Kategorie: Science Fiction – realistische Spekulation über Möglichkeiten

Science Fiction #132 – realistische Spekulation über Möglichkeiten: Deutschland. Ein Science-Fiction – Rickels, Laurence A.

Rickels, Laurence A.
Deutschland. Ein Science Fiction.
in: Meister, Carolin / Rickels, Laurence A. (Hrsg.) – Ghostarbeiter: über technische und okkulte Medien
Kadmos, Berlin (2014)
ISBN 9783865992420
 
Deutschland als Science-Fiction-Diagnose…
 
D
Wer sich für Fantastik/Fantastik-Debatten in Deutschland interessiert – insbesondere für die Linie von Technikphantasien, Dystopie und Utopiekritik – findet in Laurence A. Rickels’ „Deutschland. Ein Science-Fiction“ einen Text, der sich wie eine Mini-Monografie im Aufsatzformat liest: Rickels nutzt Science-Fiction nicht als Nische der Populärkultur, sondern als kulturgeschichtliches Diagnoseinstrument. „Deutschland“ erscheint dabei als Problem- und Projektionsfläche, die in Genres, Medien und Technikutopien fortlebt – oft dort, wo direkte historische Erzählung aussetzt.
Der Aufsatz ist deshalb so ergiebig, weil er Fantastik nicht nur inhaltlich (Raumfahrt, Androiden, Zukunft) adressiert, sondern methodisch: Er fragt, welche kulturellen Arbeiten (Trauer, Reparation, Integration, Verdrängung) Genres leisten – und wie Technik- und Mediengeschichte diese Arbeiten mit organisiert. …

 
Laurence A. Rickels’ Beitrag „Deutschland. Ein Science-Fiction“ lässt sich als medien- und kulturtheoretische Fallstudie lesen, die Science-Fiction nicht primär als Literaturgattung, sondern als kulturelles Dispositiv behandelt. Der Text verbindet Genre-Geschichte, Technik- und Populärkultur sowie psychoanalytisch informierte Begriffe (u. a. Trauer, Empathie, Integration) zu einer Argumentation, in der „Deutschland“ weniger als geografisch-nationale Kategorie denn als Problem- und Projektionsfigur innerhalb der Science-Fiction-Traditionen erscheint.
 
Strukturell arbeitet der Artikel über mehrere miteinander verschränkte Themenfelder: Erstens zeichnet Rickels eine Linie, in der „Deutschland“ als früher Impulsgeber technischer Imagination (u. a. im Umfeld filmischer Projektionen wie Fritz Lang) und zugleich als später verdrängter bzw. umcodierter Bezugspunkt der Nachkriegs-SF erscheint. Science-Fiction fungiert dabei als Speicherform, in der Gewaltgeschichte und ihre Nachwirkungen nicht direkt, sondern über Zukunftsformen und Technikmotive weiterarbeiten. Zweitens rückt Rickels die Figur des Androiden und das Motiv des „Empathietests“ ins Zentrum. Das „Androiden-Problem“ wird nicht als Frage technischer Eliminierung, sondern als Problem sozialer und psychischer Integration gefasst. Adoleszenz erscheint in diesem Zusammenhang als zeitlich begrenzte Inszenierung von Psychopathie, aus der ein Hinauswachsen möglich ist; dadurch wird die Grenzziehung zwischen „menschlich“ und „nicht-menschlich“ als Frage affektiver und trauerbezogener Kompetenz modelliert.
 
Drittens erweitert der Text die Perspektive auf Nachkriegskultur und Populärmedien: Die Nachkriegskarriere Wernher von Brauns und die Disney-Formate um „Tomorrowland“ werden als Bestandteile einer kulturellen Maschinerie beschrieben, die technische Zukunftsbilder, Schuld- und Produktivitätsnarrative sowie politische „Integration“ ineinander verschaltet. In diesem Kontext erscheint Science-Fiction als Infrastruktur, die bestimmte gesellschaftliche Verständigungen über Technik und Zukunft performativ herstellt, statt sie nur abzubilden. Viertens thematisiert Rickels die Nachkriegsordnung (u. a. Morgenthau, Adenauer, Wiedergutmachungspolitik) und diskutiert – auch über Hinweise auf Pynchon – die auffällige Abwesenheit des Holocaust in bestimmten Zukunftsentwürfen als Symptom kultureller Umdefinitionen. Die These, dass „Wiedergutmachung“ eine Sprache der Bewertung und Kompensation etabliert, wird als Teil einer symbolischen Ökonomie entfaltet, die produktive, aber auch riskante Verschiebungen ermöglicht.
 
