Postma, Dr. Heiko (Hrsg.)
Kabinett der Phantasten
JMB, Hannover ( ab 2010)
Schattenrisse des Unheimlichen: Eine literaturwissenschaftliche Betrachtung der Buchreihe
K
Die Wiederentdeckung und Bewahrung klassischer phantastischer Literatur stellt eine der faszinierendsten Nischen des modernen Publikationswesens dar. Ein herausragendes Beispiel für dieses editorische Engagement ist die im JMB Verlag erscheinende Reihe Das Kabinett der Phantasten. Geprägt durch das Zusammenspiel von Verleger Jens Bolm und dem Herausgeber, Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer Dr. Heiko Postma, widmet sich dieses ambitionierte Projekt der systematischen Aufarbeitung von Meisterwerken der Schauerliteratur, der Phantastik und der unheimlichen Belletristik vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Der folgende Essay analysiert das literarische und konzeptionelle Profil dieser Reihe, beleuchtet den historischen Hintergrund und untersucht die besondere Rolle der wissenschaftlichen Kommentierung für das Lesepublikum. …
Das konzeptionelle und visuelle Profil der Reihe
Wie in den Abbildungen exemplarisch zu sehen ist, zeichnet sich das Kabinett der Phantasten durch ein strenges, unverwechselbares Gestaltungsprinzip aus: Ein tiefschwarzer Hintergrund kontrastiert mit signalroten Textfeldern, während das Verlagslogo unten rechts in einem roten Blutstropfen platziert ist. Dieses visuelle Erkennungsmerkmal spiegelt den inhaltlichen roten Faden der Reihe wider: die Erkundung der dunklen, abgründigen Seiten der Weltliteratur.
Jedes Bändchen ist als handliches Softcover konzipiert und umfasst eine einzige, vollständige Erzählung oder Novelle. Ein zentrales Strukturprinzip der Reihe lautet dabei: Jeder Autor und jede Autorin ist im Gesamtkatalog nur ein einziges Mal vertreten. Durch diese selbstauferlegte Beschränkung entfaltet sich ein beispielloses, internationales Panorama des Phantastischen, das Monotonie konsequent vermeidet.
Sie können sich schon einmal darauf gefaßt machen, daß die Geisterstunden, die Sie im »Kabinett der Phantasten« verbringen, alles an Schauer und Grusel, Unheimlichem und Übersinnlichem, Magischem und Spukhaftem bieten werden, was man nur herbeiführen kann.…
Phantastik als literarischer Raum: Warum eine Reihe wie diese sinnvoll ist
Phantastische Literatur ist ein Sammelbegriff: Er umfasst Schauererzählungen, Gespenstergeschichten, okkulte und dämonologische Texte, Traum- und Wahnsinnserzählungen, Weird Fiction sowie Übergänge zur frühen Science-Fiction. Diese Texte arbeiten oft mit einem Kernverfahren: Sie erzeugen eine Irritation im Wirklichkeitsverständnis.
Für die Literaturwissenschaft ist das Phantastische nicht nur ein „Genre“, sondern eine ästhetische Strategie. Sie zeigt sich typischerweise in drei Konstellationen:
Das Unheimliche im Vertrauten: Ein scheinbar alltäglicher Raum kippt in eine bedrohliche Mehrdeutigkeit.
Grenzbereiche der Wahrnehmung: Traum, Halluzination, Krankheit, Trance oder Obsession werden erzählerisch ernst genommen.
Konflikt zwischen Rationalität und Übersinnlichem: Erzählungen halten bewusst offen, ob eine übernatürliche Erklärung „wahr“ ist oder ob sich alles psychologisch deuten lässt.
Gerade in dieser Schwebe liegt die kulturelle Bedeutung des Feldes: Phantastik reagiert oft auf historische Spannungen – etwa auf den Konflikt zwischen Aufklärung und Religion, zwischen Wissenschaftsglauben und metaphysischem Bedürfnis, oder auf Krisenerfahrungen moderner Gesellschaften.
Historischer Hintergrund: Von der Romantik zur Moderne – und warum das 19. Jahrhundert nachwirkt
Viele Texte, die in Reihen wie „Das Kabinett der Phantasten“ erscheinen, sind ohne ihren historischen Resonanzraum nur halb zu verstehen.
3.1 Romantik und Schauer
Im frühen 19. Jahrhundert entsteht im deutschsprachigen Raum (und parallel in England und Frankreich) eine Literatur, die das Dunkle, Irrationale und Nachtseitige als Gegenpol zur aufklärerischen Vernunft betont. Die Romantik kultiviert die Idee, dass die Welt mehr ist als das Messbare: Rätsel, Symbol, Traum und Mythos werden zu legitimen Erkenntnisformen.
3.2 Industrialisierung, Urbanisierung, Moderne
Spätere Phantastik spiegelt dann die Erfahrung der Moderne: Großstadt, beschleunigter Alltag, technische Umwälzungen, neue medizinische und psychologische Wissensbestände. Das „Monströse“ kommt nun häufig nicht mehr aus Burgruinen, sondern aus dem Inneren: aus Zwangsvorstellungen, Sucht, Begehren, gesellschaftlichem Druck.
3.3 Fin de Siècle und Décadence
Um 1900 gewinnt eine Ästhetik an Bedeutung, die besonders gut zur Phantastik passt: Décadence und Symbolismus. Hier werden Grenzerfahrungen stilisiert, Künstlichkeit und Verfeinerung betont, gleichzeitig aber auch Verfall, Müdigkeit und moralische Ambivalenz. Viele klassische unheimliche Erzählungen – etwa über Vampire, Doppelgänger, gefährliche Artefakte oder verführerische Fremdheiten – werden in diesem Klima neu geprägt.
Die Reihenkonzeption des JMB Verlags ist (so lässt sich literaturhistorisch lesen) eine Antwort auf genau diese langen Traditionslinien: Sie macht sichtbar, dass „phantastische Literatur“ nicht erst mit modernen Popkulturen beginnt, sondern tief in der europäischen Literaturgeschichte verwurzelt ist.
Die zeitliche Entwicklung der Reihe
Seit dem Start des Projekts hat das Kabinett der Phantasten eine bemerkenswerte quantitative und qualitative Evolution vollzogen, die sich in Phasen unterteilen lässt:
Die Etablierungsphase (ab 2012): Die Reihe startete im JMB Verlag mit dem Ziel, eine bibliophile und zugleich erschwingliche Sammlung für Liebhaber klassischer Gruselliteratur aufzubauen. Die ersten Bände widmeten sich klassischen Eckpfeilern der Gattung.
Die Konsolidierung und das Jubiläum (bis ca. 2022): Die Verkaufszahlen und das öffentliche Interesse stiegen kontinuierlich. Mit dem Erreichen der magischen Grenze von Band 100 (Der gelüftete Schleier von George Eliot) festigte die Reihe ihren Status auf dem Buchmarkt. Die Gesamtauflage der Reihe bewegte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf die Marke von 20.000 Exemplaren zu. Zudem wurde die Reihe für den Sonderpreis des renommierten Vincent Preis nominiert.
Die Fortführung in die Gegenwart (2026): Mittlerweile umfasst der Katalog weit über 120 Bände. Die Reihe integriert zunehmend auch komplexere, psychologische Strömungen der Phantastik des frühen 20. Jahrhunderts (unter anderem mit Werken von Marjorie Bowen und Ellen Glasgow) und beweist damit eine anhaltende editorische Vitalität.
Der editorische Zugriff: Edition und Übersetzung
Herausgeber und Übersetzerteam (soweit öffentlich dokumentiert)
Nach öffentlich verfügbaren Angaben wird die Reihe von Heiko Postma herausgegeben. Er ist zugleich als Übersetzer tätig, insbesondere aus dem Englischen und Niederländischen. Weitere Übersetzungsarbeiten werden – je nach Ausgangssprache – von verschiedenen Personen übernommen (u. a. für französische, russische, serbische und norwegische Texte). Das Übersetzerteam besteht neben Heiko Postma (ENG/NL)auch aus Ulrich Klappstein (FR), Joachim Britze (RUS/SRB), Gabriele Haefs, Dörte Giebel (beide NOR) und Kristina Bedijs (ITA). Für Leserinnen und Leser ist das nicht nebensächlich: In der Phantastik entscheidet die Übersetzung oft darüber, ob das Unheimliche als „stilistisch altbacken“ oder als präzise literarische Spannung erfahrbar wird.
