Universitas Phantastica – Reflektion #25 – Die Erzähltechnik des Entrelacement: Die DNA des modernen Worldbuilding …

Learn More-internTauchen wir tiefer in das literaturwissenschaftliche Herzstück des Orlando Furioso ein. Wir betrachten die beiden faszinierendsten Dimensionen, die Ariostos Werk zu einem so wegweisenden Vorläufer moderner Erzählformen machen: seine revolutionäre Erzählstruktur und seine erstaunliche Antizipation von Science-Fiction-Motiven.

Das Wort Entrelacement stammt aus dem Französischen und bedeutet „Verflechtung“ oder „Ineinanderweben“. Ariosto hat diese Technik nicht erfunden – sie hat ihre Wurzeln in den altfranzösischen Artusromanen des Mittelalters –, aber er hat sie auf ein orchestrales, bis dahin unerreichtes Niveau gehoben. …

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Universitas Phantastica – Reflektion #24 – Ludovico Ariostos „Orlando Furioso“ als Urvater der modernen Fantasy? …

Learn More-internDer Sammelband Heroen und Heroisierungen in der Renaissance, erschienen 2013 im renommierten Harrassowitz-Verlag. Er widmet sich einem Kernphänomen der Frühen Neuzeit: der Wiedergeburt, Umdeutung und Inszenierung des Helden. Ein zentraler Bezugspunkt für diese wissenschaftliche Untersuchung ist Ludovico Ariostos wegweisendes Epos Orlando Furioso (Der rasende Roland) aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Wenn wir heute an Fantasy-Literatur denken, wandern unsere Gedanken meist zu J.R.R. Tolkien, George R.R. Martin oder modernen Rollenspielen. Wir sehen epische Schlachten, Zauberer, Fabelwesen und magische Artefakte vor uns. Doch das Fundament für diese Welten wurde nicht erst im 20. Jahrhundert in Oxford gelegt. Um die eigentlichen Wurzeln der Fantasy zu verstehen, müssen wir fünf Jahrhunderte zurückreisen – in die italienische Renaissance zu einem Dichter namens Ludovico Ariosto und seinem Monumentalwerk …

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Bibliotheca Universitas Phantastica #116 – Neues aus der Bibliothek

Neuzugänge und Veränderungen

am 15. Juni bis 18. Juni 2026

M

Zwei sehr interessante Bücher wurden in die Bibliothek aufgenommen. Zunächst das gestern besprochene Buch „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“. An sich eher als begleitende Literatur angekauft um das Thema „Helden“ zu beleuchten, fand sich ein höchst interessanter Essay zu Aristos „Orlando Furioso“ darin. Dieses Werk wird das nächste Thema in den Reflektionen sein. Das zweite Buch ist ein höchst interessantes Buch zum Thema Bibliotheken in der Literatur. Die sechs Essays welche die phantastische Literatur direkt betreffen findet ihr in der Folge aufgeführt. E. T. A. Hoffmann, J. L. Borges, Stanislaw Lem, Umberto Eco, Michel Rio, H. P. Lovecraft und Jasper Fforde werden im Thema beleuchtet …


Neuzugänge:
als Html-Ansicht-> 2026-06-18-Neuerungen-Bericht

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1.

Heroen und Heroisierungen in der Renaissance

Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung Bd. 28 (2013), A. Aurnhammer, M. Pfister (Hrsg.), Harrassowitz Verlag in Kommission

ISBN 978-3-447-06772-0

Abstract: In der Renaissance kam es europaweit zu einer grundsätzlichen Neubewertung und Pluralisierung des Heroischen: Einerseits setzte eine intensive Wiederbelebung antiker Helden-Vorstellungen ein, die nicht zuletzt die fürstliche und monarchische Selbstdarstellung prägte; andererseits erschütterte die Konfessionsspaltung den etablierten Kanon von Werten, an denen sich heroische Leistung messen ließ und es wuchs die Skepsis gegenüber einem nur militärischen Heldenkodex. Die Beiträge des interdisziplinären Sammelbandes Heroen und Heroisierungen in der Renaissance untersuchen die Konstruktionen und medialen Bedingungen von Helden-Bildern in Geschichte, Kunst, Literatur und Wissenschaft der Renaissance. Der Blick auf so unterschiedliche Figuren wie Herrscher und Krieger, heroische Frauen, humanistische Geisteshelden, Reformatoren und Heilige zeigt die synchrone Vielfalt in dieser Schlüsselepoche des europäischen Heldendiskurses. …

Tags: Epoche(n)->, Epoche(n)->Renaissance, Held(en)->, Held(en)->-dichtung, Held(en)->-figuren, Held(en)->-geschiche, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, {04.2} Bestand/Papier

2.

