Hundley, Jessica (Hrsg.)
Geisterwelten Bibliothek der Esoterik
Taschen, Köln (2026)
ISBN 9783754405321
Zwischen Kunst, Kult und Jenseitssehnsucht: Eine Rezension zu Jessica Hundleys „Geisterwelten“…
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Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Die Herausgeberin: Chronistin des Verborgenen
Jessica Hundley, die als Autorin, Filmemacherin und Journalistin in Los Angeles lebt, hat sich in den vergangenen Jahren als maßgebliche Kuratorin an der Schnittstelle von Popkultur, Kunst und Esoterik etabliert. Für ihre Arbeiten (unter anderem in Vogue und im Rolling Stone) bekannt, zeichnet sie sich als Chefherausgeberin der Library of Esoterica durch einen erfrischend unvoreingenommenen Blick aus.
Hundley nähert sich den „Geisterwelten“ nicht als Missionarin des Übersinnlichen, sondern als Kulturwissenschaftlerin. Ihr gelingt es, die Fäden aus Ästhetik, Psychologie und Historie so zu verknüpfen, dass das Übernatürliche als integraler Bestandteil der menschlichen Kreativität begreifbar wird.
Jessica Hundley wird in Händlerbiografien als Autorin, Filmemacherin und Journalistin beschrieben, die sich mit Kunst und Gegenkultur befasst und ein besonderes Interesse an metaphysischen, psychedelischen und „magischen“ Dimensionen kultureller Ausdrucksformen hat.
Für den Band ist diese Rolle entscheidend: Eine Herausgeberin entscheidet, welche Traditionen, Bilder und Stimmen als repräsentativ erscheinen – und wie sie gerahmt werden. Aus der Beschreibung spricht eine Neigung zur poetischen, bildintensiven Vermittlung: Geister sind nicht nur Gegenstand der Aufklärung (im Sinne von Entzauberung), sondern Thema einer ästhetischen und existenziellen Erkundung. Der Band positioniert sich damit eher in einer Linie des Verstehens und Vergleichens als in einer Linie der Widerlegung.
… In diesem sechsten Band der „Bibliothek der Esoterik“ erkunden wir diese geheimnisvolle Passage aus dem Mutterschoß, die Reise zwischen den Welten, den sanften Schritt über die Schwelle und das zarte Lüften der heiligsten Schleier … Auszug Vorwort
Historischer Hintergrund: Zeitliche Entwicklung des „Geisterhaften“
Die Buchbeschreibung betont „globale Mythologien“ und „Riten des Todes überall auf der Welt“. Um eine zeitliche Entwicklung sichtbar zu machen, lohnt es, das Geisterthema in großen historischen Linien zu betrachten.
Vormoderne: Geister als soziale und kosmische Ordnung
In vielen vormodernen Weltbildern sind Ahnen, Schutzwesen oder Dämonen keine Randerscheinung, sondern Teil einer Ordnung, die Alltag und Moral strukturiert. Geister markieren Bindungen (zu Vorfahren), Gefahren (Tabubrüche) oder Schutz (Haus- und Ortsgeister). Die zentrale Funktion ist häufig Integration: Gemeinschaften halten Erinnerung, Normen und Zugehörigkeit aufrecht, indem sie die Toten in Ritualen präsent halten.
Frühe Neuzeit: Kontrolle, Angst, Theologie – und der Kampf um Deutungshoheit
In Europa verschärfen sich zwischen 15. und 17. Jahrhundert Auseinandersetzungen um Dämonologie und Hexereivorstellungen; religiöse Konflikte und soziale Krisen verleihen dem Übernatürlichen politische Schärfe. Geister- und Dämonenglauben werden dabei oft zum Feld, auf dem Autorität, Abweichung und Angst verhandelt werden.
19. Jahrhundert: Spiritismus als Moderne des Jenseits
Im 19. Jahrhundert gewinnt der Spiritismus an Popularität. Charakteristisch ist die Nähe zu Medien und Technik: „Botschaften“ werden protokolliert, fotografische oder schriftliche Spuren sollen das Unsichtbare belegen. Hier zeigt sich eine neue Dynamik: Die Geisterwelt wird nicht nur geglaubt, sondern dokumentiert – oder zumindest in der Form dokumentarischer Praktiken inszeniert.
20. und 21. Jahrhundert: Geister als Sprache von Trauma, Erinnerung, Identität
In moderner Literatur, Film und Kunst erscheinen Geister oft als Metaphern für das Unabgeschlossene: für Trauer, historische Gewalt, verdrängte Schuld, koloniale Nachwirkungen. Das Geisterhafte ist dann weniger ein „Wesen“ als eine Form der Wiederkehr.
Geisterwelten scheint genau diese Breite anzusteuern: vom Dämonischen bis zum Engelhaften, von Ritualarchitektur („heilige Tempel“, „Denkmäler“) bis zu medialer Praxis (Séancen, Orakel) und visionärer Kunst.
Kernthema: Tod, Bindung, Gemeinschaft – die Geisterwelt als Beziehungsgeschehen
Die zweite Hälfte der Buchbeschreibung setzt einen starken Akzent: Geisterwelten „zelebrieren die Art und Weise, wie wir mit unseren Vorfahren und mit uns selbst verbunden sind“, indem wir Tote „anbeten, mythologisieren und ehren“.
Diese Perspektive ist literatur- und kulturwissenschaftlich zentral: Geister sind selten nur „Fremde“. Sie sind häufig Verwandte – oder zumindest Figuren der Nähe. Darin liegt eine anthropologische Grundfunktion: Rituale und Erzählungen über die Toten
ordnen Trauer (sie geben dem Verlust Form),
stiften Kontinuität (die Gemeinschaft endet nicht mit dem Tod),
verhandeln Schuld und Versöhnung (was bleibt unerledigt?),
erzeugen Identität (wer sind „wir“, wenn wir Herkunft erzählen?).
Wenn die Beschreibung von Altären, Gemeinschaften und geteiltem Schmerz spricht, wird die Geisterwelt als sozialer Raum sichtbar: Nicht nur „jenseits“, sondern zwischen Menschen – dort, wo Erinnerung als Praxis gelebt wird.
Rituale und Medien: Séance, Orakel, Wahrsagung als kulturelle Kommunikationsformen
Die Buchbeschreibung nennt „spirituelle Medien und Propheten“, „kunstvolle Séancen“, „Orakel und Wahrsager“, „Kristallkugeln“. Für eine sachliche Einordnung ist wichtig: Solche Praktiken lassen sich unabhängig davon, ob man ihren Wahrheitsanspruch teilt, als kulturelle Kommunikationsformen beschreiben.
Sie versprechen, dass Sinn nicht endet, wenn die empirische Erklärung aufhört. Gerade in Übergangssituationen (Tod, Krise, Angst) entsteht ein Bedarf nach Sprache, die mehr leisten will als Fakten. Die Geisterkommunikation erfüllt dann Funktionen wie:
Sinnstiftung: Warum ist etwas geschehen?
Handlungsorientierung: Was ist zu tun?
Entlastung: Wer trägt die Schuld?
Bindungsarbeit: Wie bleibt Beziehung möglich?
