Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Es ist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Wer heute über Drachen spricht, tut das selten unschuldig. Das Motiv ist überformt von Fantasy, Games, Filmen, von kitschigem Hochglanz und ironischer Brechung zugleich. Bölsches Essay kommt aus einer Zeit, in der das Drachenbild eine andere Modernisierung erfuhr: Paläontologie, Museumskultur, frühe Medienöffentlichkeit, Expeditionserzählungen – all das sorgte dafür, dass die „Urwelt“ plötzlich nicht mehr bloß mythologisch, sondern materiell vorstellbar wurde. Knochen, Zähne, Rekonstruktionszeichnungen: ein neues Arsenal der Imagination.
Bölsches Leitfrage ist dabei ebenso schlicht wie fruchtbar: Warum ist das Drachenbild weltweit so stabil – und welche realen Naturerfahrungen könnten es immer wieder gespeist haben? Die Pointe lautet: Der Drache ist nicht einfach ein Irrtum, den die Zoologie irgendwann korrigiert. Er ist ein Hybrid – aus Naturspur und Symbolspur. Aus dem, was Menschen sehen (oder zu sehen glauben), und dem, was sie erzählen müssen.
1. Die verlorene Welt: Urzeit als Sehnsuchtsmaschine
Bölsche beginnt mit einem Blick auf die Moderne seiner Gegenwart: Film, „Expeditionen“, die Suggestion, irgendwo könne die Saurierzeit noch fortleben. Der Gedanke wirkt vertraut – man muss nur die medialen Formen austauschen. Damals schimmerte der Traum durch Wochenschauen und Sensationsberichte, heute durch Streaming-Dokumentationen und Social-Media-Fundstücke, die irgendwo zwischen Wissenschaft, Spektakel und „Was wäre, wenn?“ oszillieren.
Entscheidend ist die Spannung, die Bölsche daraus baut: Wissenschaft rekonstruiert die Urwelt nüchtern – aber im Menschen bleibt eine Sehnsucht nach dem wiederkehrenden Uralten. Die Urzeit ist für ihn nicht nur Vergangenheit. Sie ist eine Bühne, auf der die Vorstellungskraft sich am Maßstab übt. Alles wird größer, fremder, elementarer. Das ist nicht bloß eine kindliche Fantasie; es ist ein kultureller Reflex, der immer dann anspringt, wenn die Gegenwart zu eng, zu rationalisiert, zu „aufgeräumt“ erscheint.
So wird die Urwelt – paradoxerweise – gerade durch die Wissenschaft wieder erzählbar. Rekonstruktionen machen das Vorzeitliche anschaulich, und Anschaulichkeit ist der Rohstoff des Mythos.
2. Paläontologie als Bildlieferant: Knochen, Größen, Rekonstruktionen
Bölsche streift durch das naturwissenschaftliche Material seiner Zeit: Funde, Gruppen, Größenverhältnisse, Museumsbilder. Es ist kein systematisches Handbuch; eher ein Gang durch eine Wunderkammer, in der Fakten stets in den Schatten großer Formen fallen. Der Effekt ist klar: Die Urwelt wird als real und zugleich als imaginär übermächtig erfahrbar.
Man könnte sagen: Bölsche interessiert sich weniger für die Taxonomie als für den Moment, in dem Wissen in Staunen umschlägt. Fossilien sind nicht nur Belege – sie sind Fragmente einer Erzählung, die nicht fertig wird. Ein Knochen im Museum ist immer auch ein Versprechen: Hier hat einmal etwas gelebt, das unsere Maßstäbe sprengt. Und wo Maßstäbe gesprengt werden, da kommt der Drache ins Spiel.
Bölsches Brücke funktioniert also in beide Richtungen. Er „erklärt“ den Drachen nicht einfach durch Paläontologie. Er zeigt vielmehr, wie Paläontologie – unabsichtlich – das Drachenmotiv plausibel macht. Nicht als faktische Existenz, sondern als Bildform. …
… Schließlich wäre es aber schon ein Gwinn dieser anspruchslosen BEtrachtung, wenn sie nur auf dieses ewige Inenanderspielen von scheinbar freier Menschenphantasie und gesetzlichen Naturgestalten eunmal wieder nachhaltig hingewiesen hätte. … Auszug Seite 78, vorletzter Satz
3. Symbolgeschichte: Vom Chaos-Tier zum Gegner im Lichtkampf
Gleichzeitig macht Bölsche deutlich, dass Drachen nicht nur aus Knochen wachsen. Sie wachsen aus Konflikten. Er skizziert eine kulturgeschichtliche Linie, in der der Drache als uralte Chiffre des Bedrohlichen, Chaotischen, Bösen erscheint – und als Figur, gegen die sich Ordnung überhaupt erst dramatisieren lässt.
