Thomas Sebesta im Interview

Ein Interview von Michael Weisser

2019_Weisser_Sebesta_Interview

Lieber Thomas,

seit ich vor einigen Wochen deinen »Treffpunkt Phantastik« als einen Weblog für »deutschsprachige Sekundärliteratur zur Phantastik (…)« im Internet unter sebesta-
seklit.net abonniert habe, werde ich zuverlässig jeden Morgen mit
einer Information zum Thema versorgt. Datiert sind die meisten Eintragungen gegen 6:00 morgens – du bist also ein Frühaufsteher ;-)))

Erst einmal vielen Dank dafür, dass du dir so viel Mühe machst und alle Interessierten mit immer neuen Informationen über die große Welt des Fantastischen versorgst.

Wenn jemand so viel Ambition für einen kostenfreien Service aufbringt, entsteht bei mir immer die Frage: Was treibt diesen Menschen an? Was steht hinter der vielen Arbeit, die sich jemand macht? Welchen Ursprung hat diese Motivation? Ich forsche in deinem Blog, ob es einen entsprechenden Hinweis gibt. Unter »Impressum« finde ich die üblichen Informationen zum Inhaber, zu Nutzungsbestimmungen, Urheberschutz, Datenschutz etc. Dann treffe ich auf einen Hinweis zum Zweck dieses Webprojektes, der beschrieben ist als: »Referenzblog für deutschsprachige Sekundärliteratur zur Science-Fiction-, Fantasy- und Horrorliteratur, internationalem Film und Fernsehen und Hörspiel in Bezug auf Daten zu Urhebern (Autoren, Herausgebern, Regisseuren, usw.) und deren Werken, Verlagen und deren Ausgaben bzw. Preise (Awards) und deren Ausrichten, unter Berücksichtigung der Daten zugehöriger und thematisch ergänzender, anderssprachiger Literatur, Urhebern, Verlagen und Preisen (Awards).«

Wow, das ist ein inhaltsschweres, ambitioniertes Projekt! Und ich stoße weiterhin auf den Hinweis über das Angebot: »sebesta- seklit.net ist ein nicht-kommerzielles Angebot, das von eigenen Eintragungen und der freiwilligen Unterstützung zahlreicher Fans und deren Beiträgen lebt. Es werden keine Honorare bezahlt; die hier vertretenen Meinungen und Kommentare decken sich nicht immer mit der Meinung des Herausgebers.« Aber es gibt keine Informationen zu den Hintergründen des Entstehens, zur Intention oder Wirkung sowie zu Kriterien oder zur Person und Kompetenz des Bloggers – weder im Impressum noch als Beitrag (wo es als Intro sinnvoll wäre.) Vielleicht helfen meine neugierigen Fragen nicht nur mir, etwas Durchblick zu gewinnen, sondern auch dir, dein kompliziertes Projekt in Worte zu fassen. Und vielleicht interessieren sich auch deine Nutzer und die SF-Szene für Hintergründe, selbst wenn sie nicht spektakulär interstellar, sondern konkret terrestrisch sind ;-))) Meine Erfahrung bei der Recherche zu einer recht umfangreichen Publikation mit dem Titel »neugierig:denken!« (unlängst bei Die|QR|Edition @ p.machinery erschienen) hat mir gezeigt, dass außergewöhnliche Leistungen, intensives Engagement und Ambitionen (die über den Tellerrand blicken) immer im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte von Menschen stehen und die aktiven Persönlichkeiten leider (!) zu sehr hinter ihren Leistungen im Unsichtbaren verborgen bleiben. Da mich diese Zusammenhänge zwischen der Lebensgestaltung und deren Ausprägungen als kulturelle Formen wie Literatur, Kunst, Musik sowie Sammeln und Inventarisieren interessiert, möchte ich dir nachfolgend einige Fragen stellen. Vielleicht bist du selbst über deine Antworten überrascht (denn wer stellt heute schon noch Fragen) und vielleicht kommst du zu dem Schluss, dass deine Motivation und Arbeitsweise auch für andere  Leser und Nutzer deines Inventars von Interesse sind – dann kannst du dieses spontane »Interview« gern in deinen Blog aufnehmen ;-))) Ich denke, ich werde unseren Austausch (deine freundliche Zustimmung vorausgesetzt) auch in mein Web-Inventar www.rice.de unter dem Stichwort »Science-Fiction« integrieren. Und vielleicht hat ja auch noch das SF-Magazin ANDROMEDA NACHRICHTEN Interesse, diese Hintergründe zu veröffentlichen?!

Hier sind meine Fragen an dich:

Thomas, gibt es einen nachvollziehbaren Grund, z. B. ein Schlüsselereignis, weshalb dich das Thema Fantastik so (!) sehr interessiert, dass du zum passionierten Sammler, Leser, Kommentator und Inventarisierer geworden bist? Wann hat es begonnen?

Ein Schlüsselereignis gibt es so nicht – würde ich behaupten. Es ist gewachsen. Begonnen hat es mit Erich von Däniken – einem der größten Fantasten der Gegenwart (hoffentlich liest er das nie), nach seinen Büchern war auf einmal Science-Fiction ein großes Thema für mich. Nachdem ich immer schon einen Hang zum Sammeln hatte, waren Bücher bald das Ziel dieser Sammelleidenschaft und mit dem Aufkommen von Computern war es auch möglich, Ordnung in dieses wachsende Chaos zu bekommen. Also begann ich, eigene Computerprogramme für die Buchverwaltung zu entwickeln.

