Schlagwort: Weird Fiction

Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #29 – Schrecken als ästhetische Ware: Kirde, Kalju – Führer durch die klassische Weird Fiction

Kirde, Kalju
Führer durch die klassische Weird Fiction
Lindenstruth, Giessen (2008)
ISBN 3934273882
 
Ein Meilenstein der unheimlichen Phantastik – Kalju Kirdes Wegweiser durch die Weird Fiction …
 
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Die unheimliche Phantastik ist heute aus der modernen Populärkultur nicht mehr wegzudenken. Doch das Fundament für das Verständnis dieses Genres im deutschsprachigen Raum wurde bereits vor Jahrzehnten gelegt. Mit dem „Führer durch die klassische Weird Fiction“ von Kalju Kirde, veröffentlicht im Lindenstruth Verlag im Jahr 2008, lag die erste umfassende Literaturgeschichte dieser Gattung in deutscher Sprache vor. Der Text bietet einen faszinierenden, historisch wertvollen Einblick in eine literarische Strömung, die lange Zeit im Verborgenen blühte. …

Der Autor: Ein Pionier des Unheimlichen

Um das Werk angemessen zu würdigen, ist ein Blick auf den Verfasser unerlässlich. Kalju Kirde erlangte bleibende Bedeutung als Herausgeber der legendären Reihe „Bibliothek des Hauses Usher“ im renommierten Insel Verlag. In dieser Funktion leistete er unschätzbare Pionierarbeit und brachte anspruchsvolle phantastische Literatur einem breiteren Publikum näher. Kirde war kein distanzierter Theoretiker, sondern ein leidenschaftlicher Kenner, dessen profundes Wissen und sicheres Gespür für literarische Qualität das Genre im Nachkriegsdeutschland maßgeblich prägten.

Historischer und gesellschaftlicher Hintergrund

Besonders eindrucksvoll ist der zeitliche Kontext der Entstehung: Kalju Kirde verfasste diesen Leitfaden bereits im Jahr 1966. Die „Bemerkungen über Weird Fiction“ erschienen in den Nummern 8, 9 und 10 des Quarber Merkur von Franz Rottensteiner. Die historische Isolation spiegelt sich auch in der  Publikationsform wider: Der Text erschien nicht in einem etablierten Verlag, sondern in einem Amateur-Magazin. Er entsprang somit direkt der damaligen Fanzine-Kultur – einer engagierten Subkultur von Enthusiasten, die sich abseits des literarischen Mainstreams bewegten.
Zu jener Zeit war die literarische Landschaft in Deutschland bezüglich der angelsächsischen unheimlichen Phantastik weitgehend ein unbeschriebenes Blatt. Namen wie H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith oder William Hope Hodgson, die heute Kultstatus genießen, waren damals hierzulande nahezu gänzlich unbekannt.
Die zeitliche Entwicklung von der Veröffentlichung in einem Amateur-Magazin bis hin zur ersten geschlossenen Buchausgabe im Jahr 2008 verdeutlicht eindrucksvoll, wie sich die Weird Fiction von einer belächelten Nische zu einer anerkannten literarischen Strömung gewandelt hat.
 

Inhaltliche Analyse und literarischer Wert

Kirdes literaturgeschichtlicher Streifzug zeichnet sich vor allem durch seine Zugänglichkeit aus. Er erzählt anschaulich von der Entwicklung des Genres und stellt dabei sowohl die großen Wegweiser als auch weniger bedeutende Autoren und deren Werke detailliert vor. Dies geschieht völlig ohne akademischen Dünkel, ist jedoch höchst unterhaltsam und informativ gestaltet.
Dass diese Arbeit weit mehr als nur ein historisches Kuriosum ist, betont auch der bekannte Experte Franz Rottensteiner im Vorwort der vorliegenden Ausgabe. Er attestiert Kirdes Ausführungen eine bleibende Aktualität:
 
… Auch vom heutigen Stand der wissenschaftlichen Forschung gesehen findet man in diesen Ausführungen allerlei, das dank seiner klaren und eindeutigen Aussageweise und dem sicheren Urteilsvermögen als Richtschnur zur Lektüre und nützliche Anleitung zur näheren Beschäftigung mit der phantastischen Literatur dienen kann. …Franz Rottensteiner, Vorwort
 
Damit bietet das Werk gerade interessierten Laien eine verlässliche und klare Orientierungshilfe, um die historischen Verästelungen des Unheimlichen zu durchdringen.

