am 19. März 2026
Neuzugänge:

Medienpädagogik Band 4 (2007), Lit
Abstract: In dieser speziellen Veröffentlichung arbeitet Baßler heraus, dass Peter Jacksons Verfilmung eine **mediale Sozialisationsinstanz** darstellt. Baßler argumentiert, dass Jugendliche und junge Erwachsene den Film als einen Raum nutzen, in dem sie moralische Dilemmata und Reifungsprozesse stellvertretend durchleben. Die Medienpädagogik fragt hier: Welche Vorbilder (Archetypen) bietet der Film für die heutige Identitätsfindung an? Die Studie untersucht, dass die Wirkung des Films oft **prä-reflexiv** ist. Das bedeutet: Die Zuschauer werden erst emotional „überwältigt“ (durch Musik, monumentale Landschaft, Pathos), bevor sie das Erlebte rational einordnen können. Baßler analysiert, wie diese ästhetische Erfahrung als Motor für innere Lernprozesse dient. Ein medienpädagogischer Kernpunkt ist die Kompensation. In einer technisierten, oft als „sinnleer“ empfundenen Welt bietet der Film laut Baßler einen **„Wiederverzauberungs-Effekt“**. Er untersucht, wie die filmische Erzählung den Zuschauern hilft, Begriffe wie Treue, Opferbereitschaft und Hoffnung neu zu besetzen Die Arbeit zeigt eindrucksvoll, dass „Fantasy“ kein Eskapismus (Flucht aus der Realität) sein muss, sondern ein **Umweg zur Realität** sein kann. Durch das Durchleben der Mythenwelt kehren die Zuschauer gestärkt in ihren Alltag zurück. Baßler geht über das bloße „Verstehen“ von Filmen hinaus. Er fordert ein Verständnis für die **tiefenpsychologische Wirkung** von Bildern. Für Medienpädagogen ist das ein Plädoyer, Filme nicht nur formal zu analysieren, sondern deren emotionale Wucht ernst zu nehmen. Die Stärke ist die Verbindung von Jungscher Psychologie mit moderner Medienanalyse. Baßler beweist, dass alte Mythen in neuen Schläuchen (CGI, Surround-Sound) ihre pädagogische Kraft nicht verloren haben. Wenn Du dich für diesen speziellen Band interessierst, geht es weniger um Tolkien-Fakten, sondern darum, wie **großes Kino als Lehrmeister für die Seele** fungiert. Baßler liefert eine wissenschaftliche Begründung dafür, warum wir uns in Mittelerde „zuhause“ fühlen und was wir aus diesem Gefühl für unser echtes Leben lernen können. …
Tags: Film(e)->, Person->, Person->Jackson, Peter, Person->Tolkien, J. R. R., Psychologie->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.0} Bestand/Papier

Poetiken der Gegenwart (2013), S. Horstkotte, L. Herrmann (Hrsg.), De Gruyter: 31–46
Abstract: In diesem Artikel schlägt Moritz Baßle eine Brücke zwischen klassischen literaturwissenschaftlichen Gattungsbegriffen und modernen Erzählformen. Er analysiert, wie sich das Erzählen im 21. Jahrhundert durch das Zusammenspiel von Realismus, seriellen Strukturen und fantastischen Elementen verändert hat. Baßlers zentrales Argument ist, dass moderner Realismus nicht mehr durch die bloße Abbildung der Welt funktioniert, sondern durch die **Sättigung von Informationen** und den **„Weltbau“ (Worldbuilding)**. Baßler definiert Realismus neu: Er sieht ihn als eine Art **„Archiv-Realismus“**. Ein Text wirkt für den modernen Leser dann „realistisch“, wenn er eine hohe Dichte an Details aufweist, die wir aus unserem Wissensarchiv (Medien, Geschichte, Alltag) wiedererkennen. Es geht nicht um „Wahrheit“, sondern um die **Vollständigkeit der Welt**. Der Artikel untersucht, warum serielle Erzählformen so erfolgreich sind. Serialität erlaubt es, eine Welt in einer Tiefe auszuarbeiten, die ein einzelner, abgeschlossener Text nicht leisten kann. Durch die