „Sippurim“ (1847) wird die Legende fest mit dem historischen Rabbiner Juda Löw (dem „Maharal von Prag“, ca. 1525–1609) und der Altneu-Synagoge verknüpft. Das Motiv verschiebt sich: Der Golem wird vom bloßen Hausdiener zum Beschützer des Ghettos gegen Ritualmordlegenden.

Chajim Blochs Anthologie, 1919

Mitten in einer Phase des aufflammenden Nationalismus und Antisemitismus in Europa veröffentlicht Chajim Bloch „Der Prager Golem“. Er formt aus disparaten Sagenfragmenten eine zusammenhängende, chronologische Biografie der Kreatur – von der Tongrube an der Moldau bis zur Einmauerung der Reste auf dem Dachboden der Synagoge.

Der Sprung in die Moderne, Ab 1920

Blochs Strukturierung bildet das Fundament für die moderne Popkultur. Paul Wegeners berühmter Stummfilm „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) und Karel Čapeks Theaterstück „R.U.R.“ (1920, welches das Wort „Roboter“ prägte) führen die Traditionslinie direkt in die moderne Science-Fiction und die Debatte um Künstliche Intelligenz.

Struktur und Inhalt bei Chajim Bloch

Chajim Blochs Verdienst liegt in der redaktionellen und erzählerischen Konsolidierung. Er präsentiert den Golem primär als „Ghetto-Heandl“ und Retter in der Not. Das Werk gliedert sich im Kern in fünf miteinander verwobene Motive:

  1. Die Notwendigkeit der Schöpfung: Im Prag des späten 16. Jahrhunderts sieht sich die jüdische Gemeinde ständigen Anfeindungen und unbegründeten Anschuldigungen ausgesetzt. Rabbi Löw erschafft den Golem (genannt Yossele) nicht aus persönlicher Eitelkeit oder wissenschaftlicher Neugier, sondern als Akt der kollektiven Selbstverteidigung.
  2. Das Schöpfungsritual: Bloch beschreibt detailliert die kabbalistische Prozedur. Gemeinsam mit einem Leviten und einem Kohen (Priester) formt Rabbi Löw den Lehm im Schein von Fackeln. Die Erschaffung nutzt die vier Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft) und wird durch das Umschreiten des Körpers und das Rezitieren präziser Buchstabenkombinationen vollzogen.
  3. Die Natur des Wesens: Der Golem ist physisch übermenschlich stark, besitzt jedoch keine Seele (Neschama) und ist unfähig zu sprechen. Er gehorcht den Befehlen des Rabbiners wortwörtlich – was oft zu humorvollen oder gefährlichen Missverständnissen führt. Er patrouilliert nachts im Ghetto, um unbemerkt unterschobene Leichen (die für Ritualmord-Anschuldigungen genutzt werden sollten) abzufangen.
  4. Die Katastrophe und die Deaktivierung: Wie in fast allen Iterationen des Stoffes gerät die Schöpfung am Ende außer Kontrolle. Als Rabbi Löw an einem Freitagabend vergisst, dem Golem seinen täglichen Auftrag zu erteilen, läuft dieser Amok und verwüstet das Ghetto. Der Rabbiner muss den Golem stoppen, indem er den belebenden Namen Gottes (oder den ersten Buchstaben des Wortes Emet, sodass Met = „tot“ übrig bleibt) entfernt.
  5. Der Verbleib: Die leblose Lehmmasse wird auf dem Dachboden der Prager Altneu-Synagoge versteckt. Bloch schließt mit der bis heute faszinierenden Legende, dass die Reste des Golems dort überdauern und der Dachboden für die Öffentlichkeit strengstens gesperrt bleibt.

Die Kernaussage für die Gegenwart: Das Golem-Paradoxon

Für die heutige Leserschaft transportiert Blochs Werk eine zeitlose, hochaktuelle Meta-Ebene. Der Golem steht sinnbildlich für das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie.