Das Buchkollektiv als bedrohlicher Intertext
M.J. Conrad

Wissensräume: Bibliotheken in der Literatur (2013), M. Gemmel, M. Vogt (Hrsg.), Ripperger & Kremers: 267–288

ISBN 978-3-943999-03-7

Abstract: Die Evolution der Bibliothek zum Antagonisten in der fantastischen Literatur …

Tags: Bibliothek(en)->, Bibliothek(en)->Literatur, Literatur->, Literatur->Phantastik->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.2} Bestand/Papier

3.

Die Bücher hier waren lebendig!
I. Diedrich

Wissensräume: Bibliotheken in der Literatur (2013), M. Gemmel, M. Vogt (Hrsg.), Ripperger & Kremers: 235–266

ISBN 978-3-943999-03-7

Abstract: Die Bibliothek der lebendigen Literatur in Jasper Ffordes Thursday Next-Reihe …

Tags: Bibliothek(en)->, Bibliothek(en)->Literatur, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.2} Bestand/Papier

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4.

Wissensräume: Bibliotheken in der Literatur

(2013), M. Gemmel, M. Vogt (Hrsg.), Ripperger & Kremers

ISBN 978-3-943999-03-7

Abstract: Literarische Bibliotheken mit ihrem vielfältigen ›Innenleben‹ stellen ein besonderes Faszinosum der Weltliteratur dar. In ihrem Darstellungsreichtum überraschen diese Wissensräume als Labyrinthe und Gruselkabinette, als Zufluchtsorte melancholischer Leser oder als Inspirationsquellen und bieten als spannungsreiches Bezugsgeflecht zwischen der Bibliothek als Wissensraum, dem Bibliothekar und dem Leser sowie den divergierenden Positionierungen in den Büchern der Bibliothek eine Plattform zur Verhandlung von Wissensansprüchen wie von Konzepten der Gelehrsamkeit, bei denen die Grenze zwischen Fiktionalität und Realität aufgeweicht wird. Bibliotheken gelten als Zentren der Wissensverbreitung oder Wissensvereitlung, sie sind Symbole europäischer Kultur und zugleich Orte mit geheimnisvoller Ausstrahlung: Als ›Kathedralen des Geistes‹ und Speicher kollektiven Wissens werden sie von einem Hauch sakraler Feierlichkeit oder Unheimlichkeit durchweht. Die multiplen Bedeutungen einer Bibliothek sind mit der Ordnung, Systematisierung, Aufbewahrung und Verwahrung von Wissen nur kurz skizziert. In der Literatur bietet die gelehrsame Atmosphäre der fiktionalen Bibliothek den Lesern, Weltfremden, Außenseitern und Heimatlosen eine Zuflucht, um sich in weltflüchtender Lektüre der eigenen Phantasie und Einsamkeit abseits der Welt da draußen hinzugeben, so dass die Bibliothek in vielfältiger Hinsicht zu einem ›Gegen-Ort‹ wird. In den hochspezifischen Besonderheiten literarischer Bibliotheken bildet sich zugleich das Machtgefüge zwischen Bibliothekar und Leser, zwischen Außenwelt und dem ›Gegen-Ort‹ Bibliothek ab. Die Bibliothek ist nicht nur architektonisches Kunstwerk und Aufbewahrungsort oder geheimer Speicher von Wissen, sondern sie wird zunehmend zum Wissenskatalysator, Imaginationsraum und Sozialbiotop. …

Tags: Bibliothek(en)->, Bibliothek(en)->Literatur, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.2} Bestand/Papier

5.

Das Grauen in der Bibliothek
A. Grünes

Wissensräume: Bibliotheken in der Literatur (2013), M. Gemmel, M. Vogt (Hrsg.), Ripperger & Kremers: 209–234

ISBN 978-3-943999-03-7

Abstract: Wissensraum u nd Macht im Werk von H. P. Lovecraft …

Tags: Bibliothek(en)->, Bibliothek(en)->Literatur, Grauen, Macht->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.2} Bestand/Papier

6.

