Schlagwort: Utopie

Utopie #52 – der NICHT-Ort in der Sekundärliteratur: Im Bann der Utopie – Kirchner, Verena – Winter, Heidelberg (2002)

Kirchner, Verena
Im Bann der Utopie
Ernst Blochs Hoffungsphilosophie in der DDR-Literatur
Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, Band 187
Winter, Heidelberg (2002)
ISBN 3825313050

Hoffnung als Motor – Hoffnung als Fessel:
Was Verena Kirchners „Im Bann der Utopie“ über DDR‑Literatur verrät
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Verena Kirchners Studie Im Bann der Utopie setzt bei einer ebenso einfachen wie produktiven Ausgangsfrage an: Wo existiert Ernst Bloch „tatsächlich“ – und wo sind seine Spuren in der Literatur der DDR sichtbar? Damit verschiebt Kirchner die Perspektive weg von bloßen Einflusserzählungen hin zu einer literatur- und ideengeschichtlichen Spurensuche: Bloch erscheint nicht als Zitatlieferant, sondern als Denkform, die poetische Verfahren, Figurenmodelle und Deutungsmuster prägt.
Der Untertitel – Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR-Literatur – ist dabei programmatisch. Kirchner interessiert sich für Blochs „konkrete Hoffnung“ nicht als abstraktes Konzept, sondern als kulturelle Kraft, die im Sozialismus der DDR eine besondere Spannung erzeugt: zwischen utopischem Anspruch und erlebter Wirklichkeit.
 

Worum es geht – in einem Satz

Kirchner verfolgt die „Spuren“ Ernst Blochs in der DDR‑Literatur – und erklärt, wie Hoffnung als Denkform zugleich Kritik befeuern und Bindung erzeugen kann. …

Warum DDR‑Literatur dafür ein besonders scharfes Testfeld ist

Literatur in der DDR stand in einem spezifischen Erwartungsraum: Sie sollte gesellschaftlich wirksam sein (mit Anschluss an große Sinn- und Fortschrittsnarrative) und sich zugleich innerhalb politischer Grenzen bewegen. Utopie ist in diesem Kontext nicht nur ein Motiv, sondern eine Art kultureller Betriebsmodus.
Kirchner beschreibt diese Wirkung als „fatale Ambivalenz“:
  • Hoffnung als Kritikressource: Gegenwart wird am Ideal gemessen; Missstände werden benennbar.
  • Hoffnung als Bindekraft: Die Gegenwart kann als „noch nicht eingelöstes“ Versprechen gelesen werden – der Bruch wird vertagt.

Warum das heute noch relevant ist (und warum Literatur das besonders gut zeigt)

Utopische Dynamiken sind nicht nur politisch, sie sind erzählerisch: Sie leben von Figuren, Bildern, Versprechen, Aufschub – und von der Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit. Literatur kann diese Spannung präziser zeigen als programmatische Texte, weil sie Ambivalenzen nicht „auflösen“ muss: Sie kann Hoffnung zugleich ernst nehmen und unterlaufen, sie kann Scheitern darstellen, ohne den Impuls zur Veränderung zu diskreditieren. Genau darin liegt die Aktualität von Kirchners Befund: Wer in literarischen Texten beobachtet, wie das „Noch‑Nicht“ Kritik antreibt und zugleich als Bindekraft wirkt, lernt etwas über die Form, in der große Erzählungen funktionieren – gestern in der DDR, heute in vielen Debatten über Zukunft, Fortschritt und gesellschaftliche Alternativen. …
 
…Selbst nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatsgefüges stehen die Autoren im Bann der Utopie. Die Hoffnungsperspektive bildet weiterhin den universalistischen Bezugspunkt, von dem aus geschichtliche Verhältnisse und Ereignisse gegliedert, akzentuiert und gewichtet werden. Der gegenwärtige Hauptfeind der Emanzipation ist in Gestalt des Kapitalismus wieder klar konturiert. Ihm gilt ungebrochen die – z.T. auch nach Jahren noch erstaunlich undifferenzierte – Kritik. Aus dem Gegenentwurf spricht erneut die Sehnsucht nach Geschichtssinn. Fundamentalkritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen im aufklärerischen Gestus geht mit anderen Worten mit einem Mangel an Distanz zum Geltungsan-spruch der eigenen Überzeugung einher.24 Dass die Schriftsteller dabei weiter „diesen Bloch […] im Nacken“ haben, erweisen die Texte von Morgner, Fries, Wolf und Braun. … Auszug Einleitung, Seite 20

Blochs „Wille zur Utopie“: Drei Zitate, die das Spannungsfeld öffnen

Der Teilauszug „Blochs Wille zur Utopie“ ist ideal, um Kirchners Zugriff in der Rezension konkret zu machen: Bloch wird nicht nur paraphrasiert, sondern in seinen Mechanismen sichtbar.
 