Das Golem-Paradoxon: Der Mensch erschafft ein Werkzeug, um eine existenzielle Schwäche auszugleichen (beim Golem die physische Verwundbarkeit des Ghettos; in der Moderne die Limitierung des menschlichen Geistes oder der Arbeitskraft). Doch das Erschaffene entwickelt durch seine inhärente Seelenlosigkeit und die starre Befehlstreue eine Eigendynamik, die den Schöpfer letztlich bedroht.

Bloch zeigt auf, dass Technologie und künstliche Schöpfungen ohne ethisches Fundament und ohne ständige menschliche Kontrolle unweigerlich destruktiv werden. Damit schlägt „Der Prager Golem“ die Brücke von einer frühneuzeitlichen jüdischen Schutz-Erzählung zu den modernen Fragestellungen der Ethik von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz. …

 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Bloch, Chajim
  • Der Prager Golem
  • Von seiner „Geburt“ bis zu seinem „Tod“
  • Dr. Blochs Wochenzeitschrift, Wien (1919)
  • gebundene Ausgabe
  • Originlausgabe
  • 152 Seiten
  • 2. Auflage, Harz, Berlin (1920), 232 Seiten
Preisangaben Eurobuch (mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • Mit Vorwort von Chajim Bloch und einem Geleitwort von Hans Ludwig Held
  • 2. Auflage enthält zusätuzlich ein „Vorwort zur 2. Auflage“ von Chajim Bloch vom 11. Juli 1920
  • [Bloch, Chajim] Der Prager Golem: Von seiner „Geburt“ bis zu seinem „Tod“. Nach einer Handschrift bearbeitet. Wien 1919 ->

Relevanz:
Die untersuchte Primärquelle, welche die modernen Einzellegenden erstmals zu einer Gesamterzählung bündelte.Quelle: Goethe Universität, Freimann-Sammlung

  • [Dekel, Edan / Gurley, David Gantt] How the Golem Came to Prague. In: Jewish Quarterly Review, Vol. 103, No. 2, 2013, S. 241–258.

Relevanz:
Zentrale wissenschaftliche Arbeit zur Genese des Golem-Mythos und dessen Verortung im Prag des 19. Jahrhunderts.Quelle: Digitalisat der Hebrew University

  • [Gelbin, Cathy S.The Golem: From Enlightenment Monster to Artificial Intelligence. In: Bulletin of the German Historical Institute, No. 69, 2021/2022, S. 79–94.

Relevanz:
Hervorragende historische Kontextualisierung der Rezeption von Christoph Arnold (1674) bis hin zur Verknüpfung mit künstlichen Menschen.Quelle: Dokument des GHI Washington

  • [Fernández Urtasun, RosaFrom the golem to the robots: a visual evolution of a myth. In: Journal of Aesthetics & Culture, Vol. 16, 2024.

Relevanz:
Analysiert die visuelle und popkulturelle Weiterentwicklung des Stoffes nach Blochs Publikation (Wegener-Filme, Čapek).Quelle: Open-Access-Artikel bei Taylor & Francis

  • [Zdenek, Annie] Leo Perutz (1882-1957): Nachts unter der steinernen Brücke. In: Recherches germaniques, No. 41, 2011, S. 59–71.

Relevanz:
Sekundärliteratur zur Einbettung des Prager Golem-Stoffs in die Prager Literatur der Zwischenkriegszeit (u.a. Wolf Pascheles‘ „Sippurim“ von 1847).Quelle: Eintrag im OpenEdition Portal

siehe auch (Auszug):


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Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #23 – Schrecken als ästhetische Ware: Ordnungen des Unheimlichen – Florian Lehmann (Hrsg.)