Die klassischen Knotenpunkte (Siegfried, Georg) stehen als Signaturen einer Erzählstruktur: Ein Held wird erst zum Helden, wenn er etwas besiegt, das über das Normale hinausgeht. Der Drache ist dafür ideal, weil er nicht nur Gegner, sondern Gegensatz ist: nicht einfach ein Tier, sondern eine Verdichtung von Angst, Gier, Dunkelheit, Maßlosigkeit.
Bölsches interessante Nuance: Selbst wenn man den Drachen zoologisch verkleinert, bleibt seine symbolische Funktion intakt. Man kann die Schuppen rationalisieren, die Flügel abstreiten, den Atem abkühlen – aber man bekommt das Motiv nicht semantisch leer.
4. Zoologisierung: Gesner und der Wunsch, den Drachen festzunageln
Ein besonders reizvoller Abschnitt führt in die frühneuzeitliche Gelehrsamkeit: Gesner und andere als Stationen eines Projekts, das man „Zoologisierung“ nennen könnte. Hier wird versucht, den Drachen als Naturtier zu identifizieren: große Schlange, Reptil, ein Missverständnis, das aus mangelnder Beobachtung oder aus Reiseberichten entstanden sein mag.
Bölsche zeigt dabei eine typische Bewegung: Das Motiv wird rational eingehegt, aber es bleibt ein Rest, der sich nicht auflösen lässt. Denn der Drache ist nicht bloß ein Ding, sondern ein Speicher. In ihm liegen Erzählungen, Überlieferungen, Bilderketten. Wer ihn in ein zoologisches Etikett zwingt, merkt schnell, dass das Etikett nicht haftet.
Gerade für literarische Kontexte ist dieser Gedanke produktiv: Mythen sterben nicht an besseren Lexika. Sie überleben, weil sie eine Form sind, in der Kulturen über Grundspannungen sprechen.
5. Der Drache als Sammelbegriff: Naturanker und kulturelle Überformung
Bölsche bündelt mehrere „Realitätsanker“: Riesenschlangen, Krokodile, Warane – und natürlich Fossilienfunde. Der Drache wird so zum Sammelbegriff: ein Knotenpunkt, an dem Naturbeobachtung, Angstphantasie und Traditionsdruck zusammenlaufen.
Dass das Motiv global so stabil ist, erscheint in dieser Perspektive weniger mysteriös. Überall, wo Menschen auf mächtige Reptilien treffen, wo Knochen aus dem Boden ragen, wo Landschaften und Gewässer Unsicherheit erzeugen, kann das Drachenbild eine Art Resonanzkörper werden. Es muss nicht „wahr“ sein, um wirksam zu sein.
Bölsche ist dabei kein Zyniker. Er nimmt die Bilder ernst, ohne ihnen zu glauben – und er glaubt an die Fakten, ohne sie trocken zu machen. Das macht den Text lesbar: Er argumentiert nicht im Modus der Entlarvung, sondern im Modus der Verwandtschaft.
6. Seeungeheuer und Kraken: Die Schule der unsicheren Wahrnehmung
Der Exkurs über Seeungeheuer, Seeschlangen und Kraken wirkt zunächst wie ein Seitengang, ist aber dramaturgisch klug. Denn hier wird ein Mechanismus sichtbar, der für Drachen ebenso gilt: Das Monströse gedeiht dort, wo Wahrnehmung unsicher ist – in Tiefe, Ferne, Dunst, schlechter Sicht, in der Vermittlung durch Erzählungen.
Das Meer ist in dieser Hinsicht ein ideales Medium: Es macht aus jeder Beobachtung eine Hypothese. Ein Schatten wird zur Kreatur, ein Umriss zur Legende. Bölsche zeigt: Zwischen Beobachtung, Übertreibung und Traditionsbildung entsteht ein Feld, in dem das „Tier“ weniger zählt als die Erzählwahrscheinlichkeit.
Für literarische Leser:innen ist das ein hübscher Hinweis: Monster sind oft weniger Figuren als Effekte – Effekte von Perspektive, Distanz, medialer Vermittlung.
7. Komodowaran: Moderne Wieder-Einspeisung des Drachenmotivs
Das Buch gewinnt eine besondere Zeitfarbe, wenn Bölsche auf den (damals) aktuellen Diskurs um den Komodowaran eingeht – als „lebender Drachen“-Kandidat. Hier zeigt sich die Moderne als Motor der Re-Mythologisierung: Neue Funde und neue Tiere speisen alte Bilder nach.
Wichtig ist Bölsches implizite Beobachtung, dass bereits die Benennung kulturell aufgeladen ist. „Drache“ ist kein neutrales Wort. Es ist ein Lesemuster, das Wirklichkeit formt. Sobald ein Tier groß genug, fremd genug, urtümlich genug erscheint, wird es in die Nähe des Motivs gezogen – und damit in eine Bedeutungssphäre, die über Biologie hinausgeht.