PRO: Hoffnung als Weltbezug (nicht bloß Gefühl)

„Erwartung, Hoffnung, Intention auf noch ungewordene Möglichkeit: das ist nicht nur ein Grundzug des menschlichen Bewußtseins, sondern […] eine Grundbestimmung innerhalb der objektiven Wirklichkeit insgesamt.“ (Teilauszug, S. 16)
Was daran überzeugt: Hoffnung wird bei Bloch zu einem kognitiven Richtungsakt. Möglichkeit ist nicht Eskapismus, sondern ein ernstzunehmender Wirklichkeitsmodus – literarisch anschlussfähig, weil Texte das „Noch‑Nicht“ erfahrbar machen können.
 

KONTRA: Evidenzgestus statt Nachweis

„Ihr Gefühlswert macht Vollkommenheitsvorstellungen unmittelbar einleuchtend, was Nachweise erübrigt, daß ihre mögliche Realisierbarkeit zu Recht behauptet wird.“ (Teilauszug, S. 22)
Wo es kritisch wird: Wenn „Einleuchten“ Nachweise ersetzt, gewinnt Utopie rhetorische Stärke – und verliert Prüfbarkeit. Scheitern lässt sich leichter als „noch nicht“ umdeuten.
 

AMBIVALENT: Faszination als Vereinfachung

„Die Faszination, die von der Blochschen Philosophie ausgeht, ist die Faszination einer grandiosen Vereinfachung komplexer Zusammenhänge.“ (Teilauszug, S. 26)
Warum das der Kern ist: Vereinfachung ist Orientierung und Risiko. Sie erklärt Blochs Wirkmacht – und das Potenzial, Bindungen zu erzeugen, wo eigentlich Kritik erwartet wird.

Kirchners Werkzeugkasten: So findet sie Bloch im Text

Kirchner sucht Bloch‑Spuren nicht (nur) über Namensnennungen, sondern über Strukturen.
Ihre Analyseebenen:
  • Denkfiguren: „Zwar–Aber“, „Sowohl‑als‑auch“, „Noch‑Nicht“
  • Bilder/Symbole: ästhetischer „Vor‑Schein“ (Möglichkeitsräume, die Kunst sichtbar macht)
  • Figurenmodelle: Grenzüberschreiter, die an einem Ideal festhalten
Ein Leitmotiv sind Grenzüberschreiterfiguren, die sich (blochtypisch) über Vorbilder wie Don Quichotte, Don Juan, Faust beschreiben lassen: Figuren, die gegen Widerstände „trotzdem“ handeln – und dabei sowohl utopische Energie als auch Blindstellen mitführen.
Dass das Buch als Covermotiv Giorgio de Chiricos Die Heimkehr des Odysseus (1968) nutzt, ist dabei mehr als Dekor: Odysseus als Figur des Unterwegsseins und der Hoffnung auf Heimkehr passt zum „Noch‑Nicht“ als dauerhafter Denkbewegung.
 

Aufbau & Korpus: Erst Bloch‑Fundament, dann DDR‑Fallstudien

Die Studie ist klar gebaut:
  1. Fundamentkapitel zu Bloch (Philosophie, Ästhetik, Leitfiguren, DDR‑Kontext)
  2. Autor:innen-/Werkkapitel zu Irmtraud Morgner, Uwe Johnson, Christa Wolf, Fritz Rudolf Fries und Volker Braun
  3. Schluss + Apparat (Siglen, Literaturverzeichnis, Register)
Auffällig ist die Schwerpunktsetzung auf Fries und Braun (mehrere Kapitel, detaillierte Figurenanalysen) – unter anderem entlang zweier Zeitfenster:
  • 1970er: Don‑Quichotte‑Folien (Braun: Guevara oder Der Sonnenstaat; Fries: Das Luft‑Schiff)
  • frühe 1980er: Don‑Juan/Don‑Giovanni‑Folien (Braun: Hinze‑Kunze‑Roman; Fries: Alexanders neue Welten)
Damit wird sichtbar, wie sich utopische Leitbilder historisch verschieben – und wie Kritik, Ernüchterung und erneute Legitimation ineinander greifen können.

Kurzfazit

Kirchners Kernleistung ist, Utopie nicht als bloßes Thema zu behandeln, sondern als Funktionsweise: Hoffnung strukturiert Wahrnehmung, Moral, Ästhetik und politische Deutung. Der Teilauszug macht das greifbar: Blochs Denken gewinnt Kraft aus einem radikalen Möglichkeitsbezug – und trägt zugleich das Risiko in sich, über Evidenz, Vereinfachung und Zukunftsaufschub Bindung zu erzeugen.

