Archiv für die Kategorie allgemeine Phantastik

Schon preiswerter und ebenso empfehlenswert …

Wie man die Unendlichekeit in den Griff bekommt

Wie man die Unendlichekeit in den Griff bekommt

Schon in einer anderen Preisliga, aber genaus so empfehlenswert wie „Reihenweise“ ist „Wie man die Unendlichekeit in den Griff bekommt“ des Septim Verlages. Das neuerste Buch der James Tiptree Jr.-Werkausgabe.

2015 jährt sich der Geburtstag von Alice B. Sheldon alias James Tiptree Jr. zum hundertsten mal.
Der Jubiläumsband zur Werkausgabe mit den Briefen, Essays und Gedichten der Autorin James Tiptree Jr. alias Alice B. Sheldon. In Zusammenarbeit mit Julie Phillips (Autorin der Biografie) erscheint hier auch zum ersten Mal weltweit der komplette Briefwechsel zwischen James Tiptree Jr. und Ursula K. Leguin in einem Buch.
Der Band wird von diversen weiteren Sekundärtexten anderer Autorinnen und Autoren begleitet.

Warum diese Jubiläumsband so verspätet kommt ist mir nicht bekannt, aber – Gott sei Dank – erschienen ist er. Eine gute Rezension zu dem Buch empfehle ich auch: Phantastisch! Nr. 66 (wie ich auch das gesamte Magazin empfehle – logo)

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Bei aller Liebe … nein, das ist zu teuer …

Reihenweise - Die Taschenbücher der 1950er Jahre und ihre Gestalter

Reihenweise – Die Taschenbücher der 1950er Jahre und ihre Gestalter

Heute gefunden …

Amazon Artikelbeschreibung:

Das Taschenbuch ist bis heute eine, vielleicht die verlegerische Erfolgsgeschichte der Nachkriegszeit. Inhalt und Verpackung, Lesestoff und Ästhetik der Taschenbücher mit ihren hohen Auflagen spiegeln die kulturelle Szenerie der 1950er Jahre im deutschsprachigen Raum wider. »Reihenweise« lässt diese
Epoche in zwei Bänden Revue passieren.
Der erste Band ordnet die Taschenbücher der 1950er Jahre in die Kulturlandschaft jener Tage ein, mit einem Schwerpunkt – schon allein wegen der überwiegenden Zahl der Verlage – auf der Bundesrepublik. Die Reihen, ob umfangreich und nachhaltig oder schmal und ephemer, werden vorgestellt und ihre Gestaltung anhand ausgewählter aussagekräftiger Beispiele belegt.
Das farbige Bildregister im zweiten Band dokumentier alle den Autoren bekannt gewordenen Umschläge in ihren unterschiedlichen Versionen, die in dem Zeitraum zwischen 1950 und 1959 erschienen sind. Eine Bibliographie der rund 5.000 Titel ergänzt die üblichen Angaben um die Gestalter, soweit sie sich ermitteln ließen. Die Bibliographie bietet einen weitgehend vollständigen Überblick über die Taschenbuchausgaben der 1950er Jahre. Der Gestalterindex liefert weitere Daten zu den Grafikerinnen und Grafikern und erschließt, gemeinsam mit einem Titel- und Autorenregister, die beiden Bände.
Die Vorzugsausgabe in rotem Leinen zum Preis von 499,00 Euro, auf 75 nummerierte Exemplare beschränkt, enthält zusätzlich ein Booklet mit Entwurfszeichnungen von Karl Gröning jun. und Gisela Pferdmenges und einem Vorwort von Manuel Gröning. Die nummerierten Exemplare werden von den Verfassern signiert.“

Soweit, sogut, aber der Preis: neu 249, gebraucht ab 224.– Euro

Schluck …..

Ja, die Bücher sind aufwändig mit den ganzen Bildern usw. aber der Preis liegt jenseits von Gut und Böse. Die Besprechungen, auch soweit es keine Werbeartikel sind, sprechen auch nicht schlecht darüber, ja loben es sogar. Mit hängt zwar die Zunge danach aus, aber es gibt ganz eindeutig Grenzen und 224,– Euro liegt ganz eindeutig weit darüber. Schade. Aber vermutlich wird mit Zuwarten auch der Preis niedriger sobald es in den Antiquariatshandel kommt. Mal sehen ….