Der Beitrag arbeitet stilistisch mit dichter Montage, schnellen Übergängen und einer hohen Referenzdichte (Genre, Geschichte, Psychoanalyse, Popkultur). Die Argumentation ist weniger als linearer Nachweis angelegt denn als Folge von Verknüpfungen, die den Leser:innen ein assoziativ-theoretisches Mitdenken abverlangen. Als Stärke kann gelten, dass Rickels Science-Fiction konsequent als kulturelle Form ernst nimmt, in der historische Konflikte, Affektpolitiken und Medienumgebungen zusammenlaufen. Zugleich setzt der Text für eine reibungslose Lektüre Vorwissen bzw. Bereitschaft zur Theoriearbeit voraus; eine explizite Begriffsführung oder didaktische Entfaltung der Referenzen ist nicht sein primäres Ziel.
 
Insgesamt bietet „Deutschland. Ein Science-Fiction“ eine Deutung von Science-Fiction als historisch aufgeladene Kulturtechnik, in der „Deutschland“ als Signatur von Integrations- und Übersetzungsproblemen (Technik, Gewaltgeschichte, Empathie) wiederkehrt. Der Artikel eignet sich besonders für Fragestellungen, die Genre nicht nur textimmanent, sondern im Verbund mit Mediengeschichte, politischer Nachgeschichte und Affekttheorie untersuchen. …
 
Laurence Rickels liest die posttraumatische Wiedervereinigung Deutschlands und Kaliforniens in Dicks Simulacra als Allegorie auf die Geschichte des SF-Genres.
Auszug Vorwort

Worum geht’s? Fünf argumentative Bewegungen

1) „Deutschland“ als Science-Fiction-Archiv: von Lang zur Nachkriegs-SF

Rickels setzt bei einer Genealogie an, die deutsche Zukunftsbilder eng mit Medien- und Technikgeschichte verschaltet: Fritz Langs Bildräume und die frühe Film-SF markieren einen Ursprung, aus dem heraus „Deutschland“ als technikfantastische Projektionsmacht sichtbar wird – Rakete, Gravitation, Grab/Start, Aufbruch und Kontrollphantasie. (Rickels Laurence – Deutschland. Ein Science-Fiction)
Entscheidend ist dann die Verschiebung: Nach 1945 ist „Deutschland“ nicht einfach nur ein Herkunftslabel, sondern wird im Genre als Integrationsproblem weitergeführt. Science-Fiction wird – in Rickels’ Zugriff – zu einem Speicher, in dem die Nachgeschichte (Schuld, Gewalt, politische Neuordnung) nicht frontal, aber wirksam verarbeitet wird.
 

2) Androiden, Adoleszenz, Empathie: Fantastik als Testlabor

Eine der stärksten Passagen ist Rickels’ Modellierung des Androiden-Topos: Das „Androiden-Problem“ sei nicht durch Eliminierung zu lösen, sondern durch Integration – und Integration heißt hier: Empathie testen.
Rickels koppelt diese Figur an Adoleszenz: Jugendzeit erscheint als eine „zeitbasierte“ Inszenierung von Psychopathie, die nicht notwendig endgültig ist, sondern als Übergang gedacht werden kann. Damit verschiebt er das Fantastische vom reinen Spektakel in eine anthropologische und soziale Grenzdiagnostik: Wer/was ist „menschlich“, wenn Empathie (und Trauerfähigkeit) unsicher wird? (Rickels Laurence – Deutschland. Ein Science-Fiction)
Für eine deutschsprachige Fantastik-Diskussion ist das produktiv, weil es den Androiden (und allgemeiner: das Nicht-Menschliche) nicht als „Other“ fixiert, sondern als Spiegel einer gesellschaftlichen Normalisierung: Fantastik zeigt nicht nur das Unheimliche, sie zeigt, wie Normalität hergestellt wird.
 