Leseempfehlung (geeignet / eher nicht)

Geeignet für:
  • Leser:innen mit Interesse an DDR‑Literatur und Ideengeschichte
  • Studierende, die Utopie/Anti‑Utopie über Denkfiguren und Figurenmodelle analysieren möchten
  • Alle, die Bloch als Ambivalenzfigur lesen wollen: Hoffnung als Kritikressource und Bindekraft
Eher nicht geeignet für:
  • Leser:innen, die eine reine Einführung in Bloch ohne literaturwissenschaftliche Schwerpunktsetzung erwarten
  • Alle, die primär Plot‑Zusammenfassungen suchen (Kirchner argumentiert strukturell, nicht nacherzählerisch)
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Kirchner, Verena
  • Im Bann der Utopie
  • Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR- Literatur
  • Winter, Heidelberg (2002)
  • Paperback
  • 272 Seiten
  • ISBN 3825313050
Preisangaben Eurobuch

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  • keine
  • Verena Kirchner: Im Bann der Utopie. Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR-Literatur. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 2002.

Sekundärliteratur…
Ausgewertet im Besonderen: Cover/Vorspann, Inhaltsverzeichnis, Einleitung und „Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie: Der Wille zur Utopie als weltverändernde Kraft“Quelle: Amazon

  • Fritzsche, Sonja (2017): Review zu Kirchner, Im Bann der Utopie, in Utopian Studies 28(2), S. 374–379.

Sekundärliteratur…

  • Amberger, Alexander: Ernst Bloch in der DDR: Hoffnung – Utopie – Marxismus

Ergänzung …
Bedeutung: Ergänzender ArtikelQuelle: alexander-amberger.de


siehe auch (Auszug):


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Utopie #51 – der NICHT-Ort in der Sekundärliteratur: Das Schicksal aller Utopien – Döll, Dr. Emil

Döll, Dr. Emil
Das Schicksal aller Utopien
oder socialen Charlatanerien
und das verstandesgemäss Reformatorische
C. G. Naumann, Leipzig (1897)

Emil Dölls Anti-Utopie (1897): Warum „soziale Charlatanerien“ Konjunktur hatten

E
Utopien sind für Emil Döll keine harmlosen Gedankenspiele, sondern gefährliche Heilsversprechen. In seiner Schrift von 1897 attackiert der Wirtschaftswissenschaftler „Zukunftsmalereien“ als realitätsfern – und fordert stattdessen „verstandesgemäße“ Reformen. Eine textnahe Lektüre zeigt, wie sehr Döll seine Zeit als Übergangsepoche begreift: wissenschaftlicher Fortschrittsglaube, soziale Spannungen und massenwirksame Ideologien bilden den Resonanzraum seiner Polemik. …

Worum es geht – in einem Satz

Döll argumentiert, dass absolute Gesellschaftsentwürfe (Utopien) an Realität und Menschenbild scheitern und oft als verführerische „Charlatanerien“ wirken; sinnvoll seien nur schrittweise, logisch begründete Reformen.
 

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Bibliotheca Universitas Phantastica #112 – Neues aus der Bibliothek

Neuzugänge und Veränderungen

am 4. Mai und 5. Mai 2026

F

Die „Widersprüche“ von Jean Améry sind in zwei Auflagen der Bibliothek erwachsen. Darin wäre im Besonderen der Essay „Gewalt und Gefahr der Utopie“ hervorzuheben. Diesen Artikel findet man auch in „Merkur, Nr. 253“ aus dem Jahr 1969. Dort ist auch der Essay „Zukunftsforscher und Zukunftsverhinderer“ von Robert Jungk zu lokalisieren. In „Die kollektive Intelligenz“ von Pierre Lévy hingegen findet sich u.A. „Kunst und Architektur des Cyberspace“, wobei auch das ganze Buch nicht zu verachten ist. Auf „humanithesia.org“ findet sich dazu eine umfangreiche, nach Kapiteln aufgegliederte, Rezension. Mein Rat: lesen …

Achtung: Bei den Änderungen sticht lediglich „Die Ungeheuer und ihre Kritiker“ heraus.
Das Buch wurde als Doublette erkannt und steht zur Abgabe im Doubletten-Shop bereit


Neuzugänge:
als Html-Ansicht-> 2026-06-05-Neuerungen-Bericht

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1.

Widersprüche
J. Améry

Klett-Cotta im Ullstein-Taschenbuch 39008 (1980), Klett

ISBN 978-3-548-39008-6

Abstract: ‚Gewalt und Gefahr der Utopie‘, ,Vom Nutzen und Nachteil der Ideologie für das Leben‘, Neue Klischees eines Linksemotionellen‘, ‚Rückkehr des Positivismus?‘, Die Grenzen der liberalen Toleranz‘ — dies sind nur einige der in diesem Band gesammelten kritischen und selbstkritischen Essays Jean Amerys zum Zeitgeschehen der sechziger Jahre. Der Titel ‚Widersprüche‘ markiert nicht nur die Absicht Amerys, Widerspuch gegen schablonenhaftes Denken anzumelden, sondern ist gleichermassen als Hinweis auf die Bereitschaft des Autors zu verstehen, seine eigene Position als den Widersprüchen des Zeitgeistes unterworfen zu akzeptieren. „Amery zieht es vor, seine Meinung zu sagen, solange das Sagen die Dinge beeinflussen kann — auch auf die Gefahr hin, sich zu irren —, statt durch Schweigen, im nachhinein, recht zu behalten. Schreiben ist für ihn eine Form von Praxis, mit Handeln identisch.“ (Stuttgarter Zeitung) …

Tags: Person->, Person->Amery, Carl, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Utopie/Dystopie, Utopie(n)->, {04.0} Bestand/Papier

2.

