Kategorie: Buch

Werke welche in einer Buchform veröfentlicht wurden ohne Berücksichtigung er genauen Form wie Hardcover, Taschenbuch oder Loseblattsammlung.

Utopie #51 – der NICHT-Ort in der Sekundärliteratur: Das Schicksal aller Utopien – Döll, Dr. Emil

Döll, Dr. Emil
Das Schicksal aller Utopien
oder socialen Charlatanerien
und das verstandesgemäss Reformatorische
C. G. Naumann, Leipzig (1897)

Emil Dölls Anti-Utopie (1897): Warum „soziale Charlatanerien“ Konjunktur hatten

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Utopien sind für Emil Döll keine harmlosen Gedankenspiele, sondern gefährliche Heilsversprechen. In seiner Schrift von 1897 attackiert der Wirtschaftswissenschaftler „Zukunftsmalereien“ als realitätsfern – und fordert stattdessen „verstandesgemäße“ Reformen. Eine textnahe Lektüre zeigt, wie sehr Döll seine Zeit als Übergangsepoche begreift: wissenschaftlicher Fortschrittsglaube, soziale Spannungen und massenwirksame Ideologien bilden den Resonanzraum seiner Polemik. …

Worum es geht – in einem Satz

Döll argumentiert, dass absolute Gesellschaftsentwürfe (Utopien) an Realität und Menschenbild scheitern und oft als verführerische „Charlatanerien“ wirken; sinnvoll seien nur schrittweise, logisch begründete Reformen.
 

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Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #29 – Schrecken als ästhetische Ware: Kirde, Kalju – Führer durch die klassische Weird Fiction

Kirde, Kalju
Führer durch die klassische Weird Fiction
Lindenstruth, Giessen (2008)
ISBN 3934273882
 
Ein Meilenstein der unheimlichen Phantastik – Kalju Kirdes Wegweiser durch die Weird Fiction …
 
F
Die unheimliche Phantastik ist heute aus der modernen Populärkultur nicht mehr wegzudenken. Doch das Fundament für das Verständnis dieses Genres im deutschsprachigen Raum wurde bereits vor Jahrzehnten gelegt. Mit dem „Führer durch die klassische Weird Fiction“ von Kalju Kirde, veröffentlicht im Lindenstruth Verlag im Jahr 2008, lag die erste umfassende Literaturgeschichte dieser Gattung in deutscher Sprache vor. Der Text bietet einen faszinierenden, historisch wertvollen Einblick in eine literarische Strömung, die lange Zeit im Verborgenen blühte. …

Der Autor: Ein Pionier des Unheimlichen

Um das Werk angemessen zu würdigen, ist ein Blick auf den Verfasser unerlässlich. Kalju Kirde erlangte bleibende Bedeutung als Herausgeber der legendären Reihe „Bibliothek des Hauses Usher“ im renommierten Insel Verlag. In dieser Funktion leistete er unschätzbare Pionierarbeit und brachte anspruchsvolle phantastische Literatur einem breiteren Publikum näher. Kirde war kein distanzierter Theoretiker, sondern ein leidenschaftlicher Kenner, dessen profundes Wissen und sicheres Gespür für literarische Qualität das Genre im Nachkriegsdeutschland maßgeblich prägten.

Historischer und gesellschaftlicher Hintergrund

Besonders eindrucksvoll ist der zeitliche Kontext der Entstehung: Kalju Kirde verfasste diesen Leitfaden bereits im Jahr 1966. Die „Bemerkungen über Weird Fiction“ erschienen in den Nummern 8, 9 und 10 des Quarber Merkur von Franz Rottensteiner. Die historische Isolation spiegelt sich auch in der  Publikationsform wider: Der Text erschien nicht in einem etablierten Verlag, sondern in einem Amateur-Magazin. Er entsprang somit direkt der damaligen Fanzine-Kultur – einer engagierten Subkultur von Enthusiasten, die sich abseits des literarischen Mainstreams bewegten.
Zu jener Zeit war die literarische Landschaft in Deutschland bezüglich der angelsächsischen unheimlichen Phantastik weitgehend ein unbeschriebenes Blatt. Namen wie H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith oder William Hope Hodgson, die heute Kultstatus genießen, waren damals hierzulande nahezu gänzlich unbekannt.
Die zeitliche Entwicklung von der Veröffentlichung in einem Amateur-Magazin bis hin zur ersten geschlossenen Buchausgabe im Jahr 2008 verdeutlicht eindrucksvoll, wie sich die Weird Fiction von einer belächelten Nische zu einer anerkannten literarischen Strömung gewandelt hat.
 

Inhaltliche Analyse und literarischer Wert

Kirdes literaturgeschichtlicher Streifzug zeichnet sich vor allem durch seine Zugänglichkeit aus. Er erzählt anschaulich von der Entwicklung des Genres und stellt dabei sowohl die großen Wegweiser als auch weniger bedeutende Autoren und deren Werke detailliert vor. Dies geschieht völlig ohne akademischen Dünkel, ist jedoch höchst unterhaltsam und informativ gestaltet.
Dass diese Arbeit weit mehr als nur ein historisches Kuriosum ist, betont auch der bekannte Experte Franz Rottensteiner im Vorwort der vorliegenden Ausgabe. Er attestiert Kirdes Ausführungen eine bleibende Aktualität:
 
… Auch vom heutigen Stand der wissenschaftlichen Forschung gesehen findet man in diesen Ausführungen allerlei, das dank seiner klaren und eindeutigen Aussageweise und dem sicheren Urteilsvermögen als Richtschnur zur Lektüre und nützliche Anleitung zur näheren Beschäftigung mit der phantastischen Literatur dienen kann. …Franz Rottensteiner, Vorwort
 
Damit bietet das Werk gerade interessierten Laien eine verlässliche und klare Orientierungshilfe, um die historischen Verästelungen des Unheimlichen zu durchdringen.