3) Populärkultur als Zukunftsmaschine: Disney, „Tomorrowland“, von Braun

Im weiteren Verlauf verbindet Rickels Technikgeschichte und Kulturindustrie: Wernher von Brauns Nachkriegskarriere und die Disney-Inszenierung der Raumfahrt („Tomorrowland“) werden zu einer Art Integrationsapparat.
Hier zeigt sich ein Kern von Rickels’ Schreibweise: Er liest Populärkultur nicht „nur“ ideologiekritisch, sondern als Ort, an dem Zukunftserzählungen gesellschaftliche Widersprüche operativ machen – also: anschlussfähig, erzählbar, konsumierbar. Das Fantastische (Weltraum, Zukunft) ist nicht Fluchtpunkt, sondern Infrastruktur, die die Gegenwart sortiert.
 

4) Deutsche Fantastik als Spannungsfeld von Utopie und Katastrophe: Laßwitz vs. Wells

Für meinen derzeitigen Fokus „Technikdystopie und Utopiekritik 1897–1925“ ist besonders die Rückbindung an Kurd Laßwitz (Auf zwei Planeten, 1897) interessant. Rickels positioniert Laßwitz als frühen, deutschen Knotenpunkt, der eine andere Mars- und Zukunftslogik ermöglicht als die später kanonische Katastrophenlinie, die häufig mit H. G. Wells verbunden wird.
Ohne dass Rickels daraus eine schlichte „Deutschland = Utopie“-Behauptung macht, wird doch sichtbar: Fantastik in Deutschland kann als Debatte über Zukunftsformen gelesen werden – und diese Debatte kippt historisch (und politisch) in andere Register, in denen Technikverheißung, Gewaltgeschichte und „Integration“ sich überlagern.
 

5) Wiedergutmachung, Holocaust-Abwesenheit und die Grenzen der Reparation

Im dritten Teil greift Rickels explizit auf Nachkriegspolitik (u. a. Adenauer/Wiedergutmachung) und auf die Frage der (Nicht-)Darstellbarkeit bzw. Abwesenheit des Holocaust in bestimmten Nachkriegs-Zukunftsdiskursen aus.
Science-Fiction erscheint hier als problematischer, aber aufschlussreicher Raum: Gerade das, was nicht auftaucht, kann als Symptom wirken. Rickels bindet diese Beobachtung an eine Ökonomie der Reparation, in der Produktivität als Maßstab eingesetzt wird – mit dem Effekt, dass „Ausgleich“ zugleich etwas verdecken und etwas neu organisieren kann
 

Warum der Sammelband Ghostarbeiter mehr ist als „Verpackung“

Auch wenn Rickels’ Aufsatz im Vordergrund steht: Der Sammelband Ghostarbeiter. Über technische und okkulte Medien liefert die theoretische Grundtemperatur, aus der der Text hervorgeht. Die Leitfigur der „Ghostarbeit“ denkt Kultur als Arbeit am Nicht-Integrierten: Reste, Verluste, Verdrängtes, das in „Krypten“ eingeschlossen bleibt und als Störung wiederkehrt.
Damit wird verständlich, warum Rickels Science-Fiction so konsequent als Medienphänomen liest: Zukunftsbilder hängen an den Bedingungen dessen, was eine Kultur speichern, senden und sichtbar machen kann.
 

Ein Aufsatz für alle, die SF nicht nur „lesen“, sondern als Kulturtechnik verstehen wollen