Gewalt und Gefahr der Utopie
J. Améry

WidersprücheKlett-Cotta im Ullstein-Taschenbuch 39008 (1980), Klett: 79–100

ISBN 978-3-548-39008-6

Tags: Person->, Person->Amery, Carl, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Utopie/Dystopie, Utopie(n)->, {04.0} Bestand/Papier

3.

J. Amery

Merkur, Nr. 253, 23. Jhrg., Mai 1969, Heft 5Merkur-Deutsche Zeitschrif für europäisches Denken 253 (1969), unbekannt (Hrsg.), Klett Ernst: 28ff

Tags: Magazin(e)->, Magazin(e)->Merkur, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Utopie/Dystopie, Utopie(n)->, {04.1} Bestand/Digital

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4.

Widersprüche
J. Améry

dtv dtv-Klett-Cotta 11322 (1990), Klett-Cotta

ISBN 978-3-423-11322-9
5.

R. Jungk

Merkur, Nr. 253, 23. Jhrg., Mai 1969, Heft 5Merkur-Deutsche Zeitschrif für europäisches Denken 253 (1969), unbekannt (Hrsg.), Klett Ernst

Tags: Magazin(e)->, Magazin(e)->Merkur, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Utopie/Dystopie, Utopie(n)->, Zukunft(s)->, Zukunft(s)->-forschung, {00.2} Gesucht/Inhalt teilweise vorhanden

6.

Kunst und Architektur des Cyberspace: Ästhetik der kollektiven Intelligenz
P. Lévy

Die kollektive Intelligenz: für eine Anthropologie des CyberspaceBollmann Kommunikation & neue Medien (1997), Bollmann: 124–134

ISBN 978-3-927901-89-6

Abstract: behandelt eine mögliche architektonische Gestaltung des Cyberspace unter der Voraussetzung, dass in absehbarer Zeit die meisten Bilder und Botschaften unseres Planeten in diesem neuen Raum vorhanden sein werden. Dann würden natürlich auch die unter-schiedlichsten Vorstellungen davon, was auf dieser „offenen Baustelle“ geschehen soll, aufein-ander prallen. Das Spektrum solcher Vorstellungen könne reichen von den hässlichen, in vielen Science-Fiction-Beiträgen avisierten Phantasien wie unbeherrschbare Finanzimperien oder Kriegen geklonter Wesen bis hin zu Räumlichkeiten, die eher einem griechischen Tempel oder einer gotischen Kathedrale gleichen. Wie immer der Cyberspace beschaffen sein wird, alle seine Elemente würden den „molekularen Charakter“ der digitalen Information haben. Hier glaubt Lévy nun, die Chancen abschätzen zu können, dass aus dem Cyberspace kein Herrschaftinstrument wird. Bisher sei die Entstehung von Sprachsystemen immer mit einer „Territorialisierung“ verbunden gewesen, in dem Sinne, dass die Sprache partikularisiert und ihr bestimmte (typischerweise kognitive) Deutungsmuster zur Aufrechterhaltung von Herrschaft zugewiesen wurden. Jetzt aber sei die Möglichkeit gegeben, so die These, die ‚Terri-torialisierung‘ der Sprache unwiderruflich zu beenden. Dazu müsse eine Art von Verfassung geschaffen werden, in der folgende Akzente gesetzt sind: — der Einsatz von Instrumenten, die Lernen und Wissensaustausch fördern — Kommunikationsstrukturen, die das Zuhören fördern — Systeme, die mit der Ausbreitung autonomer Individuen und Kollektive rechnen — semiotische Verfahren (z.B. Nutzung von Datenbeständen), die Majoritäten zugänglich sind (S. 133). „Wir plädieren hier für eine Architektur ohne Fundament, die derjenigen von Booten ähnelt, mit all deren ozeanographischen Instrumenten zur Navigation und Orientierung im bewegten Wasser. … Die Architektur der Zukunft, die alles andere sein will als ein Theater der Repräsentation, versammelt Flöße von Sinnbildern für die Durchquerung des Chaos.“ (S. 134) … (aus: https://humanithesia.org/levy-pierre-die-kollektive-intelligenz-eine-anthropologie-des-cyberspace)

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7.