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Merlin im Spiegel der Moderne, Karl Hepfer in: Inklings, Band 17 – Phantastische Kinderliteratur, Dieter Petzold (Hrsg.), Brendow, Moers (1999)

Inklings, Band 17, Dieter Petzold (Hrsg.), Brendow, Moers (1999)

Inklings, Band 17, Dieter Petzold (Hrsg.), Brendow, Moers (1999)

In letzter Zeit sind mir einige recht interessante Veröffentlichungen in Verbindung mit dem Zauberer, Seher und Königsratgeber Merlin in die Hände gefallen.

Unteranderem zwei Essays in den bekannten INKLINGS-Jahrbüchern, die ich ohnehin empfehle zu lesen.

In Band 17, Seiten 226-245, lässt uns Karl Hepfer „Merlin im Spiegel der Moderne“ betrachten (das zweite Essay, „Merlin: Ein Mythos und seine Aufarbeitung in der filmischen Populärkultur“ von Nadia Ghattas und Susanne Kroner, in: Inklngs, Band 18) werde ich zu gegebener Zeit noch rezensieren). Im Vertrauen kein leichtes Unterfangen. Sehr wissenschaftlich und manchmal etwas kryptisch. Aber ich bin ja auch kein Wissenschaftler.

Wichtig für mich schien mir jedenfalls eher das „rundherum“. Woher kommt Merlin literarisch? Warum ist diese Figur im Nebel der Geschichte so verschwommen wahrnehmbar? Ist er eher eine literarische Gestalt oder gibt es auch konkrete Hinweise auf eine historische Figur Merlin?

Wie es oft sonderbar einhergeht, habe ich für meine Recherche zu meinen sekundärliterarischen Vorhaben, die „VITA MERLINI“ von Geoffry of Monmouth gesucht und gefunden. Jedoch fand ich keinen wirklichen Einstieg in das Thema, warum auch immer, manchmal ist es eben so. Da kam dieses Essay zufällig gerade recht.

Laut Karl Hepfer, und das nehme ich an ist keine neue Erkenntnis von ihm, ist der Seher und Magier Merlin 1136 erstmalig literarisch fassbar. Diese mittelalterliche Gestalt geistert also seit undenklichen 🙂 Zeiten durch die Köpfe der Menschen. Obwohl es auch für möglich gehalten wird, dass diese Figur bereits auf eine historische Gestalt des 6. Jahrhunderts zurückgeht.

Hepfer vermittelte mir auch, dass man wohl mit der „Prophetiae Merlini“ (Ende 1135), welche später in die „Historia regum Britanniae“ (1136) eingearbeitet wurde und dort in späterer Zeit als Buch VII weite Verbreitung fand, die Betrachtung beginnen muss. Mit der „Vita Merlini“ (zwischen 1148 und 1150) ändert sich die Beschreibung von Merlin etwas.

Zunächst gilt Merlin als Sohn eines Teufels und einer Jungfrau (ein göttliches Zeichen?), wird der Ratgeber der herrschenden Könige Britanniens wie, Ambrosius, Uther und Arthur. Er errichtet Stonehenge in Dalisbury Plain und ist an der Zeugung Arturs verursachend beteiligt.

In der „Vita Merlini“ ändert sich das Bild und Merlin wird als Krieger und König dargestellt, der auch als Barde und Druide geschildert wird. Es zieht sich, nach einer Schlacht um den Verstand gekommen, in den Wald zurück und wird als Prophet und Seher beschrieben.

Die erste Erwähnung der Tafelrunde und von Avalon wird 1155 von Wace, der die „Historia regnum Britanniae“ ins Französische übersetzt („Le Roman de Brut„). Allerdings mit Veränderungen aus anderen Quellen. Die Figur Merlins wird eine überaus bekannte Figur im gesamten mittelalterlichen Europa.

Ab hier ist es dann für mich schwierig Hepfer wirklich zu folgen bzw. seine Ausführungen in letzter Konsequenz zu verstehen. Was mich so noch nicht wirklich stört, da ich mit fortschreitender Einarbeitung in das Thema sicher genug Kenntnisse ansammeln kann um dem Essay eine zweite Chance zu geben.