8. Schlussbewegung: Warum der Drache bleibt
Bölsche endet nicht mit einer eindeutigen Auflösung („Drache = X“). Und genau das ist seine Stärke. Stattdessen bleibt er bei einer doppelten Pointe:
Naturgeschichte liefert immer wieder Material, das Drachenbilder plausibel erscheinen lässt.
Kultur/Seele braucht das Motiv, weil es Grundfragen von Angst, Ordnung und Überwältigung erzählt.
Man kann das als frühe Form eines kulturwissenschaftlichen Gedankens lesen: Motive sind stabil, wenn sie mehrere Register gleichzeitig bedienen. Der Drache ist gleichzeitig körperlich vorstellbar (Reptil, Fossil, Urwelt) und semantisch aufgeladen (Chaos, Prüfstein, Gegenspieler). Er ist Monster und Metapher – und deshalb so wandlungsfähig.
Warum heute lesen?
Es gibt gute Gründe, Bölsches Büchlein nicht als Kuriosum im Regal der „alten Populärwissenschaft“ abzutun.
Erstens: Wer heute Fantasy liest oder schreibt, kennt Drachen meist als fertiges Set: Feuer, Flügel, Schatz, majestätischer Schrecken. Bölsche bietet keine Best-of-Liste solcher Tropen – aber er liefert etwas Wertvolleres: eine kleine Theorie darüber, warum das Motiv so belastbar ist. Das kann die Lektüre moderner Texte schärfen. Man sieht plötzlich, dass „Drache“ nicht nur eine Kreatur ist, sondern ein kultureller Umschlagplatz.
Zweitens: Für Leser:innen, die sich für das Verhältnis von Wissenschaft und Imagination interessieren, ist Bölsche ein Beispiel dafür, wie Wissen nicht nur entzaubert, sondern auch neue Verzauberung produziert. Paläontologie als Mythengenerator – das ist eine Perspektive, die gerade in Zeiten wissenschaftlicher Bildwelten (Rekonstruktionen, Simulationen, Visualisierungen) überraschend aktuell wirkt.
Drittens: Wer kulturgeschichtlich neugierig ist, bekommt hier eine Momentaufnahme der 1920er/30er-Jahre: eine Moderne, die sich selbst als aufgeklärt versteht und doch unaufhörlich nach Urzeitbildern greift. Bölsche ist darin weder naiv nostalgisch noch kalt rational. Er ist ein Vermittler – und Vermittlung ist oft spannender als Entscheidung.
Lohnen wird sich der Text besonders für:
Literatur- und Kulturblog-Leser:innen, die gern Motive „unter der Oberfläche“ verfolgen (Mythos, Symbol, Erzählstruktur).
Fantasy-Interessierte, die wissen wollen, warum Drachen so leicht zwischen Monster und Majestät kippen.
Essay-Leser:innen, die Freude an älterer populärer Wissenschaftsprosa haben – mit ihrem Hang zum großen Bild.
Wen der Text dagegen weniger glücklich macht, sind Leser:innen, die eine streng wissenschaftliche, aktuelle Drachenkunde erwarten. Bölsche ist kein modernes Fachbuch, sondern ein gedanklicher Parcours.
Mini-These für Fantasy und Moderne
Bölsches Perspektive erklärt, warum moderne Phantastik Drachen so selbstverständlich zwischen Monster und Majestät pendeln lassen kann: Das Motiv trägt gleichzeitig den naturgeschichtlichen „Realitätsrest“ (Urwelt/Übermacht) und die symbolische Funktion (Ordnungskonflikt). Moderne Texte müssen den Drachen daher nicht neu erfinden – sie müssen nur die Gewichtung verschieben.
Wer einmal so liest, merkt schnell: Der Drache ist nicht die Ausnahme, sondern ein Modellfall. An ihm lässt sich beobachten, wie Kultur aus Materie Bedeutung macht – und wie Bedeutung wiederum dafür sorgt, dass wir in der Materie genau das finden, was wir zu finden hoffen.
Kurzfazit:
Bölsches Drachen. Sage und Naturwissenschaft ist kein Handbuch, sondern ein feuilletonistisch anschlussfähiger Gedankentext: Der Drache als Hybrid aus Naturspur und Symbolspur. Wer wissen will, wie Knochen zu Bildern werden – und warum Bilder sich trotz aller Knochen nicht erledigen –, findet hier eine überraschend moderne Lektüre. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Zunächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction ……
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Wild, Friedrich Drachen im Beowulf und andere Drachen mit einem Anhang: Drachenfeldzeichen, Drachenwappen und St. Georg
12 Abbildungen auf 6 Tafeln
Böhlaus Nachfolger, Wien (1962)
Vom Schatzhüter zum Zeichen des Endes: Was der Beowulf-Drache bei Wild bedeutet
V
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Wer sich für Beowulf interessiert, stößt früher oder später auf den Drachenkampf am Ende des Epos. Wild nimmt diesen Kernpunkt zum Ausgang, um zwei Dinge systematisch zu verbinden:
(1) sprach- und begriffsgeschichtliche Fragen (Was bedeutet „Drache“ überhaupt? Welche Wörter stehen in welchen Sprachen zur Verfügung?) und
(2) motivgeschichtliche und literarische Vergleichsperspektiven (Welche Bilder und Erzählmuster sind aus Antike, Bibeltradition und europäischem Mittelalter nachweisbar?).