Florian Lehmann (Hrsg.)
Ordnungen des Unheimlichen
Königshausen & Neumann, Würzburg (2016)
ISBN 9783826058134
 
Kultur – Literatur – Medien
 
Die Autoren und Autorinnen dieses Bandes reflektieren den Status des Unheimlichen in der Geschichte und in der Gegenwart. Sie versuchen sich den Dimensionen des Unheimlichen im Theoretischen, im Ästhetischen und im Medialen anzunähern …

 
In der Einführung bespricht der Herausgeber das Unheimliche als Phänomen und Konzept. Darauf folgend werden im ersten Kapitel die kulturtheoretischen und kulturhistorischen Perspektiven in fünf Essays aufgezeigt. Anschließend werden 7 Artikel zur Literatur zum Unheimlichen gesammelt. Im dritten Kapitel werden dann die Medien und die Medialität in Bezug zum Unheimlichen in sechs Beiträgen besprochen…
 
Abschließend ist dafür zu plädieren, das Unheimliche wie jedes ästhetische Konzept als historischen Begriff zu verstehen, dessen Geschichte notwendigerweise Voraussetzung ist für seine gegenwärtige Verwendung. Es ist deshalb auch zu fragen, inwieweit das Unheimliche einer „abendländischen“ Denk- und Erfahrungstradition zugehörig ist, und ob es die geschichtliche Fundamentalopposition von Eigenem und Fremden durchbrechen kann. Mit diesen und anderen Fragen setzen sich die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Bandes auseinander. …
Auszug 'Einführung', Seite 9-28
 
Das theoretische Fundament des Unheimlichen haben im Grunde vier Autoren im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts gelegt. Ernst Jensch, Rudolf Otto, Martin Heidegger und Sigmund Freud. Bis in die 70er-Jahre wurde aber innerhalb des akademischen Diskurses das Unheimliche kaum wahrgenommen. Erst danach wurden Studien vorgenommen, die die Wahrnehmung des Unheimlichen bis heute prägen und nachhaltig zur Auseinandersetzung damit eingeladen haben. Dieser Band geht auf die Vorträge zurück, welche bei der Tagung „Das Unheimliche, Gespenstische und Spukhafte“, vom17.-19. April 2015 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg gehalten wurden. …
 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Florian Lehmann (Hrsg.)
  • Ordnungen des Unheimlichen
  • Kultur – Literatur – Medien
  • Königshausen & Neumann, Würzburg (2016)
  • Studien im Schnittbereich von Literatur, Kultur und Natur, Band 15/2016
  • Broschüre, Klebebindung
  • 340 Seiten
  • ISBN 9783826058134

Kleinster Preis: € 49,80, größter Preis: € 49,80, Mittelwert: € 49,80

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  • keine
  • [Artikel] Die Angst in uns selbst-Über das Unheimliche: Psychoästhetik im Angesicht der Krise – von Florian Lehmann – auf literaturkritik.de

Horace Walpoles „The Castle of Otranto“ (1764) erzählt von einem Haus in Angst. Der Plot um den machthungrigen Schlossherren Manfred, der die junge Isabella, Verlobte seines von einem seltsam-monströsen Helm erschlagenen Sohnes Conrad, zwangsehelichen will, und deshalb seine Ehefrau verlässt (die ja einen nutzlosen, weil toten Erben zur Welt gebracht hat) und schließlich die eigene Tochter ersticht (aufgrund einer Verwechselung), erscheint in dieser kurzen Zusammenfassung eher bizarr als unheimlich. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Erzähler im Kern der Geschichte das Schloss als einen traumatischen Ort häuslicher Gewalt inszeniert, unter der vor allem Manfreds Ehefrau und Tochter leiden. Als Matilda sich bei ihrer Dienerin über die Härte des Vaters beschwert, antwortet diese, Matildas Mutter wisse sicherlich „that a bad husband is better than no husband“.…

Auszug Artikel


  • [Artikel] Das Unheimliche in der WIKIPEDIA

In seinem Aufsatz Das Unheimliche aus dem Jahr 1919 begründet Sigmund Freud seine Annahme einer unbewussten Seelentätigkeit. Die unbewusste Tätigkeit gilt bis heute als ein wichtiger Untersuchungsgegenstand der Psychoanalyse. ……

