Universitas Phantastica – Reflektion #17 – Welten hinter der Wirklichkeit: Das Wechselspiel von Phantastik und Anthroposophie …

Selbstreflektion - Intern

In der letzten Zeit waren einige Veröffentlichungen in der Bibliothek eingegangen, die Rudolf Steiner und die Anthroposophie zum Thema hatten. Die Namen Rudolf Steiner und auch Helena Petrovna Blavatsky sind zwar vielleicht bekannt, aber das Wissen über die Verbindungen der Personen zur Anthroposophie bzw. der Anthroposophie zur Phantastik halten sich dann eben doch in Grenzen. Vielleicht hilft dieser Essay diesen blinden Fleck auf der Netzhaut der Phantastik aufzulösen …

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Bibliotheca Universitas Phantastica #110 – Neues aus der Bibliothek

Neuzugänge und Veränderungen

vom 31. Mai und 1. Juni 2026

MZunächst wäre da einmal das neue Fantasia mit vier relevanten Artikel, dann zwei wissenschaftliche Arbeiten zu „Schamanismus, Märchen und Tod“ bzw. „Abwertung der Frauen gespiegelt in der Mythologie …“. Zur Person Rudolf Steiner kam noch ein Buch mit kommentierten Texten hinzu und ein begleitendes Werk zur Evolution, das ebenfalls bibliotheksrelevante Artikel enthält. Tja, so macht das sammeln Spaß …


Neuzugänge: als Html-Ansicht->
2026-06-01-Neuerungen-Bericht

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1.

Reinkarnation
W. Abendroth

Fischer-Taschenbücher Perspektiven der Anthroposophie 5572 (1986), FISCHER Taschenbuch

ISBN 978-3-596-25572-6

Abstract: Der Autor ist der Frage nachgegangen, was Reinkarnation in der Anthroposophie Rudolf Steiners bedeutet. Die hier zusammengestellten und kommentierten Rudolf-Steiner-Texte machen das Buch zu einem Kompendium anthroposophischen Reinkarnationsverständnisses, sind ein Plädoyer wider das Gesetz der Einmaligkeit. …

Tags: Anthroposophie, Person->, Person->Steiner, Rudolf, Reinkarnation, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.0} Bestand/Papier

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Abstract: Das Thema meiner Masterarbeit ist die Abwertung und Unterdrückung von Frauen in den patriarchalen Kulturen und ihre Spiegelung in den Mythen. Ich möchte anhand von verschiedenen mythischen Erzählungen aus unterschiedlichen Kulturen dem Ursprung und der Entstehung der Unterdrückung von Frauen durch Männer näher kommen. Dafür werde ich Mythen aus Mesopotamien (der Sumerer und der Babylonier), dem antiken Griechenland, dem frühen Judentum und dem frühen Christentum heranziehen und sie einer religions- und kulturphilosophischen Analyse unterziehen. …

Tags: Abschlussarbeit(en)->, Abschlussarbeit(en)->Masterarbeit, Epoche(n)->, Epoche(n)->Frühes Christentum, Epoche(n)->alter Orient, Frau(en)->, Frau(en)->Feminismus, Mythen->, Mythen->-forschung, Religion(s/en)->, Religion(s/en)->Philosophie, Sekundärliteratur->Märchen/Sagen, {04.1} Bestand/Digital

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3.

Evolution: Geschichte und Zukunft des Lebens

Forum für Verantwortung (2003), E.P. Fischer, K. Wiegant (Hrsg.), Fischer

ISBN 978-3-596-15905-5

Abstract: Ein interdisziplinärer Sammelband über die Prinzipien der Evolution, die Geschichte des Lebens und die Verfahren der modernen Biotechnologie. Beiträge von Ernst Peter Fischer, Josef H. Reichholf, Axel Meyer, Steve Jones, Simon Conway Morris, John C. Avis, Hans-Jörg Rheinberger, Werner Arber, Tom Kirkwood, Roland Prinzinger, Gerhard Vollmer, Wolf Singer, Lee M. Silver und Jürgen Brosius. …

Tags: Evolution->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, Zukunft(s)->, Zukunft(s)->-forschung, {04.2} Bestand/Papier

4.