Hochwertige Ausstattung der Neuausgabe

Die im Jahr 2008 vom Lindenstruth Verlag vorgelegte Erstausgabe in Buchform wertet Kirdes historischen Text durch eine wissenschaftlich und ästhetisch gelungene Ausstattung auf. Der Neuausgabe wurden Abbildungen seltener Buchumschläge beigegeben, die den Geist der damaligen Epoche visuell einfangen. Darüber hinaus machen eine präzise Bibliographie sowie ein umfassender Personenindex das schmale Werk zu einem vollwertigen, praktischen Nachschlagewerk für die eigene Bibliothek.

Fazit und Kernaussage

Für interessierte Laien bietet dieser Führer den perfekten roten Faden durch die klassische Weird Fiction. Die zentrale Kernaussage ist leicht verständlich: Die unheimliche Phantastik ist kein modernes Phänomen, sondern eine historisch tief verwurzelte Kunstform, deren Entdeckung im deutschsprachigen Raum Männern wie Kalju Kirde zu verdanken ist. Seine Mischung aus profundem Urteilsvermögen und lebendiger Erzählweise macht das Buch zu einer Pflichtlektüre für jeden Phantastik-Liebhaber …
 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Kirde, Kalju
  • Führer durch die klassische Weird Fiction
  • Lindenstruth, Giessen (2008)
  • Paperback
  • erweiterte Neuausgabe
  • 195 Seiten
  • Zusatz
  • ISBN 3934273882
Preisangaben Eurobuch (mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
derzeit aber antiquarisch vergriffen
  • keine
  • Wikipedia: Eintrag Kalju Kirde

Onlinequelle …
Bedeutung: Zugang zu kurzer Lebensbeschreibung und Klarnamen (Kalju Frisch) …
Quelle: Wikipedia - Kalju Kirde

  • Buchquelle: Lexikon der phantastischen Literatur – Rein A. Zondergeld, Weibrecht, Stuttgart (1998), Eintrag Kalju Kirde, Seite 194
    Bedeutung: Lexikoneintrag zu Kalju Kirde …
    Sekundärliteratur …
    225090 {225090:RC42UMVH} 1 technische-universitat-dresden-medienwissenschaft-und-neuere-deutsche-literatur-note 50 default 1 1 1 1 45224 https://sebesta-seklit.net/wp-content/plugins/zotpress/
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    Rein A. Zondergeld, Holger E. Wiedenstried: Lexikon der phantastischen Literatur. Stuttgart/Wien/Bern: Weitbrecht Verlag in K. Thienemanns Verlag 1998. 1
    Quelle: Zotero-Webpage (t.sebesta's Library)

  • Sekundärquelle: Bibliothek des Hauses Usherphantastik-literatur.de

Sekundärliteratur …
Bedeutung: Hintergrundinformationen zur verlegerischen Tätigkeit von Kalju Kirde im Insel Verlag. …Quelle: phantastik-literatur.de


siehe auch (Auszug):


Die letzten Artikel:


Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.