Wichtig ist dabei eine Einschränkung: Ohne Einsicht in die einzelnen Vor- und Nachworte sowie die Editionsrichtlinien kann man nicht pauschal beurteilen, wie stark die Bände wissenschaftlich kommentiert sind. Sicher ist jedoch: Der Anspruch, Texte systematisch zu kuratieren und in neuer Übersetzung zugänglich zu machen, ist bereits eine wesentliche kulturvermittelnde Leistung.
Die fundamentale Bedeutung der Nachwörter
Für eine literaturwissenschaftliche Einordnung ist das wichtigste Alleinstellungsmerkmal der Reihe am Ende der einzelnen Bände zu finden: die ausführlichen Nachwörter. Diese meist vom Herausgeber Dr. Heiko Postma verfassten Essays heben die Bändchen aus dem Status reiner Unterhaltungsliteratur heraus. Sie bieten interessierten Laien einen leicht verständlichen, aber wissenschaftlich fundierten Schlüssel zur Textanalyse.
Die Nachwörter erfüllen dabei drei wesentliche Funktionen:
Biografischer Kontext: Sie beleuchten die oft exzentrischen oder tragischen Lebensumstände der Autoren und zeigen auf, wie persönliche Krisen in die unheimlichen Erzählungen einflossen.
Epochengeschichtliche Verortung: Die Essays erklären die literarischen Strömungen der Entstehungszeit – vom viktorianischen Geisterglauben über die deutsche Romantik bis hin zum Fin de Siècle – und machen so die zeitgenössischen Ängste der Gesellschaft sichtbar.
Motivgeschichtliche Analyse: Postma schlüsselt die verwendeten literarischen Motive (wie das Doppelgängertum, die lebende Untote oder den Einbruch des Übernatürlichen in den Alltag) auf und erklärt deren Funktion innerhalb der Erzählstruktur.
Literarische Bedeutung: Was Leserinnen und Leser daraus gewinnen können
Für interessierte Laien liegt der Wert der Reihe in drei Punkten:
Zugang zu „vergessenen Klassikern“: Viele Texte der Phantastik sind kulturgeschichtlich prägend, aber nicht ständig im allgemeinen Sortiment präsent.
Vergleichbarkeit und Leseweg: Eine Reihe schafft Orientierung. Wer Gefallen an einem Band findet, kann entlang des Programms weiterlesen, ohne jedes Mal neu „suchen“ zu müssen.
Historische Tiefenschärfe: Die Texte zeigen, wie Gesellschaften Angst, Schuld, Begehren oder Fremdheit erzählen – und wie sich diese Erzählweisen wandeln.
Phantastik ist damit auch ein Spiegel: Sie verrät häufig weniger über „echte Gespenster“ als über menschliche und gesellschaftliche Konflikte. Gerade deshalb eignet sie sich ausgezeichnet, um Literatur nicht nur als Unterhaltung, sondern als kulturelles Gedächtnis zu verstehen.
Fazit: Kernaussage
„Das Kabinett der Phantasten“ ist als Reihe des JMB Verlags literaturgeschichtlich bedeutsam, weil sie klassische phantastische Texte systematisch sammelt, kuratiert und (oft) neu übersetzt. Sie macht sichtbar, dass Phantastik eine lange Tradition besitzt, die von romantischen Nachtseiten über die Moderne bis zu frühen Formen der Weird Fiction reicht. Indem die Reihe diese Texte in einer konsistenten Form zugänglich hält, leistet sie Kulturvermittlung: Sie bietet interessierten Leserinnen und Lesern einen geordneten, seriösen Einstieg in ein literarisches Feld, dessen Reiz gerade in der produktiven Verunsicherung der Wirklichkeit liegt.
Dr. Heiko Postma – Offizielle Webseite des Herausgebers
Onlinequelle …
Bedeutung: Detailreiche Dokumentation aller erschienenen und in Vorbereitung befindlichen Bände (inklusive Inhaltsangaben und Editionsdetails zu den Folgebänden ab Band 121)
Bedeutung: Wichtige Hintergrundquelle mit direkten Interviews von Verleger Jens Bolm zur Editionsgeschichte, zu Verkaufszahlen, zur Zielgruppenausrichtung und zur gezielten Auswahl der Autoren.
Schöne Bücher Netzwerk – Branchenmeldung zum Verlagsjubiläum
Onlinequelle …
Bedeutung: Dokumentation des Erreichens von Band 100 als historischer Meilenstein der Reihe und Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Herausgeber.
Chajim Bloch (geboren am 27. Juni 1881 in Nagybocskó, Österreich-Ungarn; gestorben am 23. Januar 1973 in New York) war ein bedeutender chassidischer und kabbalistischer Rabbiner, Publizist und Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Vermittler der jüdischen Mystik und Folklore im deutschsprachigen Raum des frühen 20. Jahrhunderts. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine literarischen Bearbeitungen osteuropäischer jüdischer Sagen – allen voran der Legende um den Golem von Prag. Mitten in den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er sein Werk „Der Prager Golem: Von seiner ‚Geburt‘ bis zu seinem ‚Tod‘“ in Wien. Bloch schuf damit kein rein fiktionales Werk, sondern sammelte, sichtete und systematisierte die verstreuten mündlichen und schriftlichen Sagen des Prager Ghettos. Dieses Essay analysiert die historische Entwicklung des Golem-Mythos, die spezifische Struktur von Blochs Erzählungen und dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Schöpfungsmythen. …
A]lfred Noe, widmet diesen Band der stilistischen Untersuchung französischer Prosa. Genauer gesagt französischer Horrorliteratur des 19. Jahrhunderts. …
Hier habe ich ein Werk, bei dessen Einordnung ich ein bisschen Schwierigkeiten hatte. Literarische Phantastik betreffen oder doch eher reiner Horror/Schauer? …
Die Wiederentdeckung und Bewahrung klassischer phantastischer Literatur stellt eine der faszinierendsten Nischen des modernen Publikationswesens dar. Ein herausragendes Beispiel für dieses editorische Engagement ist die im JMB Verlag erscheinende Reihe Das Kabinett der Phantasten. Geprägt durch das Zusammenspiel von Verleger Jens Bolm und dem Herausgeber, Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer Dr. Heiko Postma, widmet sich dieses ambitionierte Projekt der systematischen Aufarbeitung von Meisterwerken der Schauerliteratur, der Phantastik und der unheimlichen Belletristik vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Der folgende Essay analysiert das literarische und konzeptionelle Profil dieser Reihe, beleuchtet den historischen Hintergrund und untersucht die besondere Rolle der wissenschaftlichen Kommentierung für das Lesepublikum. …
In der letzten „Fantasia 1263e – Geheimnisse in dunklen Sphären 40“ (hier im Blog) schreibt Achim Hättich in seiner Einleitung: „Das Phantastikgenre ist quasi definiert durch Abweichungen vom Normalen, seien es zukünftige Gesellschaften, Gespenster oder bizarre Serienkiller …“. Hat er mit dieser Einschätzung recht?
Doch lässt sich dieses riesige literarische Feld tatsächlich primär durch seine Abweichung vom „Normalen“ definieren? Eine journalistische und literaturwissenschaftliche Spurensuche zeigt, dass die Antwort darauf eng …
Für „Geisterwelten“ – siehe gestrige Buchvorstellung – wurde der relevanteste Artikel aufgenommen. Ein Star-Wars-Archiv für die Episoden I-VI aus dem Taschen Verlag ist angekommen und das Gleiche gilt für ein „Blade Runner“-Werk aus der Feder von Julian Wangler. Dann ist mir noch eine Arbeit von Jim Taylor aufgefallen. Die Übersetzung zu „Hume über Wunder“ ist daher ebenfalls aufgenommen. So, jetzt ist das „Kabinett der Phantasten“ in der Bearbeitungsschlange. Zehn Ausgaben kommen in Kürze …
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Wer an phantastische Geschichten denkt, hat meist sofort epische Schlachten mit Drachen, intergalaktische Raumschiffe oder schaurige Spukhäuser vor Augen. Doch diese Phänomene sind keineswegs isolierte Inseln der Popkultur. In der modernen Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft werden sie unter einem gemeinsamen, mächtigen Dach zusammengefasst: dem Metagenre der Fantastik (in der akademischen Tradition oft auch Phantastik geschrieben).