Inhalt und Aufbau – worum es Wild geht
Schon zu Beginn macht Wild deutlich, dass „Drachen“ als Motiv in Sagen und Legenden weit über die germanische Welt hinausreichen. Dennoch fragt er präzise nach dem Beowulf-Befund: Wie wird der Drachenkampf erzählt? Welche Bedeutung trägt das Motiv im Rahmen des Epos?
Ein wichtiger Einstieg ist die Etymologie und Begriffsgeschichte. Wild verfolgt, wie Bezeichnungen (u. a. draco, serpens, anguis; altenglisch draca, wyrm) in unterschiedlichen Traditionen eingesetzt und verschoben werden. Das wirkt zunächst „trocken“, ist aber ein methodischer Schlüssel: Denn nur wenn man die Wörter, ihre Konnotationen und ihre Übersetzungsgeschichte ernst nimmt, lässt sich zeigen, wann „Drache“ eher Schlange, eher Seeungeheuer, eher apokalyptisches Teufelswesen oder eher Schatzhüter meint – und wann Texte diese Ebenen bewusst überblenden.
Im Hauptteil verdichtet Wild seine Argumentation auf den Beowulf-Drachen: Er prüft, welche Vorbilder oder Vergleichstexte plausibel sind, und arbeitet besonders sorgfältig an der Frage, ob und wie sich klassische Modelle (u. a. Ovid) und christlich-biblische Deutungsrahmen im Beowulf überlagern. Bemerkenswert ist dabei: Wild argumentiert nicht in einfachen „Einfluss“-Formeln („Das kommt sicher von X“), sondern zeigt Wahrscheinlichkeiten, Parallelen und Grenzen.
Ein besonders anschauliches Element ist der schematische Vergleich einer Ovid-Episode (Cadmus und die Mars-Schlange) mit dem Beowulf-Drachenkampf: Wild legt dazu Ablaufsegmente nebeneinander, um strukturelle Ähnlichkeiten und Unterschiede sichtbar zu machen. Das ist didaktisch klug, weil es den Leser*innen erlaubt, literarische Form nicht nur als „Stoff“ zu sehen, sondern als komponierte Handlung.
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft den Drachen nicht nur als Kampfgegner, sondern als Schatzhüter und als Figur, die in einer Werteordnung steht: Drachen bewachen, bedrohen, rächen, verwüsten – und sie markieren Übergänge (im Beowulf auch den Übergang ins Ende des Helden und des Epos). Wild greift dabei wiederholt auf Detailbeobachtungen aus dem Text zurück (Wortfelder, Beiname, Erzählinstanz), um die Funktion des Drachen im Gesamtgefüge zu fassen.
… Wir bekommen nun auch eine genauere Vorstellung von dem Beowulfdichter: Wir haben es mit einem nach einem künstlerischen Plan unter Verwertung literarischer Vorbilder schaffenden Mann von edler, frommer, christlicher Gesinnung zu tun, vertraut mit den alten Heldendichtungen seines Volkes, sorgfältig in der Behandlung der überlieferten metrischen Form und geschickt im Gebrauch der alten Dichtersprache, die er durch mancherlei neue Züge bereicherte. Wir stehen vor dem Bild eines begabten Dichters, der sehr wohl in jene Frühzeit angelsächsischer Kultur passt, die König Alfred in seiner Vorrede zu der Übersetzung der Cura Pastoralis Gregors des Grossen zurückersehnt. Auszug, Seite 43, Schluss
Stärken: Was das Buch heute noch leistet
1) Methodische Nüchternheit bei großer Materialfülle. Wild arbeitet mit einem breiten Spektrum an Quellen und Forschungsliteratur: antike Autoren, Bibel/Patristik, mittelalterliche Texte, Lexika, philologische Standardwerke. Trotz dieser Fülle bleibt sein Ziel erkennbar: den Beowulf-Drachen in einem Netz von Traditionen zu verorten, ohne ihn in einem einzigen Ursprung aufzulösen.