Brugggore 2026: Das Potpourrie phantastischer Wesen
A. Hättich

Fantasia 1262e – Aus der phantastischen Welt der LiteraturFantasia (EDFC) 1262e (2026), F. Schröpf (Hrsg.), EDFC: 167–173

Abstract: Reportage zum 6. Brugggore-Filmfestival in Brugg, Schweiz vom 21.-25. April 2026 …

Tags: Fanzine(s)->Titel->, Fanzine(s)->Titel: Fantasia (EDFC), Film(e)->, Film(e)->Festival->, Film(e)->Festival->Brugggore, Literarische Fabelwesen->, Magazin(e)->, Magazin(e)->Fantasia (EDFC), Reportage, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Phantastik, {04.1} Bestand/Digital

5.

Die Gnade der Verweigerung: Stanislaw Petrow und Wassili Alexandrowitsch Archipow: EIn Doppelportät menschlicher Entscheidungen in unmenschlicher Zeit
C. Knieps

Fantasia 1262e – Aus der phantastischen Welt der LiteraturFantasia (EDFC) 1262e (2026), F. Schröpf (Hrsg.), EDFC: 174–197

Abstract: Ein Doppelportät …

Tags: Biographie(n)->, Biographie(n)->Fremdbiographie->, Fanzine(s)->Titel->, Fanzine(s)->Titel: Fantasia (EDFC), Magazin(e)->, Magazin(e)->Fantasia (EDFC), Person->, Person->Archipow, Wassili Alexandrowitsch, Person->Petrow, Stanislaw, Porträt, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Phantastik, {04.1} Bestand/Digital

6.

Positive Erwartung: Einstein 157
G. Maximovic

Fantasia 1262e – Aus der phantastischen Welt der LiteraturFantasia (EDFC) 1262e (2026), F. Schröpf (Hrsg.), EDFC: 198–217

Tags: Fanzine(s)->Titel->, Fanzine(s)->Titel: Fantasia (EDFC), Magazin(e)->, Magazin(e)->Fantasia (EDFC), Person->, Person->Bergson, Henri-Louis, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Phantastik, {04.1} Bestand/Digital

7.

Ist kein Geist da? (Perty 48)
G. Maximovic

Fantasia 1262e – Aus der phantastischen Welt der LiteraturFantasia (EDFC) 1262e (2026), F. Schröpf (Hrsg.), EDFC: 218–226

Tags: Fanzine(s)->Titel->, Fanzine(s)->Titel: Fantasia (EDFC), Magazin(e)->, Magazin(e)->Fantasia (EDFC), Person->, Person->Perty, Josef Anton Maximilian, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Phantastik, {04.1} Bestand/Digital

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8.

Fantasia 1262e – Aus der phantastischen Welt der Literatur

Fantasia (EDFC) 1262e (2026), F. Schröpf (Hrsg.), EDFC

Abstract: Artikel: – Hätttich, Achim – Brugggore 2026: Das Potpourri phantastischer Wesen, Reportage – Knieps, Christian – Die Gnade der Verweigerung: Stanislaw Petrow und Wassili Alexandrowitsch Archipow, Ein Doppenlportät menschlicher Entscheidungen in unmenschlicher Zeit, Artikel – Maximovic, Gerd – Positive Erwartung: Einstein 157, Artikel – Maximovic, Gerd – Ist kein Geist da? (Perty 48), Artikel

Tags: Fanzine(s)->Titel->, Fanzine(s)->Titel: Fantasia (EDFC), Magazin(e)->, Magazin(e)->Fantasia (EDFC), Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Phantastik, {04.1} Bestand/Digital