Ein Metagenre – auch als Makrogattung bezeichnet – beschreibt eine übergeordnete Strukturebene. Sie vereint verschiedene Einzelgenres, weil diese eine fundamentale, erzählerische Gemeinsamkeit teilen. Im Fall der Fantastik ist dies der bewusste, strukturelle Bruch mit den Gesetzen unserer empirischen, alltäglichen Wirklichkeit. …
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Hundley, Jessica (Hrsg.)
Geisterwelten Bibliothek der Esoterik
Taschen, Köln (2026)
ISBN 9783754405321
Zwischen Kunst, Kult und Jenseitssehnsucht: Eine Rezension zu Jessica Hundleys „Geisterwelten“…
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Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Die Herausgeberin: Chronistin des Verborgenen
Jessica Hundley, die als Autorin, Filmemacherin und Journalistin in Los Angeles lebt, hat sich in den vergangenen Jahren als maßgebliche Kuratorin an der Schnittstelle von Popkultur, Kunst und Esoterik etabliert. Für ihre Arbeiten (unter anderem in Vogue und im Rolling Stone) bekannt, zeichnet sie sich als Chefherausgeberin der Library of Esoterica durch einen erfrischend unvoreingenommenen Blick aus.
Hundley nähert sich den „Geisterwelten“ nicht als Missionarin des Übersinnlichen, sondern als Kulturwissenschaftlerin. Ihr gelingt es, die Fäden aus Ästhetik, Psychologie und Historie so zu verknüpfen, dass das Übernatürliche als integraler Bestandteil der menschlichen Kreativität begreifbar wird.
Jessica Hundley wird in Händlerbiografien als Autorin, Filmemacherin und Journalistin beschrieben, die sich mit Kunst und Gegenkultur befasst und ein besonderes Interesse an metaphysischen, psychedelischen und „magischen“ Dimensionen kultureller Ausdrucksformen hat.
Für den Band ist diese Rolle entscheidend: Eine Herausgeberin entscheidet, welche Traditionen, Bilder und Stimmen als repräsentativ erscheinen – und wie sie gerahmt werden. Aus der Beschreibung spricht eine Neigung zur poetischen, bildintensiven Vermittlung: Geister sind nicht nur Gegenstand der Aufklärung (im Sinne von Entzauberung), sondern Thema einer ästhetischen und existenziellen Erkundung. Der Band positioniert sich damit eher in einer Linie des Verstehens und Vergleichens als in einer Linie der Widerlegung.
… In diesem sechsten Band der „Bibliothek der Esoterik“ erkunden wir diese geheimnisvolle Passage aus dem Mutterschoß, die Reise zwischen den Welten, den sanften Schritt über die Schwelle und das zarte Lüften der heiligsten Schleier … Auszug Vorwort
Historischer Hintergrund: Zeitliche Entwicklung des „Geisterhaften“
Die Buchbeschreibung betont „globale Mythologien“ und „Riten des Todes überall auf der Welt“. Um eine zeitliche Entwicklung sichtbar zu machen, lohnt es, das Geisterthema in großen historischen Linien zu betrachten.
Vormoderne: Geister als soziale und kosmische Ordnung
In vielen vormodernen Weltbildern sind Ahnen, Schutzwesen oder Dämonen keine Randerscheinung, sondern Teil einer Ordnung, die Alltag und Moral strukturiert. Geister markieren Bindungen (zu Vorfahren), Gefahren (Tabubrüche) oder Schutz (Haus- und Ortsgeister). Die zentrale Funktion ist häufig Integration: Gemeinschaften halten Erinnerung, Normen und Zugehörigkeit aufrecht, indem sie die Toten in Ritualen präsent halten.
Frühe Neuzeit: Kontrolle, Angst, Theologie – und der Kampf um Deutungshoheit
In Europa verschärfen sich zwischen 15. und 17. Jahrhundert Auseinandersetzungen um Dämonologie und Hexereivorstellungen; religiöse Konflikte und soziale Krisen verleihen dem Übernatürlichen politische Schärfe. Geister- und Dämonenglauben werden dabei oft zum Feld, auf dem Autorität, Abweichung und Angst verhandelt werden.
19. Jahrhundert: Spiritismus als Moderne des Jenseits
Im 19. Jahrhundert gewinnt der Spiritismus an Popularität. Charakteristisch ist die Nähe zu Medien und Technik: „Botschaften“ werden protokolliert, fotografische oder schriftliche Spuren sollen das Unsichtbare belegen. Hier zeigt sich eine neue Dynamik: Die Geisterwelt wird nicht nur geglaubt, sondern dokumentiert – oder zumindest in der Form dokumentarischer Praktiken inszeniert.
20. und 21. Jahrhundert: Geister als Sprache von Trauma, Erinnerung, Identität
In moderner Literatur, Film und Kunst erscheinen Geister oft als Metaphern für das Unabgeschlossene: für Trauer, historische Gewalt, verdrängte Schuld, koloniale Nachwirkungen. Das Geisterhafte ist dann weniger ein „Wesen“ als eine Form der Wiederkehr.
Geisterwelten scheint genau diese Breite anzusteuern: vom Dämonischen bis zum Engelhaften, von Ritualarchitektur („heilige Tempel“, „Denkmäler“) bis zu medialer Praxis (Séancen, Orakel) und visionärer Kunst.
Kernthema: Tod, Bindung, Gemeinschaft – die Geisterwelt als Beziehungsgeschehen
Die zweite Hälfte der Buchbeschreibung setzt einen starken Akzent: Geisterwelten „zelebrieren die Art und Weise, wie wir mit unseren Vorfahren und mit uns selbst verbunden sind“, indem wir Tote „anbeten, mythologisieren und ehren“.
Diese Perspektive ist literatur- und kulturwissenschaftlich zentral: Geister sind selten nur „Fremde“. Sie sind häufig Verwandte – oder zumindest Figuren der Nähe. Darin liegt eine anthropologische Grundfunktion: Rituale und Erzählungen über die Toten
ordnen Trauer (sie geben dem Verlust Form),
stiften Kontinuität (die Gemeinschaft endet nicht mit dem Tod),
verhandeln Schuld und Versöhnung (was bleibt unerledigt?),
erzeugen Identität (wer sind „wir“, wenn wir Herkunft erzählen?).
Wenn die Beschreibung von Altären, Gemeinschaften und geteiltem Schmerz spricht, wird die Geisterwelt als sozialer Raum sichtbar: Nicht nur „jenseits“, sondern zwischen Menschen – dort, wo Erinnerung als Praxis gelebt wird.
Rituale und Medien: Séance, Orakel, Wahrsagung als kulturelle Kommunikationsformen
Die Buchbeschreibung nennt „spirituelle Medien und Propheten“, „kunstvolle Séancen“, „Orakel und Wahrsager“, „Kristallkugeln“. Für eine sachliche Einordnung ist wichtig: Solche Praktiken lassen sich unabhängig davon, ob man ihren Wahrheitsanspruch teilt, als kulturelle Kommunikationsformen beschreiben.
Sie versprechen, dass Sinn nicht endet, wenn die empirische Erklärung aufhört. Gerade in Übergangssituationen (Tod, Krise, Angst) entsteht ein Bedarf nach Sprache, die mehr leisten will als Fakten. Die Geisterkommunikation erfüllt dann Funktionen wie:
Sinnstiftung: Warum ist etwas geschehen?
Handlungsorientierung: Was ist zu tun?
Entlastung: Wer trägt die Schuld?
Bindungsarbeit: Wie bleibt Beziehung möglich?