Im heute noch existenten »SF-Forum« wurde eines Tages über Datenbanken und die ISFDB (International Science Fiction Database) geplaudert, die damals gerade in einer Krise steckte, und das war die Geburtsstunde der DSFDB (Deutsche Spekulative Fiktion
Datenbank). Wir fanden einen Datenbankprogrammierer (sehr spezieller Typ) eines untergegangenen Projektes, welcher bei uns anheuerte, und ich verlegte mich auf Internet-Programmierung. Das Ziel dieser DSFDB war schlicht und einfach die Erfassung
sämtlicher SF-Werke, Ausgaben, Personen, Preise und Verlage samt Serien aus dem deutschsprachigem Umfeld in der Größenordnung von geschätzten 500.000 Datensätzen auf wissenschaftlich verwertbarem Niveau unter Verlinkung aller Querverbindungen der Werke auch untereinander. Einfach Größenwahn und daher zum Untergang verurteilt – weiß ich heute.

Wie bist du in dieser Situation mit dir und deiner Obsession umgegangen? Welche Lösung hat sich ergeben – oder welche Lösung hast du im Verlauf der Zeit organisiert?

Meine Überlegung war, die Beschäftigung auf ein Gebiet zu konzentrieren, das überschaubarer war. Da ich immer schon den sekundärliterarischen Teil sehr gerne mochte, entschloss ich mich, ausschließlich Sekundärliteratur zu meinem Steckenpferd zu machen. Nachdem ich mich nicht für ein bestimmtes Genre entscheiden konnte, nahm ich die Fantastik als Ganzes zum Ziel (auch um die ewigen Genreentscheidungen bequem zu umgehenJ. Ich fing an, meine Sekundärliteratur zu dokumentieren, und je tiefer ich in das Thema eindrang, desto mehr fehlte mir der Austausch mit anderen darüber. Als Ersatz dafür kamen die Überlegungen auf, erworbenes bibliografisches Wissen im Internet zur Verfügung zu stellen.

Das derzeitige Endergebnis ist ein Blog, eine Facebook-Gruppe und ein Twitter-Account. In diesen drei Medien spiegelt sich meine Leidenschaft für die Sekundärliteratur wider: Die Faszination, Strömungen zu verfolgen und zu entdecken, auf Hintergründe zu stoßen, neuen Entwicklungen nachzuspüren und Trennlinien zu verfolgen. Eine Nebenerscheinung ist, dass mir bei meinen Internetrecherchen so viele Artikel über die Fantastik in die Hände fielen und weiterhin fallen, dass es mir als Vergeudung von Ressourcen vorkommen würde, wenn ich diese nicht einem interessierten Kreis von Lesern zur Verfügung stellen würde.

Es war also ein schleichender Prozess (vermutlich wie üblich), der dazu führte, dass es mir wichtig wurde, Sekundärliteratur zu erhalten und zu inventarisieren. Dass es die Fantastik an sich wurde, liegt daran, dass ich Wassermann bin. Das bedeutet: Die Realität ist ja sowieso da – was darum kümmern; die Fantasie ist bedroht – rettet sie. Ohne Fantasie ist die ganze Realität zu nichts zu gebrauchen. Machen wir aus der Fantasie Realität (zumindest im Bereich der SF).

Deiner Erforschung der Sekundärliteratur zur Fantastik muss eine große Sammlung von Publikationen zugrunde liegen. Wie ist diese Sammlung entstanden und was umfasst sie in welchen Dimensionen? Hast du eine Übersicht?

Aktuell beträgt mein Bestand an Sekundärliteratur aller Genres inkl. begleitender Literatur rund 4.100 Texte in allen Medien. Daneben ungezählte und (noch) undokumentierte Verlagsunterlagen wie Kataloge, Presseveröffentlichungen und Prospekte in einigen Tausend Stück – darüber habe ich derzeit absolut keinen Überblick. Außerdem liegen einige 10.000 digitalisierte Buchcover in meinem elektronischen Archiv, die mir auch Freunde, insbesondere Erik Schreiber, zur Verfügung gestellt haben, und die weiter dafür sorgen, dass die Sammlung wächst.

Die Sammlung an Texten wird in einer Buchverwaltungssoftware namens »BookCat« verwaltet. Diese Software ist (für mich) die anpassungsfähigste und beste Verwaltungssoftware, die ich kennengelernt habe (und von denen habe ich Legionen ausprobiert). Sie hat allerdings zwischenzeitlich zwei gewaltige Fehler: Sie wird nicht mehr weiterentwickelt und sie ist nicht in der Lage, die Sammlung ins Internet zu bringen. Sprich, sie wird eines schönen Tages auf keinem Betriebssystem mehr laufen.

Neben dieser Sammlung der real vorhandenen Texte ist auch eine Datensammlung von derzeit rund 2000 Titeln vorhanden, die derzeit nicht real in meiner Bibliothek vorhanden sind. Diese virtuelle Datensammlung dient dazu, die sie darstellenden Werke zu verwalten, die Verfügbarkeit am antiquarischen Markt zu beobachten und je nach finanzieller Möglichkeit die Bibliothek laufend zu ergänzen. Auch die örtliche Verfügbarkeit (Bibliotheken, Antiquariate, Freunde) der Werke ist nach Möglichkeit vermerkt. Zum Glück haben sich die Recherchemöglichkeiten mit dem Internet immens verbessert.