„Deutschland. Ein Science-Fiction“ eignet sich besonders für Leser:innen, die Fantastik als Konfliktfeld begreifen: zwischen Technikverheißung und Utopiekritik, zwischen Populärkultur und politischer Nachgeschichte, zwischen dem, was erzählt werden kann, und dem, was als Abwesenheit nachwirkt.
Wenn man bereit ist, sich auf die dichte Montage einzulassen, bekommt man kein bequemes Genre-Urteil, sondern einen Text, der Science-Fiction als historisch aufgeladene Kulturtechnik lesbar macht – und „Deutschland“ als Signatur von Integrations- und Übersetzungsproblemen in diesen Zukunftsformen.
 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Rickels, Laurence A.
  • Deutschland. Ein Science-Fiction
  • in: Meister, Carolin / Rickels, Laurence A. (Hrsg.) – Ghostarbeiter: über technische und okkulte Medien
  • Kadmos, Berlin (2014)
  • Taschenbuch
  • 188 Seiten, hier Seite 149-170
  • ISBN 9783865992420

Preisangaben Eurobuch

(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • keine
  • Rickels, Laurence A.: Wikipedia-Eintrag
    Onlinequelle …
    Bedeutung: kurze Beschreibung des Autors und Hinweis auf Hauptwerk (Germany. A Science Fiction. Fort Wayne AntiOedipus Press, 2015, ISBN 978-0-9892391-7-2)Quelle: Wikipedia

  • Rezension von Rickels „Germany: A Science Fiction (2015): Rezension von David Agranoff am 17. Oktober 2020

Sekundärliteratur …
Bedeutung: „Man muss schon ein Akademiker oder ein Science-Fiction-Theorie-Nerd sein, der sich wie ich intensiv damit beschäftigt. Verdammt, das ist genau die Art von Buch, die man mir ins
Gehirn implantieren könnte. Das größte Kompliment, das ich dem Buch machen kann, ist wohl, dass es im Regal zwei Plätze neben Damon Knights „In Search of Wonder“ steht. Das ist ein MUSS für Science-Fiction-Theoretiker, und ich bin froh, dass ich es gelesen habe. …
Quelle: larickels.com

  • Rickels, Laurence A.: Webpräsenz des Autors
Onlinequelle…
Bedeutung:  Webpräsenz des Autors und weitere Hinweise auf sein Schaffen wie z.B. „Der integrierte Vampir“ nebst vielen InterviewsQuelle:larickels.com

siehe auch (Auszug):


Die letzten fünf Artikel im Blog:


Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.

 
 

[Medienhinweis] #251: „The Book“ – thebook.de

Der ultimative Wegweiser zum Wiederaufbau einer Zivilisation

von Hungry Minds auf thebook.de

Von (Un)Sinn, (Un)Wert und (Un)Brauchbarkeit …

Es gibt kein anderes Buch wie dieses. Derzeit sind Informationen über Erfindungen hier und da in langweiligen Lehrbüchern und Handbüchern verstreut, die weder verständlich noch inspirierend sind. The Book präsentiert die bedeutendsten Fakten über unsere Kultur und kombiniert diese mit den Ideen, die nicht von dieser Welt sind, und wunderbaren Illustrationen. Es ist das erste Buch dieser Art über diese spektakulären Erfindungen. […]

Auszug Buchbeschreibung

Es kam ziemlich protzig daher. 2,5 kg schwer und in einer Größe, dass normale Regale es nicht schlucken. 34,5 x 23,8 x 4 cm groß. Auch der Titel zeugt nicht gerade von Bescheidenheit: „The Book“ – prangt da im silbrig-blau unterlegten Look von der Titelseite. „Der ultimative Wegweiser zum Wiederaufbau einer Zivilisation“.

Gleich vorweg: Das Buch ist etwas für Buch-Liebhaber. Es strömt den Geruch von Buch aus. Liegt schwer und wichtig in der Hand, ist eine Augenweide am Pult und im Regal und hat alles, was ein Buch zu einem wertvollen und geschätztem Besitz macht.

Hungry Minds, anscheinend in London ansässig, bietet für Interessierte eine eigene deutschsprachige Website, in der neben der Kaufmöglichkeit (aber Vorsicht: prüfe zuvor noch andere Kaufplattformen) einiges an interessanten Informationen rund um das Buch angeboten wird.

Nun, ob das Buch ein Kompendium zum Wiederaufbau einer Zivilisation nach einem Shutdown ist, das sei dahingestellt, aber das Buch ich eine Fundgrube menschlicher Kulturleistungen.