Damit wird verständlich, warum Geisterwelten das Thema ausdrücklich über Rituale erschließt: Rituale sind die Stelle, an der Weltbilder praktisch werden.
Kunst als Erkenntnisform: „Visionäre Kunst“ und die Ästhetik des Unsichtbaren
Die Ankündigung „mehr als 400 Werke visionärer Kunst“ verspricht, dass die Bildwelt nicht bloß begleitet, sondern argumentiert. Kunst kann im Feld des Geisterhaften eine besondere Aufgabe übernehmen: Sie macht etwas erfahrbar, das sich begrifflich entzieht.
Typische ästhetische Verfahren solcher Darstellungen sind (kulturübergreifend) Schwellenmotive, Licht/Schatten-Dramaturgien, Transparenzen, Spiegelungen, Verzerrungen, Ekstasebilder oder die Auflösung klarer Körpergrenzen. Nicht weil „Geister so aussehen“, sondern weil Kunst eine Sprache für Ambivalenz bereitstellt: zugleich anwesend und abwesend, zugleich vertraut und fremd.
Wenn Geisterwelten zudem den Bogen von „Dämonen“ zu „Engeln“ spannt, berührt es ein weiteres, historisch tiefes Prinzip: Geistwesen sind moralisch und emotional oft doppeldeutig. Das Übernatürliche kann bedrohen oder trösten, verführen oder schützen. Gerade diese Doppelstruktur erklärt, warum das Thema kulturgeschichtlich so zählebig bleibt.
Fazit
Aus Buchbeschreibung und bibliografischem Rahmen ergibt sich ein klares Profil: Geisterwelten will die Geisterwelt nicht als Kuriosum behandeln, sondern als großen Kulturraum, in dem Menschen seit Jahrhunderten (und über Kontinente hinweg) Fragen nach Tod, Wiedergeburt, Auferstehung, Erinnerung und Kontakt verhandeln.
Das Erkenntnisinteresse ist dabei weniger „Gibt es Geister?“ als vielmehr: Was tun Menschen, wenn sie mit dem Tod leben müssen – und welche Bilder, Räume, Rituale und Geschichten erfinden sie, um Beziehung über die Grenze hinweg zu denken?
In dieser Perspektive ist die Geisterwelt kein Ausflug ins Irrationale, sondern ein Spiegel kultureller Grundfragen. Der Band verspricht, diesen Spiegel nicht nur erklärend (Essay), nicht nur erzählend (Interview), sondern vor allem anschaulich (Kunst) zu entfalten – und dadurch eine verständliche, zugleich ernsthafte Annäherung an ein Thema zu ermöglichen, das so alt ist wie die Menschheit und doch in jeder Epoche neu Gestalt annimmt.
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Verlagskatalog und Editionsrichtlinien des Taschen Verlags (Köln, 2026):
Buch:
Mit Essays, Interviews und mehr als 400 Bildern, von Höhlenmalereien bis hin zu zeitgenössischen Werken der Channeled Art, öffnet Spirit Worlds verschlossene Türen und führt uns durch Labyrinthe ins Mysteriöse, in jenseitige Reiche und in Dimensionen, die direkt hinter unserer eigenen liegen. …
Jessica Hundley ist eine Geschichtenerzählerin. In ihren Texten, ihrer journalistischen Arbeit, ihren Filmen und ihrer Tätigkeit als Kreativdirektorin beschäftigt sie sich intensiv mit Erzählkunst, Musik, Gegenkultur, Magie und Psychedelia. …
Esoterik: Sammelbegriff für Lehren und Praktiken, die „verborgenes“ oder nur Eingeweihten zugängliches Wissen beanspruchen. In der Kulturgeschichte umfasst das sehr unterschiedliche Felder (von religiösen Traditionen bis zu modernen Sinn- und Selbsttechniken). Der Begriff wird je nach Kontext wertneutral beschreibend oder kritisch gebraucht.
Mythologie: Bestand an Erzählungen, Bildern und Symbolen, durch die Gemeinschaften Ursprung, Ordnung und Grenzerfahrungen (z. B. Tod, Schuld, Schicksal) deuten. „Globale Mythologien“ meint hier: unterschiedliche kulturelle Traditionen, die jeweils eigene Jenseits- und Geistvorstellungen ausbilden.
Ahnenkult / Ahnenverehrung: Rituale, in denen Verstorbene als weiterhin wirkmächtige Mitglieder einer Gemeinschaft verstanden werden. Dazu gehören Gedenkpraktiken, Opfergaben, Altäre, Feste oder bestimmte Regeln des Umgangs mit Namen, Bildern und Grabstätten.
Ritual: Wiederholte, symbolisch aufgeladene Handlung (z. B. Trauer- und Bestattungsriten), die soziale Bindung stiftet, Übergänge markiert und Sinn ordnet. Rituale „tun“ etwas: Sie strukturieren Zeit, Gemeinschaft und Emotion.
Séance: (meist spiritistische) Sitzung, in der Teilnehmende versuchen, mit Verstorbenen oder Geistwesen zu kommunizieren. Unabhängig vom Wahrheitsanspruch ist die Séance kulturwissenschaftlich interessant als soziale und mediale Inszenierung von Kontakt.
Spiritistisches Medium: Person, die behauptet, Botschaften aus einer nicht-sichtbaren Sphäre (z. B. von Verstorbenen) empfangen und übermitteln zu können. In der Geschichte des Spiritismus sind Medien zentrale Figuren, weil sie „Übersetzung“ zwischen den Sphären versprechen.
Orakel / Wahrsagung: Praktiken, die Zukunft oder verborgene Zusammenhänge deuten sollen (z. B. durch Karten, Symbole, Trance, Objekte wie Kristallkugeln). Kulturgeschichtlich dienen Orakel häufig der Entscheidungsfindung und Sinnstiftung in unsicheren Lagen.
Jenseitsvorstellung: Kulturelle Modelle davon, was nach dem Tod geschieht (Weiterleben, Wiedergeburt, Auferstehung, Auflösung, Ahnenexistenz usw.). Solche Vorstellungen sind eng mit Ethik, Gemeinschaft und Trauerarbeit verbunden.
Visionäre Kunst: Kunst, die innere Bilder, Trance-, Traum- oder Offenbarungserfahrungen thematisiert und häufig das Unsichtbare (Geister, Engel, Dämonen, Zwischenreiche) darzustellen versucht. „Visionär“ beschreibt dabei primär eine ästhetische Haltung – nicht den Beweis eines metaphysischen Sachverhalts.
Schwelle / Liminalität: Begriff aus der Ritual- und Kulturtheorie für Übergangszonen („dazwischen“), in denen alte Ordnungen aufgehoben und neue möglich werden. In Geistererzählungen ist die Schwelle ein Leitmotiv: zwischen Leben und Tod, Mensch und Geist, Diesseits und Jenseits.