Wiederholung und Variation von Motiven entsteht eine **„Erzählwelt“**, in der sich der Leser häuslich einrichten kann. Hier schließt sich der Kreis zu Tolkien und der modernen Fantasy: Baßler argumentiert, dass **Fantasy der „realistischste“ aller Stile** ist, wenn man Realismus als „Worldbuilding“ begreift. * In der Fantastik muss die Welt von Null auf konstruiert werden (Sprachen, Gesetze, Geographie). * Diese totale Konstruktion führt zu einer maximalen Kohärenz. Wenn eine Welt in sich logisch und detailreich genug ist, wird sie vom Leser als „real“ empfunden – unabhängig davon, ob es dort Drachen gibt oder nicht. Der klassische bürgerliche Realismus (Fontane etc.) funktioniert heute nicht mehr, da unsere Wirklichkeit zu komplex und medial vermittelt ist. Qualität in der Gegenwartsliteratur wird zunehmend daran gemessen, wie konsistent und „bewohnbar“ eine fiktive Welt ist. Baßler hebt die Trennung zwischen „E-Literatur“ (ernsthafte Literatur) und „U-Literatur“ (Unterhaltung wie Fantasy/Sci-Fi) auf. Er zeigt, dass beide heute dieselben Techniken (Serialität und Archiv-Referenz) nutzen. Moritz Baßler gilt als einer der profiliertesten deutschen Literaturwissenschaftler der Gegenwart. Baßler liefert ein Werkzeugset, um moderne Romane (z.B. von Christian Kracht, Daniel Kehlmann oder eben Fantasy-Epen) mit demselben Maßstab zu messen. Er nimmt Phänomene wie Fernsehserien und Genre-Literatur ernst und integriert sie in die Hochliteratur-Theorie und er erklärt theoretisch fundiert, warum wir heute dazu neigen, in fiktive Welten völlig abzutauchen (Immersion). Kritiker werfen Baßler vor, dass sein Fokus auf „Information“ und „Weltbau“ die sprachliche Schönheit oder die moralische Tiefe eines Werkes vernachlässigen könnte. Wenn Literatur nur noch als „Archiv“ gesehen wird, könnte der künstlerische Eigensinn auf der Strecke bleiben. Seine Behauptung, Fantasy sei die Steigerung des Realismus, ist provokant und wird in der konservativen Literaturkritik oft abgelehnt. Der Artikel ist ein Schlüsseltext der neueren Germanistik. Er erklärt, warum wir im 21. Jahrhundert so besessen von detailreichen Welten sind (egal ob Mittelerde, Westeros oder das historische Berlin). Baßler zeigt auf, dass der moderne Leser nicht mehr nach einer „Botschaft“ sucht, sondern nach einer **Welt, die so komplex ist wie die eigene**. …
Tags: Fantastik->, Film(e)->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, Serie(n)->, TV->, TV->Serie(n)->, {04.1} Bestand/Digital

Bachelorseminar: Interaktionen zwischen Kulturen (2016). Bachelorarbeit
Abstract: Die Bachelorarbeit befasst sich mit einem der zentralen Themen der deutschsprachigen Tolkien-Forschung: der Frage, wie die sprachliche Gestaltung die Wirkung eines fiktiven Mythos beeinflusst. Die Arbeit ist in zwei Hauptteile gegliedert: die theoretische Einordnung des „Phänomens Tolkien“ und die praktische Analyse der deutschen Übersetzungen. Huber untersucht Tolkiens Theorie aus seinem Essay *“On Fairy-Stories“*. Es geht darum, wie Tolkien eine Welt erschuf, die eine eigene innere Logik und historische Tiefe (Philologie, Genealogie, Geographie) besitzt. Die Arbeit analysiert Tolkiens Bestreben, den angelsächsischen Völkern eine verlorene Identität durch ein künstlich erschaffenes Epos zurückzugeben. Warum wirkt Mittelerde so „echt“? Huber zeigt auf, dass dies durch die archaische Sprache und die Verknüpfung mit nordischen und germanischen Sagenmotiven (z. B. aus der *Edda* oder dem *Beowulf*) geschieht. Der Kern der Arbeit liegt im Vergleich der beiden maßgeblichen deutschen Fassungen von *Der Herr der Ringe*: 1. **Margaret Carroux (1969/1970):** Diese Übersetzung entstand in enger Abstimmung mit Tolkien selbst. Huber analysiert die philologische Genauigkeit und den eher gehobenen, zeitlosen und oft archaischen Ton, der den mythologischen Charakter des Originals bewahrt. 