Jedenfalls durchleuchtet Hepfer die Merlin-Geschichte(n) von T.H.White, C.S.Lewis und J.C.Powys. Er ist damit in der Moderne angekommen. Von Ersterem analysiert er „The One and Future King“ bzw. „The Book of Merlyn“. Von Zeiterem betrachtet er „That Hideous Strength“ bzw. „The Abolition of Man. Ridell Memorial Lectures“. Von Letzterem steht „Porius. A Romance of the Dark Ages“ zur Diskussion.

Um jemanden, der den Essay nicht zu fassen bekommt zu helfen, hier das Conclusio von Karl Hepfer:

„… White erzählt mit Witz und Ironie. Allein der erzählerische Trick, Malory vom Standpunkt der Moderne her wiederzugeben, bietet mannigfaltige Möglichkeiten der Ironisierung. Ganz offenkundig ist der Autor in die Sprache verliebt: … […] … C.S.Lewis hingegen erzählt nicht ohne Engagement, aber aus kühler Distanz, mit einer so überquellenden Phantasie, dass man sich als Leser fragt, ob Anleihen bei Olaf Stapledon nötig waren. …[…] … Powys schließlich geht ganz und gar in seinem Roman auf. […] In seiner Merlin-Gestalt, die mit der Wiederkehr des Goldenen Zeitalters verbunden ist, summieren sich alle Elemente einer in einem langen Leben erworbenen Weltanschauung. …“ (Auszug Seite 224-245)

Interessiert? Ich kann das Essay jedenfalls empfehlen, es bietet eine Fülle von interessantem Material. Grundsätzlich sei auch die Inklings-Reihe wärmstens ans Herz gelegt. Die Jahrbücher sind immer eine Lesung wert. Hingewiesen sei auch noch aus sekundärliterarischer Sicht auf das „Nachwort: Im Banne Merlins oder Der Prophet und die Romantiker“ von Kurt Günzel in: „Geschichte des Zauberers Merlin„, Dorothea und Friedrich Schlegel, Diederichs, Köln (1984), das das Vorliegende wunderbar ergänzt (dazu auch ein andermal).

Die bibliografischen Daten:

Dieter Petzold (Editor)
Inklings, Band 17: Phantastische Kinderliteratur – Zeitgenössische Fantasy und Phantastik, Jahrbuch für Literatur und Asthetik
Brendow, Moers (1999), Taschenbuch, 302 Seiten
ISBN 3870678038

antiquarisch: derzeit vergriffen

Buchverbindungen:
Quelle für (Inhaltsartikel): Geschichte des Zauberers Merlin, Diederichs Eugen, 1984
Rezension von: Hans Steinacker, C. S. Lewis – Leben und Werke, Hänssler-Verlag, 1999
Rezension von: Jorge Luis Borges zur Einführung, Junius Verlag, 1999
Rezension von: Georges Minois;Eva Moldenhauer, Geschichte der Zukunft, Artemis & Winkler, 1998
Rezension von: Gilbert K Chesterton;Ulrich Enderwitz, Ketzer. Eine Verteidigung der Orthodoxie gegen ihre Verächter., Eichborn AG, 1998
Rezension von: Marsmenschen, Reclam, 1997
erwähnt: Frank T. Zumbach;Martin Sulzer-Reichel, Edgar Allan Poe, dtv, 1999

sekundärliterarisch relevanter Inhalt:
1. Wasserräder, Heilquellen und Tauf(ge)wässer / Christiane Bimberg (Autor/in) (35-55)
2. Kiplings Kinder / Stefan Welz (Autor/in) (56-69)
3. Phantastische Räume in Pamela L. Travers‘ Mary Poppins / Katharina Hagena (Autor/in) (70-83)
4. Phantasie und innere Heilung / Claas Kazzer (Autor/in) (84-104)
5. Perhaps ist ist only a game: Postmoderne und Phantastik im Kinderbuch / Martina Seifert (Autor/in) (105-137)
6. Phantastik und Gesellschaftskritik im DDR-Kinderbuch / Silke Fokken (Autor/in) (138-155)
7. Merlin im Spiegel der Moderne / Karl Hepfer (Autor/in) (226-245)
8. Besprechungen / Verschiedene (Autor/in) (246-290)
9. Weitere eingegangene Bücher / Verschiedene (Autor/in) (291-294)

in der Online-Bibliothek: https://www.librarything.de/work/19419807/book/140603184