Meine Kaufkriterien sind in erster Linie die Verfügbarkeit, wobei der Zustand etwas untergeordnet wird, aber nicht unwichtig ist. Neuauflagen werden behandelt wie Einzelwerke und sind gleichrangig eingeordnet, auch wenn keine Änderungen zu Originalauflagen ausgewiesen sind.

Ich versuche auch jedes irgendwie erreichbare elektronische Dokument aus dem Internet zu ergattern, und hier liegen wohl zwischenzeitlich auch ein paar Hundert Dokumente in meinen Speichern.

Aus den Tagen der DSFDB müssten dazu noch einige 10.000 Datensätze an bibliografischen Daten zur Primärliteratur auf ausgelagerten Servern liegen. Diese Datenmengen werden derzeit nur gehostet, aber nicht verwaltet.

Die Primärliteratur habe ich, in der Anzahl von rund 4.000 bis 5.000 Texten, teilweise noch im Haus bzw. als einer der Stifter der Bibliothek in die Spezialbibliothek »Villa Fantastica« nach Wien ausgelagert, von wo ich (wenn erforderlich) Werke wieder ausleihe.

Große Freude macht mir mein eigenes »Antiquariat«, in dem ich jene Sammlung von Sekundärliteratur verwahre, deren Bücher älter als 100 Jahre sind. Manchmal versuche ich auch, in Notlagen, Bücher zu restaurieren. Das macht viel Spaß, ist aber sehr zeitaufwendig.

Ich bin wirklich froh, dass ich verheiratet bin und mich meine Frau einerseits nicht in meinem Hobby beschneidet, mich aber andererseits (notwendigerweise) das eine oder andere Mal auf den Boden der buchlosen Realität herunter holt.

Deine Sammlung bildet die Grundlage für deinen »Treffpunkt Phantastik«? Wie ist die Geschichte dieses Blogs? Wie ist diese Initiative entstanden?

Nun, der Blog wurde im August 2013 gestartet, um auf experimentelle Weise auszuloten, wie bibliografische Daten »an den Mann und die Frau« gebracht werden könnten. Außerdem wollte ich unbedingt die Sammlungen »Science-Fiction ist …« und deren verschiedene Schwesternsammlungen in die Öffentlichkeit bringen.

Hier war es auch recht interessant, sich über die Form der Kategorisierung Gedanken zu machen. Da gleichzeitig auch auf Facebook und Twitter die experimentellen Versuche liefen, legte ich im Frühjahr 2016 die derzeitige Form der Kategorien für alle Veröffentlichungen geltend fest. Neben den allgemeinen Kategorien fand die Tatsache Niederschlag, dass zum Blog nun auch die Facebook-Seiten »Universitas Phantastica« und »Bibliotheca Universitas Phantastica« einbezogen wurden. Beide Seiten sollen Grundstock einer »lehrenden« Form werden, die es Einsteigern in die Sekundärliteratur ermöglichen soll, rascher als es bei mir der Fall war, auf die grundlegenden Erkenntnisse und Formen der Fantastik zugreifen zu können.

Außerdem soll auch der Austausch über diese Themen angeregt werden. Das Kommunikationsdreieck Blog – Facebook – Twitter soll zum Dreh- und Angelpunkt einer Gemeinschaft von Interessierten an deutschsprachiger Sekundärliteratur werden – das ist mein Ziel. Wie kommunizierst du mit den Interessenten an deinem Archiv und an deinen Blogs? Es ist in der Tat notwendig, neue Wege zu finden, die es den Interessenten leichter macht, dem Dreigestirn zu folgen und es regelmäßig zu nutzen. Dazu ist die reine Tatsachendarstellung von bibliografischen Daten sicherlich zu wenig. Zu dieser Frage war es sehr hilfreich, dass mir bei meinen Recherchen so viele Internetartikel bekannt wurden. Diese werden jetzt gezielt eingesetzt, um neben den bibliografischen Daten Anreize zu schaffen, regelmäßig die Seiten zu besuchen. Es werden, um künftig Anreize für eine größtmögliche Nutzung zu bieten, auch meine persönlichen Wertungen und Thesen als Diskussionsgrundlagen einfließen.

Dass dieses Angebot ein Erfolgskonzept sein könnte, sieht man an den vielen Reaktionen zur derzeitigen »Wikipedia-Affäre« und die Auswirkungen auf den Blog. Schön wäre es auch, andere Fortgeschrittene in Sachen Sekundärliteratur dazu bewegen zu können, aktiv mitzumachen.

  • Wenn ich hier kurz unterbrechen kann, dann möchte ich zu bedenken geben, dass die Mitwirkung von »Fremden« sehr anregend sein, kann aber auch die große Gefahr birgt, dass sich ohne fachliche Kompetenz Fehler einschleichen werden! Das müsstest du bei diesen Überlegungen berücksichtigen … Ja – da steht die im Fandom so viel besprochene »Egozentrik« im Raum …

Welche Vorläufer der Inventarisierung gab es eigentlich für dich? Du musst doch im Verlauf der Zeit viele Veränderung in der Hardware und auch in der Software der Datenverarbeitung mitgemacht haben?

Vorläufer der Inventarisierung gibt es viele. Einer davon war die Erfassung von bibliografischen Daten auf librarything.de. Darüber hinaus hatte ich es zwischenzeitlich geschafft, das verwendete Bibliotheksprogramm auf eine Internetbasis zu stellen und eine 1:1-Abbildung davon auf meiner privaten Homepage ins Netz zu stellen.