2. **Wolfgang Krege (2000):** Diese Neuübersetzung versuchte, das Werk zu „modernisieren“ und die unterschiedlichen Sprachebenen (z. B. die bodenständige Sprache der Hobbits) stärker hervorzuheben. Huber bewertet den „Wirkungsvergleich“ wahrscheinlich an konkreten Beispielen: Ein klassischer Punkt ist die Anrede von Frodo durch Sam. Carroux wählt das traditionelle **“Herr“** (für „Master“), während Krege das moderne **“Chef“** wählt. Huber arbeitet heraus, wie Kreges Wortwahl den mythologischen Kontext zugunsten einer (umstrittenen) Modernität bricht. Während Carroux einen einheitlicheren, epischen Stil pflegt, nutzt Krege teils flapsige Umgangssprache. Die Arbeit bewertet, ob dadurch die „Ehrfurcht“ vor dem Mythos verloren geht oder ob die Geschichte dadurch nahbarer wird. Die Übertragung von Eigennamen und geografischen Bezeichnungen wird auf ihre lautmalerische und etymologische Treue zum Original geprüft. Die Arbeit nutzt die Komparatistik , um zu zeigen, dass Übersetzung nicht nur ein bloßer Transfer von Wörtern ist, sondern eine Interpretation des gesamten Weltentwurfs. Die Debatte „Carroux vs. Krege“ ist ein Paradebeispiel für die Übersetzungstheorie. Hubers Fokus auf den „Mythos“ ist besonders schlüssig, da er aufzeigt, dass eine zu moderne Sprache die „Patina“ und damit die Glaubwürdigkeit eines fiktiven Mythos zerstören kann. Die Arbeit punktet dort, wo sie nachweist, dass Tolkiens Werk als **Gesamtkunstwerk** aus Sprache und Mythos begriffen werden muss. Eine Übersetzung, die nur die Handlung überträgt, aber den Tonfall ändert, verändert zwangsläufig das Wesen des Mythos. Wenn Sie sich für die Arbeit interessieren, ist sie vor allem dann wertvoll, wenn Sie verstehen wollen, **warum** sich die beiden deutschen Fassungen so unterschiedlich anfühlen. Huber kommt wahrscheinlich zu dem Schluss, dass die Carroux-Übersetzung dem mythologischen Anspruch Tolkiens gerechter wird, während Krege eher einen modernen Abenteuerroman im Blick hat. …
Tags: Geographie->, Geographie->fiktiv->, Geographie->fiktiv->Mittelerde->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.1} Bestand/Digital, Übersetzung(en)->, Übersetzung(en)->literarische

Bibliothek der Esoterik (2021), TASCHEN
Abstract: Das Buch ist eine visuelle Reise durch die Geschichte und Symbolik der Astrologie. Anstatt eine trockene Anleitung zur Berechnung von Horoskopen zu sein, fungiert dieser Band als kuratierte Kunstgeschichte der Astrologie. Das Buch spannt den Bogen von antiken ägyptischen Tempeln und mittelalterlichen Manuskripten bis hin zur modernen, zeitgenössischen Kunst. Es zeigt, wie die Menschheit seit Jahrtausenden versucht, die Ordnung des Kosmos im Irdischen zu spiegeln. Jedes der zwölf Sternzeichen wird ausführlich beleuchtet – nicht nur durch Text, sondern durch eine enorme Vielfalt an Illustrationen aus verschiedenen Epochen. Auch die Bedeutung der Himmelskörper und die Struktur des astrologischen Haussystems werden ästhetisch aufbereitet. Das Buch untersucht, wie Astrologie die Kunst, die Psychologie (z. B. C.G. Jung) und die Populärkultur beeinflusst hat. Während Jessica Hundley die Reihe herausgibt, stammen die begleitenden