Aristos „Orlando Furioso“
K.W. Hempfer

Heroen und Heroisierungen in der RenaissanceWolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung Bd. 28 (2013), A. Aurnhammer, M. Pfister (Hrsg.), Harrassowitz Verlag in Kommission: 45–70

ISBN 978-3-447-06772-0

Abstract: Auch Klaus Hempfer geht es in seiner Lektüre von Ariosts Orlandofiirioso um Zusammenhänge von gender und genre in der Konstruktion und Konfiguration von Heldenrollen, nun aber bezogen auf die männliche Rolle des cavaliere. Dessen Rolle wird in Ariosts zwischen männlich bestimmtem Epos und weiblich konnotiertem romanzo bewusst oszillierendem Gedicht in durchaus diskrepanter Weise konstruiert, wobei diesen Oszillationen entgegenkommt, dass beide Gattungen auch in dieser Hinsicht selbst schon hybrid sind: Das Heldenepos singt von den arme ebenso wie von amore, und der arturische romanzo cavallerescho zeigt ganz andere Geschlechterordnungen als der der karolingischen Tradition. Ariosts Orlando ist gleichzeitig der heroisch für das christliche Abendland streitende Karlspaladin und ein von privatistischem Glücks- und Liebesstreben umhergetriebener fahrender Ritter. Wie sich besonders deutlich am zentralen Motiv von Orlandos pazzia zeigen lässt, die einerseits in die heroische Nähe eines Hercules fiirens und andererseits eines komödienhaften Liebeswahns gerückt wird, spielt Ariost in seinem Text die unterschiedlichen Konzeptionen männlichen Heroentums gegeneinander aus, um zu allen auf Distanz zu gehen. So dekonstruiert er den Helden und .entessentialisiert* das Heroische schon am Anfang seiner frühneuzeitlichen Geschichte. Das 16. Jahrhundert sucht den Heroismus als charakterliche Disposition zur Leidenschaft, als furor heroicus, zu bestimmen. Damit einher geht eine philosophische Nobilitierung der Leidenschaften als heroischer Erkenntnis-instrumente. Auch wenn solche philosophischen Spekulationen an die Pla-tonische Enthusiasmos-Lehre und mehr noch an den neuplatonischen Humanismus anknüpften, der die göttliche mania, den Juror divinus, schon Dichtern und Philosophen zuschrieb, nobilitierte erst Giordano Brunos epochaler Dialog De gli heroici furori (1585) die Leidenschaften zum he-roischen .Willen zur Erkenntnis*. Dass dieser erkenntnistheoretische Heroismus unabhängig vom Erfolg ist, erläutert Hanna Klessinger (Frei-bürg/Br.) paradigmatisch an dem Aktäon-Sonett, mit dem Bruno den .Höhepunkt des heroischen Wegs* illustriert: Die .Wahrheitsjagd* gipfelt in der Emanzipation des Schauens und im Opfer als tragischem Triumph. … (aus dem Vorwort)

Tags: Epoche(n)->, Epoche(n)->Renaissance, Held(en)->, Held(en)->-dichtung, Held(en)->-figuren, Held(en)->-geschiche, Person->, Person->Ariosto, Ludovico, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, {04.2} Bestand/Papier

7.

Der kosmische Schwindel der Bibliotheken
M. Hennig

Wissensräume: Bibliotheken in der Literatur (2013), M. Gemmel, M. Vogt (Hrsg.), Ripperger & Kremers: 859–112

ISBN 978-3-943999-03-7

Abstract: Zum Prinzip des unendlichen Wissens bei Borges, Lem und Eco …

Tags: Bibliothek(en)->, Bibliothek(en)->Literatur, Person->, Person->Borges, Jorge Luis, Person->Eco, Umerto, Person->Lem, Stanislaw, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, Wissen(s)->, Wissen(s)->unendliches, {04.2} Bestand/Papier

8.

Anselmus im Scripttorium
N. Immer

Wissensräume: Bibliotheken in der Literatur (2013), M. Gemmel, M. Vogt (Hrsg.), Ripperger & Kremers: 65–88

ISBN 978-3-943999-03-7

Abstract: Die Bibliothek als Inspirations- und Erlebnisraum bei E. T. A. Hoffmann …

Tags: Bibliothek(en)->, Bibliothek(en)->Literatur, Person->, Person->Hoffmann, E.T.A., Raum/Räum(e)->, Raum/Räum(e)->Erlebnis-, Raum/Räum(e)->Inspirations-, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.2} Bestand/Papier

9.