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James Macpherson – und die gefälschten schottischen Epen

Die 46. Schlüsselidee in dem Buch „50 Schlüsselideen – Literatur“ lautet – Literarische Lügen. Es werden hier sechs literarische Spielarten der Lüge betrachtet. (Nebenbei: ich finde das Buch grandios)

  1. die übertriebene Ausschmückung
  2.  die heroische Lüge
  3. das Verschweigen der Wahrheit
  4. die Entstehungslüge
  5. die Fälschung
  6. die Lügen, die wirklich schmerzen

492px-James_Macpherson_by_George_RomneyUnter Punkt 5 heißt es:“ … Oder Macpherson, der schottische Epen fälschte, die er – vorgeblich – aus der ruhmreichen gälischen Vorgeschichte seines Landes ausgegraben hatte und einem Barden namens „Ossian“ zuschrieb. …“

Der Urvater der heroischen und unheimlichen Fantasy ein Fälscher? Und doch beeiflusste er auch einen J.R.R. Tolkien. Faszinierend …

Petra Kipphoff schreibt in „Schönste Folgen einer Fälschung“ am 10. Mai 1974 in der Zeit-Online:“ … James Macpherson (1736 bis 1796), ein armer, ehrgeiziger und talentierter junger Mann, war mehr als ein kleiner Fälscher. Aus originalen Brocken und unter geschickter Verwendung irischer und schottischer Sagenmotive stellte er authentische Falsifikate her und konstruierte, durch die Reaktion begeisterter Literatur-Kenner und Liebhaber quer durch Europa in prolongierte Entdeckerfreude und Schöpferstimmung getrieben, ein überzeugend fragmentarisches Gebäude altenglischer Epik: 1760 erschienen seine „Fragments of Ancient Poetry Collected in the Highlands“, 1761 „Fingal“, 1763 „Temora“, 1765 eine „The Works of Ossian“ betitelte zweibändige Gesamtausgabe. James Macpherson liegt zu recht in der „Poets’ Corner“ der Westminster Abbey begraben.

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Demokratie, eine entartete Staatsform …

„… Aristoteles unterscheidet drei „gute“ Staatsformen – Monarchie, Aristokratie und Politie –  sowie drei „entartete“ Staatsformen – Tyrannis, Oligarchie und Demokratie. Während in den guten Staaformen zum allgemeinen Nutzen regiert werde, sei die Tyrannis eine Alleinherrschaft zum Nutzen des Herrschers, die Oligarchie eine Herrschaft zum Nutzen der Reichen und die Demokratie eine solche zum Nutzen der Armen …“
(siehe dazu Inklngs 30, seite 246)

Inklings, Band 30Ich  muss gestehen, so habe ich das bisher noch nicht gehört. Gerd Strohmeier stellt diese und andere Grundzüge der Gewaltenteilungslehre an den Anfang seines Artikels „Ein Ring … Gewaltenteilung zu unterbinden – J. R. R. Tolkiens The Lord of the Rings aus Sicht der Gewaltenteilungslehre“.

Ich habe diesen Artikel ganz unbedarft zu lesen begonnen und bin dann unversehens über diese Textstelle gestolpert. Demokratie – eine entartete Staatsform zum Nutzen der Armen? Ich war etwas verblüfft. Kann man das wirklich so sehen? Ist unsere Demokratie also keine Demokratie im Sinne Artisoteles?

Aristoteles relativiert diese Aussage jedoch einigermaßen, indem er als beste Staatsform die mildeste Form der Demokratie vereint mit der mildesten Form der Oligarchie als Mischverfassung sieht.

Jedenfalls hat mich dieser Artikel einigermaßen zum Nachdenken gebracht. Man soll also nicht sagen, dass ältere Artikel nicht doch noch Nachwirkungen haben können. Den Rest des Beitrags lesen »

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