Damit wird verständlich, warum Geisterwelten das Thema ausdrücklich über Rituale erschließt: Rituale sind die Stelle, an der Weltbilder praktisch werden.
Kunst als Erkenntnisform: „Visionäre Kunst“ und die Ästhetik des Unsichtbaren
Die Ankündigung „mehr als 400 Werke visionärer Kunst“ verspricht, dass die Bildwelt nicht bloß begleitet, sondern argumentiert. Kunst kann im Feld des Geisterhaften eine besondere Aufgabe übernehmen: Sie macht etwas erfahrbar, das sich begrifflich entzieht.
Typische ästhetische Verfahren solcher Darstellungen sind (kulturübergreifend) Schwellenmotive, Licht/Schatten-Dramaturgien, Transparenzen, Spiegelungen, Verzerrungen, Ekstasebilder oder die Auflösung klarer Körpergrenzen. Nicht weil „Geister so aussehen“, sondern weil Kunst eine Sprache für Ambivalenz bereitstellt: zugleich anwesend und abwesend, zugleich vertraut und fremd.
Wenn Geisterwelten zudem den Bogen von „Dämonen“ zu „Engeln“ spannt, berührt es ein weiteres, historisch tiefes Prinzip: Geistwesen sind moralisch und emotional oft doppeldeutig. Das Übernatürliche kann bedrohen oder trösten, verführen oder schützen. Gerade diese Doppelstruktur erklärt, warum das Thema kulturgeschichtlich so zählebig bleibt.
Fazit
Aus Buchbeschreibung und bibliografischem Rahmen ergibt sich ein klares Profil: Geisterwelten will die Geisterwelt nicht als Kuriosum behandeln, sondern als großen Kulturraum, in dem Menschen seit Jahrhunderten (und über Kontinente hinweg) Fragen nach Tod, Wiedergeburt, Auferstehung, Erinnerung und Kontakt verhandeln.
Das Erkenntnisinteresse ist dabei weniger „Gibt es Geister?“ als vielmehr: Was tun Menschen, wenn sie mit dem Tod leben müssen – und welche Bilder, Räume, Rituale und Geschichten erfinden sie, um Beziehung über die Grenze hinweg zu denken?
In dieser Perspektive ist die Geisterwelt kein Ausflug ins Irrationale, sondern ein Spiegel kultureller Grundfragen. Der Band verspricht, diesen Spiegel nicht nur erklärend (Essay), nicht nur erzählend (Interview), sondern vor allem anschaulich (Kunst) zu entfalten – und dadurch eine verständliche, zugleich ernsthafte Annäherung an ein Thema zu ermöglichen, das so alt ist wie die Menschheit und doch in jeder Epoche neu Gestalt annimmt.
(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
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Verlagskatalog und Editionsrichtlinien des Taschen Verlags (Köln, 2026):
Buch:
Mit Essays, Interviews und mehr als 400 Bildern, von Höhlenmalereien bis hin zu zeitgenössischen Werken der Channeled Art, öffnet Spirit Worlds verschlossene Türen und führt uns durch Labyrinthe ins Mysteriöse, in jenseitige Reiche und in Dimensionen, die direkt hinter unserer eigenen liegen. …
Jessica Hundley ist eine Geschichtenerzählerin. In ihren Texten, ihrer journalistischen Arbeit, ihren Filmen und ihrer Tätigkeit als Kreativdirektorin beschäftigt sie sich intensiv mit Erzählkunst, Musik, Gegenkultur, Magie und Psychedelia. …
Esoterik: Sammelbegriff für Lehren und Praktiken, die „verborgenes“ oder nur Eingeweihten zugängliches Wissen beanspruchen. In der Kulturgeschichte umfasst das sehr unterschiedliche Felder (von religiösen Traditionen bis zu modernen Sinn- und Selbsttechniken). Der Begriff wird je nach Kontext wertneutral beschreibend oder kritisch gebraucht.
Mythologie: Bestand an Erzählungen, Bildern und Symbolen, durch die Gemeinschaften Ursprung, Ordnung und Grenzerfahrungen (z. B. Tod, Schuld, Schicksal) deuten. „Globale Mythologien“ meint hier: unterschiedliche kulturelle Traditionen, die jeweils eigene Jenseits- und Geistvorstellungen ausbilden.
Ahnenkult / Ahnenverehrung: Rituale, in denen Verstorbene als weiterhin wirkmächtige Mitglieder einer Gemeinschaft verstanden werden. Dazu gehören Gedenkpraktiken, Opfergaben, Altäre, Feste oder bestimmte Regeln des Umgangs mit Namen, Bildern und Grabstätten.
Ritual: Wiederholte, symbolisch aufgeladene Handlung (z. B. Trauer- und Bestattungsriten), die soziale Bindung stiftet, Übergänge markiert und Sinn ordnet. Rituale „tun“ etwas: Sie strukturieren Zeit, Gemeinschaft und Emotion.
Séance: (meist spiritistische) Sitzung, in der Teilnehmende versuchen, mit Verstorbenen oder Geistwesen zu kommunizieren. Unabhängig vom Wahrheitsanspruch ist die Séance kulturwissenschaftlich interessant als soziale und mediale Inszenierung von Kontakt.
Spiritistisches Medium: Person, die behauptet, Botschaften aus einer nicht-sichtbaren Sphäre (z. B. von Verstorbenen) empfangen und übermitteln zu können. In der Geschichte des Spiritismus sind Medien zentrale Figuren, weil sie „Übersetzung“ zwischen den Sphären versprechen.
Orakel / Wahrsagung: Praktiken, die Zukunft oder verborgene Zusammenhänge deuten sollen (z. B. durch Karten, Symbole, Trance, Objekte wie Kristallkugeln). Kulturgeschichtlich dienen Orakel häufig der Entscheidungsfindung und Sinnstiftung in unsicheren Lagen.
Jenseitsvorstellung: Kulturelle Modelle davon, was nach dem Tod geschieht (Weiterleben, Wiedergeburt, Auferstehung, Auflösung, Ahnenexistenz usw.). Solche Vorstellungen sind eng mit Ethik, Gemeinschaft und Trauerarbeit verbunden.
Visionäre Kunst: Kunst, die innere Bilder, Trance-, Traum- oder Offenbarungserfahrungen thematisiert und häufig das Unsichtbare (Geister, Engel, Dämonen, Zwischenreiche) darzustellen versucht. „Visionär“ beschreibt dabei primär eine ästhetische Haltung – nicht den Beweis eines metaphysischen Sachverhalts.
Schwelle / Liminalität: Begriff aus der Ritual- und Kulturtheorie für Übergangszonen („dazwischen“), in denen alte Ordnungen aufgehoben und neue möglich werden. In Geistererzählungen ist die Schwelle ein Leitmotiv: zwischen Leben und Tod, Mensch und Geist, Diesseits und Jenseits.
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
„Die Geschichte der Prophezeiungen: Orakel, Utopien, Prognosen“ (französischer Originaltitel: Histoire de l’avenir: Des prophètes à la prospective, 1996) ist ein umfassendes kulturhistorisches Werk. Georges Minois untersucht darin ein urmenschliches Bedürfnis: das Verlangen, einen Blick in das Kommende zu werfen, und die Methoden, die Gesellschaften dafür im Laufe der Jahrtausende entwickelt haben.Hier ist eine detaillierte Übersicht zum Autor, dem Inhalt des Buches und einer kritischen Bewertung: …
Es kam ziemlich protzig daher. 2,5 kg schwer und in einer Größe, dass normale Regale es nicht schlucken. 34,5 x 23,8 x 4 cm groß. Auch der Titel zeugt nicht gerade von Bescheidenheit: „The Book“ …
Die Wiederentdeckung und Bewahrung klassischer phantastischer Literatur stellt eine der faszinierendsten Nischen des modernen Publikationswesens dar. Ein herausragendes Beispiel für dieses editorische Engagement ist die im JMB Verlag erscheinende Reihe Das Kabinett der Phantasten. Geprägt durch das Zusammenspiel von Verleger Jens Bolm und dem Herausgeber, Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer Dr. Heiko Postma, widmet sich dieses ambitionierte Projekt der systematischen Aufarbeitung von Meisterwerken der Schauerliteratur, der Phantastik und der unheimlichen Belletristik vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Der folgende Essay analysiert das literarische und konzeptionelle Profil dieser Reihe, beleuchtet den historischen Hintergrund und untersucht die besondere Rolle der wissenschaftlichen Kommentierung für das Lesepublikum. …
In der letzten „Fantasia 1263e – Geheimnisse in dunklen Sphären 40“ (hier im Blog) schreibt Achim Hättich in seiner Einleitung: „Das Phantastikgenre ist quasi definiert durch Abweichungen vom Normalen, seien es zukünftige Gesellschaften, Gespenster oder bizarre Serienkiller …“. Hat er mit dieser Einschätzung recht?