Auszug Artikel


  • [Artikel] Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen – Freuds Poetik des Unheimlichen – von Achim Geisenhanslüke – auf literaturkritik.de

Der Begriff des Unheimlichen, der ästhetisch in der Nähe zu verwandten Begriffen wie dem Phantastischen, Grotesken oder Erhabenen steht, hat seine entscheidende Prägung durch Sigmund Freuds Aufsatz „Das Unheimliche“ aus dem Jahr 1919 bekommen. Zwar kann Freud in seinen Überlegungen zu einer psychoanalytischen Ästhetik des Unheimlichen auf Vorarbeiten von Ernst Jentsch zurückgreifen, der bereits 1906 einen Aufsatz „Zur Psychologie des Unheimlichen“ vorgelegt hatte. Auch die Bindung des Unheimlichen an Texte von E.T.A. Hoffmann kann Freud von Jentsch übernehmen. Dennoch setzt er in seinem Aufsatz ganz eigene Akzente, die auf seine Auffassung von der Struktur des Unbewussten zurückgehen. Dabei überlagern sich die beiden Aspekte der Individualanalyse und der Kulturtheorie, die Freuds gesamtes Werk bestimmen, auch im Begriff des Unheimlichen. Auf der einen Seite erkennt Freud im Kontext eines individualpsychologischen Ansatzes im Unheimlichen eine bestimmte Form der Wiederkehr des Verdrängten. Auf der anderen Seite erscheint das Unheimliche im Kontext einer allgemeinen Kulturtheorie als Wiederkehr einer archaischen Kulturstufe, die ihre nur scheinbar überwundene Macht bis in die Moderne ausdehnt. Obwohl beide Aspekte für Freud zusammenhängen, bestimmen sie zwei unterschiedliche Ausrichtungen der Theorien des Unheimlichen, die bis in die heutige Rezeption reichen: Auf der einen Seite stehen texttheoretische Überlegungen zum Unheimlichen, wie sie sich insbesondere in der dekonstruktiven Fortführung psychoanalytischer Theoreme finden lassen. Auf der anderen Seite stehen kulturwissenschaftliche Ansätze, die im Unheimlichen eine bestimmte Form der Fremderfahrung ausmachen, der es im Kontext einer interkulturellen Theorie der Kultur und Literatur zu begegnen gilt. …

Auszug Artikel


siehe auch (Auszug):


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Vampir, Werwolf und sonstige Unwesen #31 – Der Vampir – Basil Cooper

Basil Cooper
Der Vampir in Legende, Kunst und Wirklichkeit
Goldmann, München (1974)
ISBN 3442302889

Speziell in Literatur, Theater und Film…

Das Buch ist eines der früheren Werke in meiner Bibliothek, die von Vampirliteratur nicht gerade wenig beinhaltet. Derzeit sind es so an die 120 Werke über den Vampir, den Vampirismus und begleitendes in meinen Regalen registriert. Aber gerade dieses Buch hatte es mir immer schon angetan. Vielleicht weil es eines der ersten Bücher zum Thema war, das ich mein Eigen nennen durfte …


Basil Cooper, eigentlich ein Filmkenner und Krimi-Autor, schuf damit eines der interessantesten, frühesten, ernst zu nehmenden und ausführlichen modernen Werke zum Thema Vampir. Natürlich ist es ein Buch seiner Zeit und damit heute unter der Sichtung heutiger, weitergehender Forschung manchmal fehlerhaftes und unvollständiges Werk, aber immer noch gut lesbar und empfehlenswert. …

Mein Buch ist nicht nur für Leser bestimmt, die zwischen den beiden Umschlagdeckeln möglichst viele Informationen über das Thema erhalten wollen, sondern auch für diejenigen, die ihren Appetit – in literarischer Sicht, muss ich hier rasch hinzufügen – anregen lassen wollen auf so großartige Erzählungen wie „For the Blood is the Life“ und „Mrs. Amsworth“, und schließlich für diejenigen, die, wie ich selbst, ein unstillbares Interesse für die Erscheinungen auf dem Gebiet des Makaberen empfinden. …