Das sich neu ergebende Problem war allerdings, dass die geforderten Anpassungen die meiste Zeit meiner Arbeitszeit in Anspruch nahm und diese Eigenentwicklung wieder nicht die geforderte Konsistenz aufweisen konnte. Als die Aktualität Monate hinter der Echtzeit hinterherhinkte und nachdem ein Servercrash immensen Neuaufbau erfordert hätte, wurde auch diese Version bei mir eingestellt.

Du nennst deine Initiative einen »Treffpunkt«. Darunter verstehe ich einen Austausch. Wie ist dieser Austausch organisiert, was soll ausgetauscht werden und welche Reaktion erfährt dieses Angebot zum Austausch durch die Nutzer?

Nun, der Austausch kann über Kommentare erfolgen oder per Email, es kommen manchmal Anfragen zu bestimmten Themen, aber im Großen und Ganzen ist mir der Austausch eigentlich noch zu wenig. Das Angebot wird gerne angenommen.

Konkret gefragt: Wie viele Abonnenten hast du zur Zeit – also im Mai 2019?

Es sind rund 350 Follower. 113 auf WordPress, 2 per Email und rund 235 per Facebook. Betreibst du irgendeine Form von Kommunikation oder besser »Werbung« für deinen Service, um die Nutzer- bzw. Teilnehmerschaft zu erhöhen? Werbung im Sinne von aktiver Bewerbung des Blogs betreibe ich nicht. Aber ich versuche natürlich, sowohl über die Plattform von WordPress als auch über die verschiedensten Facebook-Gruppen und über Twitter, den Blog und dessen Artikel zu platzieren. In letzter Zeit gelingt dies zunehmend besser.

Hast du einen Überblick, wer deinen Service abonniert? Private oder Institutionen? Wissenschaftler, Studenten, Redakteure, Literaten oder am Thema interessierte Leser?

Einige Literatur- und Filmwissenschaftler habe ich im Blog erkannt bzw. ich weiß, dass sie abonniert haben. Sonst erkenne ich im Großen und Ganzen keine speziellen Personen, außer einer größeren Gruppe von Autoren- und Autorinnen, deren Namen mir bekannt sind.

Bekommst du Rückmeldungen über die Nutzung deines »Tummelplatzes für deutschsprachige Sekundärliteratur zur phantastischen Literatur«? Z. B. Anregungen, bestimmte Themen aufzugreifen oder zu vertiefen?

Nein, Rückmeldungen über die Nutzung des Contents gibt es bislang nicht und auch keine Anregungen zu speziellen Themen.

  • Dann möchte ich auf diesem Wege mal den Anfang machen und bei deinem verständlichen Zeitproblem anregen, den Schwerpunkt auf aktuelle Publikationen und Themen zu legen, die gerade in der öffentlichen Diskussion sind. Wenn du den konkreten Nutzungswert des Blogs erhöhst, könnte das dem Bedürfnis der generell am Thema Interessierten entgegenkommen. Dann kann man auch gut Historisches einarbeiten, um im Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit eine Bewegung in den Lesefluss zu bekommen ;-))) Aber lass mich eine weitere Frage stellen:

Wie definiert sich deine Sammlung? Geht es dir strikt nur um Sekundärliteratur (also um Publikationen über die Fantastik) oder geht es dir auch um die fantastische Literatur selbst?

Meine Sammlung ist eine reine Sammlung zur Sekundärliteratur. Primärliteratur bzw. Literatur aus anderen Genres gibt es zwar (zumeist elektronisch), dies geht aber nicht in die eigentliche Sammlung ein. Primärliteratur zur Fantastik geht von Fall zu Fall (wenn der Platz bei mir zu eng wird) nach Wien …

Und was ist für dich das Medium der Literatur? Das verlegte Buch? Die Zeitschrift? Der einzelne Artikel in einem Magazin? Das Manuskript? Oder auch die digitale PDF-Datei? Machst du einen Unterschied zwischen Werken, die in Auflage gedruckt sind, und Unikaten (etwa Abschlussarbeiten an Hochschulen und Universitäten)? Und: Auf welche Weise berücksichtigst du Texte, die allein im Internet auf einer HTML-Seite oder als PDF veröffentlicht sind?

Ich bin absolut bibliophil und auf Bücher fixiert. Für »die Sammlung« allerdings wird alles, was aus Buchstaben besteht, einbezogen: Bücher, Hefte, Fanzines, elektronische Ausgaben, PDF- Dateien und sogar Loseblattsammlungen, also einfach alles, was sich lesen lässt. Natürlich wären auch wissenschaftliche Arbeiten, wie Dissertationen und Abschlussarbeiten interessant, aber diese zu bekommen ist sehr schwer.

Auf welche Weise legst du die »Literatur« ab, um sie gezielt wiederfinden zu können? Bedienst du dich der konsequent durchlaufenden Inventarnummer? Erhält demnach jede archivierte Veröffentlichung eine sichtbare Nummer auf dem Buchrücken, die man im Regal stehend lesen kann? Kommen die Druckwerke überhaupt in Bücherregale? Und befinden sich diese in einem eigenen Archivraum oder sind sie in deinen Wohnbereich integriert?

Ja, die Ablage – findet im Großen und Ganzen in Bücherregalen und in Transportkisten statt.