Doch lässt sich dieses riesige literarische Feld tatsächlich primär durch seine Abweichung vom „Normalen“ definieren? Eine journalistische und literaturwissenschaftliche Spurensuche zeigt, dass die Antwort darauf eng …
Für „Geisterwelten“ – siehe gestrige Buchvorstellung – wurde der relevanteste Artikel aufgenommen. Ein Star-Wars-Archiv für die Episoden I-VI aus dem Taschen Verlag ist angekommen und das Gleiche gilt für ein „Blade Runner“-Werk aus der Feder von Julian Wangler. Dann ist mir noch eine Arbeit von Jim Taylor aufgefallen. Die Übersetzung zu „Hume über Wunder“ ist daher ebenfalls aufgenommen. So, jetzt ist das „Kabinett der Phantasten“ in der Bearbeitungsschlange. Zehn Ausgaben kommen in Kürze …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Schröpf, Franz (Red.)
Fantasia Nr. 72-73
EDFC, Passau (1993)
ISBN 3924443599
Zwischen Fandom und Literaturwissenschaft: Die Publikationsreihe „Fantasia“ des Ersten Deutschen Fantasy Clubs (EDFC)
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Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Historischer Hintergrund und zeitliche Entwicklung
Um die Bedeutung von Fantasia 72-73 zu verstehen, ist ein Blick auf die Historie der deutschen Phantastik-Szene unerlässlich. Der Erste Deutsche Fantasy Club (EDFC) wurde bereits 1978 in Passau gegründet. Zu dieser Zeit steckte die Rezeption von Fantasy-Literatur in Deutschland noch in den Kinderschuhen; das Genre wurde im Literaturbetrieb häufig als reine Trivialliteratur abgetan.
Die Publikationsreihe Fantasia entwickelte sich über die Jahrzehnte hinweg von einem einfachen Vereinsorgan (Fanzine) zu einer professionell gestalteten, im Buchhandel erhältlichen Reihe. …
… Fantasia enthält Amateur-Kurzgeschichten, Gedichte, Artikel über Fantasy und deren Randgebiete, ferner Diskussionsbeiträge, umfangreiche Buch- und Filmbesprechungen, Hinweise auf Neuerscheinungen auf dem deutschen Fantasymarkt und Illustrationen. Neben den normalen Magazin-Ausgaben erscheinen auch häufig erscheinen Themennummern.… Auszug aus der Website des EDFC (14.6.2026)
Die Anfänge (1980er Jahre): Fokus auf Clubnachrichten, kurze Rezensionen und erste Gehversuche lokaler Autoren.
Die Konsolidierungsphase (1990er bis 2000er Jahre): Die Reihe öffnet sich verstärkt sekundärliterarischen Arbeiten. Namhafte Kritiker und Übersetzer wie Franz Rottensteiner publizieren hier fundierte Essays über internationale Größen wie Stanisław Lem, H.P. Lovecraft oder J.R.R. Tolkien.
Die Moderne (Ausgaben im Bereich 70+): Die Bände, zu denen auch die Doppelnummer 72-73 gehört, etablierten sich als dicke Paperbacks. Doppelnummern wurden vom Verlag strategisch eingesetzt, um thematische Schwerpunkte umfassend
Die Digitale (Ausgaben ab der Nummer 222e+): Seit der Nummer 222e im Jahre 2009 erscheint die Reihe nur mehr als eBook und diese ist auch seit 2015 kostenlos zu beziehen. Die Bestellung erfolgt einfach über: edfc@edfc.de…
Thomas Höhl, Franz Schröpf (Herausgeber(in)): „Die Schöne und das Biest“. In: Thomas Höhl (Autor/in) (Hg.): Fantasia, 1993, Nr. 72/73. Bd. 072/073. O. O.: Erster Deutscher Fantasy Club e.V. (EDFC) 1993 (= Fantasia (EDFC)), S. 223.
Bedeutung: Bibliographische Datenbank zur Verifizierung von Editionsdaten, Ausgabenverzeichnissen und historischen Publikationsreihen im Bereich der Spekulativen FiktionQuelle: ISFDB
Offizielle Dokumentation des Ersten Deutschen Fantasy Clubs e.V. (EDFC):
Onlinequelle …
Bedeutung: Primärquelle für Vereinsgeschichte, Publikationsindizes und VerlagsstrukturQuelle: EDFC
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Zunächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction ……
Heinz Ohff widmet sich in diesem Buch dem historischen und legendären König. Vermutlich hat er nie gelebt und im Grunde ist er historisch eigentlich nicht greifbar. …
Die Wiederentdeckung und Bewahrung klassischer phantastischer Literatur stellt eine der faszinierendsten Nischen des modernen Publikationswesens dar. Ein herausragendes Beispiel für dieses editorische Engagement ist die im JMB Verlag erscheinende Reihe Das Kabinett der Phantasten. Geprägt durch das Zusammenspiel von Verleger Jens Bolm und dem Herausgeber, Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer Dr. Heiko Postma, widmet sich dieses ambitionierte Projekt der systematischen Aufarbeitung von Meisterwerken der Schauerliteratur, der Phantastik und der unheimlichen Belletristik vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Der folgende Essay analysiert das literarische und konzeptionelle Profil dieser Reihe, beleuchtet den historischen Hintergrund und untersucht die besondere Rolle der wissenschaftlichen Kommentierung für das Lesepublikum. …
In der letzten „Fantasia 1263e – Geheimnisse in dunklen Sphären 40“ (hier im Blog) schreibt Achim Hättich in seiner Einleitung: „Das Phantastikgenre ist quasi definiert durch Abweichungen vom Normalen, seien es zukünftige Gesellschaften, Gespenster oder bizarre Serienkiller …“. Hat er mit dieser Einschätzung recht?
Doch lässt sich dieses riesige literarische Feld tatsächlich primär durch seine Abweichung vom „Normalen“ definieren? Eine journalistische und literaturwissenschaftliche Spurensuche zeigt, dass die Antwort darauf eng …
Für „Geisterwelten“ – siehe gestrige Buchvorstellung – wurde der relevanteste Artikel aufgenommen. Ein Star-Wars-Archiv für die Episoden I-VI aus dem Taschen Verlag ist angekommen und das Gleiche gilt für ein „Blade Runner“-Werk aus der Feder von Julian Wangler. Dann ist mir noch eine Arbeit von Jim Taylor aufgefallen. Die Übersetzung zu „Hume über Wunder“ ist daher ebenfalls aufgenommen. So, jetzt ist das „Kabinett der Phantasten“ in der Bearbeitungsschlange. Zehn Ausgaben kommen in Kürze …
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Wer an phantastische Geschichten denkt, hat meist sofort epische Schlachten mit Drachen, intergalaktische Raumschiffe oder schaurige Spukhäuser vor Augen. Doch diese Phänomene sind keineswegs isolierte Inseln der Popkultur. In der modernen Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft werden sie unter einem gemeinsamen, mächtigen Dach zusammengefasst: dem Metagenre der Fantastik (in der akademischen Tradition oft auch Phantastik geschrieben).