Auszug 'Vorwort', Seite 7-8

Im Festa-Verlag erschien das Buch erstmals ungekürzt in Deutsch (ich konnte allerdings noch nicht überprüfen, ob die Goldmann-Ausgabe tatsächlich gekürzt ist), mit einer neuen Übersetzung von Malte S. Sembten bei der Gelegenheit wurden auch einige Fehler des Originals korrigiert. Außerdem schön ist das 24-seitige Nachwort von Uwe Sommerlad, in dem er die Geschichte der Vampire in Literatur und Vampire seit dem ersten Erscheinen des Buches erläutert. Nicht ganz frei von Lücken, aber doch interessant. Festa brachte 2005 das Taschenbuch, 2006 eine 2. Auflage davon und 2007 eine gebundene Ausgabe heraus. Sehr nützlich sind die Auswahlbibliografie und das umfassende Register. …

Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Basil Cooper
  • Der Vampir in Legende, Kunst und Wirklichkeit
  • Goldmann, München (1974)
  • gebundene Ausgabe, 8°-Oktav
  • Originalausgabe
  • 186 Seiten
  • ISBN 3442302889

Kleinster Preis: € 1,00, größter Preis: € 12,46, Mittelwert: € 7,87

(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • aus dem Englischen
  • Übersetzer: Friedrich A. Hofschuster
  • [Artikel] Basil Cooper in der WIKIPEDIA (Übersetzung)

Basil Frederick Albert Copper (5. Februar 1924 – 3. April 2013) war ein englischer Schriftsteller und ehemaliger Journalist und Zeitungsredakteur. Er wurde 1970 Vollzeitautor. Neben Horror- und Kriminalromanen war Copper vielleicht am bekanntesten für seine Reihe von Solar Pons – Geschichten, in denen er die als Hommage an geschaffene Figur fortsetzte Sherlock Holmes von August Derleth . …

Auszug Artikel


  • [Rezension] Der Vampir in Legende, Kunst und Wirklichkeit von Basil Copper – von Christel Scheja – auf fantasyguide.de

Allein das informativ und unterhaltsam geschriebene Nachwort, das gerne doppelt so lang hätte sein können, macht „Der Vampir in Legende Kunst und Wirklichkeit zu einer spannende Lektüre. Es ergänzt Coppers Ausführungen ausgezeichnet und rundet das neu übersetzte und sorgfältig bearbeitete Werk ab.
Für Liebhaber des Genres und Fans wird das Sachbuch damit zu einem unverzichtbaren Standardwerk, das neben den entsprechenden Quellenangaben auch noch ein aktuelles Literaturverzeichnis enthält. Selbst wer den Vampir erst gerade zu entdecken beginnt kann sich hier umfassend informieren. …

Auszug Artikel


  • [Rezension] Basil Copper – Der Vampir in Legende, Kunst und Wirklichkeit – von Liafu – auf literaturschock.de

Mit dieser Ausgabe liegt Coppers Werk erstmals ungekürzt auf Deutsch vor.
Übersetzt von Malte S. Sembten, der das Buch auch sachkundig bearbeitet hat, enthält es außerdem einen breiten bibliographischen Anhang, einen Index mit dem Lebensdaten der erwähnten Personen sowie ein umfangreiches Nachwort von Uwe Sommerlad, der das Thema in den 1970er Jahren aufgreift, als die englische Originalausgabe erschien, und es bis heute weiterführt. …

Auszug Artikel


siehe auch (Auszug):


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Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #21 – Schrecken als ästhetische Ware: Alpträume

Christopher Frayling
Alpträume
VGS, Köln (1996)
ISBN 3802523032
 
Die Ursprünge des Horrors
 
Die Geburtsstunde des modernen Schreckens wird hier im Sommer 1816 angesiedelt. Aa Genfer See, in der Villa Diodatti. Frankenstein erblickte dort das Leben und wieder einmal wird die berühmte Geschichte dem Horror-Genre zugeordnet und nicht dem der Science Fiction. Wie auch immer, stellt sie als einen der großen Schauerromane dar, die den Beginn des modernen Horrors begründen. …