Hochwertige Ausstattung der Neuausgabe

Die im Jahr 2008 vom Lindenstruth Verlag vorgelegte Erstausgabe in Buchform wertet Kirdes historischen Text durch eine wissenschaftlich und ästhetisch gelungene Ausstattung auf. Der Neuausgabe wurden Abbildungen seltener Buchumschläge beigegeben, die den Geist der damaligen Epoche visuell einfangen. Darüber hinaus machen eine präzise Bibliographie sowie ein umfassender Personenindex das schmale Werk zu einem vollwertigen, praktischen Nachschlagewerk für die eigene Bibliothek.

Fazit und Kernaussage

Für interessierte Laien bietet dieser Führer den perfekten roten Faden durch die klassische Weird Fiction. Die zentrale Kernaussage ist leicht verständlich: Die unheimliche Phantastik ist kein modernes Phänomen, sondern eine historisch tief verwurzelte Kunstform, deren Entdeckung im deutschsprachigen Raum Männern wie Kalju Kirde zu verdanken ist. Seine Mischung aus profundem Urteilsvermögen und lebendiger Erzählweise macht das Buch zu einer Pflichtlektüre für jeden Phantastik-Liebhaber …
 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Kirde, Kalju
  • Führer durch die klassische Weird Fiction
  • Lindenstruth, Giessen (2008)
  • Paperback
  • erweiterte Neuausgabe
  • 195 Seiten
  • Zusatz
  • ISBN 3934273882
Preisangaben Eurobuch (mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
derzeit aber antiquarisch vergriffen
  • keine
  • Wikipedia: Eintrag Kalju Kirde

Onlinequelle …
Bedeutung: Zugang zu kurzer Lebensbeschreibung und Klarnamen (Kalju Frisch) …
Quelle: Wikipedia - Kalju Kirde

  • Buchquelle: Lexikon der phantastischen Literatur – Rein A. Zondergeld, Weibrecht, Stuttgart (1998), Eintrag Kalju Kirde, Seite 194
    Bedeutung: Lexikoneintrag zu Kalju Kirde …
    Sekundärliteratur …
    225090 {225090:RC42UMVH} 1 technische-universitat-dresden-medienwissenschaft-und-neuere-deutsche-literatur-note 50 default 1 1 1 1 45224 https://sebesta-seklit.net/wp-content/plugins/zotpress/
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    Rein A. Zondergeld, Holger E. Wiedenstried: Lexikon der phantastischen Literatur. Stuttgart/Wien/Bern: Weitbrecht Verlag in K. Thienemanns Verlag 1998. 1
    Quelle: Zotero-Webpage (t.sebesta's Library)

  • Sekundärquelle: Bibliothek des Hauses Usherphantastik-literatur.de

Sekundärliteratur …
Bedeutung: Hintergrundinformationen zur verlegerischen Tätigkeit von Kalju Kirde im Insel Verlag. …Quelle: phantastik-literatur.de


siehe auch (Auszug):


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Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.

 

Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #28 – Schrecken als ästhetische Ware: Das Kabinett der Phantasten

Postma, Dr. Heiko (Hrsg.)
Kabinett der Phantasten
JMB, Hannover ( ab 2010)
 
Schattenrisse des Unheimlichen: Eine literaturwissenschaftliche Betrachtung der Buchreihe
 
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Die Wiederentdeckung und Bewahrung klassischer phantastischer Literatur stellt eine der faszinierendsten Nischen des modernen Publikationswesens dar. Ein herausragendes Beispiel für dieses editorische Engagement ist die im JMB Verlag erscheinende Reihe Das Kabinett der Phantasten. Geprägt durch das Zusammenspiel von Verleger Jens Bolm und dem Herausgeber, Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer Dr. Heiko Postma, widmet sich dieses ambitionierte Projekt der systematischen Aufarbeitung von Meisterwerken der Schauerliteratur, der Phantastik und der unheimlichen Belletristik vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Der folgende Essay analysiert das literarische und konzeptionelle Profil dieser Reihe, beleuchtet den historischen Hintergrund und untersucht die besondere Rolle der wissenschaftlichen Kommentierung für das Lesepublikum. …

 

Das konzeptionelle und visuelle Profil der Reihe

Wie in den Abbildungen exemplarisch zu sehen ist, zeichnet sich das Kabinett der Phantasten durch ein strenges, unverwechselbares Gestaltungsprinzip aus: Ein tiefschwarzer Hintergrund kontrastiert mit signalroten Textfeldern, während das Verlagslogo unten rechts in einem roten Blutstropfen platziert ist. Dieses visuelle Erkennungsmerkmal spiegelt den inhaltlichen roten Faden der Reihe wider: die Erkundung der dunklen, abgründigen Seiten der Weltliteratur.
Jedes Bändchen ist als handliches Softcover konzipiert und umfasst eine einzige, vollständige Erzählung oder Novelle. Ein zentrales Strukturprinzip der Reihe lautet dabei: Jeder Autor und jede Autorin ist im Gesamtkatalog nur ein einziges Mal vertreten. Durch diese selbstauferlegte Beschränkung entfaltet sich ein beispielloses, internationales Panorama des Phantastischen, das Monotonie konsequent vermeidet.
 