Geht man nun zuerst vom Text aus, so wird in den beispielhaft angeführten Themenbereichen Medizin, Werkstoffe, Mechanik, Militär, Alltagsleben, Landwirtschaft, Unterhaltung, Musik und Gesellschaft eine Vielzahl an Mechanismen, Prozessen und Materialien beschrieben, die auf dem Weg der Menschheit in das Heute gefunden, erfunden und praktiziert wurden und werden.

Die 400 Seiten sind angefüllt, ja fast schon überladen mit Illustrationen:

„Faszinierende selbst gemachte Illustrationen kombinieren Ingenieurzeichnungen und mittelalterliche Kunst und stellen die Struktur von Geräten und Materialien des Multiversums dar. Dieses Buch zeigt, wie neue Ideen in verschiedenen Multiversen bei verschiedenen Erfindern entstehen. The Book ist die Hommage an die menschliche Vorstellungskraft, an die Fähigkeit, außerhalb der alltäglichen Realität zu denken. Es wurde von Träumern für Träumer gemacht. Seva und Timur, die Gründer von The Book“
(Quelle: Webpage „The Book“)

Obwohl mich viele Illustrationen an solche in lang vergangenen Kinder-Wissens-Bücher erinnern, finde ich sie trotzdem passend. Der teilweise cyperpunkige Look erzeugt ein Retro-Gefühl, das etwas Heimeliges und Behütendes in sich trägt.

Cyberpunk ist ein Subgenre der Science-Fiction, das sich durch seine dystopischen Zukunftsvisionen, die Verschmelzung von Mensch und Technologie sowie die Themen der sozialen Dekadenz und der Macht großer Konzerne auszeichnet. Es entstand in den 1980er Jahren und wurde durch Werke wie William Gibsons „Neuromancer“ populär.

„The Book“ scheint Elemente des Cyberpunk aufzugreifen, indem es die Errungenschaften der menschlichen Zivilisation in einem Kontext darstellt, der sowohl die Fortschritte als auch die potenziellen Gefahren technologischer Entwicklungen beleuchtet. Die aufwendigen Illustrationen, die eine Mischung aus Ingenieurzeichnungen und mittelalterlicher Kunst darstellen, könnten als visuelle Hommage an die Ästhetik des Cyberpunk verstanden werden, die oft komplexe technische Darstellungen und eine Verschmelzung von Vergangenheit und Zukunft beinhaltet.

Die Entstehungsgeschichte des Buches seit 2020, von der Idee über eine Kickstarter-Kampagne bis hin zur Zusammenarbeit mit Experten und Illustratoren, spiegelt den DIY-Geist wider, der auch im Cyberpunk präsent ist. Diese Bewegung betont oft die Macht der Individuen und kleinen Gruppen, große und innovative Projekte außerhalb traditioneller Strukturen zu realisieren. Die Illustratoren sind meiner Meinung nach aber auch die wahren Helden dieses Buches.

Insgesamt könnte „The Book“ durch seine Darstellung technologischer und kultureller Errungenschaften sowie durch seine künstlerische Gestaltung als ein Werk angesehen werden, das sowohl von der Geschichte als auch von den Visionen des Cyberpunk inspiriert ist. Dies könnte es besonders für Leser interessant machen, die sich für die Schnittstelle von Technologie, Kunst und Gesellschaft interessieren.

Das Buch lädt einem ein, in der menschlichen Kulturgeschichte zu stöbern. Es regt an, sein Wissen etwas aufzufrischen, und es lässt staunen, was so alles als selbstverständlich genommen wird, obwohl es das eigentlich nicht ist oder sein sollte.

Und so stellt sich die Frage, ob dieses Buch einen Geldbetrag jenseits der 100 Euro rechtfertigt? Sieht man es alleine vom Handwerklichen her, so kann man einen solchen Preis durchaus rechtfertigen. Die solide Verarbeitung in Halbleinen mit starkem Einband, die Papierqualität, das Lesebändchen garantiert ein sehr gutes Buch, dessen Qualität für ein langlebiges Lesevergnügen bürgt. Die künstlerische Qualität der Illustrationen, die Verständlichkeit der Texte und die Auswahl der Themen, lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig.