Texte meist von der Autorin **Andrea Richards**. Diese sind informativ und essayistisch gehalten, aber der Fokus liegt eindeutig auf dem Bildmaterial. Wie von Taschen gewohnt, ist die Druckqualität exzellent. Das Buch ist ein „Coffee Table Book“ par excellence – Goldfolienprägung, schweres Papier und lebendige Farben. Für Künstler, Designer und Esoterik-Interessierte bietet das Buch einen fast unerschöpflichen Fundus an Symbolik und Bildsprache.Es wird nicht nur die westliche Astrologie betrachtet; die Einflüsse sind global und zeitübergreifend. Wer lernen möchte, wie man ein Geburtshoroskop präzise berechnet oder tiefgreifende Aspektlehre betreibt, wird enttäuscht sein. Es ist eine *Kulturgeschichte*, kein technisches Handbuch. Aufgrund der Qualität ist das Buch sehr schwer und unhandlich für das Lesen im Bett oder unterwegs – es möchte auf einem Tisch liegen und bewundert werden. Das Buch ist ein absolutes Muss für **Sammler**, die eine Leidenschaft für visuelle Kultur und das Okkulte haben. Es ist weniger ein Werk für „Astrologie-Studenten“ im technischen Sinne, sondern vielmehr für **Ästheten**, die verstehen wollen, wie die Sterne unsere Vorstellungskraft über die Jahrhunderte geprägt haben. …
Tags: Esoterik->, Esoterik->Astrologie, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.0} Bestand/Papier
Veränderungen (Korrekturen, Ergänzungen):
Geschichte der Fiktionalität: Diachrone Perspektiven auf ein kulturelles Konzept (2018), J. Franzen, P. Galke-Janzen, F. Janzen, M. Wurich (Hrsg.), Ergon: 269–284
Abstract: Fiktionalität bedeutet Freiheit: Indem ein Autor einen Text als ‚fiktional‘ mar-kiert, erwirbt er sich das Recht, bestimmte Lizenzen in der Darstellung wahrzunehmen. Der Verfasser eines fiktionalen Textes ‚darf‘ mehr als der Verfasser eines faktualen Textes. Ein Romancier muss sich nicht an dieselben Regeln halten wie eine Journalistin, ein Theaterautor hat mehr Freiheiten als eine Historikerin. Diese Freiheit beruht auf dem Versprechen, das fiktionale Texte ihren Lesern in einer konventionalisierten Kommunikationssituation vermitteln: Für die bedeutsamen Elemente der hier dargestellten Handlung (und das heißt in den meisten Fällen für die Protagonisten) existieren keine Referenten in der Alltagswirklichkeit – es handelt sich um erfundene Figuren. …
Tags: Fiktion(s/en)->, Fiktion(s/en)->-alität, Fiktion(s/en)->-kritik, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->begleitende Literatur

Schriftenreihe des Graduiertenkollegs 1767 4 (2018), D.J. Franzen, P. Galke-Janzen, F. Janzen, M. Wurich (Hrsg.), Ergon
Abstract: Das literarische Erfinden von Figuren, Orten und Ereignissen – das Hervorbringen fiktionaler Erzählungen – gehört zu den wichtigsten Kulturtechniken der Menschheit. Die Beiträge des Bandes stellen aus jeweils unterschiedlichen disziplinären Perspektiven die Frage nach der Geschichtlichkeit der Fiktionalität. Wurden schon zu allen Zeiten und in allen Kulturen erfundene Geschichten erzählt? Oder gibt es einen literaturhistorischen Moment, in dem diese Praktik erst ‚entdeckt‘ oder ‚erfunden‘ werden musste? Welchen Status hatte das literarische Erfinden in der Antike, im Mittelalter oder in der Neuzeit? Wie verhielt es sich in nicht-westlichen Kulturen? Ausgehend von diesen Fragen werden vor allem theoretische und methodische Probleme diskutiert, die mit dem großen Projekt einer „Geschichte der Fiktionalität“ einhergehen. Diese betreffen den Quellenstand, die Rolle der Medien oder Wertungskontroversen. Gleichzeitig bieten