Sie können sich schon einmal darauf gefaßt machen, daß die Geisterstunden, die Sie im »Kabinett der Phantasten« verbringen, alles an Schauer und Grusel, Unheimlichem und Übersinnlichem, Magischem und Spukhaftem bieten werden, was man nur herbeiführen kann.…
 

Phantastik als literarischer Raum: Warum eine Reihe wie diese sinnvoll ist

Phantastische Literatur ist ein Sammelbegriff: Er umfasst Schauererzählungen, Gespenstergeschichten, okkulte und dämonologische Texte, Traum- und Wahnsinnserzählungen, Weird Fiction sowie Übergänge zur frühen Science-Fiction. Diese Texte arbeiten oft mit einem Kernverfahren: Sie erzeugen eine Irritation im Wirklichkeitsverständnis.
Für die Literaturwissenschaft ist das Phantastische nicht nur ein „Genre“, sondern eine ästhetische Strategie. Sie zeigt sich typischerweise in drei Konstellationen:
  1. Das Unheimliche im Vertrauten: Ein scheinbar alltäglicher Raum kippt in eine bedrohliche Mehrdeutigkeit.
  2. Grenzbereiche der Wahrnehmung: Traum, Halluzination, Krankheit, Trance oder Obsession werden erzählerisch ernst genommen.
  3. Konflikt zwischen Rationalität und Übersinnlichem: Erzählungen halten bewusst offen, ob eine übernatürliche Erklärung „wahr“ ist oder ob sich alles psychologisch deuten lässt.
Gerade in dieser Schwebe liegt die kulturelle Bedeutung des Feldes: Phantastik reagiert oft auf historische Spannungen – etwa auf den Konflikt zwischen Aufklärung und Religion, zwischen Wissenschaftsglauben und metaphysischem Bedürfnis, oder auf Krisenerfahrungen moderner Gesellschaften.
 

Historischer Hintergrund: Von der Romantik zur Moderne – und warum das 19. Jahrhundert nachwirkt

Viele Texte, die in Reihen wie „Das Kabinett der Phantasten“ erscheinen, sind ohne ihren historischen Resonanzraum nur halb zu verstehen.

3.1 Romantik und Schauer

Im frühen 19. Jahrhundert entsteht im deutschsprachigen Raum (und parallel in England und Frankreich) eine Literatur, die das Dunkle, Irrationale und Nachtseitige als Gegenpol zur aufklärerischen Vernunft betont. Die Romantik kultiviert die Idee, dass die Welt mehr ist als das Messbare: Rätsel, Symbol, Traum und Mythos werden zu legitimen Erkenntnisformen.

3.2 Industrialisierung, Urbanisierung, Moderne

Spätere Phantastik spiegelt dann die Erfahrung der Moderne: Großstadt, beschleunigter Alltag, technische Umwälzungen, neue medizinische und psychologische Wissensbestände. Das „Monströse“ kommt nun häufig nicht mehr aus Burgruinen, sondern aus dem Inneren: aus Zwangsvorstellungen, Sucht, Begehren, gesellschaftlichem Druck.

3.3 Fin de Siècle und Décadence

Um 1900 gewinnt eine Ästhetik an Bedeutung, die besonders gut zur Phantastik passt: Décadence und Symbolismus. Hier werden Grenzerfahrungen stilisiert, Künstlichkeit und Verfeinerung betont, gleichzeitig aber auch Verfall, Müdigkeit und moralische Ambivalenz. Viele klassische unheimliche Erzählungen – etwa über Vampire, Doppelgänger, gefährliche Artefakte oder verführerische Fremdheiten – werden in diesem Klima neu geprägt.
Die Reihenkonzeption des JMB Verlags ist (so lässt sich literaturhistorisch lesen) eine Antwort auf genau diese langen Traditionslinien: Sie macht sichtbar, dass „phantastische Literatur“ nicht erst mit modernen Popkulturen beginnt, sondern tief in der europäischen Literaturgeschichte verwurzelt ist.
 

Die zeitliche Entwicklung der Reihe

Seit dem Start des Projekts hat das Kabinett der Phantasten eine bemerkenswerte quantitative und qualitative Evolution vollzogen, die sich in Phasen unterteilen lässt:
  • Die Etablierungsphase (ab 2012): Die Reihe startete im JMB Verlag mit dem Ziel, eine bibliophile und zugleich erschwingliche Sammlung für Liebhaber klassischer Gruselliteratur aufzubauen. Die ersten Bände widmeten sich klassischen Eckpfeilern der Gattung.
  • Die Konsolidierung und das Jubiläum (bis ca. 2022): Die Verkaufszahlen und das öffentliche Interesse stiegen kontinuierlich. Mit dem Erreichen der magischen Grenze von Band 100 (Der gelüftete Schleier von George Eliot) festigte die Reihe ihren Status auf dem Buchmarkt. Die Gesamtauflage der Reihe bewegte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf die Marke von 20.000 Exemplaren zu. Zudem wurde die Reihe für den Sonderpreis des renommierten Vincent Preis nominiert.
  • Die Fortführung in die Gegenwart (2026): Mittlerweile umfasst der Katalog weit über 120 Bände. Die Reihe integriert zunehmend auch komplexere, psychologische Strömungen der Phantastik des frühen 20. Jahrhunderts (unter anderem mit Werken von Marjorie Bowen und Ellen Glasgow) und beweist damit eine anhaltende editorische Vitalität.