Aber, im Grunde ist es ein Jugendbuch und so frage ich mich, ob die Zielgruppe für dieses Buch den Aufwand auch trägt.

Die Analyse von „The Book“ zeigt wichtige Aspekte, die bei der Bewertung solch eines außergewöhnlichen Werkes berücksichtigt werden sollten. Die Kombination aus ästhetischer Qualität und inhaltlicher Tiefe macht es in der Tat zu einem potenziellen Schatz für Bildung und Sammlung.

Die Entscheidung über den Preis ist oft eine schwierige Abwägung zwischen Produktionskosten, Zielmarkt und dem wahrgenommenen Wert des Buches durch den Konsumenten. Bei einem Preis von über 100 Euro ist es entscheidend, dass der Verlag oder die Autoren deutlich machen kann, was dieses Buch von anderen unterscheidet.

Für Bildungseinrichtungen könnte „The Book“ als eine Art Lehrmittel angesehen werden, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zur ästhetischen Bildung beiträgt. In diesem Kontext könnte der Preis als Investition in qualitativ hochwertige Bildungsressourcen gerechtfertigt sein.

Für Sammler und Kunstliebhaber bietet das Buch möglicherweise einen doppelten Wert: als Besitztum und als Inspirationsquelle. Die Geschichte seiner Entstehung und die damit verbundene Leidenschaft und Hingabe können es zu einem noch begehrenswerteren Objekt machen.

Letztendlich wird der Markt entscheiden, ob der Preis gerechtfertigt ist. Es bleibt abzuwarten, wie das Buch von der Zielgruppe aufgenommen wird und ob es die Erwartungen an ein Bildungs- und Kunstwerk erfüllen kann. Die Einschätzung, dass es für diejenigen, die den Wert erkennen, eine lohnende Anschaffung sein könnte, ist ein wichtiger Punkt, der potenzielle Käufer dazu anregen könnte, über den rein monetären Wert hinaus zu denken.

Mich hat das Buch für sich eingenommen …


… und zu den letzten Artikel im Blog:

 


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[Medienhinweis] #250: Gedanken zu einem Skandal – Klaus Marion in: Andromeda Nachrichten 286

Gedanken zu einem Skandal

von Klaus Marion in Andromeda Nachrichten 286

Der HUGO-Skandal 2023 in einer Betrachtung, die ich euch nicht vorenthalten möchte, wenn ihr sie nicht schon im Original gelesen habt. Für jene, die nicht SFCD-Mitglied sind und daher die Andomeda Nachrichten nicht bequem ins Haus geliefert bekommen. Auch für jene, die um die Möglichkeit der kostenlosen Bezugsmöglichkeit der Andromeda Nachrichten als PDF-Exemplar nicht wissen.

Ich finde, es ist an def Zeit sich über solche Preise Gedanken zu machen und das macht Klaus Marion in sehr eindringlicher Art, die ich gut finde. Dies möge als Warnung auch für unsere Literaturpreise wie KPL und Vinzent-Preis oder den DSFP dienen. Nicht dass ich diesen solche Abwege zutraue, aber in grundsätzlicher Art. Man muss immer wieder hinterfragen, ob das was entschieden wird auch das richtige ist und kein Holzweg.  …

 

Andromeda Nachrichten 286

 

Was ist genau passiert:
Die Verantwortlichen beim HUGO Award (um es klar zu sagen: amerikanische Vertreter der HUGOS und  langjährige und geachtete Mitglieder der Fanszene) haben anscheinend während der Nominierungsphase Angst bekommen, dass das politische China ein Problem mit Themen und insbesondere mit der chinesisch- stämmigen Herkunft einiger Autoren haben könnte.‘ Veröffentlichte (geteakte) [vermutlich: geleakte Anm.d.Erstellers] Mails lassen erkennen, dass man befürchtete, dass Auslandschinesen als Autoren oder auch Themen mit Bezug zu China (insbesondere historische Einordnungen) die politische Führung der Volksrepublik verärgern oder gar zu einem Eingreifen bewegen könnte, und hat dann Autoren und ihre Werke als »nicht zulassungsfähig« (»not eligible«) aus der  Nominierungsphase genommen.
Belegt ist das für die Autoren Neil Gaiman,R. F. Kuang, Xiran Jay Zhao und Paul Weimer.[…]