 

Universitas Phantastica – Reflektion #28 – Protokolle der Unbegreiflichen-Die Erzähltechniken des New Weird im 21. Jhdt …

Learn More-internWährend H. P. Lovecraft im frühen 20. Jahrhundert noch auf altertümliche Adjektive wie „namenlos“, „gottverlassen“ oder „blasphemisch“ zurückgreifen musste, um das kosmische Grauen zu beschreiben, steht das New Weird im 21. Jahrhundert vor einer ganz anderen Herausforderung. Das moderne Publikum ist durch die Reizflut des Informationszeitalters abgehärtet. Ein Monster mit Tentakeln schockiert niemanden mehr.
Um echtes kosmisches Grauen in der Gegenwartsliteratur zu erzeugen, haben Autoren wie Jeff VanderMeer (Auslöschung), China Miéville (Perdido Street Station) oder Mark Z. Danielewski (House of Leaves) das Arsenal der erzählerischen Mittel radikal modernisiert. Sie nutzen spezifische literarische Techniken, um die Belastbarkeit unseres Verstandes direkt auf der Textebene zu testen.

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Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #28 – Schrecken als ästhetische Ware: Das Kabinett der Phantasten

Postma, Dr. Heiko (Hrsg.)
Kabinett der Phantasten
JMB, Hannover ( ab 2010)
 
Schattenrisse des Unheimlichen: Eine literaturwissenschaftliche Betrachtung der Buchreihe
 
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Die Wiederentdeckung und Bewahrung klassischer phantastischer Literatur stellt eine der faszinierendsten Nischen des modernen Publikationswesens dar. Ein herausragendes Beispiel für dieses editorische Engagement ist die im JMB Verlag erscheinende Reihe Das Kabinett der Phantasten. Geprägt durch das Zusammenspiel von Verleger Jens Bolm und dem Herausgeber, Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer Dr. Heiko Postma, widmet sich dieses ambitionierte Projekt der systematischen Aufarbeitung von Meisterwerken der Schauerliteratur, der Phantastik und der unheimlichen Belletristik vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Der folgende Essay analysiert das literarische und konzeptionelle Profil dieser Reihe, beleuchtet den historischen Hintergrund und untersucht die besondere Rolle der wissenschaftlichen Kommentierung für das Lesepublikum. …

 

Das konzeptionelle und visuelle Profil der Reihe

Wie in den Abbildungen exemplarisch zu sehen ist, zeichnet sich das Kabinett der Phantasten durch ein strenges, unverwechselbares Gestaltungsprinzip aus: Ein tiefschwarzer Hintergrund kontrastiert mit signalroten Textfeldern, während das Verlagslogo unten rechts in einem roten Blutstropfen platziert ist. Dieses visuelle Erkennungsmerkmal spiegelt den inhaltlichen roten Faden der Reihe wider: die Erkundung der dunklen, abgründigen Seiten der Weltliteratur.
Jedes Bändchen ist als handliches Softcover konzipiert und umfasst eine einzige, vollständige Erzählung oder Novelle. Ein zentrales Strukturprinzip der Reihe lautet dabei: Jeder Autor und jede Autorin ist im Gesamtkatalog nur ein einziges Mal vertreten. Durch diese selbstauferlegte Beschränkung entfaltet sich ein beispielloses, internationales Panorama des Phantastischen, das Monotonie konsequent vermeidet.
 
Sie können sich schon einmal darauf gefaßt machen, daß die Geisterstunden, die Sie im »Kabinett der Phantasten« verbringen, alles an Schauer und Grusel, Unheimlichem und Übersinnlichem, Magischem und Spukhaftem bieten werden, was man nur herbeiführen kann.…
 