Der editorische Zugriff: Edition und Übersetzung

Herausgeber und Übersetzerteam (soweit öffentlich dokumentiert)

Nach öffentlich verfügbaren Angaben wird die Reihe von Heiko Postma herausgegeben. Er ist zugleich als Übersetzer tätig, insbesondere aus dem Englischen und Niederländischen. Weitere Übersetzungsarbeiten werden – je nach Ausgangssprache – von verschiedenen Personen übernommen (u. a. für französische, russische, serbische und norwegische Texte). Das Übersetzerteam besteht  neben Heiko Postma (ENG/NL)auch aus Ulrich Klappstein (FR), Joachim Britze (RUS/SRB), Gabriele Haefs, Dörte Giebel (beide NOR) und Kristina Bedijs (ITA). Für Leserinnen und Leser ist das nicht nebensächlich: In der Phantastik entscheidet die Übersetzung oft darüber, ob das Unheimliche als „stilistisch altbacken“ oder als präzise literarische Spannung erfahrbar wird.
Wichtig ist dabei eine Einschränkung: Ohne Einsicht in die einzelnen Vor- und Nachworte sowie die Editionsrichtlinien kann man nicht pauschal beurteilen, wie stark die Bände wissenschaftlich kommentiert sind. Sicher ist jedoch: Der Anspruch, Texte systematisch zu kuratieren und in neuer Übersetzung zugänglich zu machen, ist bereits eine wesentliche kulturvermittelnde Leistung.
 

Die fundamentale Bedeutung der Nachwörter

Für eine literaturwissenschaftliche Einordnung ist das wichtigste Alleinstellungsmerkmal der Reihe am Ende der einzelnen Bände zu finden: die ausführlichen Nachwörter. Diese meist vom Herausgeber Dr. Heiko Postma verfassten Essays heben die Bändchen aus dem Status reiner Unterhaltungsliteratur heraus. Sie bieten interessierten Laien einen leicht verständlichen, aber wissenschaftlich fundierten Schlüssel zur Textanalyse.
Die Nachwörter erfüllen dabei drei wesentliche Funktionen:
  1. Biografischer Kontext: Sie beleuchten die oft exzentrischen oder tragischen Lebensumstände der Autoren und zeigen auf, wie persönliche Krisen in die unheimlichen Erzählungen einflossen.
  2. Epochengeschichtliche Verortung: Die Essays erklären die literarischen Strömungen der Entstehungszeit – vom viktorianischen Geisterglauben über die deutsche Romantik bis hin zum Fin de Siècle – und machen so die zeitgenössischen Ängste der Gesellschaft sichtbar.
  3. Motivgeschichtliche Analyse: Postma schlüsselt die verwendeten literarischen Motive (wie das Doppelgängertum, die lebende Untote oder den Einbruch des Übernatürlichen in den Alltag) auf und erklärt deren Funktion innerhalb der Erzählstruktur.

Literarische Bedeutung: Was Leserinnen und Leser daraus gewinnen können

Für interessierte Laien liegt der Wert der Reihe in drei Punkten:
  1. Zugang zu „vergessenen Klassikern“: Viele Texte der Phantastik sind kulturgeschichtlich prägend, aber nicht ständig im allgemeinen Sortiment präsent.
  2. Vergleichbarkeit und Leseweg: Eine Reihe schafft Orientierung. Wer Gefallen an einem Band findet, kann entlang des Programms weiterlesen, ohne jedes Mal neu „suchen“ zu müssen.
  3. Historische Tiefenschärfe: Die Texte zeigen, wie Gesellschaften Angst, Schuld, Begehren oder Fremdheit erzählen – und wie sich diese Erzählweisen wandeln.
Phantastik ist damit auch ein Spiegel: Sie verrät häufig weniger über „echte Gespenster“ als über menschliche und gesellschaftliche Konflikte. Gerade deshalb eignet sie sich ausgezeichnet, um Literatur nicht nur als Unterhaltung, sondern als kulturelles Gedächtnis zu verstehen.
 

Fazit: Kernaussage

Das Kabinett der Phantasten“ ist als Reihe des JMB Verlags literaturgeschichtlich bedeutsam, weil sie klassische phantastische Texte systematisch sammelt, kuratiert und (oft) neu übersetzt. Sie macht sichtbar, dass Phantastik eine lange Tradition besitzt, die von romantischen Nachtseiten über die Moderne bis zu frühen Formen der Weird Fiction reicht. Indem die Reihe diese Texte in einer konsistenten Form zugänglich hält, leistet sie Kulturvermittlung: Sie bietet interessierten Leserinnen und Lesern einen geordneten, seriösen Einstieg in ein literarisches Feld, dessen Reiz gerade in der produktiven Verunsicherung der Wirklichkeit liegt.
 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Postma, Dr. Heiko (Hrsg.)
  • Kabinett der Phantasten
  • derzeit 126 Ausgaben
  • JMB Verlag, Hannover (ab 2010)
  • Heft, kartoniert
  • variabel
  • ISBN vorhanden
im Verlagsshop pro Heft 9,00 Euro + Versandkosten

Innerhalb Deutschlands: 3,50 €
Innerhalb Europas: 5,00 €
weltweit: 10,00 €

  • Die Bände erscheinen unregelmäßig ca. 5-8x pro Jahr
  • veschiedenste Auflagen
  • JMB Verlag – Offizielle Website

Onlinequelle …

Bedeutung: Programm/Produktseiten zur Reihe „Kabinett der Phantasten“

Quelle: JMB Verlag


  • Wikipedia: „Kabinett der Phantasten“

Onlinequelle …

Bedeutung: Überblick zu Reihe, Herausgeber, Übersetzern, Gestaltung; als Sekundärquelle nützlich, aber mit Vorsicht zu prüfen

Quelle: Wikipedia


  • Dr. Heiko Postma – Offizielle Webseite des Herausgebers

Onlinequelle …

Bedeutung: Detailreiche Dokumentation aller erschienenen und in Vorbereitung befindlichen Bände (inklusive Inhaltsangaben und Editionsdetails zu den Folgebänden ab Band 121)

Quelle: Webpräsenz …


  • Schöne Bücher Netzwerk – Fachbericht: „99-mal Gänsehaut satt“

Onlinequelle …

Bedeutung: Wichtige Hintergrundquelle mit direkten Interviews von Verleger Jens Bolm zur Editionsgeschichte, zu Verkaufszahlen, zur Zielgruppenausrichtung und zur gezielten Auswahl der Autoren.