2) Präzision in der Begriffsarbeit. Gerade für interessierte Laien ist es lehrreich zu sehen, wie viel in scheinbar einfachen Begriffen steckt. Wild zeigt, dass die Drachenfrage nicht zuerst eine Frage des „Monsters“ ist, sondern eine Frage von Sprache, Übersetzung, kultureller Bildtradition.
3) Der Text als literarisches Artefakt. Indem Wild symbolische Deutungen (etwa in der Tolkien-Rezeption) referiert und zugleich skeptisch prüft, macht er sichtbar, wie Interpretationen entstehen – und wo sie sich von belegbaren Textsignalen entfernen können. Das ist wissenschaftsgeschichtlich interessant und für die Beowulf-Lektüre produktiv.
4) Historisch-gesellschaftlicher Hintergrund als impliziter Rahmen. Die Studie steht im Kontext einer Philologie, die europäische Traditionen großräumig zusammendenkt: Antike, Christentum, germanisches Mittelalter – und deren Überlieferungswege (Handschriften, Übersetzungen, Rezeption). Wilds Argumentation ist dadurch zugleich ein Stück Gelehrtengeschichte der Nachkriegszeit: breit gebildet, textnah, stark auf „Traditionszusammenhänge“ und Quellenphilologie fokussiert.
Grenzen und mögliche Reibungsflächen aus heutiger Sicht
1) Anspruchsvolle Lesbarkeit. Als Akademie-Abhandlung ist der Text dicht, mit vielen Belegen und Fußnoten. Wer einen flüssigen Essay erwartet, muss sich auf einen eher „archivalischen“ Stil einstellen.
2) Forschungslage und Terminologie (Stand 1962). Ein Teil der Diskussionen, die Wild führt (z. B. über konkrete Vorbilder, über „Einflüsse“ und Rezeptionswege), wäre heute vermutlich anders gerahmt – nicht unbedingt widerlegt, aber oft mit neuen methodischen Akzenten (Intertextualität, Narratologie, kulturwissenschaftliche Monsterforschung). Das schmälert den Wert des Buches nicht, aber es erklärt, warum man es am besten als Grundlage und historischen Forschungsstand liest – und weniger als „letztes Wort“.
3) Schwerpunktsetzung: stark text- und quellenorientiert. Wer stärker an Fragen nach Mentalitätsgeschichte, Gewalt- und Herrschaftsbildern oder sozialgeschichtlichen Lesarten des Monsters interessiert ist, findet bei Wild eher indirekte Anschlüsse. Sein Fokus liegt auf Traditionslinien, Sprachformen und literarischer Komposition.
Zum Autor: Friedrich Wild (im Rahmen des Textes)
Aus der Anlage der Studie spricht ein Autor, der in der klassischen Philologie und der germanistischen Mediävistik gleichermaßen zuhause ist und der sich sichtbar in einer wissenschaftlichen Kultur bewegt, in der Quellenbreite, philologische Genauigkeit und Referenzdichte zentrale Qualitätsmarker sind. Wild argumentiert vorsichtig, arbeitet häufig über Vergleichsfälle und zeigt eine deutliche Sensibilität dafür, dass Ähnlichkeit nicht automatisch Abstammung bedeutet.
Fazit: Für wen lohnt sich die Lektüre?
Drachen im Beowulf und andere Drachen lohnt sich für Leser*innen, die den Drachen im Beowulf nicht nur als spektakuläre Episode, sondern als historisch aufgeladenes Motiv verstehen wollen. Das Buch ist eine intensive Tour durch Wortgeschichte, Textvergleich und Überlieferungszusammenhänge – weniger „unterhaltsam“ als manche moderne Einführung, dafür substanziell, textnah und argumentativ belastbar.
Wer sich wissenschaftlich mit Beowulf, Drachenmotiven oder der Schnittstelle von antiker, biblischer und mittelalterlicher Tradition befasst, findet hier einen Fundus, der auch Jahrzehnte nach Erscheinen noch nutzbar ist – vor allem als präzise dokumentierte Grundlage und als Zeugnis einer Gelehrsamkeit, die das literarische Detail ernst nimmt.
…
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):
Wild, Friedrich
Drachen im Beowulf und andere Drachen
mit einem Anhang: Drachenfeldzeichen, Drachenwappen und St. Georg
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Zunächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction ……
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Schröpf, Franz (Red.)
Fantasia Nr. 72-73
EDFC, Passau (1993)
ISBN 3924443599
Zwischen Fandom und Literaturwissenschaft: Die Publikationsreihe „Fantasia“ des Ersten Deutschen Fantasy Clubs (EDFC)
F
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Historischer Hintergrund und zeitliche Entwicklung
Um die Bedeutung von Fantasia 72-73 zu verstehen, ist ein Blick auf die Historie der deutschen Phantastik-Szene unerlässlich. Der Erste Deutsche Fantasy Club (EDFC) wurde bereits 1978 in Passau gegründet. Zu dieser Zeit steckte die Rezeption von Fantasy-Literatur in Deutschland noch in den Kinderschuhen; das Genre wurde im Literaturbetrieb häufig als reine Trivialliteratur abgetan.