Ein Metagenre – auch als Makrogattung bezeichnet – beschreibt eine übergeordnete Strukturebene. Sie vereint verschiedene Einzelgenres, weil diese eine fundamentale, erzählerische Gemeinsamkeit teilen. Im Fall der Fantastik ist dies der bewusste, strukturelle Bruch mit den Gesetzen unserer empirischen, alltäglichen Wirklichkeit. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)
Heroen und Heroisierungen in der Renaissace
Harrwssowitz, Wiesbaden (2013)
ISBN 978-3-447-06772-0
Das Erbe der Giganten: Wie die Renaissance das Bild des Helden neu erfand
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Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Hinter diesem Werk stehen zwei renommierte deutsche Wissenschaftler, die ihre gebündelte Expertise aus unterschiedlichen philologischen Disziplinen einbringen:
Dr. Achim Aurnhammer lehrte bis zu seiner Emeritierung Neuere Deutsche Literatur an der Universität Freiburg. Er gilt als ausgewiesener Experte für die Literatur und Kultur der Renaissance und des Barocks. Als Mitbegründer und langjähriger Akteur des dortigen Sonderforschungsbereichs (SFB) 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ hat er die kulturwissenschaftliche Erforschung des Heldenbegriffs in Deutschland entscheidend vorangetrieben.
Dr. Manfred Pfister ist Professor em. für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin. Seine Arbeiten zu Shakespeare, zur Intertextualität und zur Wahrnehmung Italiens in der englischen Literatur sind Standardwerke.
Gemeinsam gelingt es den Herausgebern, germanistische, anglistische und historisch-kulturwissenschaftliche Perspektiven so zu verknüpfen, dass der Sammelband trotz seiner akademischen Tiefe eine klare, nachvollziehbare Linie behält. …
Die Jahrestagung 2010 des Wolfenbüttler Arbeitskreises für Renaissanceforschung „Helden in der Renaissance“, die vom 4. bis 6. Oktober 2010 in Wolfenbüttel stattfand, widmete sich exemplarisch der Archäologie von Heroismen europäischer Prägung. Untersucht wurde eine Schlüsselepoche des europäischen Heldendiskurses … aus dem Vorwort
Der historische Hintergrund: Das Dilemma mit den antiken Göttern und der Mensch im Mittelpunkt
Um die Kernaussage des Buches zu verstehen, muss man einen Blick auf die Epochenwende werfen. Das Mittelalter kannte primär zwei Arten von Vorbildern: den christlichen Heiligen, der durch Demut und Gottesehrfurcht glänzte, und den Ritter, der seinen Mut in den Dienst des Glaubens oder seines Lehnsherrn stellte.
Mit dem Beginn der Renaissance (ca. 14. bis 16. Jahrhundert) änderte sich dies radikal. Die Gelehrten entdeckten die Antike neu. Plötzlich waren die alten griechischen und römischen Mythen wieder präsent – und mit ihnen Figuren wie Herkules, Achill oder Julius Cäsar. Diese „Heroen“ waren jedoch alles andere als christlich: Sie waren stolz, oft gewalttätig und suchten den unsterblichen Ruhm im Hier und Jetzt.
Die Renaissance war auch eine Epoche der Krisen und des Wandels: Die Erfindung des Buchdrucks revolutionierte die Kommunikation, die Entdeckung Amerikas weitete den Horizont, und Konfessionskriege erschütterten den Kontinent. In einer solchen Phase der Orientierungslosigkeit wuchs in der Gesellschaft das Bedürfnis nach Vorbildern und Identifikationsfiguren. Man suchte nach Orientierung und fand sie im „Heroischen“.
Das zentrale Dilemma der Renaissance: Wie lässt sich die Faszination für diese heidnischen, selbstbewussten Kraftprotze mit den moralischen Werten einer tiefchristlichen Gesellschaft vereinbaren?
Der rote Faden: Von der Antike zur bewussten Inszenierung
Das Buch zeichnet eine klare zeitliche und strukturelle Entwicklung nach, die den logischen roten Faden des Werks bildet. Diese lässt sich in drei wesentliche Phasen unterteilen:
Die Rückbesinnung auf die Antike (Frührenaissance): Zu Beginn stand die Wiederentdeckung der antiken Mythologie. Griechische und römische Halbgötter wie Herkules wurden adaptiert, um zeitgenössische Herrscher zu legitimieren. Der Held war zu dieser Zeit meist noch ein von den Göttern (oder Gott) Auserwählter.
Die Verweltlichung des Helden (Hochrenaissance): Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wandelte sich das Bild. Nicht mehr nur Krieger oder Heilige konnten Helden sein, sondern auch Künstler, Gelehrte, Entdecker und Dichter. Das Konzept der Virtù – der tatkräftigen, virtuosen Tugend des Individuums – trat in den Vordergrund. Der Held wurde zu jemandem, der sein Schicksal durch eigenen Verstand und Willenskraft formt.
Die Instrumentalisierung und Dekonstruktion (Spätrenaissance): Gegen Ende der Epoche erkannten Herrscherhäuser und Päpste die enorme Propagandawirkung von Heldenmythen. Es entwickelte sich eine regelrechte „Heroisierungs-Industrie“. Gleichzeitig zeigt das Buch jedoch auch, dass bereits in der Spätrenaissance (etwa bei Shakespeare) erste Zweifel am perfekten Heldenbild aufkamen und das Ideal ironisch gebrochen oder hinterfragt wurde.
Kernaussage für die Praxis: Wie wird man ein Held?
Die wichtigste Lehre des Bandes für den Laien lautet: Helden werden nicht geboren, sie werden gemacht. Das Buch unterscheidet präzise zwischen dem „Heroen“ (der Person) und der „Heroisierung“ (dem medialen Prozess).
Damit ein Mensch in der Renaissance zum Helden aufsteigen konnte, brauchte es literarische Biografien (wie jene von Giorgio Vasari über Künstler), monumentale Gemälde, Statuen oder festliche Umzüge. Heroisierung war eine frühe Form des gezielten Marketings und der Imagepflege – sei es zur Selbstüberhöhung des Künstlers oder zur Machtsicherung eines Fürsten.
Fazit:
„Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“ ist keine leichte Bettlektüre, aber ein ungemein reicher Wissensschatz für alle, die verstehen wollen, wie unsere modernen Vorstellungen von Geniekult und Prominenz entstanden sind. Für den interessierten Laien zieht das Buch eine klare, hochaktuelle Kernaussage: Heroisierung ist immer ein Akt der Kommunikation und der Inszenierung. Die Renaissance war die Geburtsstunde unseres heutigen Starkults. Sie zeigt uns, dass Gesellschaften sich genau die Helden erschaffen, die sie für ihre eigenen Werte, Sehnsüchte oder politischen Ziele gerade benötigen.
Aurnhammer und Pfister bieten mit diesem Band keine trockene Aufzählung historischer Daten, sondern eine packende Analyse darüber, wie Kultur und Politik Hand in Hand arbeiten, um Menschen in Ikonen zu verwandeln. Ein absolut empfehlenswertes Werk für jeden, der verstehen will, wie die Mechanismen von Ruhm und Verehrung in Europa historisch verankert sind. …
(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
Thematisch daraus empfohlen:
Hempfer, Klaus W. – Ariosts „Orlando Furioso“, Seite 45-70
[Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)] Heroen und Heroisierungen in der Renaissance. Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung, Band 28. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2013
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Zunächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction ……
Heinz Ohff widmet sich in diesem Buch dem historischen und legendären König. Vermutlich hat er nie gelebt und im Grunde ist er historisch eigentlich nicht greifbar. …
Die Wiederentdeckung und Bewahrung klassischer phantastischer Literatur stellt eine der faszinierendsten Nischen des modernen Publikationswesens dar. Ein herausragendes Beispiel für dieses editorische Engagement ist die im JMB Verlag erscheinende Reihe Das Kabinett der Phantasten. Geprägt durch das Zusammenspiel von Verleger Jens Bolm und dem Herausgeber, Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer Dr. Heiko Postma, widmet sich dieses ambitionierte Projekt der systematischen Aufarbeitung von Meisterwerken der Schauerliteratur, der Phantastik und der unheimlichen Belletristik vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Der folgende Essay analysiert das literarische und konzeptionelle Profil dieser Reihe, beleuchtet den historischen Hintergrund und untersucht die besondere Rolle der wissenschaftlichen Kommentierung für das Lesepublikum. …
In der letzten „Fantasia 1263e – Geheimnisse in dunklen Sphären 40“ (hier im Blog) schreibt Achim Hättich in seiner Einleitung: „Das Phantastikgenre ist quasi definiert durch Abweichungen vom Normalen, seien es zukünftige Gesellschaften, Gespenster oder bizarre Serienkiller …“. Hat er mit dieser Einschätzung recht?