Quelle: Schöne Bücher Netzwerk


  • Schöne Bücher Netzwerk – Branchenmeldung zum Verlagsjubiläum

Onlinequelle …

Bedeutung: Dokumentation des Erreichens von Band 100 als historischer Meilenstein der Reihe und Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Herausgeber.

Quelle: Schöne Bücher Netzwerk


  • Robots & Dragons (Artikel/Rezension zur Reihe, z. B. Band 120)

Onlinequelle …

Bedeutung: sekundäre Einordnung; als Pressestimme brauchbar, aber nicht primärwissenschaftlich

Quelle: JMB Verlag



siehe auch (Auszug):


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Begleitende Literatur zur Phantastik #93: Geisteswelten – Hundley, Jessica (Hrsg.)

Hundley, Jessica (Hrsg.)
Geisterwelten Bibliothek der Esoterik
Taschen, Köln (2026)
ISBN 9783754405321
Zwischen Kunst, Kult und Jenseitssehnsucht: Eine Rezension zu Jessica Hundleys „Geisterwelten“…
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Die Faszination für das Unsichtbare ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit dem großformatigen Bildband Geisterwelten, herausgegeben von Jessica Hundley und erschienen im Taschen Verlag (Köln, 2026), wird dieser universellen Sehnsucht ein monumentales Denkmal gesetzt. Das Werk reiht sich in die ambitionierte und visuell bestrickende Reihe der Library of Esoterica ein. Für interessierte Laien bietet dieser Band einen eleganten, sachlichen und kunsthistorisch fundierten Einstieg in ein Thema, das allzu oft zwischen Jahrmarkts-Spuk und dogmatischer Skepsis zerrieben wird. …

Die Herausgeberin: Chronistin des Verborgenen

Jessica Hundley, die als Autorin, Filmemacherin und Journalistin in Los Angeles lebt, hat sich in den vergangenen Jahren als maßgebliche Kuratorin an der Schnittstelle von Popkultur, Kunst und Esoterik etabliert. Für ihre Arbeiten (unter anderem in Vogue und im Rolling Stone) bekannt, zeichnet sie sich als Chefherausgeberin der Library of Esoterica durch einen erfrischend unvoreingenommenen Blick aus.
Hundley nähert sich den „Geisterwelten“ nicht als Missionarin des Übersinnlichen, sondern als Kulturwissenschaftlerin. Ihr gelingt es, die Fäden aus Ästhetik, Psychologie und Historie so zu verknüpfen, dass das Übernatürliche als integraler Bestandteil der menschlichen Kreativität begreifbar wird.
Jessica Hundley wird in Händlerbiografien als Autorin, Filmemacherin und Journalistin beschrieben, die sich mit Kunst und Gegenkultur befasst und ein besonderes Interesse an metaphysischen, psychedelischen und „magischen“ Dimensionen kultureller Ausdrucksformen hat.
Für den Band ist diese Rolle entscheidend: Eine Herausgeberin entscheidet, welche Traditionen, Bilder und Stimmen als repräsentativ erscheinen – und wie sie gerahmt werden. Aus der Beschreibung spricht eine Neigung zur poetischen, bildintensiven Vermittlung: Geister sind nicht nur Gegenstand der Aufklärung (im Sinne von Entzauberung), sondern Thema einer ästhetischen und existenziellen Erkundung. Der Band positioniert sich damit eher in einer Linie des Verstehens und Vergleichens als in einer Linie der Widerlegung.

… In diesem sechsten Band der „Bibliothek der Esoterik“ erkunden wir diese geheimnisvolle Passage aus dem Mutterschoß, die Reise zwischen den Welten, den sanften Schritt über die Schwelle und das zarte Lüften der heiligsten Schleier …
Auszug Vorwort

Historischer Hintergrund: Zeitliche Entwicklung des „Geisterhaften“

Die Buchbeschreibung betont „globale Mythologien“ und „Riten des Todes überall auf der Welt“. Um eine zeitliche Entwicklung sichtbar zu machen, lohnt es, das Geisterthema in großen historischen Linien zu betrachten.

Vormoderne: Geister als soziale und kosmische Ordnung

In vielen vormodernen Weltbildern sind Ahnen, Schutzwesen oder Dämonen keine Randerscheinung, sondern Teil einer Ordnung, die Alltag und Moral strukturiert. Geister markieren Bindungen (zu Vorfahren), Gefahren (Tabubrüche) oder Schutz (Haus- und Ortsgeister). Die zentrale Funktion ist häufig Integration: Gemeinschaften halten Erinnerung, Normen und Zugehörigkeit aufrecht, indem sie die Toten in Ritualen präsent halten.

Frühe Neuzeit: Kontrolle, Angst, Theologie – und der Kampf um Deutungshoheit

In Europa verschärfen sich zwischen 15. und 17. Jahrhundert Auseinandersetzungen um Dämonologie und Hexereivorstellungen; religiöse Konflikte und soziale Krisen verleihen dem Übernatürlichen politische Schärfe. Geister- und Dämonenglauben werden dabei oft zum Feld, auf dem Autorität, Abweichung und Angst verhandelt werden.