 
Vier große Geschichten werden in diesem Buch als die Urformen der Horrorliteratur vorgestellt. Neben dem „Frankenstein-Monster“ wird der „Jekyll und Hyde-Charakter“, der „Baskerville-Hund“ und die „vampirähnliche Beziehung“ als Urtypus des Horrors besprochen. Auch wenn die Ursprünge dieser Geschichten in den Sagen Griechenlands und Roms liegen und teilweise sogar noch früher zu suchen sind, begannen die großen Schauerromane als Phantasien im trüben Schein einer Gaslampe und sind selbst bereits zum Gegenstand von Mythen und Legenden geworden …
 
Im Laufe der Zeit sind diese großen Horrorromane ein ums andere Mal um- und weitergeschrieben worden: Die Figur des Frankenstein verschmolz mit seiner Schöpfung zu einem Wesen aus Stahlbolzen, Stichen und Narben; Dracula wurde ein attraktiver Salonlöwe im Smoking; Mr. Hyde machte man zu einem affenähnlichen Geschöpf, das Slums von Whitechapel in East London unsicher macht; und Sherlock Holmes, mit seinem obligatorischen Jagdhut und der Meerschaumpfeife im Mund, sagt „Elementar, mein lieber Watson“, wenn er einmal mehr seine Fähigkeit der logischen Schlussfolgerung unter Beweis stellt. …
Auszug 'Einleitung', Seite 13
 
Der Einfluss dieser Poeten der Schwarzen Romantik, mit ihren dunklen Phantasien, auf die bildende Kunst und auch den Film wird hier ansprechend dargelegt. Eine Vielzahl von Abbildungen dokumentieren diesen Einfluss ebenso. Das Buch führt uns vor Augen, wie die vier großen Mythen des Horrors im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelt haben und warum sie zu Symbolen für das Unbewusste des modernen Menschen geworden sind, die uns faszinieren und gleichzeitig Gänsehaut auflaufen lassen …
 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Christopher Frayling
  • Alpträume
  • Die Ursprünge des Horrors
  • VGS, Köln (1996)
  • gebundene Ausgabe, 8°Gr-Großoktav
  • deutschsprachige Ausgabe
  • 224 Seiten
  • ISBN 3802523032

Kleinster Preis: € 2,10, größter Preis: € 63,69, Mittelwert: € 12,00
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  • aus dem Englischen
  • Übersetzung: Sabine Lorenz und Felix Seewöster

[Artikel] Christopher Frayling in der WIKIPEDIA

Sir Christopher Frayling (* 25. Dezember 1946 in Hampton, London) ist ein britischer Historiker und Autor zahlreicher Studien zur populären Kultur…

Auszug Artikel


[Artikel] Horror-Literatur in der WIKIPEDIA

Der Begriff Horrorliteratur bezeichnet eine Literaturgattung, deren Gegenstand die Schilderung von angsteinflößenden und oft übernatürlichen Ereignissen ist. Dabei rücken überwiegend die grausigen Motive der Handlung (Monster, Untote, Dämonen, Entstellungen, Qualen etc.) in den Vordergrund bzw. Mittelpunkt. …

Auszug Artikel


[Artikel] Schauerliteratur in der WIKIPEDIA

Die Schauerliteratur (englisch gothic fiction) bzw. der Schauerroman (englisch gothic novel) ist ein literarisches Genre der Phantastik, das Mitte des 18. Jahrhunderts in England entstand und seine Blüte am Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte. …

Auszug Artikel


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Drachen #16 – Mythos / Symbol / Geschichte: Drache, Einhorn, Oster-Hase – Sergius Golowin

Sergius Golowin
Drache, Einhorn, Oster-Hase
Sphinx, Basel (1994)
ISBN 3859141953
und anderes phantastisches Getier …

Nach längerer Zeit habe ich wieder einmal ein Buch für meine Drachen-Sondersammlung finden können. Es ist jetzt kein Buch welches große Neuigkeiten zum Thema Drache bringt, aber doch ein kleines Puzzlestück zu einem großen Überblick über die Literatur dazu. …


Golowin nimmt Drache, Einhorn und Osterhase und anderes phantastisches Getier hier als Symbole und Spiegelbilder für das Unbekannte bzw. Unbewusste. Er hält sie für eine Tiefe des Bewusstseins, welches die Menschen von je her zu den abenteuerlichsten Entdeckungsreisen des Geistes anstachelt.