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
„Die Geschichte der Prophezeiungen: Orakel, Utopien, Prognosen“ (französischer Originaltitel: Histoire de l’avenir: Des prophètes à la prospective, 1996) ist ein umfassendes kulturhistorisches Werk. Georges Minois untersucht darin ein urmenschliches Bedürfnis: das Verlangen, einen Blick in das Kommende zu werfen, und die Methoden, die Gesellschaften dafür im Laufe der Jahrtausende entwickelt haben.Hier ist eine detaillierte Übersicht zum Autor, dem Inhalt des Buches und einer kritischen Bewertung: …
Es kam ziemlich protzig daher. 2,5 kg schwer und in einer Größe, dass normale Regale es nicht schlucken. 34,5 x 23,8 x 4 cm groß. Auch der Titel zeugt nicht gerade von Bescheidenheit: „The Book“ …
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Wer an phantastische Geschichten denkt, hat meist sofort epische Schlachten mit Drachen, intergalaktische Raumschiffe oder schaurige Spukhäuser vor Augen. Doch diese Phänomene sind keineswegs isolierte Inseln der Popkultur. In der modernen Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft werden sie unter einem gemeinsamen, mächtigen Dach zusammengefasst: dem Metagenre der Fantastik (in der akademischen Tradition oft auch Phantastik geschrieben).
Ein Metagenre – auch als Makrogattung bezeichnet – beschreibt eine übergeordnete Strukturebene. Sie vereint verschiedene Einzelgenres, weil diese eine fundamentale, erzählerische Gemeinsamkeit teilen. Im Fall der Fantastik ist dies der bewusste, strukturelle Bruch mit den Gesetzen unserer empirischen, alltäglichen Wirklichkeit. …
„Fantastia Nr. 72-73“ mitsamt den relevanten Artikeln wurde aufgenommen. Die Besprechung habt ihr ja schon geliefert bekommen. Neu auch die Jahrbücher der Karl-May-Gesellschaft für die Jahre 2024 und 2025. Für 2024 ist ein relevanter Artikel von Friedhelm Schneidewind beinhaltet. Dann noch ein Krimi-Leitfaden mit Science-Fiction-Bezug eines Artikels darin. Das Buch zur künstlichen Intelligenz wurde als begleitende Literatur aufgenommen. Ein Katalog der Antiquare ist dabei und zuletzt ein Buch zur griechischen Mythologieforschung in dem die Medea-Mythen behandelt werden. Eine ziemliche Mischung, aber das zeigt die Vielfältigkeit der fantastischen Literatur eben. Das Buch zur Mythologieforschung und das Jahrbuch von 2025 liegen aber in den Veränderungen, da sie schon ein bisschen früher als „gesuchte“ Ausgaben aufgenommen wurden …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Schröpf, Franz (Red.)
Fantasia Nr. 72-73
EDFC, Passau (1993)
ISBN 3924443599
Zwischen Fandom und Literaturwissenschaft: Die Publikationsreihe „Fantasia“ des Ersten Deutschen Fantasy Clubs (EDFC)
F
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Historischer Hintergrund und zeitliche Entwicklung
Um die Bedeutung von Fantasia 72-73 zu verstehen, ist ein Blick auf die Historie der deutschen Phantastik-Szene unerlässlich. Der Erste Deutsche Fantasy Club (EDFC) wurde bereits 1978 in Passau gegründet. Zu dieser Zeit steckte die Rezeption von Fantasy-Literatur in Deutschland noch in den Kinderschuhen; das Genre wurde im Literaturbetrieb häufig als reine Trivialliteratur abgetan.
Die Publikationsreihe Fantasia entwickelte sich über die Jahrzehnte hinweg von einem einfachen Vereinsorgan (Fanzine) zu einer professionell gestalteten, im Buchhandel erhältlichen Reihe. …
… Fantasia enthält Amateur-Kurzgeschichten, Gedichte, Artikel über Fantasy und deren Randgebiete, ferner Diskussionsbeiträge, umfangreiche Buch- und Filmbesprechungen, Hinweise auf Neuerscheinungen auf dem deutschen Fantasymarkt und Illustrationen. Neben den normalen Magazin-Ausgaben erscheinen auch häufig erscheinen Themennummern.… Auszug aus der Website des EDFC (14.6.2026)
Die Anfänge (1980er Jahre): Fokus auf Clubnachrichten, kurze Rezensionen und erste Gehversuche lokaler Autoren.
Die Konsolidierungsphase (1990er bis 2000er Jahre): Die Reihe öffnet sich verstärkt sekundärliterarischen Arbeiten. Namhafte Kritiker und Übersetzer wie Franz Rottensteiner publizieren hier fundierte Essays über internationale Größen wie Stanisław Lem, H.P. Lovecraft oder J.R.R. Tolkien.
Die Moderne (Ausgaben im Bereich 70+): Die Bände, zu denen auch die Doppelnummer 72-73 gehört, etablierten sich als dicke Paperbacks. Doppelnummern wurden vom Verlag strategisch eingesetzt, um thematische Schwerpunkte umfassend
Die Digitale (Ausgaben ab der Nummer 222e+): Seit der Nummer 222e im Jahre 2009 erscheint die Reihe nur mehr als eBook und diese ist auch seit 2015 kostenlos zu beziehen. Die Bestellung erfolgt einfach über: edfc@edfc.de…
Thomas Höhl, Franz Schröpf (Herausgeber(in)): „Die Schöne und das Biest“. In: Thomas Höhl (Autor/in) (Hg.): Fantasia, 1993, Nr. 72/73. Bd. 072/073. O. O.: Erster Deutscher Fantasy Club e.V. (EDFC) 1993 (= Fantasia (EDFC)), S. 223.
Bedeutung: Bibliographische Datenbank zur Verifizierung von Editionsdaten, Ausgabenverzeichnissen und historischen Publikationsreihen im Bereich der Spekulativen FiktionQuelle: ISFDB
Offizielle Dokumentation des Ersten Deutschen Fantasy Clubs e.V. (EDFC):
Onlinequelle …
Bedeutung: Primärquelle für Vereinsgeschichte, Publikationsindizes und VerlagsstrukturQuelle: EDFC
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Zunächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction ……
Heinz Ohff widmet sich in diesem Buch dem historischen und legendären König. Vermutlich hat er nie gelebt und im Grunde ist er historisch eigentlich nicht greifbar. …
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Wer an phantastische Geschichten denkt, hat meist sofort epische Schlachten mit Drachen, intergalaktische Raumschiffe oder schaurige Spukhäuser vor Augen. Doch diese Phänomene sind keineswegs isolierte Inseln der Popkultur. In der modernen Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft werden sie unter einem gemeinsamen, mächtigen Dach zusammengefasst: dem Metagenre der Fantastik (in der akademischen Tradition oft auch Phantastik geschrieben).