Phantastik als literarischer Raum: Warum eine Reihe wie diese sinnvoll ist

Phantastische Literatur ist ein Sammelbegriff: Er umfasst Schauererzählungen, Gespenstergeschichten, okkulte und dämonologische Texte, Traum- und Wahnsinnserzählungen, Weird Fiction sowie Übergänge zur frühen Science-Fiction. Diese Texte arbeiten oft mit einem Kernverfahren: Sie erzeugen eine Irritation im Wirklichkeitsverständnis.
Für die Literaturwissenschaft ist das Phantastische nicht nur ein „Genre“, sondern eine ästhetische Strategie. Sie zeigt sich typischerweise in drei Konstellationen:
  1. Das Unheimliche im Vertrauten: Ein scheinbar alltäglicher Raum kippt in eine bedrohliche Mehrdeutigkeit.
  2. Grenzbereiche der Wahrnehmung: Traum, Halluzination, Krankheit, Trance oder Obsession werden erzählerisch ernst genommen.
  3. Konflikt zwischen Rationalität und Übersinnlichem: Erzählungen halten bewusst offen, ob eine übernatürliche Erklärung „wahr“ ist oder ob sich alles psychologisch deuten lässt.
Gerade in dieser Schwebe liegt die kulturelle Bedeutung des Feldes: Phantastik reagiert oft auf historische Spannungen – etwa auf den Konflikt zwischen Aufklärung und Religion, zwischen Wissenschaftsglauben und metaphysischem Bedürfnis, oder auf Krisenerfahrungen moderner Gesellschaften.
 

Historischer Hintergrund: Von der Romantik zur Moderne – und warum das 19. Jahrhundert nachwirkt

Viele Texte, die in Reihen wie „Das Kabinett der Phantasten“ erscheinen, sind ohne ihren historischen Resonanzraum nur halb zu verstehen.

3.1 Romantik und Schauer

Im frühen 19. Jahrhundert entsteht im deutschsprachigen Raum (und parallel in England und Frankreich) eine Literatur, die das Dunkle, Irrationale und Nachtseitige als Gegenpol zur aufklärerischen Vernunft betont. Die Romantik kultiviert die Idee, dass die Welt mehr ist als das Messbare: Rätsel, Symbol, Traum und Mythos werden zu legitimen Erkenntnisformen.

3.2 Industrialisierung, Urbanisierung, Moderne

Spätere Phantastik spiegelt dann die Erfahrung der Moderne: Großstadt, beschleunigter Alltag, technische Umwälzungen, neue medizinische und psychologische Wissensbestände. Das „Monströse“ kommt nun häufig nicht mehr aus Burgruinen, sondern aus dem Inneren: aus Zwangsvorstellungen, Sucht, Begehren, gesellschaftlichem Druck.

3.3 Fin de Siècle und Décadence

Um 1900 gewinnt eine Ästhetik an Bedeutung, die besonders gut zur Phantastik passt: Décadence und Symbolismus. Hier werden Grenzerfahrungen stilisiert, Künstlichkeit und Verfeinerung betont, gleichzeitig aber auch Verfall, Müdigkeit und moralische Ambivalenz. Viele klassische unheimliche Erzählungen – etwa über Vampire, Doppelgänger, gefährliche Artefakte oder verführerische Fremdheiten – werden in diesem Klima neu geprägt.
Die Reihenkonzeption des JMB Verlags ist (so lässt sich literaturhistorisch lesen) eine Antwort auf genau diese langen Traditionslinien: Sie macht sichtbar, dass „phantastische Literatur“ nicht erst mit modernen Popkulturen beginnt, sondern tief in der europäischen Literaturgeschichte verwurzelt ist.
 

Die zeitliche Entwicklung der Reihe

Seit dem Start des Projekts hat das Kabinett der Phantasten eine bemerkenswerte quantitative und qualitative Evolution vollzogen, die sich in Phasen unterteilen lässt:
  • Die Etablierungsphase (ab 2012): Die Reihe startete im JMB Verlag mit dem Ziel, eine bibliophile und zugleich erschwingliche Sammlung für Liebhaber klassischer Gruselliteratur aufzubauen. Die ersten Bände widmeten sich klassischen Eckpfeilern der Gattung.
  • Die Konsolidierung und das Jubiläum (bis ca. 2022): Die Verkaufszahlen und das öffentliche Interesse stiegen kontinuierlich. Mit dem Erreichen der magischen Grenze von Band 100 (Der gelüftete Schleier von George Eliot) festigte die Reihe ihren Status auf dem Buchmarkt. Die Gesamtauflage der Reihe bewegte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf die Marke von 20.000 Exemplaren zu. Zudem wurde die Reihe für den Sonderpreis des renommierten Vincent Preis nominiert.
  • Die Fortführung in die Gegenwart (2026): Mittlerweile umfasst der Katalog weit über 120 Bände. Die Reihe integriert zunehmend auch komplexere, psychologische Strömungen der Phantastik des frühen 20. Jahrhunderts (unter anderem mit Werken von Marjorie Bowen und Ellen Glasgow) und beweist damit eine anhaltende editorische Vitalität.