die Beiträge konkrete fiktionshistorische Erkenntnisse zu ihrem jeweiligen Forschungsfeld. Dieser Band (herausgegeben von J. Franzen, P. Galke-Janzen, F. Janzen und M. Wurich) ist das Ergebnis einer Tagung am Freiburg Institute for Advanced Studies. Er verfolgt einen **diachronen Ansatz**, das heißt, er betrachtet die Entwicklung des Erzählens durch die Jahrhunderte. Die Leitfrage ist, ob Menschen schon immer „fiktional“ erzählt haben oder ob dies eine Erfindung der Neuzeit ist. Die Autoren zeigen, dass das, was wir heute unter Fiktion verstehen (die Erlaubnis zu „lügen“, ohne dass es eine Lüge ist), historisch hart erkämpft wurde. Wolfgang Rösler untersucht die Entstehung des Fiktionalitätsbewusstseins im griechischen Drama. Henrike Manuwald und Sebastian Holtzhauer diskutieren, wie im Mittelalter mit „Wahrheit“ umgegangen wurde (z. B. in Visionen oder Berichten über Drachen), wo die Trennung von Fakt und Fiktion oft noch unscharf war. Johannes Franzen selbst steuert einen wichtigen Beitrag zur **Fiktionskritik der Gegenwart** bei. Er analysiert, warum das literarische Erfinden heute oft wieder skeptisch betrachtet wird (z. B. der Vorwurf der Belanglosigkeit gegenüber dem „echten Leben“). Der Band fungiert als methodisches Laboratorium für die damals neue Forschungsrichtung des GRK „Faktuales und fiktionales Erzählen“. Man bekommt keinen monolithischen Text, sondern Einblicke von der klassischen Philologie über die Mediävistik bis zur modernen Literaturwissenschaft. Während viele Fiktionstheorien (wie die von Genette oder Searle) sehr abstrakt und zeitlos sind, zeigt dieser Band, dass Fiktion eine **Kulturtechnik** ist, die sich wandelt. * **Brückenschlag:** Er verbindet theoretische Fiktionsforschung mit konkreten Analysen (z. B. wie ein mittelalterlicher Leser mit Wunderberichten umging). Wie bei Sammelbänden üblich, bleiben Lücken. Es ist keine lückenlose Chronik, sondern eine Sammlung von Schlaglichtern („Perspektiven“). Der Band ist deutlich stärker an ein Fachpublikum gerichtet als Franzens spätere Monographie. Die Einleitung ist theoretisch sehr dicht. Wenn man sich für die **theoretische Herleitung** und die **historischen Wurzeln** (v. a. Antike und Mittelalter) interessierst, ist der **Sammelband von 2018** die richtige Wahl. Er zeigt hervorragend, dass „Fiktion“ kein stabiler Begriff ist, sondern je nach Epoche etwas völlig anderes bedeuten konnte. Johannes Franzens **Einzelwerk von 2022** hingegen vertieft diese Ansätze zu einer geschlossenen Theorie, konzentriert sich aber stärker auf die rechtlichen und sozialen Kämpfe um die Fiktion in der Moderne. …
Tags: Fiktion(s/en)->, Fiktion(s/en)->-alität, Fiktion(s/en)->Geschichte, Kultur(en)->, Kultur(en)->-technik, Literatur->, Literatur->Analyse, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, [01] zur Bearbeitung, {04.1} Bestand/Digital

UTB 3625 (2012), UTB
Abstract: Utopien sind Gedankenexperimente und kritische Spiegelbilder der historischen Wirklichkeit zugleich. Diese Einführung liefert einen Überblick zur Geschichte der Utopie und stellt ihre wichtigsten Entwürfe sowie ihre wesentlichen Merkmale, Ziele und Funktionsweisen vor. Auf diese Weise ergibt sich ein klares und konturenreiches Bild einer der einflussreichsten Denkströmungen der abendländischen Tradition, das von den antiken Mythen des Goldenen Zeitalters bis zu den Schreckensvisionen und den ökologischen und feministischen Modellen des 20. Jahrhunderts reicht. Behandelt werden u. a. Platon, Joachim von Fiore, Thomas