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Abstract: Die Begriffe „Tod“, „Zaubermärchen“ und „Schamanentum“ scheinen auf den ersten Blick keine oder nur wenige Gemeinsamkeiten aufzuweisen. Doch sie sind alle drei schwer einzugrenzen, sehr komplex, subtil und sie sind umgeben von einer geheimnisvollen „Aura“, welche die Verortung in die exakte Wissenschaft schwierig gestaltet. In meiner Arbeit hat sich immer mehr herausgestellt, wie dicht diese drei Begriffe miteinander verwoben sind. Menschliche Grunderfahrungen, Ängste, Symbole, und das Motiv der Seelenreise spiegeln sich in diesen drei Begriffen wider. Zerstückelte, Tote können durch die Kraft, die in den Knochen wohnt, wieder aus der jenseitigen Welt zurückkommen. Dieses Motiv kennen das Zaubermärchen und das Schamanentum. Der Tod wird als Passage angesehen. Es kommt zum Bruch mit der bestehenden Ordnung. Durch das Durchleben und die Bewältigung dieser Krise wandelt sich die Todeserfahrung zu neuem Leben. Übergangsriten für die Reise und den Eintritt in das Jenseits, in die jenseitige Welt sind dem Schamanen und dem Zaubermärchenhelden sehr vertraut. Das Diesseits ist nicht vom Reich der Toten, der jenseitigen Welt getrennt, da immer eine Wandlung der Daseinsform stattfindet. Ich versuche in dieser Arbeit herauszufinden, ob die Motive der Totenreise im Schamanismus und im Zaubermärchen vergleichbar sind. Weiters ist auch das „Alter“ meiner drei Hauptbegriffe eine Reizfrage in der wissenschaftlichen Welt. Ab wann hatte der Mensch Vorstellungen von einem Leben nach dem Tode? Wie alt sind die Zaubermärchen? Und wie alt ist das Schamanentum? Lässt sich auch hier eine Parallele finden? Ich beschreibe die drei Begriffe eingehend, wobei das Kapitel der Tod auch als Begriffsbestimmung gilt. Im Anschluss daran versuche ich die gewonnenen Erkenntnisse zusammenzufügen und zu interpretieren. Danach untersuche ich zwei Zaubermärchen eingehend nach Gemeinsamkeiten zwischen dem Schamanismus und dem Zaubermärchen auf der Reise in das Reich der Toten. Ich ziehe ein europäisches und ein ostjakisches Zaubermärchen für meine Untersuchung heran. In meiner Arbeit arbeite ich mit der hermeneutischen Methode. Im Literaturvergleich sind Eliade, Dürr, Gennep, Turner, Bastian, Tylor, Kalweit und die Märchenforscher Lüthi, Gehrts, Hetmann, Göttner-Abendroth und Früh die wichtigsten VertreterInnen für die Erhebung der Daten und Interpretationen. Ist das Reich der Toten im Zaubermärchen und im Schamanentum das gleiche Reiseziel? Dieser Frage möchte ich in meiner Arbeit nachgehen. …

Tags: Abschlussarbeit(en)->, Abschlussarbeit(en)->Diplomarbeit(en), Märchen->, Schamanismus, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Märchen/Sagen, Tod->, {04.1} Bestand/Digital

Veränderungen (Korrekturen, Ergänzungen):
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Stadtträume - Traumstädte: Tagungsband der 50. Jahrestagung des Südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung
Stadt in der Geschichte Band 47 (2024), R. Müller (Hrsg.), Vandenhoeck & Ruprecht
ISBN 978-3-647-31548-5

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Universitas Phantastica – Reflektion #16 – Was bedeutet „Dystopien jenseits der ‚Extreme‘“…

Selbstreflektion - Intern

Im Artikel „Bibliotheca Universitas Phantastica #107 – Neues aus der Bibliothek“ habe ich eine Masterarbeit vorgestellt, welche unter dem Titel „Dystopien jenseits der Extreme“ verfasst wurde. Dieser Begriff war mir noch nicht untergekommen und hat Nachforschungen herausgefordert. Das Resultat dieser Recherchen finde ihr in der Folge …

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Bibliotheca Universitas Phantastica #109 – Neues aus der Bibliothek

Neuzugänge und Veränderungen

am 31. Mai 2026

MDie beiden letzten Magazine aus der „Phantast“-Reihe, sie behandeln die Themen Horror zum einen und Gottheiten zum anderen und ein begleitendes Werk zu dem Vertreter der Anthroposophie, Rudolf Steiner, wurden der Bibliothek zugefügt. Letzteres ist aus dem Vorjahr und beleuchtet Steiner vielleicht aus einem neueren Blickwinkel. Der Titel „Irritation und Inspiration“ lässt hoffen. Den Zusammenhang zwischen Anthroposophie und Phantastik aus meiner Sicht werde ich in Kürze in einer Reflektion darlegen. …

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Utopie #50 – der NICHT-Ort in der Sekundärliteratur: Die Geschichte der Zukunft – Minois, Georges

Georges Minois – Die Geschichte der Prophezeiungen, Albatros, Düsseldorf (2002) ISBN 9783491960435
Der Wandel der Zukunftsschau
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„Die Geschichte der Prophezeiungen: Orakel, Utopien, Prognosen“ (französischer Originaltitel: Histoire de l’avenir: Des prophètes à la prospective, 1996) ist ein umfassendes kulturhistorisches Werk. Georges Minois untersucht darin ein urmenschliches Bedürfnis: das Verlangen, einen Blick in das Kommende zu werfen, und die Methoden, die Gesellschaften dafür im Laufe der Jahrtausende entwickelt haben. Hier ist eine detaillierte Übersicht zum Autor, dem Inhalt des Buches und einer kritischen Bewertung: …


Georges Minois (geboren 1946) ist ein renommierter französischer Historiker und Kulturwissenschaftler. Er gehört zur Tradition der französischen Mentalitätsgeschichte, die sich nicht primär mit politischen Ereignissen oder Daten beschäftigt, sondern damit, wie Menschen in früheren Epochen gefühlt, gedacht und geglaubt haben.