Die neueren Erwerbungen (frische Liebe), wichtige Werke (aktuelle Arbeitsexemplare) und Bibliografien, Lexika und Biografien sind in der Handbibliothek im Wohnbereich situiert. Alles andere wird in Kunststofftransportkisten verpackt, diese sind nach Gebieten, Genres und/oder Reihen beschriftet und stehen im Keller.

Alle Werke bekommen ein Exlibris auf den inneren Buchdeckeln verpasst, werden mit Eingangsdatum versehen und sind somit als meine »Sklaven« gekennzeichnet.

An den Universitäten müsste im Bereich »Neue deutsche Literatur« das Thema »Fantastik/SF« dauerhaft als ein aktuelles Forschungsthema relevant sein. Hast du Kontakte, um informiert zu sein, wenn eine neue Magisterarbeit oder Promotionsschrift entsteht? Wirst du automatisch mit solchen Werken beliefert?

Nein, nicht mehr. Nachdem mir ein Kontakt zur Uni nach Wien abhandengekommen ist, fehlt mir diesbezüglich jegliche Information. Solche Informationen gewinne ich ausschließlich über Internetrecherche, soweit dies vom Aufwand her möglich ist.

Bekommst du aus dem Wissenschaftsbereich gezielte Anfragen auf persönlichem Weg? Oder werden lediglich die Daten deines Blogs genutzt?

Ganz vereinzelt bekomme ich Anfragen, die aber meist aus dem semi-wissenschaftlichen Bereich, sprich von Privatpersonen, die keinen wissenschaftlichen Hintergrund aufweisen. Ich denke, aus dem wissenschaftlichen Bereich wird auf Grund der großen Bibliotheken auch kaum Bedarf nach meinen Daten herrschen.

Eine Frage, die ich mir fast jeden Morgen stelle, wenn ich deinen aktuellen Beitrag lese, ist die nach deiner Auswahl des Themas. Gibt es einen Kriterienkatalog für das Tagesthema? Gibt es eine Systematik, eine Rangfolge der Kategorien, die du bedienst?

Nein, es gibt keine wirkliche Systematik bei der Befüllung des Blogs. Ich versuche, Aktuelles mit Altem zu mischen (um grundsätzliche Gegensätze sichtbar zu machen), benutze die tagesaktuellen Werkeingänge zur Befüllung und manchmal gelingt es, zu Jahrestagen oder sonstigen Jubiläen etwas Bestimmtes zusammenzustellen. Ich versuche also, interessant zu bleiben und keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Als Künstler, der zwar intermedial, aber vom Tafelbild und von der Fotografie her kommend arbeitet, interessieren mich natürlich besonders die Bildwelten. Warum sind unter der Kategorie »Kunst – phantastische Visionen« bislang nur 3 (drei!) Titel zum Thema »Kunst« gelistet?

Das sind banale Gründe: Meine Sammlung diesbezüglich ist eher klein, weil ich textbezogenen Werken den Vorzug gebe und außerdem im Kunstbereich nicht aufgearbeitet bin – daher fallen derzeit nur Werke in den Raster der Veröffentlichung, die als Neuerwerbung gerade über meinen Schreibtisch wandern (und das sind eher wenige).

Und unter »Science-Fiction – realistische Spekulationen über Möglichkeiten« sind nur 17 Einträge. Da müsste doch ein Schwerpunkt liegen – oder?

Hmmm, Schwerpunkt – nein. Ich versuche, diesbezüglich keinen Schwerpunkt zu setzen, außerdem sind die Kategorien, wie sie derzeit vorliegen, noch nicht so lange in Verwendung, und die älteren Beiträge wurden nicht kategorisiert, da muss man derzeit noch wühlen.

Und in der Kategorie »Magazin« finde ich nur 18 Einträge und kein (!) Eintrag ist den ANDROMEDA NACHRICHTEN gewidmet – obwohl hier bei exzellentem Design ein wahrer Schatz (!) an Sekundärdaten angeboten wird? Den ANDROMEDA NACHRICHTEN müsste eigentlich eine eigene Kategorie gewidmet sein und die Redaktion müsste man freundlichst bitten, für jede Ausgabe selbst die Schwerpunkte (inhaltlich beschrieben) zu listen, damit den Interessenten gute Gründe gegeben werden, sich dieses Magazin in gedruckter Form zu kaufen!

Ja, stimmt. Die ANDROMEDA NACHRICHTEN verdienen eine eigene Kategorie. Problem: Bei einer fast vollständigen Sammlung sind zwar die Materialien da, aber es wirklich aufzuarbeiten, bedarf einer Menge Zeit – die ich mir auch nehmen werde – nur wann?

Das Projekt gibt es, mal sehen, wann es umgesetzt wird. Das Gleiche gilt für so manche Sammlung wie Erik Schreibers »Phantatischer Bücherbrief« oder »Fantasia« des EDFC oder »FOLLOW« des FantasyClub e.V. oder so manche Magazin-Reihe.

  • Lass mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich dafür votieren, dass du hier eine Priorität setzt und der Aktualität und den Gebrauchswert deines Blogs erhöhst ;-)))

Weiter gefragt: Zwischen deiner Sammlung und der Bearbeitung für deinen Blog müsste eine räumliche Pufferzone bestehen, in der »die noch nicht registrierten« Werke gelagert sind. Wie muss man sich die Situation räumlich vorstellen?