Ein Metagenre – auch als Makrogattung bezeichnet – beschreibt eine übergeordnete Strukturebene. Sie vereint verschiedene Einzelgenres, weil diese eine fundamentale, erzählerische Gemeinsamkeit teilen. Im Fall der Fantastik ist dies der bewusste, strukturelle Bruch mit den Gesetzen unserer empirischen, alltäglichen Wirklichkeit. …
„Fantastia Nr. 72-73“ mitsamt den relevanten Artikeln wurde aufgenommen. Die Besprechung habt ihr ja schon geliefert bekommen. Neu auch die Jahrbücher der Karl-May-Gesellschaft für die Jahre 2024 und 2025. Für 2024 ist ein relevanter Artikel von Friedhelm Schneidewind beinhaltet. Dann noch ein Krimi-Leitfaden mit Science-Fiction-Bezug eines Artikels darin. Das Buch zur künstlichen Intelligenz wurde als begleitende Literatur aufgenommen. Ein Katalog der Antiquare ist dabei und zuletzt ein Buch zur griechischen Mythologieforschung in dem die Medea-Mythen behandelt werden. Eine ziemliche Mischung, aber das zeigt die Vielfältigkeit der fantastischen Literatur eben. Das Buch zur Mythologieforschung und das Jahrbuch von 2025 liegen aber in den Veränderungen, da sie schon ein bisschen früher als „gesuchte“ Ausgaben aufgenommen wurden …
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Tauchen wir tiefer in das literaturwissenschaftliche Herzstück des Orlando Furioso ein. Wir betrachten die beiden faszinierendsten Dimensionen, die Ariostos Werk zu einem so wegweisenden Vorläufer moderner Erzählformen machen: seine revolutionäre Erzählstruktur und seine erstaunliche Antizipation von Science-Fiction-Motiven.
Das Wort Entrelacement stammt aus dem Französischen und bedeutet „Verflechtung“ oder „Ineinanderweben“. Ariosto hat diese Technik nicht erfunden – sie hat ihre Wurzeln in den altfranzösischen Artusromanen des Mittelalters –, aber er hat sie auf ein orchestrales, bis dahin unerreichtes Niveau gehoben. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)
Heroen und Heroisierungen in der Renaissace
Harrwssowitz, Wiesbaden (2013)
ISBN 978-3-447-06772-0
Das Erbe der Giganten: Wie die Renaissance das Bild des Helden neu erfand
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Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Hinter diesem Werk stehen zwei renommierte deutsche Wissenschaftler, die ihre gebündelte Expertise aus unterschiedlichen philologischen Disziplinen einbringen:
Dr. Achim Aurnhammer lehrte bis zu seiner Emeritierung Neuere Deutsche Literatur an der Universität Freiburg. Er gilt als ausgewiesener Experte für die Literatur und Kultur der Renaissance und des Barocks. Als Mitbegründer und langjähriger Akteur des dortigen Sonderforschungsbereichs (SFB) 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ hat er die kulturwissenschaftliche Erforschung des Heldenbegriffs in Deutschland entscheidend vorangetrieben.
Dr. Manfred Pfister ist Professor em. für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin. Seine Arbeiten zu Shakespeare, zur Intertextualität und zur Wahrnehmung Italiens in der englischen Literatur sind Standardwerke.
Gemeinsam gelingt es den Herausgebern, germanistische, anglistische und historisch-kulturwissenschaftliche Perspektiven so zu verknüpfen, dass der Sammelband trotz seiner akademischen Tiefe eine klare, nachvollziehbare Linie behält. …
Die Jahrestagung 2010 des Wolfenbüttler Arbeitskreises für Renaissanceforschung „Helden in der Renaissance“, die vom 4. bis 6. Oktober 2010 in Wolfenbüttel stattfand, widmete sich exemplarisch der Archäologie von Heroismen europäischer Prägung. Untersucht wurde eine Schlüsselepoche des europäischen Heldendiskurses … aus dem Vorwort
Der historische Hintergrund: Das Dilemma mit den antiken Göttern und der Mensch im Mittelpunkt
Um die Kernaussage des Buches zu verstehen, muss man einen Blick auf die Epochenwende werfen. Das Mittelalter kannte primär zwei Arten von Vorbildern: den christlichen Heiligen, der durch Demut und Gottesehrfurcht glänzte, und den Ritter, der seinen Mut in den Dienst des Glaubens oder seines Lehnsherrn stellte.
Mit dem Beginn der Renaissance (ca. 14. bis 16. Jahrhundert) änderte sich dies radikal. Die Gelehrten entdeckten die Antike neu. Plötzlich waren die alten griechischen und römischen Mythen wieder präsent – und mit ihnen Figuren wie Herkules, Achill oder Julius Cäsar. Diese „Heroen“ waren jedoch alles andere als christlich: Sie waren stolz, oft gewalttätig und suchten den unsterblichen Ruhm im Hier und Jetzt.
Die Renaissance war auch eine Epoche der Krisen und des Wandels: Die Erfindung des Buchdrucks revolutionierte die Kommunikation, die Entdeckung Amerikas weitete den Horizont, und Konfessionskriege erschütterten den Kontinent. In einer solchen Phase der Orientierungslosigkeit wuchs in der Gesellschaft das Bedürfnis nach Vorbildern und Identifikationsfiguren. Man suchte nach Orientierung und fand sie im „Heroischen“.
Das zentrale Dilemma der Renaissance: Wie lässt sich die Faszination für diese heidnischen, selbstbewussten Kraftprotze mit den moralischen Werten einer tiefchristlichen Gesellschaft vereinbaren?
Der rote Faden: Von der Antike zur bewussten Inszenierung
Das Buch zeichnet eine klare zeitliche und strukturelle Entwicklung nach, die den logischen roten Faden des Werks bildet. Diese lässt sich in drei wesentliche Phasen unterteilen:
Die Rückbesinnung auf die Antike (Frührenaissance): Zu Beginn stand die Wiederentdeckung der antiken Mythologie. Griechische und römische Halbgötter wie Herkules wurden adaptiert, um zeitgenössische Herrscher zu legitimieren. Der Held war zu dieser Zeit meist noch ein von den Göttern (oder Gott) Auserwählter.
Die Verweltlichung des Helden (Hochrenaissance): Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wandelte sich das Bild. Nicht mehr nur Krieger oder Heilige konnten Helden sein, sondern auch Künstler, Gelehrte, Entdecker und Dichter. Das Konzept der Virtù – der tatkräftigen, virtuosen Tugend des Individuums – trat in den Vordergrund. Der Held wurde zu jemandem, der sein Schicksal durch eigenen Verstand und Willenskraft formt.
Die Instrumentalisierung und Dekonstruktion (Spätrenaissance): Gegen Ende der Epoche erkannten Herrscherhäuser und Päpste die enorme Propagandawirkung von Heldenmythen. Es entwickelte sich eine regelrechte „Heroisierungs-Industrie“. Gleichzeitig zeigt das Buch jedoch auch, dass bereits in der Spätrenaissance (etwa bei Shakespeare) erste Zweifel am perfekten Heldenbild aufkamen und das Ideal ironisch gebrochen oder hinterfragt wurde.
Kernaussage für die Praxis: Wie wird man ein Held?
Die wichtigste Lehre des Bandes für den Laien lautet: Helden werden nicht geboren, sie werden gemacht. Das Buch unterscheidet präzise zwischen dem „Heroen“ (der Person) und der „Heroisierung“ (dem medialen Prozess).
Damit ein Mensch in der Renaissance zum Helden aufsteigen konnte, brauchte es literarische Biografien (wie jene von Giorgio Vasari über Künstler), monumentale Gemälde, Statuen oder festliche Umzüge. Heroisierung war eine frühe Form des gezielten Marketings und der Imagepflege – sei es zur Selbstüberhöhung des Künstlers oder zur Machtsicherung eines Fürsten.