19. Jahrhundert: Spiritismus als Moderne des Jenseits

Im 19. Jahrhundert gewinnt der Spiritismus an Popularität. Charakteristisch ist die Nähe zu Medien und Technik: „Botschaften“ werden protokolliert, fotografische oder schriftliche Spuren sollen das Unsichtbare belegen. Hier zeigt sich eine neue Dynamik: Die Geisterwelt wird nicht nur geglaubt, sondern dokumentiert – oder zumindest in der Form dokumentarischer Praktiken inszeniert.

20. und 21. Jahrhundert: Geister als Sprache von Trauma, Erinnerung, Identität

In moderner Literatur, Film und Kunst erscheinen Geister oft als Metaphern für das Unabgeschlossene: für Trauer, historische Gewalt, verdrängte Schuld, koloniale Nachwirkungen. Das Geisterhafte ist dann weniger ein „Wesen“ als eine Form der Wiederkehr.
Geisterwelten scheint genau diese Breite anzusteuern: vom Dämonischen bis zum Engelhaften, von Ritualarchitektur („heilige Tempel“, „Denkmäler“) bis zu medialer Praxis (Séancen, Orakel) und visionärer Kunst.

Kernthema: Tod, Bindung, Gemeinschaft – die Geisterwelt als Beziehungsgeschehen

Die zweite Hälfte der Buchbeschreibung setzt einen starken Akzent: Geisterwelten „zelebrieren die Art und Weise, wie wir mit unseren Vorfahren und mit uns selbst verbunden sind“, indem wir Tote „anbeten, mythologisieren und ehren“.
Diese Perspektive ist literatur- und kulturwissenschaftlich zentral: Geister sind selten nur „Fremde“. Sie sind häufig Verwandte – oder zumindest Figuren der Nähe. Darin liegt eine anthropologische Grundfunktion: Rituale und Erzählungen über die Toten
  • ordnen Trauer (sie geben dem Verlust Form),
  • stiften Kontinuität (die Gemeinschaft endet nicht mit dem Tod),
  • verhandeln Schuld und Versöhnung (was bleibt unerledigt?),
  • erzeugen Identität (wer sind „wir“, wenn wir Herkunft erzählen?).
Wenn die Beschreibung von Altären, Gemeinschaften und geteiltem Schmerz spricht, wird die Geisterwelt als sozialer Raum sichtbar: Nicht nur „jenseits“, sondern zwischen Menschen – dort, wo Erinnerung als Praxis gelebt wird.

Rituale und Medien: Séance, Orakel, Wahrsagung als kulturelle Kommunikationsformen

Die Buchbeschreibung nennt „spirituelle Medien und Propheten“, „kunstvolle Séancen“, „Orakel und Wahrsager“, „Kristallkugeln“. Für eine sachliche Einordnung ist wichtig: Solche Praktiken lassen sich unabhängig davon, ob man ihren Wahrheitsanspruch teilt, als kulturelle Kommunikationsformen beschreiben.
Sie versprechen, dass Sinn nicht endet, wenn die empirische Erklärung aufhört. Gerade in Übergangssituationen (Tod, Krise, Angst) entsteht ein Bedarf nach Sprache, die mehr leisten will als Fakten. Die Geisterkommunikation erfüllt dann Funktionen wie:
  • Sinnstiftung: Warum ist etwas geschehen?
  • Handlungsorientierung: Was ist zu tun?
  • Entlastung: Wer trägt die Schuld?
  • Bindungsarbeit: Wie bleibt Beziehung möglich?
Damit wird verständlich, warum Geisterwelten das Thema ausdrücklich über Rituale erschließt: Rituale sind die Stelle, an der Weltbilder praktisch werden.

Kunst als Erkenntnisform: „Visionäre Kunst“ und die Ästhetik des Unsichtbaren

Die Ankündigung „mehr als 400 Werke visionärer Kunst“ verspricht, dass die Bildwelt nicht bloß begleitet, sondern argumentiert. Kunst kann im Feld des Geisterhaften eine besondere Aufgabe übernehmen: Sie macht etwas erfahrbar, das sich begrifflich entzieht.
Typische ästhetische Verfahren solcher Darstellungen sind (kulturübergreifend) Schwellenmotive, Licht/Schatten-Dramaturgien, Transparenzen, Spiegelungen, Verzerrungen, Ekstasebilder oder die Auflösung klarer Körpergrenzen. Nicht weil „Geister so aussehen“, sondern weil Kunst eine Sprache für Ambivalenz bereitstellt: zugleich anwesend und abwesend, zugleich vertraut und fremd.
Wenn Geisterwelten zudem den Bogen von „Dämonen“ zu „Engeln“ spannt, berührt es ein weiteres, historisch tiefes Prinzip: Geistwesen sind moralisch und emotional oft doppeldeutig. Das Übernatürliche kann bedrohen oder trösten, verführen oder schützen. Gerade diese Doppelstruktur erklärt, warum das Thema kulturgeschichtlich so zählebig bleibt.