Nun, die neu ankommenden Werke werden sofort binnen zwei Werktagen registriert und so weit erfasst, dass das Werk auffindbar und überblicksmäßig verschlagwortet ist.

Dann werden die Werke binnen einer Woche gescannt: Buchttitel, Rückseite, Buchrücken, Impressum, Inhaltsverzeichnis. Das lasse ich extern machen, weil man einen schnellen Scanner benötigt. Die Dateien werden dann in das Dateiverzeichnis und die Werke entsprechend in die Sammlung eingegliedert (Wohnbereich, Transportkiste).

Wenn das Werk dann für den Blog interessant genug ist, wird ein kleiner Artikel geschrieben, die fälligen Internetlinks integriert oder gesucht und der fertige Artikel in die Veröffentlichungsliste des Blogs aufgenommen.

Ich versuche immer, zwei Wochen im Vorhinein die Artikel fertig zu haben, wenn ein Urlaub bevorsteht, auch mal fünf Wochen.

Sind dein Überblick und deine Ordnung so effektiv, dass du in kürzester Zeit auf jede angeforderte Publikation zugreifen kannst? Und welcher Zusammenhang besteht zwischen deinem virtuellen Blog und dem realen Archiv? Ist dein Blog gewissermaßen das »Findbuch« zu deiner Sammlung?

Zurzeit bin ich noch in der Lage, in kürzester Zeit auf alle Teile meiner Sammlung zugreifen zu können. Jedenfalls auf den Printbereich. Im Dateibereich kann es manchmal etwas dauern, wenn ich suchen muss.

  • Es mag dich überraschen, dass ich so eine Frage über das Leben hinaus stelle, aber auch ich war und bin konkret von solchen Überlegungen betroffen. Lass mich zum Verständnis meiner Fragen an dich kurz erläutern: Es gibt in meinem Fall (wie bei dir die Bücher) verschiedene große Sammlungen von Kunstwerken in öffentlichen »Gedächtnisorganisationen« wie dem ZKM in Karlsruhe, der Kunsthalle in Bremen, dem Campus der University of Applied Sciences in Kiel, dem Klaus-Kuhnke-Musik-Archiv, dem Sprengelmuseum in Hannover oder dem Staatsarchiv Bremen.
  • Das Gesamtwerk ist nach den Schwerpunkten Bild, Klang oder Wort über verschiedene Orte verteilt. Hier habe ich lange über einen sinnvollen Zugriff auf den Überblick per eigener Datenbank (Filemaker Pro) nachgedacht und experimentiert und letztlich realisiert. Aber nach praktischen Erfahrungen bin ich auf die übersichtliche und dynamische Inventarisierung im Internet gekommen. Erst in dieser vernetzten Welt haben ich und jeder Interessierte von jedem Ort und zu jeder Zeit den vollen Zugriff auf die Abbildung der Werke, auf die Musikkompositionen und Klänge und auf die Texte in Form von PDF-Files. Meine Kategorien habe ich grob an Wikipedia angelehnt und verfeinert. Und selbstverständlich gibt es neben der logisch- linearen Organisation der Daten auch die Assoziation, das Spiel mit der Fahrt durch eine amorphe Gestalt, in der alle relevanten Stichworte miteinander vernetzt sind. So kann man in dieser Architektur von Raum zu Raum, von Thema zu Thema, von Medium zu Medium wandern und neben den Werken auch deren Metadaten zur Entstehung abrufen.
  • Wohlgemerkt: Ich sehe meine Person bei alledem nur als »exemplarisch«, also als ein Beispiel zur Anregung für andere, es vielleicht ähnlich zu machen. Deshalb werde ich auch in kommender Zeit mein Augenmerk auf Forschung und Lehre richten, um das Projekt dort bekannt zu machen und der Nutzung zu erschließen. Da ich »Kunst als Nahrung für die Welt« sehe, hat das Projekt den passenden Domainnamen: Rice.de! Für die Zukunft (also über mein Leben hinaus) gesichert, soll das Projekt vom Staatsarchiv in Bremen auf deren Servern professionell archiviert werden, damit zugänglich bleiben und als digitales Findbuch für mein gesamtes Schrifttum im Staatsarchiv wirken.
  • Erschlossen werden einzelne Themen übrigens über das Interface »QR-Code«. Wenn ich dieses Interview mit dir in Rice gesichert habe. sende ich dir gern so einen Code zu ;-))) Nun weiter zu meinen Fragen an dich:

Auf welche Weise aktualisierst du deine Sammlung? Kaufst du z. B. alle neu erscheinende Primär- und Sekundärliteratur? Und wie behandelst du den Fundus bereits veröffentlichter Werke? Stöberst du in Antiquariaten oder auf entsprechenden Webseiten?

Neu erscheinende Sekundärliteratur bis 35 Euro wird sofort bei Bekanntwerden angekauft. Manches befindet sich in Vorbestellung, manches im Abo. Stöbern in Antiquariaten kommt vor, ist aber ein seltenes Vergnügen.

In der Regel werden ankommende Werke von mir bearbeitet und auf angegebene Sekundärliteratur gesichtet. Diese wird mit der Buchverwaltung abgeglichen, wenn notwendig erfasst und als »gesucht« gekennzeichnet. Beim Abgleich wird das Werk im Internet wenn möglich antiquarisch lokalisiert. Entweder sofort angekauft, ansonsten in die Ankaufliste aufgenommen.