Die Publikationsreihe Fantasia entwickelte sich über die Jahrzehnte hinweg von einem einfachen Vereinsorgan (Fanzine) zu einer professionell gestalteten, im Buchhandel erhältlichen Reihe. …
… Fantasia enthält Amateur-Kurzgeschichten, Gedichte, Artikel über Fantasy und deren Randgebiete, ferner Diskussionsbeiträge, umfangreiche Buch- und Filmbesprechungen, Hinweise auf Neuerscheinungen auf dem deutschen Fantasymarkt und Illustrationen. Neben den normalen Magazin-Ausgaben erscheinen auch häufig erscheinen Themennummern.… Auszug aus der Website des EDFC (14.6.2026)
Die Anfänge (1980er Jahre): Fokus auf Clubnachrichten, kurze Rezensionen und erste Gehversuche lokaler Autoren.
Die Konsolidierungsphase (1990er bis 2000er Jahre): Die Reihe öffnet sich verstärkt sekundärliterarischen Arbeiten. Namhafte Kritiker und Übersetzer wie Franz Rottensteiner publizieren hier fundierte Essays über internationale Größen wie Stanisław Lem, H.P. Lovecraft oder J.R.R. Tolkien.
Die Moderne (Ausgaben im Bereich 70+): Die Bände, zu denen auch die Doppelnummer 72-73 gehört, etablierten sich als dicke Paperbacks. Doppelnummern wurden vom Verlag strategisch eingesetzt, um thematische Schwerpunkte umfassend
Die Digitale (Ausgaben ab der Nummer 222e+): Seit der Nummer 222e im Jahre 2009 erscheint die Reihe nur mehr als eBook und diese ist auch seit 2015 kostenlos zu beziehen. Die Bestellung erfolgt einfach über: edfc@edfc.de…
Thomas Höhl, Franz Schröpf (Herausgeber(in)): „Die Schöne und das Biest“. In: Thomas Höhl (Autor/in) (Hg.): Fantasia, 1993, Nr. 72/73. Bd. 072/073. O. O.: Erster Deutscher Fantasy Club e.V. (EDFC) 1993 (= Fantasia (EDFC)), S. 223.
Bedeutung: Bibliographische Datenbank zur Verifizierung von Editionsdaten, Ausgabenverzeichnissen und historischen Publikationsreihen im Bereich der Spekulativen FiktionQuelle: ISFDB
Offizielle Dokumentation des Ersten Deutschen Fantasy Clubs e.V. (EDFC):
Onlinequelle …
Bedeutung: Primärquelle für Vereinsgeschichte, Publikationsindizes und VerlagsstrukturQuelle: EDFC
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Zunächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction ……
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)
Heroen und Heroisierungen in der Renaissace
Harrwssowitz, Wiesbaden (2013)
ISBN 978-3-447-06772-0
Das Erbe der Giganten: Wie die Renaissance das Bild des Helden neu erfand
E
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Hinter diesem Werk stehen zwei renommierte deutsche Wissenschaftler, die ihre gebündelte Expertise aus unterschiedlichen philologischen Disziplinen einbringen:
Dr. Achim Aurnhammer lehrte bis zu seiner Emeritierung Neuere Deutsche Literatur an der Universität Freiburg. Er gilt als ausgewiesener Experte für die Literatur und Kultur der Renaissance und des Barocks. Als Mitbegründer und langjähriger Akteur des dortigen Sonderforschungsbereichs (SFB) 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ hat er die kulturwissenschaftliche Erforschung des Heldenbegriffs in Deutschland entscheidend vorangetrieben.
Dr. Manfred Pfister ist Professor em. für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin. Seine Arbeiten zu Shakespeare, zur Intertextualität und zur Wahrnehmung Italiens in der englischen Literatur sind Standardwerke.
Gemeinsam gelingt es den Herausgebern, germanistische, anglistische und historisch-kulturwissenschaftliche Perspektiven so zu verknüpfen, dass der Sammelband trotz seiner akademischen Tiefe eine klare, nachvollziehbare Linie behält. …
Die Jahrestagung 2010 des Wolfenbüttler Arbeitskreises für Renaissanceforschung „Helden in der Renaissance“, die vom 4. bis 6. Oktober 2010 in Wolfenbüttel stattfand, widmete sich exemplarisch der Archäologie von Heroismen europäischer Prägung. Untersucht wurde eine Schlüsselepoche des europäischen Heldendiskurses … aus dem Vorwort
Der historische Hintergrund: Das Dilemma mit den antiken Göttern und der Mensch im Mittelpunkt
Um die Kernaussage des Buches zu verstehen, muss man einen Blick auf die Epochenwende werfen. Das Mittelalter kannte primär zwei Arten von Vorbildern: den christlichen Heiligen, der durch Demut und Gottesehrfurcht glänzte, und den Ritter, der seinen Mut in den Dienst des Glaubens oder seines Lehnsherrn stellte.