Doch lässt sich dieses riesige literarische Feld tatsächlich primär durch seine Abweichung vom „Normalen“ definieren? Eine journalistische und literaturwissenschaftliche Spurensuche zeigt, dass die Antwort darauf eng …
Für „Geisterwelten“ – siehe gestrige Buchvorstellung – wurde der relevanteste Artikel aufgenommen. Ein Star-Wars-Archiv für die Episoden I-VI aus dem Taschen Verlag ist angekommen und das Gleiche gilt für ein „Blade Runner“-Werk aus der Feder von Julian Wangler. Dann ist mir noch eine Arbeit von Jim Taylor aufgefallen. Die Übersetzung zu „Hume über Wunder“ ist daher ebenfalls aufgenommen. So, jetzt ist das „Kabinett der Phantasten“ in der Bearbeitungsschlange. Zehn Ausgaben kommen in Kürze …
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Wer an phantastische Geschichten denkt, hat meist sofort epische Schlachten mit Drachen, intergalaktische Raumschiffe oder schaurige Spukhäuser vor Augen. Doch diese Phänomene sind keineswegs isolierte Inseln der Popkultur. In der modernen Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft werden sie unter einem gemeinsamen, mächtigen Dach zusammengefasst: dem Metagenre der Fantastik (in der akademischen Tradition oft auch Phantastik geschrieben).
Ein Metagenre – auch als Makrogattung bezeichnet – beschreibt eine übergeordnete Strukturebene. Sie vereint verschiedene Einzelgenres, weil diese eine fundamentale, erzählerische Gemeinsamkeit teilen. Im Fall der Fantastik ist dies der bewusste, strukturelle Bruch mit den Gesetzen unserer empirischen, alltäglichen Wirklichkeit. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Chajim Bloch
Der Prager Golem
Benjamin Harz, Berlin (1920)
2. Auflage
Der Golem von Prag: Chajim Blochs Beitrag zur Modernisierung eines jüdischen Mythos …
G
Von der Gestaltlosigkeit zur Ikone der Popkultur: Kaum eine Figur des jüdischen Mystizismus hat den Sprung in das moderne kollektive Gedächtnis so nachhaltig geschafft wie der Golem. Während der Begriff in biblischen Zeiten noch eine „ungeformte Masse“ oder einen „Embryo“ (Psalm 139:16) beschrieb, wandelte sich das Motiv über Jahrhunderte hinweg zu einem künstlichen Menschen aus Lehm. Einen entscheidenden Wendepunkt in dieser Entwicklung markiert das Jahr 1919. Chajim Bloch (geboren am 27. Juni 1881 in Nagybocskó, Österreich-Ungarn; gestorben am 23. Januar 1973 in New York) war ein bedeutender chassidischer und kabbalistischer Rabbiner, Publizist und Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Vermittler der jüdischen Mystik und Folklore im deutschsprachigen Raum des frühen 20. Jahrhunderts. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine literarischen Bearbeitungen osteuropäischer jüdischer Sagen – allen voran der Legende um den Golem von Prag. Mitten in den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er sein Werk „Der Prager Golem: Von seiner ‚Geburt‘ bis zu seinem ‚Tod‘“ in Wien. Bloch schuf damit kein rein fiktionales Werk, sondern sammelte, sichtete und systematisierte die verstreuten mündlichen und schriftlichen Sagen des Prager Ghettos. Dieses Essay analysiert die historische Entwicklung des Golem-Mythos, die spezifische Struktur von Blochs Erzählungen und dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Schöpfungsmythen. …
Die zeitliche Entwicklung: Vom Ritual zur Rettungsfigur
Die Transformation des Golems vollzog sich nicht abrupt, sondern in klar abgrenzbaren historischen Phasen. Um Chajim Blochs Werk in seiner Tragweite zu verstehen, muss diese Evolution chronologisch nachvollzogen werden: …
… In seinem bekannten Roman „Der Golem“ sagt Gustav Meyrink: „Ich kann freilich nicht wissen, worauf sich die Golemsage zurückführen läßt, daß aber irgend etwas, was nicht sterben kann, in diesem Stadtviertel sein Wesen treibt und damit zusammenhängt, dessen bin ich mir sicher …Auszug aus dem Vorwort
Die zeitliche Entwicklung: Vom Ritual zur Rettungsfigur
Die Transformation des Golems vollzog sich nicht abrupt, sondern in klar abgrenzbaren historischen Phasen. Um Chajim Blochs Werk in seiner Tragweite zu verstehen, muss diese Evolution chronologisch nachvollzogen werden:
Spätantike und Frühmittelalter, 200–500 n. Chr.
Im Babylonischen Talmud wird die Erschaffung eines künstlichen Wesens als rein mystische, meditative Erfahrung beschrieben. Gelehrte nutzten das „Sefer Jezira“ (Buch der Schöpfung), um Gott durch die Kombination hebräischer Buchstaben nachzueifern. Das Wesen war stumm und diente keinem praktischen Zweck; die Schöpfung war ein Beweis spiritueller Reife.
Frühe Neuzeit: Der Golem als Diener, 1674
Die Erzählung verlässt den rein innerjüdischen Kreis. Der christliche Dichter Christoph Arnold beschreibt erstmals das Motiv eines Golems, der von polnischen Juden als stummer Hausdiener aus Lehm erschaffen wird. Hier taucht auch die Aktivierung durch das hebräische Wort „Emet“ (Wahrheit) auf der Stirn auf. Das Wesen wächst unaufhaltsam und droht seinen Schöpfer zu erdrücken – ein frühes Motiv der Hybris.
Die Romantik und die Verortung in Prag, 1808–1847
Die Brüder Grimm (1808) und Achim von Arnim popularisieren den Stoff im deutschsprachigen Raum. Ab den 1830er Jahren und manifestiert durch Wolf Pascheles‘ Textsammlung „Sippurim“ (1847) wird die Legende fest mit dem historischen Rabbiner Juda Löw (dem „Maharal von Prag“, ca. 1525–1609) und der Altneu-Synagoge verknüpft. Das Motiv verschiebt sich: Der Golem wird vom bloßen Hausdiener zum Beschützer des Ghettos gegen Ritualmordlegenden.
Chajim Blochs Anthologie, 1919
Mitten in einer Phase des aufflammenden Nationalismus und Antisemitismus in Europa veröffentlicht Chajim Bloch „Der Prager Golem“. Er formt aus disparaten Sagenfragmenten eine zusammenhängende, chronologische Biografie der Kreatur – von der Tongrube an der Moldau bis zur Einmauerung der Reste auf dem Dachboden der Synagoge.
Der Sprung in die Moderne, Ab 1920
Blochs Strukturierung bildet das Fundament für die moderne Popkultur. Paul Wegeners berühmter Stummfilm „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) und Karel Čapeks Theaterstück „R.U.R.“ (1920, welches das Wort „Roboter“ prägte) führen die Traditionslinie direkt in die moderne Science-Fiction und die Debatte um Künstliche Intelligenz.
Struktur und Inhalt bei Chajim Bloch
Chajim Blochs Verdienst liegt in der redaktionellen und erzählerischen Konsolidierung. Er präsentiert den Golem primär als „Ghetto-Heandl“ und Retter in der Not. Das Werk gliedert sich im Kern in fünf miteinander verwobene Motive:
Die Notwendigkeit der Schöpfung: Im Prag des späten 16. Jahrhunderts sieht sich die jüdische Gemeinde ständigen Anfeindungen und unbegründeten Anschuldigungen ausgesetzt. Rabbi Löw erschafft den Golem (genannt Yossele) nicht aus persönlicher Eitelkeit oder wissenschaftlicher Neugier, sondern als Akt der kollektiven Selbstverteidigung.