Morus, Francis Bacon, Tommaso Campanella, J. G. Schnabel, William Morris und George Orwell. Schölderle strukturiert das Buch klassisch chronologisch, verknüpft dies aber mit theoretischen Vorüberlegungen zur Definition des Begriffs. Das Buch beginnt mit der Klärung, was eine Utopie überhaupt ist. Schölderle unterscheidet zwischen der Utopie als literarischem Genre (der Reisebericht zu einem fernen Ort) und dem utopischen Denken als politischer Programmatik. Er analysiert Platons *Politeia* als den philosophischen Vorläufer, auch wenn der Begriff „Utopie“ damals noch nicht existierte. Ein zentrales Kapitel widmet sich dem Namensgeber. Schölderle analysiert Morus’ *Utopia* (1516) im Kontext des Humanismus und erklärt die Doppeldeutigkeit von *Outopia* (Nicht-Ort) und *Eutopia* (glücklicher Ort). Hier werden die „Staatsromane“ von Tommaso Campanella (*Der Sonnenstaat*) und Francis Bacon (*Neu-Atlantis*) behandelt, die stärker von Religion bzw. Wissenschaft geprägt sind. Dies ist ein entscheidender theoretischer Punkt im Buch. Schölderle beschreibt den Wandel im 18. Jahrhundert: Die Utopie liegt nun nicht mehr an einem fernen, unentdeckten Ort (Raum), sondern in der Zukunft (Zeit). Die Sozialutopien (z. B. von Fourier, Owen oder Saint-Simon) und die kritische Auseinandersetzung von Marx und Engels mit dem „utopischen Sozialismus“ stehen hier im Fokus. Das 20. Jahrhundert wird vor allem durch das Umschlagen der Hoffnung in die Warnung charakterisiert. Schölderle geht auf die klassischen Dystopien (Orwell, Huxley) ein und diskutiert das „Ende der Utopie“ nach dem Scheitern totalitärer Ideologien. Schölderle betont, dass Utopien weniger über die Zukunft aussagen als über die Mängel der Gegenwart, in der sie geschrieben wurden. Ein wiederkehrendes Thema ist das Spannungsfeld zwischen der vollkommenen Ordnung in Utopien (die oft Züge von Totalitarismus trägt) und der individuellen Freiheit. Als UTB-Band ist das Buch explizit für Studierende geschrieben. Es ist klar strukturiert, verwendet eine präzise Sprache und vermeidet unnötigen Jargon. Auf knapp 250 Seiten gelingt ein Parforceritt durch über 2000 Jahre Geistesgeschichte, ohne den roten Faden zu verlieren. Besonders wertvoll ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Utopie-Typen (Raum vs. Zeit, Staatsroman vs. politisches Manifest). Schölderle integriert auch modernere Debatten und zeigt, dass utopisches Denken trotz aller Krisen ein anthropologisches Grundbedürfnis bleibt. Wie die meiste Literatur zu diesem Thema konzentriert sich Schölderle fast ausschließlich auf die westliche/europäische Tradition. Außereuropäische Entwürfe einer idealen Gesellschaft fehlen weitgehend. Aufgrund des Einführungscharakters können einzelne Werke (wie etwa Bacons *Neu-Atlantis*) nur schlaglichtartig beleuchtet werden. Wer eine tiefenpsychologische oder detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse sucht, muss zu Spezialliteratur greifen. Thomas Schölderles Einführung ist **das ideale Einstiegswerk** für alle, die sich einen soliden Überblick über die Geschichte und Theorie der Utopie verschaffen wollen. Es eignet sich hervorragend für Studierende der Politikwissenschaft, Geschichte, Soziologie oder Literaturwissenschaft sowie für interessierte Laien. Es bietet eine klare Orientierung in einem Feld, das oft zwischen Träumerei und politischer Gefahr oszilliert. …
Tags: Utopie(n)->, Utopie(n)->-theorie, [08] Import BookCat, {04.0} Bestand/Papier
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