Mit dem Beginn der Renaissance (ca. 14. bis 16. Jahrhundert) änderte sich dies radikal. Die Gelehrten entdeckten die Antike neu. Plötzlich waren die alten griechischen und römischen Mythen wieder präsent – und mit ihnen Figuren wie Herkules, Achill oder Julius Cäsar. Diese „Heroen“ waren jedoch alles andere als christlich: Sie waren stolz, oft gewalttätig und suchten den unsterblichen Ruhm im Hier und Jetzt.
Die Renaissance war auch eine Epoche der Krisen und des Wandels: Die Erfindung des Buchdrucks revolutionierte die Kommunikation, die Entdeckung Amerikas weitete den Horizont, und Konfessionskriege erschütterten den Kontinent. In einer solchen Phase der Orientierungslosigkeit wuchs in der Gesellschaft das Bedürfnis nach Vorbildern und Identifikationsfiguren. Man suchte nach Orientierung und fand sie im „Heroischen“.
Das zentrale Dilemma der Renaissance: Wie lässt sich die Faszination für diese heidnischen, selbstbewussten Kraftprotze mit den moralischen Werten einer tiefchristlichen Gesellschaft vereinbaren?
Der rote Faden: Von der Antike zur bewussten Inszenierung
Das Buch zeichnet eine klare zeitliche und strukturelle Entwicklung nach, die den logischen roten Faden des Werks bildet. Diese lässt sich in drei wesentliche Phasen unterteilen:
Die Rückbesinnung auf die Antike (Frührenaissance): Zu Beginn stand die Wiederentdeckung der antiken Mythologie. Griechische und römische Halbgötter wie Herkules wurden adaptiert, um zeitgenössische Herrscher zu legitimieren. Der Held war zu dieser Zeit meist noch ein von den Göttern (oder Gott) Auserwählter.
Die Verweltlichung des Helden (Hochrenaissance): Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wandelte sich das Bild. Nicht mehr nur Krieger oder Heilige konnten Helden sein, sondern auch Künstler, Gelehrte, Entdecker und Dichter. Das Konzept der Virtù – der tatkräftigen, virtuosen Tugend des Individuums – trat in den Vordergrund. Der Held wurde zu jemandem, der sein Schicksal durch eigenen Verstand und Willenskraft formt.
Die Instrumentalisierung und Dekonstruktion (Spätrenaissance): Gegen Ende der Epoche erkannten Herrscherhäuser und Päpste die enorme Propagandawirkung von Heldenmythen. Es entwickelte sich eine regelrechte „Heroisierungs-Industrie“. Gleichzeitig zeigt das Buch jedoch auch, dass bereits in der Spätrenaissance (etwa bei Shakespeare) erste Zweifel am perfekten Heldenbild aufkamen und das Ideal ironisch gebrochen oder hinterfragt wurde.
Kernaussage für die Praxis: Wie wird man ein Held?
Die wichtigste Lehre des Bandes für den Laien lautet: Helden werden nicht geboren, sie werden gemacht. Das Buch unterscheidet präzise zwischen dem „Heroen“ (der Person) und der „Heroisierung“ (dem medialen Prozess).
Damit ein Mensch in der Renaissance zum Helden aufsteigen konnte, brauchte es literarische Biografien (wie jene von Giorgio Vasari über Künstler), monumentale Gemälde, Statuen oder festliche Umzüge. Heroisierung war eine frühe Form des gezielten Marketings und der Imagepflege – sei es zur Selbstüberhöhung des Künstlers oder zur Machtsicherung eines Fürsten.
Fazit:
„Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“ ist keine leichte Bettlektüre, aber ein ungemein reicher Wissensschatz für alle, die verstehen wollen, wie unsere modernen Vorstellungen von Geniekult und Prominenz entstanden sind. Für den interessierten Laien zieht das Buch eine klare, hochaktuelle Kernaussage: Heroisierung ist immer ein Akt der Kommunikation und der Inszenierung. Die Renaissance war die Geburtsstunde unseres heutigen Starkults. Sie zeigt uns, dass Gesellschaften sich genau die Helden erschaffen, die sie für ihre eigenen Werte, Sehnsüchte oder politischen Ziele gerade benötigen.