Der editorische Zugriff: Edition und Übersetzung

Herausgeber und Übersetzerteam (soweit öffentlich dokumentiert)

Nach öffentlich verfügbaren Angaben wird die Reihe von Heiko Postma herausgegeben. Er ist zugleich als Übersetzer tätig, insbesondere aus dem Englischen und Niederländischen. Weitere Übersetzungsarbeiten werden – je nach Ausgangssprache – von verschiedenen Personen übernommen (u. a. für französische, russische, serbische und norwegische Texte). Das Übersetzerteam besteht  neben Heiko Postma (ENG/NL)auch aus Ulrich Klappstein (FR), Joachim Britze (RUS/SRB), Gabriele Haefs, Dörte Giebel (beide NOR) und Kristina Bedijs (ITA). Für Leserinnen und Leser ist das nicht nebensächlich: In der Phantastik entscheidet die Übersetzung oft darüber, ob das Unheimliche als „stilistisch altbacken“ oder als präzise literarische Spannung erfahrbar wird.
Wichtig ist dabei eine Einschränkung: Ohne Einsicht in die einzelnen Vor- und Nachworte sowie die Editionsrichtlinien kann man nicht pauschal beurteilen, wie stark die Bände wissenschaftlich kommentiert sind. Sicher ist jedoch: Der Anspruch, Texte systematisch zu kuratieren und in neuer Übersetzung zugänglich zu machen, ist bereits eine wesentliche kulturvermittelnde Leistung.
 

Die fundamentale Bedeutung der Nachwörter

Für eine literaturwissenschaftliche Einordnung ist das wichtigste Alleinstellungsmerkmal der Reihe am Ende der einzelnen Bände zu finden: die ausführlichen Nachwörter. Diese meist vom Herausgeber Dr. Heiko Postma verfassten Essays heben die Bändchen aus dem Status reiner Unterhaltungsliteratur heraus. Sie bieten interessierten Laien einen leicht verständlichen, aber wissenschaftlich fundierten Schlüssel zur Textanalyse.
Die Nachwörter erfüllen dabei drei wesentliche Funktionen:
  1. Biografischer Kontext: Sie beleuchten die oft exzentrischen oder tragischen Lebensumstände der Autoren und zeigen auf, wie persönliche Krisen in die unheimlichen Erzählungen einflossen.
  2. Epochengeschichtliche Verortung: Die Essays erklären die literarischen Strömungen der Entstehungszeit – vom viktorianischen Geisterglauben über die deutsche Romantik bis hin zum Fin de Siècle – und machen so die zeitgenössischen Ängste der Gesellschaft sichtbar.
  3. Motivgeschichtliche Analyse: Postma schlüsselt die verwendeten literarischen Motive (wie das Doppelgängertum, die lebende Untote oder den Einbruch des Übernatürlichen in den Alltag) auf und erklärt deren Funktion innerhalb der Erzählstruktur.