Auszug Artikel Andromeda Nachrichten 286, Seite 90

Die angesprochenen Vorgänge haben mir schon einiges zu denken gegeben. Wenn ein Literaturpreis, den ich immer für einigermaßen korrekt gehalten habe, auf solche Weise benutzt und abgewertet wird, so stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, derartige Preise zu vergeben. Wenn auch nur ein Teil der angesprochenen Vorgänge so stattfanden, wie beschrieben, so halte ich den Preis für gravierend beschädigt. Zum Schaden der Literaturschaffenden. Aber lest selbst die Ausführungen von Klaus Marion und macht euch eure eigenen Gedanken …

oder

der download des Artikel hier im Blog: Marion, Klaus – Gedanken über einen Skandal

Übrigens unter: https://sfcd.eu/publikationen/andromeda-nachrichten.html könnt ihr euch die Andromeda Nachrichten ab Nummer 252 kostenlos herunterladen …


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[Medienhinweis] #249: Talkien 24, Science Fiction und Medizin – youtube.com

Talkien 24 – Science Fiction und Medizin

im Youtube-Kanal „Brennende Buchstaben“ von Thorsten Küoer und Frederic Brake

Die medizinische Forschung liefert traditionell Motive für die Science Fiction Literatur. Schon in Shelleys Frankenstein geht es um einen Toten, der von einem Wissenschaftler mit Gottkomplex wieder zum Leben erweckt wird. Wissenschaft ist eindeutig eine Inspiration für die Literatur. Bekanntermaßen beeinflusst die Fiktion Design und Technologie. Wirken sich Visionen der Science Fiction auch auf die reale Medizin aus? Kann Science Fiction ein Ideenlieferant für echte medizinische Fortschritte sein? Verlängern die Einfälle von Autoren schon jetzt Leben oder verbessern die Lebensqualität von Menschen mit körperlichen Einschränkungen? Wie beeinflussen sich erträumte medizinische Fortschritte und reale Wissenschaft gegenseitig? Darüber sprechen wir mit Maike Braun, S.C. Menzel, Jannis Radeleff, Thomas Sebesta und Mala Mukherjee Suess.
Also schauet es zahlreich!…

…eine sehr starke Diskussionsrunde, die sich schnell zum Selbstläufer entwickelt hat[…]

Auszug Artikel in SF-Netzwerk

Gesern war es soweit. Ich durfte die ersten Erfahrungen in einer Online-Gesprächsrunde machen und es war sehr interessant und lehrreich. Die Gesprächsrunde war sehr ausgewogen besetzt und das Klima ausgesprochen locker und aufgeschlossen. Ich kann es euch nur anraten, die rund zweistündige Diskussion zum Thema Science Fiction und Medizin anzuhören.

Daneben sei auch noch gesagt, dass auch die weiteren, schon früher aufgenommenen Folgen der „Brennenden Buchstaben“ sehr hörenswert sind. Insbesondere die Folgen zu den Drogen und dem religiösen Fanatismus seien euch ans Herz gelegt.

Frederic Brake und Thorsten Küper haben eine Institution geschaffen, die eine Bereicherung für die Science-Fiction-Szene darstellt. Ich finde sehr unterhaltsam und voll von Anregungen und Denkanstößen.

Viel Vergnügen dabei


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Über den Schreibtisch #012 – Neues und Antiquiertes: HdR und Philosophie, Feministische Utopie und Chemie in der SF

Philosophie, Frauen und Chemie – schon eine brisante Mischung
Z

unächst setzen wir den Weg in Mittelerde fort und sehen uns philosophischen Gedanken ausgesetzt. Dann wird ein Werk zur feministischen Utopieforschung angesprochen und zu guter Letzt lernen wir etwas über Chemie uns Science-Fiction …


Drei Bücher, drei Genre …

Bassham, Gregory / Bronson, Eric – Der Herr der Ringe und die Philosophie, Schlauer werden mit der berühmtesten Saga der Welt, Piper, München (2011), ungekürzte Taschenbuchausgabe, ISBN 9783492259415