Von der Bibliothek zum Mausoleum
Rieger

Wissensräume: Bibliotheken in der Literatur (2013), M. Gemmel, M. Vogt (Hrsg.), Ripperger & Kremers: 113–136

ISBN 978-3-943999-03-7

Abstract: „Logique“ und „réve“ in Romanen von Michel Rio …

Tags: Bibliothek(en)->, Bibliothek(en)->Literatur, Person->, Person->Rio, Michel, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.2} Bestand/Papier

Veränderungen (Korrekturen, Ergänzungen):
als Html-Ansicht-> nein

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Geisterwelten: Bibliothek der Esoterik
Bibliothek der Esoterik (Taschen) 6 (2026), J. Hundley (Hrsg.), Taschen
ISBN 978-3-7544-0532-1

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Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.

 
 
 

Fantasy #19 – Fluchtliteratur oder Realitätskritik?: Heroen und Heroisierungen in der Renaissace – Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)

Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)
Heroen und Heroisierungen in der Renaissace
Harrwssowitz, Wiesbaden (2013)
ISBN 978-3-447-06772-0

Das Erbe der Giganten: Wie die Renaissance das Bild des Helden neu erfand

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Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …


Hinter diesem Werk stehen zwei renommierte deutsche Wissenschaftler, die ihre gebündelte Expertise aus unterschiedlichen philologischen Disziplinen einbringen:

  • Dr. Achim Aurnhammer lehrte bis zu seiner Emeritierung Neuere Deutsche Literatur an der Universität Freiburg. Er gilt als ausgewiesener Experte für die Literatur und Kultur der Renaissance und des Barocks. Als Mitbegründer und langjähriger Akteur des dortigen Sonderforschungsbereichs (SFB) 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ hat er die kulturwissenschaftliche Erforschung des Heldenbegriffs in Deutschland entscheidend vorangetrieben.
  • Dr. Manfred Pfister ist Professor em. für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin. Seine Arbeiten zu Shakespeare, zur Intertextualität und zur Wahrnehmung Italiens in der englischen Literatur sind Standardwerke.

Gemeinsam gelingt es den Herausgebern, germanistische, anglistische und historisch-kulturwissenschaftliche Perspektiven so zu verknüpfen, dass der Sammelband trotz seiner akademischen Tiefe eine klare, nachvollziehbare Linie behält. …

Die Jahrestagung 2010 des Wolfenbüttler Arbeitskreises für Renaissanceforschung „Helden in der Renaissance“, die vom 4. bis 6. Oktober 2010 in Wolfenbüttel stattfand, widmete sich exemplarisch der Archäologie von Heroismen europäischer Prägung. Untersucht wurde eine Schlüsselepoche des europäischen Heldendiskurses …
aus dem Vorwort

Der historische Hintergrund: Das Dilemma mit den antiken Göttern und der Mensch im Mittelpunkt

Um die Kernaussage des Buches zu verstehen, muss man einen Blick auf die Epochenwende werfen. Das Mittelalter kannte primär zwei Arten von Vorbildern: den christlichen Heiligen, der durch Demut und Gottesehrfurcht glänzte, und den Ritter, der seinen Mut in den Dienst des Glaubens oder seines Lehnsherrn stellte.

Mit dem Beginn der Renaissance (ca. 14. bis 16. Jahrhundert) änderte sich dies radikal. Die Gelehrten entdeckten die Antike neu. Plötzlich waren die alten griechischen und römischen Mythen wieder präsent – und mit ihnen Figuren wie Herkules, Achill oder Julius Cäsar. Diese „Heroen“ waren jedoch alles andere als christlich: Sie waren stolz, oft gewalttätig und suchten den unsterblichen Ruhm im Hier und Jetzt.

Die Renaissance war auch eine Epoche der Krisen und des Wandels: Die Erfindung des Buchdrucks revolutionierte die Kommunikation, die Entdeckung Amerikas weitete den Horizont, und Konfessionskriege erschütterten den Kontinent. In einer solchen Phase der Orientierungslosigkeit wuchs in der Gesellschaft das Bedürfnis nach Vorbildern und Identifikationsfiguren. Man suchte nach Orientierung und fand sie im „Heroischen“.

Das zentrale Dilemma der Renaissance: Wie lässt sich die Faszination für diese heidnischen, selbstbewussten Kraftprotze mit den moralischen Werten einer tiefchristlichen Gesellschaft vereinbaren?