Fazit:
„Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“ ist keine leichte Bettlektüre, aber ein ungemein reicher Wissensschatz für alle, die verstehen wollen, wie unsere modernen Vorstellungen von Geniekult und Prominenz entstanden sind. Für den interessierten Laien zieht das Buch eine klare, hochaktuelle Kernaussage: Heroisierung ist immer ein Akt der Kommunikation und der Inszenierung. Die Renaissance war die Geburtsstunde unseres heutigen Starkults. Sie zeigt uns, dass Gesellschaften sich genau die Helden erschaffen, die sie für ihre eigenen Werte, Sehnsüchte oder politischen Ziele gerade benötigen.
Aurnhammer und Pfister bieten mit diesem Band keine trockene Aufzählung historischer Daten, sondern eine packende Analyse darüber, wie Kultur und Politik Hand in Hand arbeiten, um Menschen in Ikonen zu verwandeln. Ein absolut empfehlenswertes Werk für jeden, der verstehen will, wie die Mechanismen von Ruhm und Verehrung in Europa historisch verankert sind. …
(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
Thematisch daraus empfohlen:
Hempfer, Klaus W. – Ariosts „Orlando Furioso“, Seite 45-70
[Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)] Heroen und Heroisierungen in der Renaissance. Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung, Band 28. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2013
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Zunächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction ……
Heinz Ohff widmet sich in diesem Buch dem historischen und legendären König. Vermutlich hat er nie gelebt und im Grunde ist er historisch eigentlich nicht greifbar. …
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Wer an phantastische Geschichten denkt, hat meist sofort epische Schlachten mit Drachen, intergalaktische Raumschiffe oder schaurige Spukhäuser vor Augen. Doch diese Phänomene sind keineswegs isolierte Inseln der Popkultur. In der modernen Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft werden sie unter einem gemeinsamen, mächtigen Dach zusammengefasst: dem Metagenre der Fantastik (in der akademischen Tradition oft auch Phantastik geschrieben).
Ein Metagenre – auch als Makrogattung bezeichnet – beschreibt eine übergeordnete Strukturebene. Sie vereint verschiedene Einzelgenres, weil diese eine fundamentale, erzählerische Gemeinsamkeit teilen. Im Fall der Fantastik ist dies der bewusste, strukturelle Bruch mit den Gesetzen unserer empirischen, alltäglichen Wirklichkeit. …
„Fantastia Nr. 72-73“ mitsamt den relevanten Artikeln wurde aufgenommen. Die Besprechung habt ihr ja schon geliefert bekommen. Neu auch die Jahrbücher der Karl-May-Gesellschaft für die Jahre 2024 und 2025. Für 2024 ist ein relevanter Artikel von Friedhelm Schneidewind beinhaltet. Dann noch ein Krimi-Leitfaden mit Science-Fiction-Bezug eines Artikels darin. Das Buch zur künstlichen Intelligenz wurde als begleitende Literatur aufgenommen. Ein Katalog der Antiquare ist dabei und zuletzt ein Buch zur griechischen Mythologieforschung in dem die Medea-Mythen behandelt werden. Eine ziemliche Mischung, aber das zeigt die Vielfältigkeit der fantastischen Literatur eben. Das Buch zur Mythologieforschung und das Jahrbuch von 2025 liegen aber in den Veränderungen, da sie schon ein bisschen früher als „gesuchte“ Ausgaben aufgenommen wurden …
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Tauchen wir tiefer in das literaturwissenschaftliche Herzstück des Orlando Furioso ein. Wir betrachten die beiden faszinierendsten Dimensionen, die Ariostos Werk zu einem so wegweisenden Vorläufer moderner Erzählformen machen: seine revolutionäre Erzählstruktur und seine erstaunliche Antizipation von Science-Fiction-Motiven.
Das Wort Entrelacement stammt aus dem Französischen und bedeutet „Verflechtung“ oder „Ineinanderweben“. Ariosto hat diese Technik nicht erfunden – sie hat ihre Wurzeln in den altfranzösischen Artusromanen des Mittelalters –, aber er hat sie auf ein orchestrales, bis dahin unerreichtes Niveau gehoben. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Chajim Bloch
Der Prager Golem
Benjamin Harz, Berlin (1920)
2. Auflage
Der Golem von Prag: Chajim Blochs Beitrag zur Modernisierung eines jüdischen Mythos …
G
Von der Gestaltlosigkeit zur Ikone der Popkultur: Kaum eine Figur des jüdischen Mystizismus hat den Sprung in das moderne kollektive Gedächtnis so nachhaltig geschafft wie der Golem. Während der Begriff in biblischen Zeiten noch eine „ungeformte Masse“ oder einen „Embryo“ (Psalm 139:16) beschrieb, wandelte sich das Motiv über Jahrhunderte hinweg zu einem künstlichen Menschen aus Lehm. Einen entscheidenden Wendepunkt in dieser Entwicklung markiert das Jahr 1919. Chajim Bloch (geboren am 27. Juni 1881 in Nagybocskó, Österreich-Ungarn; gestorben am 23. Januar 1973 in New York) war ein bedeutender chassidischer und kabbalistischer Rabbiner, Publizist und Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Vermittler der jüdischen Mystik und Folklore im deutschsprachigen Raum des frühen 20. Jahrhunderts. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine literarischen Bearbeitungen osteuropäischer jüdischer Sagen – allen voran der Legende um den Golem von Prag. Mitten in den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er sein Werk „Der Prager Golem: Von seiner ‚Geburt‘ bis zu seinem ‚Tod‘“ in Wien. Bloch schuf damit kein rein fiktionales Werk, sondern sammelte, sichtete und systematisierte die verstreuten mündlichen und schriftlichen Sagen des Prager Ghettos. Dieses Essay analysiert die historische Entwicklung des Golem-Mythos, die spezifische Struktur von Blochs Erzählungen und dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Schöpfungsmythen. …
Die zeitliche Entwicklung: Vom Ritual zur Rettungsfigur
Die Transformation des Golems vollzog sich nicht abrupt, sondern in klar abgrenzbaren historischen Phasen. Um Chajim Blochs Werk in seiner Tragweite zu verstehen, muss diese Evolution chronologisch nachvollzogen werden: …
… In seinem bekannten Roman „Der Golem“ sagt Gustav Meyrink: „Ich kann freilich nicht wissen, worauf sich die Golemsage zurückführen läßt, daß aber irgend etwas, was nicht sterben kann, in diesem Stadtviertel sein Wesen treibt und damit zusammenhängt, dessen bin ich mir sicher …Auszug aus dem Vorwort
Die zeitliche Entwicklung: Vom Ritual zur Rettungsfigur
Die Transformation des Golems vollzog sich nicht abrupt, sondern in klar abgrenzbaren historischen Phasen. Um Chajim Blochs Werk in seiner Tragweite zu verstehen, muss diese Evolution chronologisch nachvollzogen werden:
Spätantike und Frühmittelalter, 200–500 n. Chr.