Minois ist bekannt dafür, monumentale, makrohistorische Themen anzupacken und sie über enorme Zeiträume hinweg zu analysieren. Zu seinen bekanntesten, auch ins Deutsche übersetzten Werken gehören eine Geschichte des Selbstmords, eine Geschichte des Atheismus sowie kulturgeschichtliche Arbeiten über das Alter, das Altern und die Hölle. Seine Arbeiten zeichnen sich durch immense Materialfülle, einen flüssigen Erzählstil und eine skeptisch-aufklärerische Grundhaltung aus. …

Nur die Zukunft verleiht unseren Handlungen einen Sinn, rechtfertigt sie oder offenbart ihre Vergeblichkeit. Um voll und ganz leistungsfähig zu sein, müssen wir diese Zukunft also kennen. Das galt für den vorgeschichtlichen Menschen … es gilt weiterhin für die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen unserer Tage … Einleitung

Minois‘ Kernthese lautet: Jede Epoche spiegelt ihre eigenen Ängste, Werte und Sehnsüchte in dem Bild wider, das sie sich von der Zukunft macht. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und zeigt, wie sich die menschliche Strategie zur Bewältigung der Ungewissheit gewandelt hat – von der Ergebung in den göttlichen Willen bis zum Versuch der technologischen Kontrolle.

Der Wandel der Zukunftsschau lässt sich im Wesentlichen in vier große Epochen und Formen unterteilen:

Die Epochen der Zukunftsschau

Epoche / Phase Dominierende Methode Kernmerkmale
Antike Orakel und Divination Menschen befragen die Götter (z. B. das Orakel von Delphi) oder deuten Zeichen in der Natur (Vogelflug, Leberschau). Die Zukunft gilt als von den Göttern vorherbestimmt; der Mensch versucht lediglich, sich anzupassen.
Mittelalter Prophezeiungen und Apokalyptik Mit dem Monotheismus ändert sich der Fokus. Die Zukunft wird linear verstanden und steuert auf ein definiertes Ende zu (das Jüngste Gericht). Astrologie und biblische Prophezeiungen dominieren, das irdische Schicksal ist zweitrangig gegenüber dem Seelenheil.
Frühe Neuzeit Utopien Ab der Renaissance und Aufklärung verliert die göttliche Vorsehung an Gewicht. Gelehrte beginnen, die ideale Gesellschaft der Zukunft selbst zu entwerfen (z. B. Thomas Morus‘ Utopia). Der Mensch nimmt die Gestaltung seiner Zukunft theoretisch selbst in die Hand.
Moderne & Gegenwart Prognosen und Futurologie An die Stelle von Sehern treten Wissenschaftler, Ökonomen und Computerprogramme. Mittels Statistik, Trendforschung und mathematischen Modellen (Prospective) wird versucht, die Zukunft rational und berechenbar zu machen.

Minois zeigt eindrucksvoll, dass trotz des wissenschaftlichen Fortschritts auch die moderne Futurologie oft auf wackeligen Beinen steht. Er argumentiert, dass moderne ökonomische oder klimatische Prognosen in ihrer gesellschaftlichen Funktion den antiken Orakeln erstaunlich ähnlich sind: Sie dienen der Beruhigung oder der Verhaltenssteuerung in der Gegenwart.

Bewertung des Werkes

Positive Aspekte (Stärken)

  • Enorme historische Bandbreite: Minois schafft es, einen Bogen von der Prähistorie über Mesopotamien und die Antike bis hin zur modernen Systemanalyse des späten 20. Jahrhunderts zu spannen, ohne den roten Faden zu verlieren.
  • Erhellende Perspektivumkehr: Das Buch lehrt den Leser, dass „Zukunft“ kein feststehender Fakt ist, sondern ein kulturelles Konstrukt. Wer wissen will, wie eine Epoche tickte, muss sich ansehen, wovor sie Angst hatte und worauf sie hoffte.
  • Unterhaltsam und entlarvend: Minois schreibt mit einer gesunden Portion Ironie. Er deckt schonungslos auf, wie oft Propheten, Astrologen und auch moderne Experten mit ihren Vorhersagen grandios danebenlagen. Er entlarvt beispielsweise die Fixierung auf die Jahrtausendwende (das Jahr 2000) als irrationalen Fetischismus.