Wohl eins der geheimnisvollsten Geschöpfe des Alpenraums kennt man heute noch unter dem Namen „Tatzel- oder Stollenwurm“. Das Wort Wurm wird hier zweifellos in seiner alten Bedeutung verwendet: es meint jedes kriechende Geschöpf, also eine Schlange oder sogar einen Drachen. […] Dieses Geschöpf soll eben besonders durch sein traumhaft rasches Auftauchen gefährlich sein, nicht etwa durch Krallen, Reißzähne oder den sich ringelnden Schlangenleib! Obwohl es offensichtlich gerne Menschen erschreckt, berichten verhältnismäßig wenige Sagen, dass es einen Gast seines felsigen Reiches körperlich angegriffen hat. …

Auszug 'Im Land der Drache', Seite 33-55

Das kleine Büchlein ist recht nett zu lesen und berichtet nicht nur von Drachen, sondern auch von Seeschlangen, Einhörnern, Salamandern, Phönixen und anderen Märchentieren wie Greifen, Sauriern und Flügelkatzen. Untermalt sind die Ausführungen von einigen ganz guten Illustrationen. Alles ein bisschen esoterisch angehaucht, aber sympathisch dargelegt …

Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Sergius Golowin
  • Drache, Einhorn, Oster-Hase
  • und anderes phantastische Getier
  • Sphinx, Basel (1994)
  • gebundene Ausgabe, 8°-Oktav
  • 160 Seiten
  • ISBN 3859141953

Kleinster Preis: € 1,99, größter Preis: € 17,28, Mittelwert: € 6,90

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  • keine
  • [Artikel] Sergius Golowin in der WIKIPEDIA

Sergius Golowin (* 31. Januar 1930 in Prag; † 17. Juli 2006 in Bern) war ein Schweizer Autor, Mythenforscher und Publizist.…

Auszug Artikel


  • [Artikel] Drache (Mythologie) in der WIKIPEDIA

Ein Drache (lateinisch draco, altgriechisch δράκων (drakōn), „Schlange“; eigentlich: „der Starrblickende“ bzw. „scharfblickend(es Tier)“;[1] bei den Alten Griechen und Alten Römern die Bezeichnung für jede ungiftige größere Schlangen­art) ist ein schlangenartiges Mischwesen der Mythologie, in dem sich Eigenschaften von Reptilien, Vögeln und Raubtieren in unterschiedlichen Variationen verbinden. Er ist in den meisten Mythen geschuppt, hat zwei Hinterbeine, zwei Vorderbeine, zwei Flügel (also sechs Gliedmaßen) und einen langen Schwanz. Er soll die Fähigkeit haben, Feuer zu speien. Der Drache ist als Fabelwesen aus Mythen, Sagen, Legenden und Märchen vieler Kulturen bekannt; bis in die Neuzeit wurde er als existierendes Tier angesehen. …

Auszug Artikel


  • [Artikel]10 Drachen zum Fürchten und Liebhaben – von Christian Handel – auf tor-online.de

Cornelia Funke schreibt über sie, in Kai Meyers Romanen spielen sie eine wichtige Rolle, und auch Bernd Perplies kommt nicht ohne sie aus. Drachen sind Dauerbrenner. Und weil uns die vielgestaltigen Bestien so faszinieren, werfen wir heute einen Blick auf zehn ganz besondere Exemplare: …

Auszug Artikel


siehe auch (Auszug):


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