Der rote Faden: Von der Antike zur bewussten Inszenierung

Das Buch zeichnet eine klare zeitliche und strukturelle Entwicklung nach, die den logischen roten Faden des Werks bildet. Diese lässt sich in drei wesentliche Phasen unterteilen:

  1. Die Rückbesinnung auf die Antike (Frührenaissance): Zu Beginn stand die Wiederentdeckung der antiken Mythologie. Griechische und römische Halbgötter wie Herkules wurden adaptiert, um zeitgenössische Herrscher zu legitimieren. Der Held war zu dieser Zeit meist noch ein von den Göttern (oder Gott) Auserwählter.
  2. Die Verweltlichung des Helden (Hochrenaissance): Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wandelte sich das Bild. Nicht mehr nur Krieger oder Heilige konnten Helden sein, sondern auch Künstler, Gelehrte, Entdecker und Dichter. Das Konzept der Virtù – der tatkräftigen, virtuosen Tugend des Individuums – trat in den Vordergrund. Der Held wurde zu jemandem, der sein Schicksal durch eigenen Verstand und Willenskraft formt.
  3. Die Instrumentalisierung und Dekonstruktion (Spätrenaissance): Gegen Ende der Epoche erkannten Herrscherhäuser und Päpste die enorme Propagandawirkung von Heldenmythen. Es entwickelte sich eine regelrechte „Heroisierungs-Industrie“. Gleichzeitig zeigt das Buch jedoch auch, dass bereits in der Spätrenaissance (etwa bei Shakespeare) erste Zweifel am perfekten Heldenbild aufkamen und das Ideal ironisch gebrochen oder hinterfragt wurde.

Kernaussage für die Praxis: Wie wird man ein Held?

Die wichtigste Lehre des Bandes für den Laien lautet: Helden werden nicht geboren, sie werden gemacht. Das Buch unterscheidet präzise zwischen dem „Heroen“ (der Person) und der „Heroisierung“ (dem medialen Prozess).

Damit ein Mensch in der Renaissance zum Helden aufsteigen konnte, brauchte es literarische Biografien (wie jene von Giorgio Vasari über Künstler), monumentale Gemälde, Statuen oder festliche Umzüge. Heroisierung war eine frühe Form des gezielten Marketings und der Imagepflege – sei es zur Selbstüberhöhung des Künstlers oder zur Machtsicherung eines Fürsten.

Fazit:

Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“ ist keine leichte Bettlektüre, aber ein ungemein reicher Wissensschatz für alle, die verstehen wollen, wie unsere modernen Vorstellungen von Geniekult und Prominenz entstanden sind. Für den interessierten Laien zieht das Buch eine klare, hochaktuelle Kernaussage: Heroisierung ist immer ein Akt der Kommunikation und der Inszenierung. Die Renaissance war die Geburtsstunde unseres heutigen Starkults. Sie zeigt uns, dass Gesellschaften sich genau die Helden erschaffen, die sie für ihre eigenen Werte, Sehnsüchte oder politischen Ziele gerade benötigen.

Aurnhammer und Pfister bieten mit diesem Band keine trockene Aufzählung historischer Daten, sondern eine packende Analyse darüber, wie Kultur und Politik Hand in Hand arbeiten, um Menschen in Ikonen zu verwandeln. Ein absolut empfehlenswertes Werk für jeden, der verstehen will, wie die Mechanismen von Ruhm und Verehrung in Europa historisch verankert sind. …

Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)
  • Heroen und Heroisierungen in der Renaissance
  • Harrassowitz, Wiesbaden (2013)
  • Wolfenbüttler Abhandlungen zur Renaissanceforschung, Band 28
  • gebunden Ausgabe
  • 34o0 Seiten
  • ISBN 978-3-447-06772-0

Preisangaben Eurobuch

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  • Thematisch daraus empfohlen:
    Hempfer, Klaus W. – Ariosts „Orlando Furioso“, Seite 45-70
  • [Aurnhammer, Achim / Pfister, Manfred (Hrsg.)] Heroen und Heroisierungen in der Renaissance. Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung, Band 28. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2013

Hauptquelle:
Bildet das Fundament, den Gegenstand der Rezension sowie die Basis für alle inhaltlichen Kernthesen zum Wandel des Heldenbegriffs.Quelle: Zotero-Webpage (t.sebesta's Library)

  • [Aurnhammer, Achim] Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Sekundärquelle:
Forschungsberichte, Publikationsverzeichnisse und akademische Profile von Professor Dr. Achim AurnhammerQuelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutsches Seminar

  • [Pfister, Manfred] Freie Universität Berlin

Sekundärquelle:
Forschungsberichte, Publikationsverzeichnisse und akademische Profile von Professor Dr. Manfred PfisterQuelle: Freie Universität Berlin, Institut für englische Philologie

  • [Sonderforschungsbereich „Helden – Heroisierungen – Heroismen] Wissenschaftlicher Kontext

Sekundärquelle:
Forschungsdatenbank und Publikationsübersicht des Sonderforschungsbereichs „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (SFB 948)Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

siehe auch (Auszug):


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