Im Babylonischen Talmud wird die Erschaffung eines künstlichen Wesens als rein mystische, meditative Erfahrung beschrieben. Gelehrte nutzten das „Sefer Jezira“ (Buch der Schöpfung), um Gott durch die Kombination hebräischer Buchstaben nachzueifern. Das Wesen war stumm und diente keinem praktischen Zweck; die Schöpfung war ein Beweis spiritueller Reife.
Frühe Neuzeit: Der Golem als Diener, 1674
Die Erzählung verlässt den rein innerjüdischen Kreis. Der christliche Dichter Christoph Arnold beschreibt erstmals das Motiv eines Golems, der von polnischen Juden als stummer Hausdiener aus Lehm erschaffen wird. Hier taucht auch die Aktivierung durch das hebräische Wort „Emet“ (Wahrheit) auf der Stirn auf. Das Wesen wächst unaufhaltsam und droht seinen Schöpfer zu erdrücken – ein frühes Motiv der Hybris.
Die Romantik und die Verortung in Prag, 1808–1847
Die Brüder Grimm (1808) und Achim von Arnim popularisieren den Stoff im deutschsprachigen Raum. Ab den 1830er Jahren und manifestiert durch Wolf Pascheles‘ Textsammlung „Sippurim“ (1847) wird die Legende fest mit dem historischen Rabbiner Juda Löw (dem „Maharal von Prag“, ca. 1525–1609) und der Altneu-Synagoge verknüpft. Das Motiv verschiebt sich: Der Golem wird vom bloßen Hausdiener zum Beschützer des Ghettos gegen Ritualmordlegenden.
Chajim Blochs Anthologie, 1919
Mitten in einer Phase des aufflammenden Nationalismus und Antisemitismus in Europa veröffentlicht Chajim Bloch „Der Prager Golem“. Er formt aus disparaten Sagenfragmenten eine zusammenhängende, chronologische Biografie der Kreatur – von der Tongrube an der Moldau bis zur Einmauerung der Reste auf dem Dachboden der Synagoge.
Der Sprung in die Moderne, Ab 1920
Blochs Strukturierung bildet das Fundament für die moderne Popkultur. Paul Wegeners berühmter Stummfilm „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) und Karel Čapeks Theaterstück „R.U.R.“ (1920, welches das Wort „Roboter“ prägte) führen die Traditionslinie direkt in die moderne Science-Fiction und die Debatte um Künstliche Intelligenz.
Struktur und Inhalt bei Chajim Bloch
Chajim Blochs Verdienst liegt in der redaktionellen und erzählerischen Konsolidierung. Er präsentiert den Golem primär als „Ghetto-Heandl“ und Retter in der Not. Das Werk gliedert sich im Kern in fünf miteinander verwobene Motive:
Die Notwendigkeit der Schöpfung: Im Prag des späten 16. Jahrhunderts sieht sich die jüdische Gemeinde ständigen Anfeindungen und unbegründeten Anschuldigungen ausgesetzt. Rabbi Löw erschafft den Golem (genannt Yossele) nicht aus persönlicher Eitelkeit oder wissenschaftlicher Neugier, sondern als Akt der kollektiven Selbstverteidigung.
Das Schöpfungsritual: Bloch beschreibt detailliert die kabbalistische Prozedur. Gemeinsam mit einem Leviten und einem Kohen (Priester) formt Rabbi Löw den Lehm im Schein von Fackeln. Die Erschaffung nutzt die vier Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft) und wird durch das Umschreiten des Körpers und das Rezitieren präziser Buchstabenkombinationen vollzogen.
Die Natur des Wesens: Der Golem ist physisch übermenschlich stark, besitzt jedoch keine Seele (Neschama) und ist unfähig zu sprechen. Er gehorcht den Befehlen des Rabbiners wortwörtlich – was oft zu humorvollen oder gefährlichen Missverständnissen führt. Er patrouilliert nachts im Ghetto, um unbemerkt unterschobene Leichen (die für Ritualmord-Anschuldigungen genutzt werden sollten) abzufangen.
Die Katastrophe und die Deaktivierung: Wie in fast allen Iterationen des Stoffes gerät die Schöpfung am Ende außer Kontrolle. Als Rabbi Löw an einem Freitagabend vergisst, dem Golem seinen täglichen Auftrag zu erteilen, läuft dieser Amok und verwüstet das Ghetto. Der Rabbiner muss den Golem stoppen, indem er den belebenden Namen Gottes (oder den ersten Buchstaben des Wortes Emet, sodass Met = „tot“ übrig bleibt) entfernt.
Der Verbleib: Die leblose Lehmmasse wird auf dem Dachboden der Prager Altneu-Synagoge versteckt. Bloch schließt mit der bis heute faszinierenden Legende, dass die Reste des Golems dort überdauern und der Dachboden für die Öffentlichkeit strengstens gesperrt bleibt.
Die Kernaussage für die Gegenwart: Das Golem-Paradoxon
Für die heutige Leserschaft transportiert Blochs Werk eine zeitlose, hochaktuelle Meta-Ebene. Der Golem steht sinnbildlich für das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie.
Das Golem-Paradoxon: Der Mensch erschafft ein Werkzeug, um eine existenzielle Schwäche auszugleichen (beim Golem die physische Verwundbarkeit des Ghettos; in der Moderne die Limitierung des menschlichen Geistes oder der Arbeitskraft). Doch das Erschaffene entwickelt durch seine inhärente Seelenlosigkeit und die starre Befehlstreue eine Eigendynamik, die den Schöpfer letztlich bedroht.
Bloch zeigt auf, dass Technologie und künstliche Schöpfungen ohne ethisches Fundament und ohne ständige menschliche Kontrolle unweigerlich destruktiv werden. Damit schlägt „Der Prager Golem“ die Brücke von einer frühneuzeitlichen jüdischen Schutz-Erzählung zu den modernen Fragestellungen der Ethik von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz. …
[Gelbin, Cathy S.] The Golem: From Enlightenment Monster to Artificial Intelligence. In: Bulletin of the German Historical Institute, No. 69, 2021/2022, S. 79–94.
Relevanz:
Hervorragende historische Kontextualisierung der Rezeption von Christoph Arnold (1674) bis hin zur Verknüpfung mit künstlichen Menschen.Quelle: Dokument des GHI Washington
[Fernández Urtasun, Rosa] From the golem to the robots: a visual evolution of a myth. In: Journal of Aesthetics & Culture, Vol. 16, 2024.
[Zdenek, Annie] Leo Perutz (1882-1957): Nachts unter der steinernen Brücke. In: Recherches germaniques, No. 41, 2011, S. 59–71.
Relevanz:
Sekundärliteratur zur Einbettung des Prager Golem-Stoffs in die Prager Literatur der Zwischenkriegszeit (u.a. Wolf Pascheles‘ „Sippurim“ von 1847).Quelle: Eintrag im OpenEdition Portal
A]lfred Noe, widmet diesen Band der stilistischen Untersuchung französischer Prosa. Genauer gesagt französischer Horrorliteratur des 19. Jahrhunderts. …
Hier habe ich ein Werk, bei dessen Einordnung ich ein bisschen Schwierigkeiten hatte. Literarische Phantastik betreffen oder doch eher reiner Horror/Schauer? …
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Wer an phantastische Geschichten denkt, hat meist sofort epische Schlachten mit Drachen, intergalaktische Raumschiffe oder schaurige Spukhäuser vor Augen. Doch diese Phänomene sind keineswegs isolierte Inseln der Popkultur. In der modernen Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft werden sie unter einem gemeinsamen, mächtigen Dach zusammengefasst: dem Metagenre der Fantastik (in der akademischen Tradition oft auch Phantastik geschrieben).