Fazit

Aus Buchbeschreibung und bibliografischem Rahmen ergibt sich ein klares Profil: Geisterwelten will die Geisterwelt nicht als Kuriosum behandeln, sondern als großen Kulturraum, in dem Menschen seit Jahrhunderten (und über Kontinente hinweg) Fragen nach Tod, Wiedergeburt, Auferstehung, Erinnerung und Kontakt verhandeln.
Das Erkenntnisinteresse ist dabei weniger „Gibt es Geister?“ als vielmehr: Was tun Menschen, wenn sie mit dem Tod leben müssen – und welche Bilder, Räume, Rituale und Geschichten erfinden sie, um Beziehung über die Grenze hinweg zu denken?
In dieser Perspektive ist die Geisterwelt kein Ausflug ins Irrationale, sondern ein Spiegel kultureller Grundfragen. Der Band verspricht, diesen Spiegel nicht nur erklärend (Essay), nicht nur erzählend (Interview), sondern vor allem anschaulich (Kunst) zu entfalten – und dadurch eine verständliche, zugleich ernsthafte Annäherung an ein Thema zu ermöglichen, das so alt ist wie die Menschheit und doch in jeder Epoche neu Gestalt annimmt.
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links: Begriffsbox: (kurz erklärt) empfohlene Inhalte:
  • Hundley, Jessica (Hrsg.)
  • Geisterwelten
  • Bibliothek der Esoterik, Band 6
  • Taschen, Köln (2026)
  • gebundene Ausgabe
  • 518 Seiten
  • ISBN 9783754405321

Preisangaben Eurobuch

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  • keine

  • Verlagskatalog und Editionsrichtlinien des Taschen Verlags (Köln, 2026):

Buch:

Mit Essays, Interviews und mehr als 400 Bildern, von Höhlenmalereien bis hin zu zeitgenössischen Werken der Channeled Art, öffnet Spirit Worlds verschlossene Türen und führt uns durch Labyrinthe ins Mysteriöse, in jenseitige Reiche und in Dimensionen, die direkt hinter unserer eigenen liegen. …

Quelle: Webpräsenz Tschen Verlag


  • Jessica Hundley, Website

Webpräsenz:

Jessica Hundley ist eine Geschichtenerzählerin. In ihren Texten, ihrer journalistischen Arbeit, ihren Filmen und ihrer Tätigkeit als Kreativdirektorin beschäftigt sie sich intensiv mit Erzählkunst, Musik, Gegenkultur, Magie und Psychedelia. …

Quelle: Webpräsenz Jessica Hundley


  • Esoterik: Sammelbegriff für Lehren und Praktiken, die „verborgenes“ oder nur Eingeweihten zugängliches Wissen beanspruchen. In der Kulturgeschichte umfasst das sehr unterschiedliche Felder (von religiösen Traditionen bis zu modernen Sinn- und Selbsttechniken). Der Begriff wird je nach Kontext wertneutral beschreibend oder kritisch gebraucht.
  • Mythologie: Bestand an Erzählungen, Bildern und Symbolen, durch die Gemeinschaften Ursprung, Ordnung und Grenzerfahrungen (z. B. Tod, Schuld, Schicksal) deuten. „Globale Mythologien“ meint hier: unterschiedliche kulturelle Traditionen, die jeweils eigene Jenseits- und Geistvorstellungen ausbilden.
  • Ahnenkult / Ahnenverehrung: Rituale, in denen Verstorbene als weiterhin wirkmächtige Mitglieder einer Gemeinschaft verstanden werden. Dazu gehören Gedenkpraktiken, Opfergaben, Altäre, Feste oder bestimmte Regeln des Umgangs mit Namen, Bildern und Grabstätten.
  • Ritual: Wiederholte, symbolisch aufgeladene Handlung (z. B. Trauer- und Bestattungsriten), die soziale Bindung stiftet, Übergänge markiert und Sinn ordnet. Rituale „tun“ etwas: Sie strukturieren Zeit, Gemeinschaft und Emotion.
  • Séance: (meist spiritistische) Sitzung, in der Teilnehmende versuchen, mit Verstorbenen oder Geistwesen zu kommunizieren. Unabhängig vom Wahrheitsanspruch ist die Séance kulturwissenschaftlich interessant als soziale und mediale Inszenierung von Kontakt.
  • Spiritistisches Medium: Person, die behauptet, Botschaften aus einer nicht-sichtbaren Sphäre (z. B. von Verstorbenen) empfangen und übermitteln zu können. In der Geschichte des Spiritismus sind Medien zentrale Figuren, weil sie „Übersetzung“ zwischen den Sphären versprechen.
  • Orakel / Wahrsagung: Praktiken, die Zukunft oder verborgene Zusammenhänge deuten sollen (z. B. durch Karten, Symbole, Trance, Objekte wie Kristallkugeln). Kulturgeschichtlich dienen Orakel häufig der Entscheidungsfindung und Sinnstiftung in unsicheren Lagen.
  • Jenseitsvorstellung: Kulturelle Modelle davon, was nach dem Tod geschieht (Weiterleben, Wiedergeburt, Auferstehung, Auflösung, Ahnenexistenz usw.). Solche Vorstellungen sind eng mit Ethik, Gemeinschaft und Trauerarbeit verbunden.
  • Visionäre Kunst: Kunst, die innere Bilder, Trance-, Traum- oder Offenbarungserfahrungen thematisiert und häufig das Unsichtbare (Geister, Engel, Dämonen, Zwischenreiche) darzustellen versucht. „Visionär“ beschreibt dabei primär eine ästhetische Haltung – nicht den Beweis eines metaphysischen Sachverhalts.
  • Schwelle / Liminalität: Begriff aus der Ritual- und Kulturtheorie für Übergangszonen („dazwischen“), in denen alte Ordnungen aufgehoben und neue möglich werden. In Geistererzählungen ist die Schwelle ein Leitmotiv: zwischen Leben und Tod, Mensch und Geist, Diesseits und Jenseits.
  • Aliens und Außerirdische, Seite 346-368

siehe auch (Auszug):


Die letzten 3 Artikel:


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Fantasy #20 – Fluchtliteratur oder Realitätskritik?: Fantasia, Nr. 72-73, EDFC, Passau (1993) – Schröpf, Franz (Red.)