Merkur-Deutsche Zeitschrif für europäisches Denken 253 (1969), unbekannt (Hrsg.), Klett Ernst

Abstract: Autoren: Jean Améry Helmut Kuhn Dieter Baacke Peter Gan Elisabeth Plessen Ernst Schnabel Boris Goldenberg Heinrich Böll Georg Jappe Gerda Zeltner Heinrich Vormweg Werner Kraft Robert Jungk Jürgen Schilling

Tags: Magazin(e)->, Magazin(e)->Merkur, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Utopie/Dystopie, Utopie(n)->, {00.2} Gesucht/Inhalt teilweise vorhanden

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Abstract: Eine ausführliche Rezension von: Lévy, Pierre: Die kollektive Intelligenz – Eine Anthropologie des Cyberspace …

Tags: Cyber->, Cyber->-space, Intelligenz(en)->, Intelligenz(en)->kollektive, Rezension(en)->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.1} Bestand/Digital

Veränderungen (Korrekturen, Ergänzungen):
als Html-Ansicht-> 2026-06-05-Änderungen-Bericht

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1.

Reinkarnation
W. Abendroth

Fischer-Taschenbücher Perspektiven der Anthroposophie 5572 (1986), FISCHER Taschenbuch

ISBN 978-3-596-25572-6

Abstract: Der Autor ist der Frage nachgegangen, was Reinkarnation in der Anthroposophie Rudolf Steiners bedeutet. Die hier zusammengestellten und kommentierten Rudolf-Steiner-Texte machen das Buch zu einem Kompendium anthroposophischen Reinkarnationsverständnisses, sind ein Plädoyer wider das Gesetz der Einmaligkeit. …

Tags: Anthroposophie, Person->, Person->Steiner, Rudolf, Reinkarnation, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.0} Bestand/Papier

2.

T. Boyken und T. Scholz

Michael Ende – Poetik und Positionierungen (2023), T. Boyken, T. Scholz (Hrsg.), Springer Berlin Heidelberg: 1–12

ISBN 978-3-662-67731-5 978-3-662-67732-2

Abstract: Michael Ende ist eine Schlüsselfigur der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Seine Bücher gehörten seit den 1960er Jahren zu den Bestsellern der Bundesrepublik. Bis heute finden seine Texte große Resonanz, wie die Auflagenstärke seiner Bücher und deren zahlreiche Adaptationen, von Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer bis zu Die unendliche Geschichte, belegen. Auch im Ausland ist Michael Ende einer der bekanntesten Autoren seiner Generation, mit eigens neu illustrierten Ausgaben in den USA und einem Michael-Ende-Archiv im Kurohime Märchenmuseum in Japan. Dass der Thienemann Verlag 2019 eine großformatige Prachtausgabe von Die unendliche Geschichte mit Illustrationen von Sebastian Meschenmoser herausgab, dürfte ein deutliches Zeichen der Relevanz und Aktualität seines Werks sein. Dagegen hängt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Michael Ende und seinen Texten deutlich hinterher. Zwar gibt es seit Mitte der 1970er Jahre Einzelstudien, die zumeist aus der Kinder- und Jugendliteraturforschung stammen – auch in den einschlägigen Lexika der Kinder- und Jugendliteratur hat der Autor seinen Platz –, doch fehlt es an einer systematischen Forschung, die sich mit der ästhetischen, literarischen und poetologischen Beschaffenheit von Endes Werk befasst. …

Tags: Person->, Person->Ende, Michael, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Phantastik, {04.1} Bestand/Digital

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3.

Ungeheuer und ihre Kritiker, Die: gesammelte Aufsätze
J.R.R. Tolkien

Hobbit-Presse (1987), C. Tolkien (Hrsg.), Klett-Cotta

ISBN 978-3-608-95257-5

Abstract: Im Vortrag „Beowulf: Die Monster und ihre Kritiker“ fordert Tolkien für den Umgang mit der bekanntesten altenglischen Dichtung überhaupt neue Maßstäbe ein, die sich an künstlerischer Absicht und Vorstellungswelt des unbekannten Autors orientieren, statt vorrangig nach Textvarianten, historischen Vorbildern und verwerteten „Bausteinen“ zu fragen. Damit ist nicht nur ein Richtungsstreit in der Philologie angesprochen, sondern wir erhalten auch Einblicke darin, wie sich Tolkien – gerade auch aus eigener Erfahrung als Erzähler – die zeitliche Tiefe in der Entstehung und Weitergabe einer „großen Geschichte“ und ihrer Motive vorstellt. Außerdem enthält dieser Band die Vorträge „Zur Übersetzung des Beowulf“, „Sir Gawain und der Grüne Ritter“, „Über Märchen“, „Ein heimliches Laster“ sowie „Rede zum Abschied von der Universität Oxford“.