Ein Metagenre – auch als Makrogattung bezeichnet – beschreibt eine übergeordnete Strukturebene. Sie vereint verschiedene Einzelgenres, weil diese eine fundamentale, erzählerische Gemeinsamkeit teilen. Im Fall der Fantastik ist dies der bewusste, strukturelle Bruch mit den Gesetzen unserer empirischen, alltäglichen Wirklichkeit. …
„Fantastia Nr. 72-73“ mitsamt den relevanten Artikeln wurde aufgenommen. Die Besprechung habt ihr ja schon geliefert bekommen. Neu auch die Jahrbücher der Karl-May-Gesellschaft für die Jahre 2024 und 2025. Für 2024 ist ein relevanter Artikel von Friedhelm Schneidewind beinhaltet. Dann noch ein Krimi-Leitfaden mit Science-Fiction-Bezug eines Artikels darin. Das Buch zur künstlichen Intelligenz wurde als begleitende Literatur aufgenommen. Ein Katalog der Antiquare ist dabei und zuletzt ein Buch zur griechischen Mythologieforschung in dem die Medea-Mythen behandelt werden. Eine ziemliche Mischung, aber das zeigt die Vielfältigkeit der fantastischen Literatur eben. Das Buch zur Mythologieforschung und das Jahrbuch von 2025 liegen aber in den Veränderungen, da sie schon ein bisschen früher als „gesuchte“ Ausgaben aufgenommen wurden …
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Tauchen wir tiefer in das literaturwissenschaftliche Herzstück des Orlando Furioso ein. Wir betrachten die beiden faszinierendsten Dimensionen, die Ariostos Werk zu einem so wegweisenden Vorläufer moderner Erzählformen machen: seine revolutionäre Erzählstruktur und seine erstaunliche Antizipation von Science-Fiction-Motiven.
Das Wort Entrelacement stammt aus dem Französischen und bedeutet „Verflechtung“ oder „Ineinanderweben“. Ariosto hat diese Technik nicht erfunden – sie hat ihre Wurzeln in den altfranzösischen Artusromanen des Mittelalters –, aber er hat sie auf ein orchestrales, bis dahin unerreichtes Niveau gehoben. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.
Georges Minois – Die Geschichte der Prophezeiungen, Albatros, Düsseldorf (2002) ISBN 9783491960435
Der Wandel der Zukunftsschau
D
„Die Geschichte der Prophezeiungen: Orakel, Utopien, Prognosen“ (französischer Originaltitel: Histoire de l’avenir: Des prophètes à la prospective, 1996) ist ein umfassendes kulturhistorisches Werk. Georges Minois untersucht darin ein urmenschliches Bedürfnis: das Verlangen, einen Blick in das Kommende zu werfen, und die Methoden, die Gesellschaften dafür im Laufe der Jahrtausende entwickelt haben. Hier ist eine detaillierte Übersicht zum Autor, dem Inhalt des Buches und einer kritischen Bewertung: …
Georges Minois (geboren 1946) ist ein renommierter französischer Historiker und Kulturwissenschaftler. Er gehört zur Tradition der französischen Mentalitätsgeschichte, die sich nicht primär mit politischen Ereignissen oder Daten beschäftigt, sondern damit, wie Menschen in früheren Epochen gefühlt, gedacht und geglaubt haben.
Minois ist bekannt dafür, monumentale, makrohistorische Themen anzupacken und sie über enorme Zeiträume hinweg zu analysieren. Zu seinen bekanntesten, auch ins Deutsche übersetzten Werken gehören eine Geschichte des Selbstmords, eine Geschichte des Atheismus sowie kulturgeschichtliche Arbeiten über das Alter, das Altern und die Hölle. Seine Arbeiten zeichnen sich durch immense Materialfülle, einen flüssigen Erzählstil und eine skeptisch-aufklärerische Grundhaltung aus. …
Nur die Zukunft verleiht unseren Handlungen einen Sinn, rechtfertigt sie oder offenbart ihre Vergeblichkeit. Um voll und ganz leistungsfähig zu sein, müssen wir diese Zukunft also kennen. Das galt für den vorgeschichtlichen Menschen … es gilt weiterhin für die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen unserer Tage … Einleitung
Minois‘ Kernthese lautet: Jede Epoche spiegelt ihre eigenen Ängste, Werte und Sehnsüchte in dem Bild wider, das sie sich von der Zukunft macht. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und zeigt, wie sich die menschliche Strategie zur Bewältigung der Ungewissheit gewandelt hat – von der Ergebung in den göttlichen Willen bis zum Versuch der technologischen Kontrolle.
Der Wandel der Zukunftsschau lässt sich im Wesentlichen in vier große Epochen und Formen unterteilen:
Die Epochen der Zukunftsschau
Epoche / Phase
Dominierende Methode
Kernmerkmale
Antike
Orakel und Divination
Menschen befragen die Götter (z. B. das Orakel von Delphi) oder deuten Zeichen in der Natur (Vogelflug, Leberschau). Die Zukunft gilt als von den Göttern vorherbestimmt; der Mensch versucht lediglich, sich anzupassen.
Mittelalter
Prophezeiungen und Apokalyptik
Mit dem Monotheismus ändert sich der Fokus. Die Zukunft wird linear verstanden und steuert auf ein definiertes Ende zu (das Jüngste Gericht). Astrologie und biblische Prophezeiungen dominieren, das irdische Schicksal ist zweitrangig gegenüber dem Seelenheil.
Frühe Neuzeit
Utopien
Ab der Renaissance und Aufklärung verliert die göttliche Vorsehung an Gewicht. Gelehrte beginnen, die ideale Gesellschaft der Zukunft selbst zu entwerfen (z. B. Thomas Morus‘ Utopia). Der Mensch nimmt die Gestaltung seiner Zukunft theoretisch selbst in die Hand.
Moderne & Gegenwart
Prognosen und Futurologie
An die Stelle von Sehern treten Wissenschaftler, Ökonomen und Computerprogramme. Mittels Statistik, Trendforschung und mathematischen Modellen (Prospective) wird versucht, die Zukunft rational und berechenbar zu machen.
Minois zeigt eindrucksvoll, dass trotz des wissenschaftlichen Fortschritts auch die moderne Futurologie oft auf wackeligen Beinen steht. Er argumentiert, dass moderne ökonomische oder klimatische Prognosen in ihrer gesellschaftlichen Funktion den antiken Orakeln erstaunlich ähnlich sind: Sie dienen der Beruhigung oder der Verhaltenssteuerung in der Gegenwart.