Aurnhammer und Pfister bieten mit diesem Band keine trockene Aufzählung historischer Daten, sondern eine packende Analyse darüber, wie Kultur und Politik Hand in Hand arbeiten, um Menschen in Ikonen zu verwandeln. Ein absolut empfehlenswertes Werk für jeden, der verstehen will, wie die Mechanismen von Ruhm und Verehrung in Europa historisch verankert sind. …
(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
Thematisch daraus empfohlen:
Hempfer, Klaus W. – Ariosts „Orlando Furioso“, Seite 45-70
[Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)] Heroen und Heroisierungen in der Renaissance. Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung, Band 28. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2013
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Zunächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction ……
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Philosophie, Frauen und Chemie – schon eine brisante Mischung
Z
unächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction …
Drei Bücher, drei Genre …
Bassham, Gregory / Bronson, Eric – Der Herr der Ringe und die Philosophie, Schlauer werden mit der berühmtesten Saga der Welt, Piper, München (2011), ungekürzte Taschenbuchausgabe, ISBN 9783492259415
Beschreibung: Hobbits, Elben und Orks treffen auf Platon, Aristoteles und Friedrich Nietzsche. In 13 famosen Essays denken 13 Philosophen über den »Herrn der Ringe« nach und entdecken: Die weltberühmte Saga ist eine Schatztruhe für philosophische Gedanken! Kann Frodo trotz der gefährlichen Kräfte des Rings die Macht zu einem guten Zweck ausüben? Finden die Bewohner des Auenlands im einfachen Leben wahres Glück? Denkt Sauron bei seinen finsteren Plänen auch mal an die Umwelt? Die Weisheit von Mittelerde ist verblüffend. Werden Sie schlauer mit der berühmtesten Saga der Welt.
Anmerkung: Es wird in der Regel zwar anerkannt, dass die vertretenen Autoren Kenner der Philosophie sind, aber desgleichen nicht unbedingt von Tolkien. Auch wird gemosert, dass die Übersetzung Wolfgang Krege folgen und nicht die Carroux-Übersetzung verwendet wurde. Egal, es ist interessant zu lesen und ich halte mich an die Aussage: „…(ein) wenig in philosophische Themen reinschnuppern wollen und dies lieber mit Zitaten aus dem HdR als mit den Simpsons tun wollen…“
Hoffman Baruch, Elaine / Rohrlich, Ruby – Weder Arkadien noch Metropolis, Frauen auf der Suche nach ihrer Utopie, Frauenoffensive, München (1986 ), Taschenbuch, ISBN 3881041567
Beschreibung: Wenn Frauen ihre Utopien suchen, schauen sie nicht nur nach vorn in die Zukunft, sondern auch voller Staunen zurück in die Vergangenheit. Denn dort, in fernen Zeiten, die von Historikern gern Vor-Geschichte genannt werden, finden sich Matriarchate, andere Formen des Zusammenlebens, die heute wieder neu erscheinen. Auf die Suche begaben sich in diesem Buch amerikanische Autorinnen und Wissenschaftlerinnen, und sie wurden fündig: So stellt Ruby Rohrlich Kreterinnen und Sumerinnen aus alten Zeiten vor; Diane LeBow entdeckt die Hopi mit ihren Stammestraditionen und matrilinearen Strukturen neu. Aus der jüngsten Vergangenheit lesen wir von Frauengemeinschaften in den USA. Die Gegenwart zeigt Beispiele der Kommunen von Findhorn in Schottland und Twin Oaks in Virginia, USA. Immer bedeutender für die Wirklichkeit und den Alltag von Frauen wird die Sprache: Welche Machtverhältnisse sich darin verbergen und ausdrücken können, wird analysiert. Die Wirkungen neuer Techniken und die Bedeutung der Gentechnologie für Frauen untersucht Jan Zimmerman. Utopien und Science Fiction von Frauen unterscheiden sich deutlich von den Visionen der Männer. Welche Rolle Frauen künftig spielen können, wie sie zu ganzen Personen werden, stellen die verschiedenen Beiträge zu den Visionen von Utopia dar. Frauenutopien malen weder ein altes Arkadien noch ein makabres Metropolis, sondern entwerfen gänzlich neue Möglichkeiten für Menschen.
Anmerkung: Ein gern zitiertes Werk in der feministischen Utopie-Diskussion
Müller, Karsten – Chemie und Science Fiction, Was wir von der Zukunft lernen können, Springer Spektrum, Berlin (2022), broschiert, ISBN 9783662643846
Beschreibung: Dieses Buch soll Studierende (und andere interessierte Laien) anhand von Beispielen aus der Science-Fiction mit viel Spaß an die Chemie heranführen. Die einzelnen Kapitel sind bewusst kurzgehalten, um die Lesbarkeit zu fördern. Das Buch kann vor allem als Begleitlektüre zu den Vorlesungen aus der Chemie und verwandten Disziplinen angewendet werden.
Anmerkung: Fußnoten und Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel sind beim Verlag hier einzusehen
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentar-Funktion auch gerne zur Verfügung gestellt.