Tags: Märchen->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Märchen/Sagen, {04.2} Bestand/Papier, {09.1} im Verkauf / Blog

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Utopie #50 – der NICHT-Ort in der Sekundärliteratur: Die Geschichte der Zukunft – Minois, Georges

Georges Minois – Die Geschichte der Prophezeiungen, Albatros, Düsseldorf (2002) ISBN 9783491960435
Der Wandel der Zukunftsschau
D

„Die Geschichte der Prophezeiungen: Orakel, Utopien, Prognosen“ (französischer Originaltitel: Histoire de l’avenir: Des prophètes à la prospective, 1996) ist ein umfassendes kulturhistorisches Werk. Georges Minois untersucht darin ein urmenschliches Bedürfnis: das Verlangen, einen Blick in das Kommende zu werfen, und die Methoden, die Gesellschaften dafür im Laufe der Jahrtausende entwickelt haben. Hier ist eine detaillierte Übersicht zum Autor, dem Inhalt des Buches und einer kritischen Bewertung: …


Georges Minois (geboren 1946) ist ein renommierter französischer Historiker und Kulturwissenschaftler. Er gehört zur Tradition der französischen Mentalitätsgeschichte, die sich nicht primär mit politischen Ereignissen oder Daten beschäftigt, sondern damit, wie Menschen in früheren Epochen gefühlt, gedacht und geglaubt haben.

Minois ist bekannt dafür, monumentale, makrohistorische Themen anzupacken und sie über enorme Zeiträume hinweg zu analysieren. Zu seinen bekanntesten, auch ins Deutsche übersetzten Werken gehören eine Geschichte des Selbstmords, eine Geschichte des Atheismus sowie kulturgeschichtliche Arbeiten über das Alter, das Altern und die Hölle. Seine Arbeiten zeichnen sich durch immense Materialfülle, einen flüssigen Erzählstil und eine skeptisch-aufklärerische Grundhaltung aus. …

Nur die Zukunft verleiht unseren Handlungen einen Sinn, rechtfertigt sie oder offenbart ihre Vergeblichkeit. Um voll und ganz leistungsfähig zu sein, müssen wir diese Zukunft also kennen. Das galt für den vorgeschichtlichen Menschen … es gilt weiterhin für die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen unserer Tage … Einleitung

Minois‘ Kernthese lautet: Jede Epoche spiegelt ihre eigenen Ängste, Werte und Sehnsüchte in dem Bild wider, das sie sich von der Zukunft macht. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und zeigt, wie sich die menschliche Strategie zur Bewältigung der Ungewissheit gewandelt hat – von der Ergebung in den göttlichen Willen bis zum Versuch der technologischen Kontrolle.

Der Wandel der Zukunftsschau lässt sich im Wesentlichen in vier große Epochen und Formen unterteilen:

Die Epochen der Zukunftsschau

Epoche / Phase Dominierende Methode Kernmerkmale
Antike Orakel und Divination Menschen befragen die Götter (z. B. das Orakel von Delphi) oder deuten Zeichen in der Natur (Vogelflug, Leberschau). Die Zukunft gilt als von den Göttern vorherbestimmt; der Mensch versucht lediglich, sich anzupassen.
Mittelalter Prophezeiungen und Apokalyptik Mit dem Monotheismus ändert sich der Fokus. Die Zukunft wird linear verstanden und steuert auf ein definiertes Ende zu (das Jüngste Gericht). Astrologie und biblische Prophezeiungen dominieren, das irdische Schicksal ist zweitrangig gegenüber dem Seelenheil.
Frühe Neuzeit Utopien Ab der Renaissance und Aufklärung verliert die göttliche Vorsehung an Gewicht. Gelehrte beginnen, die ideale Gesellschaft der Zukunft selbst zu entwerfen (z. B. Thomas Morus‘ Utopia). Der Mensch nimmt die Gestaltung seiner Zukunft theoretisch selbst in die Hand.
Moderne & Gegenwart Prognosen und Futurologie An die Stelle von Sehern treten Wissenschaftler, Ökonomen und Computerprogramme. Mittels Statistik, Trendforschung und mathematischen Modellen (Prospective) wird versucht, die Zukunft rational und berechenbar zu machen.

Minois zeigt eindrucksvoll, dass trotz des wissenschaftlichen Fortschritts auch die moderne Futurologie oft auf wackeligen Beinen steht. Er argumentiert, dass moderne ökonomische oder klimatische Prognosen in ihrer gesellschaftlichen Funktion den antiken Orakeln erstaunlich ähnlich sind: Sie dienen der Beruhigung oder der Verhaltenssteuerung in der Gegenwart.

Bewertung des Werkes

Positive Aspekte (Stärken)

  • Enorme historische Bandbreite: Minois schafft es, einen Bogen von der Prähistorie über Mesopotamien und die Antike bis hin zur modernen Systemanalyse des späten 20. Jahrhunderts zu spannen, ohne den roten Faden zu verlieren.
  • Erhellende Perspektivumkehr: Das Buch lehrt den Leser, dass „Zukunft“ kein feststehender Fakt ist, sondern ein kulturelles Konstrukt. Wer wissen will, wie eine Epoche tickte, muss sich ansehen, wovor sie Angst hatte und worauf sie hoffte.
  • Unterhaltsam und entlarvend: Minois schreibt mit einer gesunden Portion Ironie. Er deckt schonungslos auf, wie oft Propheten, Astrologen und auch moderne Experten mit ihren Vorhersagen grandios danebenlagen. Er entlarvt beispielsweise die Fixierung auf die Jahrtausendwende (das Jahr 2000) als irrationalen Fetischismus.