Bewertung des Werkes
Positive Aspekte (Stärken)
Enorme historische Bandbreite: Minois schafft es, einen Bogen von der Prähistorie über Mesopotamien und die Antike bis hin zur modernen Systemanalyse des späten 20. Jahrhunderts zu spannen, ohne den roten Faden zu verlieren.
Erhellende Perspektivumkehr: Das Buch lehrt den Leser, dass „Zukunft“ kein feststehender Fakt ist, sondern ein kulturelles Konstrukt. Wer wissen will, wie eine Epoche tickte, muss sich ansehen, wovor sie Angst hatte und worauf sie hoffte.
Unterhaltsam und entlarvend: Minois schreibt mit einer gesunden Portion Ironie. Er deckt schonungslos auf, wie oft Propheten, Astrologen und auch moderne Experten mit ihren Vorhersagen grandios danebenlagen. Er entlarvt beispielsweise die Fixierung auf die Jahrtausendwende (das Jahr 2000) als irrationalen Fetischismus.
Kritische Einwände (Schwächen)
Eurozentrismus: Wie viele Werke der französischen Mentalitätsgeschichte konzentriert sich auch dieses Buch sehr stark auf die westliche, europäische Denktradition. Asiatische, afrikanische oder indigene Vorstellungen von Zeit und Zukunft (wie zyklische Zeitkonzepte) kommen zu kurz.
Wissenschaftliche Detailtiefe: Gelegentlich neigt Minois zu sehr breiten Verallgemeinerungen. Fachhistoriker haben ihm bei einigen seiner Bücher (unter anderem auch bei der Geschichte des Atheismus) vorgeworfen, den aktuellen Forschungsstand von Spezialdisziplinen zu Gunsten eines flüssigen, populärwissenschaftlichen Erzähltons manchmal zu vernachlässigen.
Fehlende Aktualität zur jüngsten Gegenwart: Da das Buch im Original 1996 erschienen ist, fehlen die rasanten Entwicklungen des 21. Jahrhunderts – insbesondere die digitalisierte Algorithmen-Zukunft, Big Data und die Vorhersagemodelle durch Künstliche Intelligenz. Die philosophische Grundlage, die Minois liefert, lässt sich jedoch nahtlos auf diese neuen Phänomene anwenden.
Fazit
„Die Geschichte der Prophezeiungen“ ist ein faszinierendes und zeitloses Handbuch der menschlichen Hoffnung und Skepsis. Es nimmt dem Leser den blinden Glauben an „Expertenprognosen“ und zeigt, dass der Blick in die Zukunft letztlich immer nur ein Spiegel der Gegenwart ist. Wer sich für Geistesgeschichte, Philosophie und die Psychologie der Menschheit interessiert, findet hier ein extrem reiches und anregendes Werk. …
Anmerkung:
Insbesondere sind folgende Abschnitte empfohlen:
Seite 111: Die Utopie, Ersatz der Prophetie
Seite 247: Merlins Prophezeiungen, divinatorische Träume und Unruhe der Kirche
Seite 538: Die Utopie: vom Chiliasmus zum Szientismus
Seite 546: Die Utopie als soziopolitisches Projekt
Seite 550: Utopie und Zukunft
Seite 555: „Das Jahr 2440“: Traum oder Alptraum
Seite 626: Die Propheten der wissenschaftlichen Utopie: auf dem Weg zur kommunitären Menschheit
Seite 632: Die wissenschaftlich-religiösen Propheten oder die Utopie auf dem Vormarsch
Seite 658: Zögern und Zweifeln der Science-fiction
Seite 671: Vom Pessimismus der Science-fiction und der Gegenutopie zur Vorsicht der Wahrscheinlichkeitsrechnug und der Prospektive (20. Jahrhundert)
Seite 685: Vom utopischen Optimismus zum Pessimismus der Science-fiction
Seite 689: Samjatin und Huxley: Die Konditionierung zum Glück
Seite 693: George Orwell: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft“
(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
Original: Histoire de l’avenir
(1996) Librairie Artheme Fayard, Paris
[Wikipedia] Georges Minos
In seinem Werk Geschichte der Zukunft. Orakel, Prophezeiungen, Utopien, Prognosen (1996) erzählt er die Geschichte der Zukunft als eine Geschichte der Praxen, mit denen versucht wurde die Zukunft zu deuten. …
Letztlich schreibt Minois also eine Geschichte der Vorhersagen und ihrer Techniken. Sein Quellenfundus sind alle in diese Richtung zielende Praktiken, von vorchristlichen Orakeln und Prophezeiungen bis zu Utopien und wissenschaftlichen Vorhersagen unserer Tage. …
Zunächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction ……
Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …
Wer an phantastische Geschichten denkt, hat meist sofort epische Schlachten mit Drachen, intergalaktische Raumschiffe oder schaurige Spukhäuser vor Augen. Doch diese Phänomene sind keineswegs isolierte Inseln der Popkultur. In der modernen Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft werden sie unter einem gemeinsamen, mächtigen Dach zusammengefasst: dem Metagenre der Fantastik (in der akademischen Tradition oft auch Phantastik geschrieben).
Ein Metagenre – auch als Makrogattung bezeichnet – beschreibt eine übergeordnete Strukturebene. Sie vereint verschiedene Einzelgenres, weil diese eine fundamentale, erzählerische Gemeinsamkeit teilen. Im Fall der Fantastik ist dies der bewusste, strukturelle Bruch mit den Gesetzen unserer empirischen, alltäglichen Wirklichkeit. …
„Fantastia Nr. 72-73“ mitsamt den relevanten Artikeln wurde aufgenommen. Die Besprechung habt ihr ja schon geliefert bekommen. Neu auch die Jahrbücher der Karl-May-Gesellschaft für die Jahre 2024 und 2025. Für 2024 ist ein relevanter Artikel von Friedhelm Schneidewind beinhaltet. Dann noch ein Krimi-Leitfaden mit Science-Fiction-Bezug eines Artikels darin. Das Buch zur künstlichen Intelligenz wurde als begleitende Literatur aufgenommen. Ein Katalog der Antiquare ist dabei und zuletzt ein Buch zur griechischen Mythologieforschung in dem die Medea-Mythen behandelt werden. Eine ziemliche Mischung, aber das zeigt die Vielfältigkeit der fantastischen Literatur eben. Das Buch zur Mythologieforschung und das Jahrbuch von 2025 liegen aber in den Veränderungen, da sie schon ein bisschen früher als „gesuchte“ Ausgaben aufgenommen wurden …
Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …
Tauchen wir tiefer in das literaturwissenschaftliche Herzstück des Orlando Furioso ein. Wir betrachten die beiden faszinierendsten Dimensionen, die Ariostos Werk zu einem so wegweisenden Vorläufer moderner Erzählformen machen: seine revolutionäre Erzählstruktur und seine erstaunliche Antizipation von Science-Fiction-Motiven.
Das Wort Entrelacement stammt aus dem Französischen und bedeutet „Verflechtung“ oder „Ineinanderweben“. Ariosto hat diese Technik nicht erfunden – sie hat ihre Wurzeln in den altfranzösischen Artusromanen des Mittelalters –, aber er hat sie auf ein orchestrales, bis dahin unerreichtes Niveau gehoben. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.