Zwei bis dreimal im Jahr werden (sofern Mittel lukriert werden können) aus dieser Liste teurere Werke angekauft. Sollte eine Themenbearbeitung anfallen, so kann es auch vorkommen, dass ich dann aus dieser Ankaufliste themenspezifisch einen Großeinkauf mache.

  • Unter dem Stichwort »Online-Bibliothek« finde ich bei dir den Hinweis, dass du deinen Datenbestand an deutschsprachiger Sekundärliteratur zur Fantastik »öffentlich zugänglich« machen willst und dich dazu »LibraryThing« bedienst (www.librarything.de).
  • Dieser kostenpflichtige Dienst erfasst nach eigenen Angaben derzeit rund 2.375.000 Mitglieder, die ihre Buchsammlungen dort eingegeben haben. Über sich selbst sagt der Dienst aus: »LibraryThing ist eine online Bücherverwaltung, jedoch auch ein soziales Netzwerk für Bücherliebhaber.« Mir erscheint dieses (offensichtlich) amerikanisch basierte »Zuhause für deine Bücher« sehr rudimentär und eine postalische Adresse konnte ich im Impressum nicht finden, nur E-Mail-Adressen – so etwas stimmt mich immer etwas skeptisch ;-)))
  • Wenn mehr als 2 Millionen Mitglieder dort mit einem Beitrag von nur 10 Dollar jeweils beteiligt sind, so haben die Initiatoren bislang mehr als 20 Millionen US-Dollar auf ihrem Konto – das ist ein gewinnträchtiges Business! Aber als wie sinnvoll erweist sich dieses Angebot tatsächlich für die Nutzer?
  • Da die Eingabe der Daten von Privatpersonen vorgenommen wird, lässt sich keine Kompetenz garantieren und auch keine Fehlerkorrektur vornehmen! Das ist ein echtes Problem, aus dem sich für mich die Frage ergibt:

Ist das wirklich für dich ein sinnvoller Ort, um das unglaublich hohe Engagement einer vollständigen Eingabe deines Sammlungsbestandes einzugehen?

Um ganz ehrlich zu sein, sehe ich »LibraryThing« als Auslaufmodell. Der Aufwand der Pflege ohne eine vernünftige Importmöglichkeit und die Tatsache, dass die Entwicklung der Plattform, sowohl in operativer Richtung, als auch in zeitlicher Schnelligkeit nicht den Erfolg hat, den ich brauchen würde, disqualifiziert diesen Weg. Ich werde die bestehenden Daten dort belassen, aber eine Erweiterung wird nicht mehr stattfinden.

  • Ich denke an deutsche Orte, wie das Deutsche Literaturarchiv Marbach, an das Literaturmuseum der Moderne in Marbach, an das Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg oder an das Literaturarchiv in Salzburg oder in Bern oder an die Österreichische Nationalbibliothek in Wien (um bei dir in Österreich zu bleiben). Bewusst spreche ich die Qualität einer staatlichen, kompetenten Gedächtnisorganisation an, weil nur hier die Langzeitarchivierung unter professionellen Voraussetzungen (z. B. konservierende Lagerhaltung) gesichert ist, was von keiner privaten Organisation gewährleistet werden kann.

Gibt es deines Wissens im deutschsprachigen Raum professionelle Bibliotheken in öffentlicher Hand (z. B. Staatsarchive oder Stadtarchive), die deine spezielle Sammlung als Nachlass übernehmen und dir jetzt schon die Möglichkeit der Inventarisierung in deren Onlinekatalog einräumen? Abgesehen vom Risiko, wenn in einem privaten Archiv der Träger wechselt oder verstirbt. Was geschieht dann mit den Beständen?

Soweit es bis heute geplant ist, wird meine Bücher, so meine Familie die Sammlung nicht weiterführt, die »Villa Fantastica« testamentarisch zugesprochen erhalten. Dort werden sie neben meiner Primärsammlung der Nachwelt soweit möglich erhalten bleiben. Für die restlichen Bestandteile der Sammlung wie die elektronischen Daten habe ich bis jetzt noch keine Lösung gefunden, werde aber daran arbeiten.

Ob das alles für andere Bibliotheken Sinn ergibt?

Keine Ahnung, das wage ich nicht zu beurteilen, jedenfalls habe ich auch keine Gespräche oder überhaupt Kontakte diesbezüglich geführt.

  • Lass mich an dieser Stelle das banal klingende, aber relevante Problem ansprechen, dass im Fall einer Vererbung an Dritte (nach deutschem Recht) nur Beträge bis zur Höchstgrenze von 20.000 Euro steuerfrei sind! Wenn also »vererbt« wird, könnte der Fiskus den Wert ermitteln lassen und der Erbe (Villa Fantastica) müsste den Mehrbetrag versteuern. Dein ausgemachter Erbe klingt nach hohem, privatem Engagement, ist demnach keine öffentliche Institution wie ein Stadt-, Landes- oder Staatsarchiv. So eine private Rechtsform (auch ein e. V.) könnte seine Bestände auflösen oder sogar vorher verkaufen. Das ist die Realität, die manchmal gegen den guten Willen wirken kann.
  • Du hast die Unterstützung deines Blogprojektes durch die Mitarbeit anderer Engagierter angeschnitten, darauf möchte ich nochmals zurückkommen. Wie würdest du Beiträge aus fremder Feder in deinem Blog »prüfen«? Und generell gefragt: Da im Internet jeder schreiben und posten kann, wie und was er will (weil es keine Filter wie Lektorat und Verlag gibt), besteht keine Sicherheit bei der Stimmigkeit von Aussagen. Nur das »Image« eines Bloggers oder Rezensenten, der sich in der Praxis über längere Zeit als kompetent, weil sorgfältig erwiesen hat, ist ein gewisses Markenzeichen.