Kritische Einwände (Schwächen)

  • Eurozentrismus: Wie viele Werke der französischen Mentalitätsgeschichte konzentriert sich auch dieses Buch sehr stark auf die westliche, europäische Denktradition. Asiatische, afrikanische oder indigene Vorstellungen von Zeit und Zukunft (wie zyklische Zeitkonzepte) kommen zu kurz.
  • Wissenschaftliche Detailtiefe: Gelegentlich neigt Minois zu sehr breiten Verallgemeinerungen. Fachhistoriker haben ihm bei einigen seiner Bücher (unter anderem auch bei der Geschichte des Atheismus) vorgeworfen, den aktuellen Forschungsstand von Spezialdisziplinen zu Gunsten eines flüssigen, populärwissenschaftlichen Erzähltons manchmal zu vernachlässigen.
  • Fehlende Aktualität zur jüngsten Gegenwart: Da das Buch im Original 1996 erschienen ist, fehlen die rasanten Entwicklungen des 21. Jahrhunderts – insbesondere die digitalisierte Algorithmen-Zukunft, Big Data und die Vorhersagemodelle durch Künstliche Intelligenz. Die philosophische Grundlage, die Minois liefert, lässt sich jedoch nahtlos auf diese neuen Phänomene anwenden.

Fazit

„Die Geschichte der Prophezeiungen“ ist ein faszinierendes und zeitloses Handbuch der menschlichen Hoffnung und Skepsis. Es nimmt dem Leser den blinden Glauben an „Expertenprognosen“ und zeigt, dass der Blick in die Zukunft letztlich immer nur ein Spiegel der Gegenwart ist. Wer sich für Geistesgeschichte, Philosophie und die Psychologie der Menschheit interessiert, findet hier ein extrem reiches und anregendes Werk. …

Anmerkung:

Insbesondere sind folgende Abschnitte empfohlen:

  • Seite 111: Die Utopie, Ersatz der Prophetie
  • Seite 247: Merlins Prophezeiungen, divinatorische Träume und Unruhe der Kirche
  • Seite 538: Die Utopie: vom Chiliasmus zum Szientismus
  • Seite 546: Die Utopie als soziopolitisches Projekt
  • Seite 550: Utopie und Zukunft
  • Seite 555: „Das Jahr 2440“: Traum oder Alptraum
  • Seite 626: Die Propheten der wissenschaftlichen Utopie: auf dem Weg zur kommunitären Menschheit
  • Seite 632: Die wissenschaftlich-religiösen Propheten oder die Utopie auf dem Vormarsch
  • Seite 658: Zögern und Zweifeln der Science-fiction
  • Seite 671: Vom Pessimismus der Science-fiction und der Gegenutopie zur Vorsicht der Wahrscheinlichkeitsrechnug und der Prospektive (20. Jahrhundert)
  • Seite 685: Vom utopischen Optimismus zum Pessimismus der Science-fiction
  • Seite 689: Samjatin und Huxley: Die Konditionierung zum Glück
  • Seite 693: George Orwell: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft“

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Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Georges Minois
  • Die Geschichte der Prophezeiungen
  • Orakel-Utopien-Prognosen
  • Albatros, Düsseldorf (2002)
  • gebundene Ausgabe
  •  830 Seiten
  • lizenzierte Buchclubausgaben vorhanden
  • ISBN 9783491960435
Preisangaben Eurobuch

(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • Original: Histoire de l’avenir
  • (1996) Librairie Artheme Fayard, Paris
  • [Wikipedia] Georges Minos

In seinem Werk Geschichte der Zukunft. Orakel, Prophezeiungen, Utopien, Prognosen (1996) erzählt er die Geschichte der Zukunft als eine Geschichte der Praxen, mit denen versucht wurde die Zukunft zu deuten. …

Auszug Artikel


  • [Rezension] G. Minois: Geschichte der Zukunft

Letztlich schreibt Minois also eine Geschichte der Vorhersagen und ihrer Techniken. Sein Quellenfundus sind alle in diese Richtung zielende Praktiken, von vorchristlichen Orakeln und Prophezeiungen bis zu Utopien und wissenschaftlichen Vorhersagen unserer Tage. …

Auszug Artikel


 


siehe auch (Auszug):


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Über den Schreibtisch #005 – Neues und Antiquiertes: Handbücher zur Science Fiction und Utopie

Handbücher zur Science Fiction und Utopie, aber auch ein bisschen Primärliteratur
K

ann ja mal nicht schaden, auch ein bisschen Primärliteratur zu kosten. Das Büchlein aus den Dreißiger-Jahren ist auch zu verlockend, da es sich um Proto-Science-Fiction aus Deutschland handelt …


Also, aufgearbeitet wurden diesesmal:

Hector, Robert – Faszination Science-Fiction, Die fantastischen Welten der Zukunft, p.machinery, Winnert (2023), AndroSF, Band 88, Taschenbuch, ISBN 9783957653611

Beschreibung: Was Sie schon immer über Science Fiction wissen wollten, aber nie zu fragen wagten: Die großen Ideen (außerirdische Lebewesen, Roboter und künstliche Intelligenz), Sparten wie Literatur, Kino, Fernsehen, Games und Comics, Autoren wie Dick, Lem und Asimov, Regisseure wie Kubrick und Cameron, Filme wie 2001, Star Wars und Avatar, Fernsehserien wie Star Trek und Doctor Who, Bezüge zur realen »Science«, die Aktivitäten des Fandoms, der deutsche SF-Markt und vieles andere mehr. Jüngere werden neue Welten entdecken, Ältere in Erinnerungen schwelgen, und alle werden sich am Sense of Wonder begeistern und der Faszination der Science-Fiction erliegen.

Anmerkung: Sicherlich ein Buch für die Handbibliothek des Science Fiction-Fans. Geschichte, Themenbereiche, Kino, Medien und Fernsehen und Publikationsformen der Science Fiction werden aufbereitet. Ein Kapitel über SF-Kurse, Kritiker und Sekundärliteratur streift diese Themen, ist aber auch für dieses Buch sehr zu kurz geraten. Eigentlich enttäuschend, traut man Robert Hector doch zu, auch diese Themen kompetent zu behandeln. Ebenso enttäuschend der Abschnitt „Literatur zur Science Fiction“ der über Gemeinplätze nicht hinauskommt und wichtige Veröffentlichung zur SF ignoriert. Aber 7 von 10, gerade noch …

Noch eine nachgefügte Anmerkung: Es dürfte sich um eine Neuauflage handeln. Erstveröffentlichung vermutlich als Andromeda Science Fiction Magazin 145 und 146 in zwei Teilen im Jahr 2000. Ich kann allerdings momentan nicht sagen, ob der Text geändert oder ergänzt wurde. Aus dem heraus ist es verständlich, dass die „Literatur zur Science Fiction“ nicht die Werke aufweisen kann, die ich sonst  erwartet hätte …


Schöderle, Thomas – Auf der Suche nach dem Nirgendwo, Genese, Geschichte und Grenzen der Utopie, Campus, Frankfurt/Main (2022), Taschenbuch, ISBN 9783593515267

Beschreibung: Wer ist der wahre Schöpfer des Utopiebegriffs? Lassen sich Utopien als Gedankenexperimente verstehen? Und wie erklärt sich die erstaunliche Konstanz utopischer Bilderwelten und allegorischer Motive? Sind Utopien stets literarische Erzählungen von Idealstaaten? Was verbindet und was unterscheidet Paradiesvorstellungen von der Utopie? Warum wurde die Utopie zu einer Idee der Zukunft? Und weshalb wandelte sich die Hoffnung auf bessere Welten irgendwann zu einem warnenden Blick auf künftige Schrecken? Thomas Schölderle greift in diesem Buch Grundsatzfragen der Utopieforschung auf, die sich auf die Entstehung und Geschichte der Utopie sowie auf ihre begrifflichen Grenzen richten. Auf diese Weise entsteht das Porträt einer schillernden Denktradition, die weit mehr ist als eine Ansammlung naiver Wunschbilder oder gar Stichwortgeber des modernen Totalitarismus im 20. Jahrhundert.

Anmerkung: Absolut brauchbar. Ich bin damit noch nicht durch, aber das Buch wird sicher in meiner Handbibliothek zur Utopie landen. Sehr verständlich und interessant geschrieben. Will man etwas über Utopie erfahren, sollte man zu diesem Buch greifen. Utopieforschung nahegebracht …


Rosenstingel, Hans – Vom Mars zur Erde, Thienemann, Stuttgart (o.J.- ca.1931), gebundene Ausgabe, ohne ISBN

Beschreibung: Die Erzählung „Vom Mars zur Erde“ ist pazifistisch geprägt und erinnert an Schilderungen in „Auf zwei Planeten“ von Kurd Laßwitz sowie „Die Weltensegler“ und „Vom Mars zur Erde“ (gleichlautender Titel!) von Albert Daiber. Die Marsianer landen „in der Lüneburger Heide“, wobei es kaum Sprachprobleme gibt: Die Marsianer, die sich bisher durch Gedankenübertragung verständlich gemacht haben, lernen sehr schnell Deutsch.

Anmerkung: Normalerweise ist Primärliteratur in diesem Blog kein Thema, aber dieses Büchlein scheint es mir wert, sich ein wenig damit auseinander zu setzen. Es ist deutsche Proto-Science-Fiction und wurde auch schon von Dieter von Reeken 2018 bearbeitet und als Neuausgabe der zwischen 1907 und 1925 erschienenen Erzählungen von Hans Rosenstengel und Waldemar Schilling (Ps.: Ferdinand Kringel) wiederveröffentlicht …


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