Beschreibung: Hobbits, Elben und Orks treffen auf Platon, Aristoteles und Friedrich Nietzsche. In 13 famosen Essays denken 13 Philosophen über den »Herrn der Ringe« nach und entdecken: Die weltberühmte Saga ist eine Schatztruhe für philosophische Gedanken! Kann Frodo trotz der gefährlichen Kräfte des Rings die Macht zu einem guten Zweck ausüben? Finden die Bewohner des Auenlands im einfachen Leben wahres Glück? Denkt Sauron bei seinen finsteren Plänen auch mal an die Umwelt? Die Weisheit von Mittelerde ist verblüffend. Werden Sie schlauer mit der berühmtesten Saga der Welt.

Anmerkung: Es wird in der Regel zwar anerkannt, dass die vertretenen Autoren Kenner der Philosophie sind, aber desgleichen nicht unbedingt von Tolkien. Auch wird gemosert, dass die Übersetzung Wolfgang Krege folgen und nicht die Carroux-Übersetzung verwendet wurde. Egal, es ist interessant zu lesen und ich halte mich an die Aussage: „…(ein) wenig in philosophische Themen reinschnuppern wollen und dies lieber mit Zitaten aus dem HdR als mit den Simpsons tun wollen…“


Hoffman Baruch, Elaine / Rohrlich, Ruby – Weder Arkadien noch Metropolis, Frauen auf der Suche nach ihrer Utopie, Frauenoffensive, München (1986 ), Taschenbuch, ISBN 3881041567

Beschreibung: Wenn Frauen ihre Utopien suchen, schauen sie nicht nur nach vorn in die Zukunft, sondern auch voller Staunen zurück in die Vergangenheit. Denn dort, in fernen Zeiten, die von Historikern gern Vor-Geschichte genannt werden, finden sich Matriarchate, andere Formen des Zusammenlebens, die heute wieder neu erscheinen. Auf die Suche begaben sich in diesem Buch amerikanische Autorinnen und Wissenschaftlerinnen, und sie wurden fündig: So stellt Ruby Rohrlich Kreterinnen und Sumerinnen aus alten Zeiten vor; Diane LeBow entdeckt die Hopi mit ihren Stammestraditionen und matrilinearen Strukturen neu. Aus der jüngsten Vergangenheit lesen wir von Frauengemeinschaften in den USA. Die Gegenwart zeigt Beispiele der Kommunen von Findhorn in Schottland und Twin Oaks in Virginia, USA. Immer bedeutender für die Wirklichkeit und den Alltag von Frauen wird die Sprache: Welche Machtverhältnisse sich darin verbergen und ausdrücken können, wird analysiert. Die Wirkungen neuer Techniken und die Bedeutung der Gentechnologie für Frauen untersucht Jan Zimmerman. Utopien und Science Fiction von Frauen unterscheiden sich deutlich von den Visionen der Männer. Welche Rolle Frauen künftig spielen können, wie sie zu ganzen Personen werden, stellen die verschiedenen Beiträge zu den Visionen von Utopia dar. Frauenutopien malen weder ein altes Arkadien noch ein makabres Metropolis, sondern entwerfen gänzlich neue Möglichkeiten für Menschen.

Anmerkung: Ein gern zitiertes Werk in der feministischen Utopie-Diskussion


Müller, Karsten – Chemie und Science Fiction, Was wir von der Zukunft lernen können, Springer Spektrum, Berlin (2022), broschiert, ISBN 9783662643846

Beschreibung: Dieses Buch soll Studierende (und andere interessierte Laien) anhand von Beispielen aus der Science-Fiction mit viel Spaß an die Chemie heranführen. Die einzelnen Kapitel sind bewusst kurzgehalten, um die Lesbarkeit zu fördern. Das Buch kann vor allem als Begleitlektüre zu den Vorlesungen aus der Chemie und verwandten Disziplinen angewendet werden.

Anmerkung: Fußnoten und Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel sind beim Verlag hier einzusehen


Die letzten Artikel im Blog:


Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentar-Funktion auch gerne zur Verfügung gestellt.