Kritische Einwände (Schwächen)

  • Eurozentrismus: Wie viele Werke der französischen Mentalitätsgeschichte konzentriert sich auch dieses Buch sehr stark auf die westliche, europäische Denktradition. Asiatische, afrikanische oder indigene Vorstellungen von Zeit und Zukunft (wie zyklische Zeitkonzepte) kommen zu kurz.
  • Wissenschaftliche Detailtiefe: Gelegentlich neigt Minois zu sehr breiten Verallgemeinerungen. Fachhistoriker haben ihm bei einigen seiner Bücher (unter anderem auch bei der Geschichte des Atheismus) vorgeworfen, den aktuellen Forschungsstand von Spezialdisziplinen zu Gunsten eines flüssigen, populärwissenschaftlichen Erzähltons manchmal zu vernachlässigen.
  • Fehlende Aktualität zur jüngsten Gegenwart: Da das Buch im Original 1996 erschienen ist, fehlen die rasanten Entwicklungen des 21. Jahrhunderts – insbesondere die digitalisierte Algorithmen-Zukunft, Big Data und die Vorhersagemodelle durch Künstliche Intelligenz. Die philosophische Grundlage, die Minois liefert, lässt sich jedoch nahtlos auf diese neuen Phänomene anwenden.

Fazit

„Die Geschichte der Prophezeiungen“ ist ein faszinierendes und zeitloses Handbuch der menschlichen Hoffnung und Skepsis. Es nimmt dem Leser den blinden Glauben an „Expertenprognosen“ und zeigt, dass der Blick in die Zukunft letztlich immer nur ein Spiegel der Gegenwart ist. Wer sich für Geistesgeschichte, Philosophie und die Psychologie der Menschheit interessiert, findet hier ein extrem reiches und anregendes Werk. …

Anmerkung:

Insbesondere sind folgende Abschnitte empfohlen:

  • Seite 111: Die Utopie, Ersatz der Prophetie
  • Seite 247: Merlins Prophezeiungen, divinatorische Träume und Unruhe der Kirche
  • Seite 538: Die Utopie: vom Chiliasmus zum Szientismus
  • Seite 546: Die Utopie als soziopolitisches Projekt
  • Seite 550: Utopie und Zukunft
  • Seite 555: „Das Jahr 2440“: Traum oder Alptraum
  • Seite 626: Die Propheten der wissenschaftlichen Utopie: auf dem Weg zur kommunitären Menschheit
  • Seite 632: Die wissenschaftlich-religiösen Propheten oder die Utopie auf dem Vormarsch
  • Seite 658: Zögern und Zweifeln der Science-fiction
  • Seite 671: Vom Pessimismus der Science-fiction und der Gegenutopie zur Vorsicht der Wahrscheinlichkeitsrechnug und der Prospektive (20. Jahrhundert)
  • Seite 685: Vom utopischen Optimismus zum Pessimismus der Science-fiction
  • Seite 689: Samjatin und Huxley: Die Konditionierung zum Glück
  • Seite 693: George Orwell: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft“

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Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Georges Minois
  • Die Geschichte der Prophezeiungen
  • Orakel-Utopien-Prognosen
  • Albatros, Düsseldorf (2002)
  • gebundene Ausgabe
  •  830 Seiten
  • lizenzierte Buchclubausgaben vorhanden
  • ISBN 9783491960435
Preisangaben Eurobuch

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  • Original: Histoire de l’avenir
  • (1996) Librairie Artheme Fayard, Paris
  • [Wikipedia] Georges Minos

In seinem Werk Geschichte der Zukunft. Orakel, Prophezeiungen, Utopien, Prognosen (1996) erzählt er die Geschichte der Zukunft als eine Geschichte der Praxen, mit denen versucht wurde die Zukunft zu deuten. …

Auszug Artikel


  • [Rezension] G. Minois: Geschichte der Zukunft

Letztlich schreibt Minois also eine Geschichte der Vorhersagen und ihrer Techniken. Sein Quellenfundus sind alle in diese Richtung zielende Praktiken, von vorchristlichen Orakeln und Prophezeiungen bis zu Utopien und wissenschaftlichen Vorhersagen unserer Tage. …

Auszug Artikel


 


siehe auch (Auszug):


Die letzten Artikel im Blog:


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