Schröpf, Franz (Red.)
Fantasia Nr. 72-73
EDFC, Passau (1993)
ISBN 3924443599

Zwischen Fandom und Literaturwissenschaft: Die Publikationsreihe „Fantasia“ des Ersten Deutschen Fantasy Clubs (EDFC)

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Die Landschaft der phantastischen Literatur in Deutschland wird seit Jahrzehnten nicht nur von großen Publikumsverlagen geprägt, sondern auch von einer hochengagierten Independent-Szene. Eine der beständigsten und kulturhistorisch wertvollsten Säulen dieser Bewegung ist die Reihe „Fantasia“, herausgegeben vom Ersten Deutschen Fantasy Club e.V. (edfc). Bei dem vorliegenden Objekt „Fantasia 72-73“ handelt es sich um eine typische Doppelnummer dieser als Taschenbuch erscheinenden Anthologie- und Magazinreihe, die eine Brücke zwischen anspruchsvoller Fan-Kultur (Fandom) und akademischer Literaturwissenschaft schlägt. …


Historischer Hintergrund und zeitliche Entwicklung

Um die Bedeutung von Fantasia 72-73 zu verstehen, ist ein Blick auf die Historie der deutschen Phantastik-Szene unerlässlich. Der Erste Deutsche Fantasy Club (EDFC) wurde bereits 1978 in Passau gegründet. Zu dieser Zeit steckte die Rezeption von Fantasy-Literatur in Deutschland noch in den Kinderschuhen; das Genre wurde im Literaturbetrieb häufig als reine Trivialliteratur abgetan.

Die Publikationsreihe Fantasia entwickelte sich über die Jahrzehnte hinweg von einem einfachen Vereinsorgan (Fanzine) zu einer professionell gestalteten, im Buchhandel erhältlichen Reihe. …


… Fantasia enthält Amateur-Kurzgeschichten, Gedichte, Artikel über Fantasy und deren Randgebiete, ferner Diskussionsbeiträge, umfangreiche Buch- und Filmbesprechungen, Hinweise auf Neuerscheinungen auf dem deutschen Fantasymarkt und Illustrationen. Neben den normalen Magazin-Ausgaben erscheinen auch häufig erscheinen Themennummern.…
Auszug aus der Website des EDFC (14.6.2026)

  • Die Anfänge (1980er Jahre): Fokus auf Clubnachrichten, kurze Rezensionen und erste Gehversuche lokaler Autoren.
  • Die Konsolidierungsphase (1990er bis 2000er Jahre): Die Reihe öffnet sich verstärkt sekundärliterarischen Arbeiten. Namhafte Kritiker und Übersetzer wie Franz Rottensteiner publizieren hier fundierte Essays über internationale Größen wie Stanisław Lem, H.P. Lovecraft oder J.R.R. Tolkien.
  • Die Moderne (Ausgaben im Bereich 70+): Die Bände, zu denen auch die Doppelnummer 72-73 gehört, etablierten sich als dicke Paperbacks. Doppelnummern wurden vom Verlag strategisch eingesetzt, um thematische Schwerpunkte umfassend
  • Die Digitale (Ausgaben ab der Nummer 222e+): Seit der Nummer 222e im Jahre 2009 erscheint die Reihe nur mehr als eBook und diese ist auch seit 2015 kostenlos zu beziehen. Die Bestellung erfolgt einfach über: edfc@edfc.de…

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Bibliographisch: Antiquarisch:relevante Buchteile:weiterführende Links:

  • Franz Schröpf (Red.)
  • Fantasia Nr. 72-73
  • EDFC, Passau (1993)
  • Taschenbuch
  • 350 Seiten
  • ISBN 3924443599

Preisangaben Eurobuch – derzeit aber leider auch antiquarisch vergriffen

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    Thomas Höhl, Franz Schröpf (Herausgeber(in)): „Die Schöne und das Biest“. In: Thomas Höhl (Autor/in) (Hg.): Fantasia, 1993, Nr. 72/73. Bd. 072/073. O. O.: Erster Deutscher Fantasy Club e.V. (EDFC) 1993 (= Fantasia (EDFC)),  S. 223.
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    Karlheinz Steinmüller: „Das Ende der utopischen Literatur“. In: Franz Schröpf (Hg.): Fantasia 072-073. Passau: EDFC 1993 (= Fantasia (EDFC) 72–73),  S. 41–53.
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    Heinz J. Galle: „Hanns Heinz Ewers“. In: Franz Schröpf (Hg.): Fantasia 072-073. Passau: EDFC 1993 (= Fantasia (EDFC) 72–73),  S. 95–128.

  • Fantasia 72-73 im Repository

Sekundärliteratur …
Bedeutung: Bibliographische Daten des Buches und der drei relevanten Artikel darin (siehe auch Abteilung (Related“)Quelle: Zotero-Webpage (t.sebesta's Library)


  • Internet Speculative Fiction Database (ISFDB)

Onlinequelle …
Bedeutung: Bibliographische Datenbank zur Verifizierung von Editionsdaten, Ausgabenverzeichnissen und historischen Publikationsreihen im Bereich der Spekulativen FiktionQuelle: ISFDB


  • Offizielle Dokumentation des Ersten Deutschen Fantasy Clubs e.V. (EDFC):

Onlinequelle …
Bedeutung: Primärquelle für Vereinsgeschichte, Publikationsindizes und VerlagsstrukturQuelle: EDFC


siehe auch (Auszug):


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