Literarische Bedeutung: Was Leserinnen und Leser daraus gewinnen können

Für interessierte Laien liegt der Wert der Reihe in drei Punkten:
  1. Zugang zu „vergessenen Klassikern“: Viele Texte der Phantastik sind kulturgeschichtlich prägend, aber nicht ständig im allgemeinen Sortiment präsent.
  2. Vergleichbarkeit und Leseweg: Eine Reihe schafft Orientierung. Wer Gefallen an einem Band findet, kann entlang des Programms weiterlesen, ohne jedes Mal neu „suchen“ zu müssen.
  3. Historische Tiefenschärfe: Die Texte zeigen, wie Gesellschaften Angst, Schuld, Begehren oder Fremdheit erzählen – und wie sich diese Erzählweisen wandeln.
Phantastik ist damit auch ein Spiegel: Sie verrät häufig weniger über „echte Gespenster“ als über menschliche und gesellschaftliche Konflikte. Gerade deshalb eignet sie sich ausgezeichnet, um Literatur nicht nur als Unterhaltung, sondern als kulturelles Gedächtnis zu verstehen.
 

Fazit: Kernaussage

Das Kabinett der Phantasten“ ist als Reihe des JMB Verlags literaturgeschichtlich bedeutsam, weil sie klassische phantastische Texte systematisch sammelt, kuratiert und (oft) neu übersetzt. Sie macht sichtbar, dass Phantastik eine lange Tradition besitzt, die von romantischen Nachtseiten über die Moderne bis zu frühen Formen der Weird Fiction reicht. Indem die Reihe diese Texte in einer konsistenten Form zugänglich hält, leistet sie Kulturvermittlung: Sie bietet interessierten Leserinnen und Lesern einen geordneten, seriösen Einstieg in ein literarisches Feld, dessen Reiz gerade in der produktiven Verunsicherung der Wirklichkeit liegt.
 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Postma, Dr. Heiko (Hrsg.)
  • Kabinett der Phantasten
  • derzeit 126 Ausgaben
  • JMB Verlag, Hannover (ab 2010)
  • Heft, kartoniert
  • variabel
  • ISBN vorhanden
im Verlagsshop pro Heft 9,00 Euro + Versandkosten

Innerhalb Deutschlands: 3,50 €
Innerhalb Europas: 5,00 €
weltweit: 10,00 €

  • Die Bände erscheinen unregelmäßig ca. 5-8x pro Jahr
  • veschiedenste Auflagen
  • JMB Verlag – Offizielle Website

Onlinequelle …

Bedeutung: Programm/Produktseiten zur Reihe „Kabinett der Phantasten“

Quelle: JMB Verlag


  • Wikipedia: „Kabinett der Phantasten“

Onlinequelle …

Bedeutung: Überblick zu Reihe, Herausgeber, Übersetzern, Gestaltung; als Sekundärquelle nützlich, aber mit Vorsicht zu prüfen

Quelle: Wikipedia


  • Dr. Heiko Postma – Offizielle Webseite des Herausgebers

Onlinequelle …

Bedeutung: Detailreiche Dokumentation aller erschienenen und in Vorbereitung befindlichen Bände (inklusive Inhaltsangaben und Editionsdetails zu den Folgebänden ab Band 121)

Quelle: Webpräsenz …


  • Schöne Bücher Netzwerk – Fachbericht: „99-mal Gänsehaut satt“

Onlinequelle …

Bedeutung: Wichtige Hintergrundquelle mit direkten Interviews von Verleger Jens Bolm zur Editionsgeschichte, zu Verkaufszahlen, zur Zielgruppenausrichtung und zur gezielten Auswahl der Autoren.

Quelle: Schöne Bücher Netzwerk


  • Schöne Bücher Netzwerk – Branchenmeldung zum Verlagsjubiläum

Onlinequelle …

Bedeutung: Dokumentation des Erreichens von Band 100 als historischer Meilenstein der Reihe und Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Herausgeber.

Quelle: Schöne Bücher Netzwerk


  • Robots & Dragons (Artikel/Rezension zur Reihe, z. B. Band 120)

Onlinequelle …

Bedeutung: sekundäre Einordnung; als Pressestimme brauchbar, aber nicht primärwissenschaftlich

Quelle: JMB Verlag



siehe auch (Auszug):


Die letzten Artikel:


Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.

 

Magazine #50 – das Salz in der Phantastik-Suppe: IF, Annual 2020, Weird – Tobias Reckermann (Hrsg.)