Ohne deine Kompetenz in irgendeiner Weise infrage zu stellen, wüsste ich gern mehr über deinen »Hintergrund« in Ausbildung, Beruf und Erfahrung. Was hast du gelernt, wie war und ist deine Praxis im Erwerbsleben und in der Freizeit? Decken sich hier die Anforderungen an deine Profession als »Archivar«?

Ich habe einen Grundschulabschluss und vier Jahre einer nicht abgeschlossenen technischen Mittelschule (Hochbau und Elektrotechnik). Habe dann Bürokaufmann bei einem Fliesenleger gelernt und dann auch praktisch in beiden Berufen gearbeitet, bis ich einen Job als Bestatter bei einem städtischen Bestattungsunternehmen übernommen habe. Da habe ich mich hinaufgearbeitet und schlussendlich 40 Jahre, davon 30 Jahre als Betriebsleiter, meine Berufslaufbahn absolviert. Daneben war der Job auch mit der Leitung eines mittelstädtischen Friedhofes betraut.

Meine Freizeit war immer geprägt, neben einem Familienleben mit Frau und zwei Söhnen, von der (eigenhändigen) Errichtung und Pflege eines Einfamilienhauses, des dazugehörigen Gartens, die letzten 10 Jahre von »sportlichem« Gesellschaftstanz und meinen Büchern – ein gutes mittelständisches Leben in einer 10.000- Einwohner-Stadt, das ohne große Höhen und Tiefen (bisher) gelaufen ist.

In den letzten 20 Jahren hat es sich auch ergeben, dass unsere Reiseleidenschaft gewachsen ist und in dem Ausmaß, in dem die Kinder weniger Betreuung erfordert haben, ist das Reisen in alle Welt (zu zwei Dritteln mit Kreuzfahrtschiffen) zu unserem Hobby geworden. 10 bis 12 Wochen sind wir jetzt, beide in Pension, unterwegs. Warum nur so wenige? Weil uns unsere drei Enkelkinder so viel Freude machen und eine noch längere Abwesenheit einfach unseren Gemütszustand negativ zu beeinflussen droht.

Wie gehst du selbst mit deinem Blog um? Ist es ein Blog oder ein Inventar? Suchst du und findest? Oder lässt du dich von den eigenen Texten überraschen? Oder interessiert dich auf der Suche nach neuen Themen und Formulierungen das bereits Geschriebene nicht mehr?

Sowohl als auch. Teils verwende ich den Blog schon auch zur »Gedächtnisstütze« und manche Informationen suche ich gerne auf die Schnelle im eigenen Blog. Andererseits schreibe ich doch gerne bzw. würde gerne mehr schreiben: Artikel, eigene Essays und vielleicht ein Buch. Aber momentan begnüge ich mich mit gelegentlichen Essays und kurzen Artikeln im Blog. Übrigens: Im Blog habe ich soeben meinen tausendsten Blogartikel veröffentlicht.

Kannst du mir und dem Leser deiner Antworten noch ein paar konkrete Informationen zu deinem Blog mit Stand Mai 2019 geben?

Täglich um Punkt 6:00 Uhr geht es im Blog los. Immerhin fast ein Fünftel der Ansichten werden um diese Zeit gemacht. Wobei der Montag heraussticht. Samstag hingegen ist tote Hose.

Interessant ist, dass bei 1.700 Kommentaren immerhin 17.300 Spamkommentare abgewehrt wurden. Also auf einen regulären Kommentar von den Lesern kommen Spamkommentare die versuchen, den Blog als Plattform zu benutzen.

Rund 750 Artikel des Blogs wurden geteilt. Die meisten dieser geteilten Artikel sind auf Facebook gelandet. Das Ganze wurde von immerhin rund 350 Followern verfolgt. In den letzten zwei Monaten ist die Ansichtsfrequenz um mehr als ein Drittel in die Höhe geschnellt. Insbesondere durch Follower überwiegend aus Deutschland, gefolgt von Lesern aus Österreich und US-amerikanischen Followern. Die Schweizer folgen erst danach.

Welcher Artikel die meisten Leser auf sich gezogen hat? Ganz eindeutig und weit vorne liegen da alle Artikel, die von mir selbst geschrieben sind und nicht als Fremdartikel übernommen wurden.

Thomas, kannst du nach den vielen Fragen und Antworten kurz noch abschließend beschreiben, ob und inwieweit du aus diesem Wechsel meiner Fragen und deiner Antworten konkrete Anregungen gewinnen konntest und ob sich daraus hilfreiche Konsequenzen für deine weitere Arbeit ziehen lassen.

Reflexion ist immer gut. Solche Interviews zwingen einen, zurückzusehen und in gewisser Weise Rechenschaft vor sich selbst abzulegen. Insofern habe ich profitiert. Konsequenzen? Jjjjein, vielleicht wird manches etwas straffer, vielleicht werde ich aktueller, aber in erster Linie muss es mir Spaß machen – die treibende Feder. Erfolg damit ist nicht unwichtig, aber genau genommen sekundär – eher ein gewisses, kleines Maß an Anerkennung – das macht’s aus …

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