Das Schöpfungsritual: Bloch beschreibt detailliert die kabbalistische Prozedur. Gemeinsam mit einem Leviten und einem Kohen (Priester) formt Rabbi Löw den Lehm im Schein von Fackeln. Die Erschaffung nutzt die vier Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft) und wird durch das Umschreiten des Körpers und das Rezitieren präziser Buchstabenkombinationen vollzogen.
Die Natur des Wesens: Der Golem ist physisch übermenschlich stark, besitzt jedoch keine Seele (Neschama) und ist unfähig zu sprechen. Er gehorcht den Befehlen des Rabbiners wortwörtlich – was oft zu humorvollen oder gefährlichen Missverständnissen führt. Er patrouilliert nachts im Ghetto, um unbemerkt unterschobene Leichen (die für Ritualmord-Anschuldigungen genutzt werden sollten) abzufangen.
Die Katastrophe und die Deaktivierung: Wie in fast allen Iterationen des Stoffes gerät die Schöpfung am Ende außer Kontrolle. Als Rabbi Löw an einem Freitagabend vergisst, dem Golem seinen täglichen Auftrag zu erteilen, läuft dieser Amok und verwüstet das Ghetto. Der Rabbiner muss den Golem stoppen, indem er den belebenden Namen Gottes (oder den ersten Buchstaben des Wortes Emet, sodass Met = „tot“ übrig bleibt) entfernt.
Der Verbleib: Die leblose Lehmmasse wird auf dem Dachboden der Prager Altneu-Synagoge versteckt. Bloch schließt mit der bis heute faszinierenden Legende, dass die Reste des Golems dort überdauern und der Dachboden für die Öffentlichkeit strengstens gesperrt bleibt.
Die Kernaussage für die Gegenwart: Das Golem-Paradoxon
Für die heutige Leserschaft transportiert Blochs Werk eine zeitlose, hochaktuelle Meta-Ebene. Der Golem steht sinnbildlich für das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie.
Das Golem-Paradoxon: Der Mensch erschafft ein Werkzeug, um eine existenzielle Schwäche auszugleichen (beim Golem die physische Verwundbarkeit des Ghettos; in der Moderne die Limitierung des menschlichen Geistes oder der Arbeitskraft). Doch das Erschaffene entwickelt durch seine inhärente Seelenlosigkeit und die starre Befehlstreue eine Eigendynamik, die den Schöpfer letztlich bedroht.
Bloch zeigt auf, dass Technologie und künstliche Schöpfungen ohne ethisches Fundament und ohne ständige menschliche Kontrolle unweigerlich destruktiv werden. Damit schlägt „Der Prager Golem“ die Brücke von einer frühneuzeitlichen jüdischen Schutz-Erzählung zu den modernen Fragestellungen der Ethik von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz. …
[Gelbin, Cathy S.] The Golem: From Enlightenment Monster to Artificial Intelligence. In: Bulletin of the German Historical Institute, No. 69, 2021/2022, S. 79–94.
Relevanz:
Hervorragende historische Kontextualisierung der Rezeption von Christoph Arnold (1674) bis hin zur Verknüpfung mit künstlichen Menschen.Quelle: Dokument des GHI Washington
[Fernández Urtasun, Rosa] From the golem to the robots: a visual evolution of a myth. In: Journal of Aesthetics & Culture, Vol. 16, 2024.
[Zdenek, Annie] Leo Perutz (1882-1957): Nachts unter der steinernen Brücke. In: Recherches germaniques, No. 41, 2011, S. 59–71.
Relevanz:
Sekundärliteratur zur Einbettung des Prager Golem-Stoffs in die Prager Literatur der Zwischenkriegszeit (u.a. Wolf Pascheles‘ „Sippurim“ von 1847).Quelle: Eintrag im OpenEdition Portal
Chajim Bloch (geboren am 27. Juni 1881 in Nagybocskó, Österreich-Ungarn; gestorben am 23. Januar 1973 in New York) war ein bedeutender chassidischer und kabbalistischer Rabbiner, Publizist und Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Vermittler der jüdischen Mystik und Folklore im deutschsprachigen Raum des frühen 20. Jahrhunderts. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine literarischen Bearbeitungen osteuropäischer jüdischer Sagen – allen voran der Legende um den Golem von Prag. Mitten in den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er sein Werk „Der Prager Golem: Von seiner ‚Geburt‘ bis zu seinem ‚Tod‘“ in Wien. Bloch schuf damit kein rein fiktionales Werk, sondern sammelte, sichtete und systematisierte die verstreuten mündlichen und schriftlichen Sagen des Prager Ghettos. Dieses Essay analysiert die historische Entwicklung des Golem-Mythos, die spezifische Struktur von Blochs Erzählungen und dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Schöpfungsmythen. …
A]lfred Noe, widmet diesen Band der stilistischen Untersuchung französischer Prosa. Genauer gesagt französischer Horrorliteratur des 19. Jahrhunderts. …
Hier habe ich ein Werk, bei dessen Einordnung ich ein bisschen Schwierigkeiten hatte. Literarische Phantastik betreffen oder doch eher reiner Horror/Schauer? …
Die Wiederentdeckung und Bewahrung klassischer phantastischer Literatur stellt eine der faszinierendsten Nischen des modernen Publikationswesens dar. Ein herausragendes Beispiel für dieses editorische Engagement ist die im JMB Verlag erscheinende Reihe Das Kabinett der Phantasten. Geprägt durch das Zusammenspiel von Verleger Jens Bolm und dem Herausgeber, Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer Dr. Heiko Postma, widmet sich dieses ambitionierte Projekt der systematischen Aufarbeitung von Meisterwerken der Schauerliteratur, der Phantastik und der unheimlichen Belletristik vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Der folgende Essay analysiert das literarische und konzeptionelle Profil dieser Reihe, beleuchtet den historischen Hintergrund und untersucht die besondere Rolle der wissenschaftlichen Kommentierung für das Lesepublikum. …
In der letzten „Fantasia 1263e – Geheimnisse in dunklen Sphären 40“ (hier im Blog) schreibt Achim Hättich in seiner Einleitung: „Das Phantastikgenre ist quasi definiert durch Abweichungen vom Normalen, seien es zukünftige Gesellschaften, Gespenster oder bizarre Serienkiller …“. Hat er mit dieser Einschätzung recht?
Doch lässt sich dieses riesige literarische Feld tatsächlich primär durch seine Abweichung vom „Normalen“ definieren? Eine journalistische und literaturwissenschaftliche Spurensuche zeigt, dass die Antwort darauf eng …
Für „Geisterwelten“ – siehe gestrige Buchvorstellung – wurde der relevanteste Artikel aufgenommen. Ein Star-Wars-Archiv für die Episoden I-VI aus dem Taschen Verlag ist angekommen und das Gleiche gilt für ein „Blade Runner“-Werk aus der Feder von Julian Wangler. Dann ist mir noch eine Arbeit von Jim Taylor aufgefallen. Die Übersetzung zu „Hume über Wunder“ ist daher ebenfalls aufgenommen. So, jetzt ist das „Kabinett der Phantasten“ in der Bearbeitungsschlange. Zehn Ausgaben kommen in Kürze …
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Wer an phantastische Geschichten denkt, hat meist sofort epische Schlachten mit Drachen, intergalaktische Raumschiffe oder schaurige Spukhäuser vor Augen. Doch diese Phänomene sind keineswegs isolierte Inseln der Popkultur. In der modernen Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft werden sie unter einem gemeinsamen, mächtigen Dach zusammengefasst: dem Metagenre der Fantastik (in der akademischen Tradition oft auch Phantastik geschrieben).
Ein Metagenre – auch als Makrogattung bezeichnet – beschreibt eine übergeordnete Strukturebene. Sie vereint verschiedene Einzelgenres, weil diese eine fundamentale, erzählerische Gemeinsamkeit teilen. Im Fall der Fantastik ist dies der bewusste, strukturelle Bruch mit den Gesetzen unserer empirischen, alltäglichen Wirklichkeit. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.