Tobias Reckermann (Hrsg.)
lF, Annual 2020: Weird
Whitetrain, Darmstadt (2020)
ISBN 9798664545487

Seltsame Stille…

Die derzeit letzte Ausgabe des Annual aus der Magazinserie IF. Wie die meisten IF-Ausgaben ein Grenzgänger aus dem Bereich der Weird Fiction. Durchaus interessant für Leser von Primär- und Sekundärliteratur zum Thema…

Sekundärliterarisch gibt’s, abgesehen vom Vorwort, vier Beiträge.

  • einen Nachruf auf Joel Lane von Rosanne Rabinowitz
  • einen Essay zum Werk von Louis Marvicks von Martin Ruf
  • eine Auswahl englischsprachiger Verlage im Bereich der Weird Fiction
  • ein Inteview mit Jonas Plöger vom Verlag ZAGAVA …

auch die Galerie von Vergvoktre: Aestetics of Devastation ist schön anzusehen …

Mancher Leser mag Vergvoktres Illustrationen als reinen Horror begreifen, oder Peter Sohls, Martin Rufs und Louis Mavericks Erzählungen als nicht eigentlich „weird“. Ebenso wie Weird Fiction aber die Grenzen zur Leserwelt durchdringt, hat sie dies immer mit denen zu ihr benachbarten Genres getan, und oft ist es nur eine leichte Verschiebung, ähnlich einem fast unmerklichen psychedelischen Effekt, der eine Geschichte aus dem Muster der Schauergeschichte, der Science Fiction oder der fantastischen Abenteuererzählung heraus und in das Nebelland der Weird Fiction verschlägt. …

Auszug 'Vorwort', Seite 5-7

Ja, kann man mögen, muss man nicht. IF steht momentan, nach mein Geschmack, auf einem Scheideweg, der das Magazin entweder in die Bedeutungslosigkeit führt oder dem Leser ein wertvolles Informationsmittel in die Hand gibt. Was davon nun lässt sich in dieser Ausgabe nicht vorhersagen. …

Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Tobias Reckermann (Hrsg.)
  • IF, Annual 2020: Weird
  • Whitetrain, Darmstadt (2020)
  • Magazin, Klebebindung
  • 122 Seiten
  • ISBN 9798664545487

Kleinster Preis: € 11,90, größter Preis: € 12,23, Mittelwert: € 12,23

(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • Etwas ungewöhnliches Format 16,8 x 25,8
  • [Artikel] Joel Lane in der WIKIPEDIA (englisch)

Übesetzung: Joel Lane (1963 – 26. November 2013) war ein britischer Schriftsteller, Kurzgeschichtenschreiber, Dichter, Kritiker und Herausgeber von Anthologien. Er erhielt 2013 den World Fantasy Award und zweimal den British Fantasy Award.

Auszug


  • [Artikel] Louis Marvick bei ZAGAVA – Interview about “The Examiner” (englisch)

Übersetzung: Beginnen wir mit einem der charakteristischsten Merkmale einer Louis Marvick-Geschichte, der Bedeutung von Zeit und Ort. Einige Leser könnten sogar den Eindruck gewinnen, dass die erste Zeile eines neuen Werks von Ihnen von einer bestimmten historischen Periode oder einem ganz bestimmten Gebietsschema selbst geschrieben wurde. Wie würden Sie solchen Lesern antworten?

Auszug


    • [Webpräsenz] ZAGAVA im Internet (englisch)

Übersetzung: Zagava ist bestrebt, Bücher zu veröffentlichen und zu vertreiben, die nach höchsten Standards hergestellt wurden, sowohl was den Inhalt als auch die Produktionswerte betrifft. Zagavas Bücher überschreiten die Grenzen des Seltsamen, Übernatürlichen, Dekadenten und Mystischen.

Auszug


siehe auch (Auszug):


Die letzten 3 Artikel:


Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.

 

Magazine #49 – das Salz in der Phantastik-Suppe: IF Magazin, Annual 2019 – Tobias Reckermann (Hrsg.)

Tobias Reckermann (Hrsg.)
IF Magazin für angewandte Fantastik, Annual 2019
White Train, Darmstadt (2019)
ISBN 9781090667205

Mythos White Train – Surrealismus vs. Futurismus – Fantastische Architektur

Ein Magazin, dass für mich immer ein bisschen untergeht, ist IF-Magazin für angewandte Fantastik. Sehr engagiert gemacht, vielleicht manchmal etwas speziell, aber das soll ja es nicht abwerten. Allerdings halte ich das herumexperimentieren mit dem Format (und das wird sich in der Ausgabe Annual 2020 fortsetzen) für nicht sehr förderlich…

Das hat der Herausgeber wohl auch schon im Kopf, aber kein wirkliches Konzept dafür gefunden. …

Und dieses ist das letzte, zumindest das Finale in seinem bisherigen Konzept und Format. […] IF Magazin ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, der Fantastik ihr Recht auf Andersartigkeit, auf das zum Rand hin Blicken, auf das in die Tiefe gehen und das Entfalten der freien Form zu verschaffen, und wir sind überzeugt und erfreut, hiermit gute Arbeit geleistet zu haben…

Auszug '5 Jahre IF Magazin', Seite 5-7

Tja, das Bemühen und den teilweisen Erfolg damit kann und darf man nicht absprechen, aber von der Form her sollte es doch bald ein gestandenes Konzept geben, das sich in einer Bibliothek auch optisch und sammlerisch ansprechend positioniert.

Sekundärliterarisch bietet diese Ausgabe mit einem Essay über fantastische Architektur ein schwieriges Thema, ein Essay über den Ursprung und Unterschied der Begriffe von Surrealismus und Futurismus und eine Rezension zu „Der Vogelgott“ von Susanne Röckel. Ja, gut zu lesen und informativ …

Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Tobias Reckermann (Hrsg.)
  • IF, Annual 2019
  • Magazin für angewandte Fantastik
  • Withe Train, Darmstadt (2019)
  • Broschiert, Klebebindung
  • 186 Seiten
  • ISBN 9781090667205

Kleinster Preis: € 6,67, größter Preis: € 19,60, Mittelwert: € 11,01

(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • keine
  • [Artikel] Tobias Reckermann auf whitetrain.de

Tobias Reckermann, Jahrgang 1979, lebt und schreibt in Darmstadt und arbeitet als Maschinist bei Whitetrain .…

Auszug


  • [Interview] Was ist Weird Fiction? Tobias Reckermann im Genretalk – von Andreas Giesbert – auf zauberwelten-online.de

Genrebezeichnungen. Kaum etwas sorgt für mehr Streitereien aber auch anregendere Gespräche als die Frage, welches Genre denn eine Geschichte hätte. Solche Einordnungen helfen zwar oft, um einen schnellen Einblick zu bekommen, sind bei näherer Betrachtung aber gar nicht so einfach zu klären und setzen gute Genrekenntnis und langjährige Leseerfahrungen voraus. Wenn es um das eher unbekannte Genre der durch Lovecraft bekannt gewordenen Weird Fiction geht, ist Tobis Reckermann fraglos einer der Experten. …

Auszug


  • [Artikel] New Weird in der WIKIPEDIA

Der Begriff New Weird bezeichnet eine Tendenz oder Strömung in den Werken einiger Schriftsteller der neueren phantastischen Literatur. Es handelt sich dabei zumeist um Romanciers, die in den Genres der Science Fiction oder der Speculative Fiction zuhause sind. Mit dem Begriff ist keine feste Gruppe von Autoren gemeint: Es existiert kein gemeinsames Manifest, die Bandbreite der Stile und Inhalte ist groß, und die gemeinten Autoren sehen sich nicht als Teil einer „Bewegung“.…

Auszug


siehe auch (Auszug):


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