Kategorie: Horror

Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #27 – Schrecken als ästhetische Ware: Der Prager Golem – Bloch, Chajim

Chajim Bloch
Der Prager Golem
Benjamin Harz, Berlin (1920)
2. Auflage
 
Der Golem von Prag: Chajim Blochs Beitrag zur Modernisierung eines jüdischen Mythos …
 
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Von der Gestaltlosigkeit zur Ikone der Popkultur: Kaum eine Figur des jüdischen Mystizismus hat den Sprung in das moderne kollektive Gedächtnis so nachhaltig geschafft wie der Golem. Während der Begriff in biblischen Zeiten noch eine „ungeformte Masse“ oder einen „Embryo“ (Psalm 139:16) beschrieb, wandelte sich das Motiv über Jahrhunderte hinweg zu einem künstlichen Menschen aus Lehm. Einen entscheidenden Wendepunkt in dieser Entwicklung markiert das Jahr 1919. Chajim Bloch (geboren am 27. Juni 1881 in Nagybocskó, Österreich-Ungarn; gestorben am 23. Januar 1973 in New York) war ein bedeutender chassidischer und kabbalistischer Rabbiner, Publizist und Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Vermittler der jüdischen Mystik und Folklore im deutschsprachigen Raum des frühen 20. Jahrhunderts. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine literarischen Bearbeitungen osteuropäischer jüdischer Sagen – allen voran der Legende um den Golem von Prag. Mitten in den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er sein Werk „Der Prager Golem: Von seiner ‚Geburt‘ bis zu seinem ‚Tod‘“ in Wien. Bloch schuf damit kein rein fiktionales Werk, sondern sammelte, sichtete und systematisierte die verstreuten mündlichen und schriftlichen Sagen des Prager Ghettos. Dieses Essay analysiert die historische Entwicklung des Golem-Mythos, die spezifische Struktur von Blochs Erzählungen und dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Schöpfungsmythen. …


Die zeitliche Entwicklung: Vom Ritual zur Rettungsfigur

Die Transformation des Golems vollzog sich nicht abrupt, sondern in klar abgrenzbaren historischen Phasen. Um Chajim Blochs Werk in seiner Tragweite zu verstehen, muss diese Evolution chronologisch nachvollzogen werden: …

… In seinem bekannten Roman „Der Golem“ sagt Gustav Meyrink: „Ich kann freilich nicht wissen, worauf sich die Golemsage zurückführen läßt, daß aber irgend etwas, was nicht sterben kann, in diesem Stadtviertel sein Wesen treibt und damit zusammenhängt, dessen bin ich mir sicher …Auszug aus dem Vorwort

Die zeitliche Entwicklung: Vom Ritual zur Rettungsfigur

Die Transformation des Golems vollzog sich nicht abrupt, sondern in klar abgrenzbaren historischen Phasen. Um Chajim Blochs Werk in seiner Tragweite zu verstehen, muss diese Evolution chronologisch nachvollzogen werden:

Spätantike und Frühmittelalter, 200–500 n. Chr.

Im Babylonischen Talmud wird die Erschaffung eines künstlichen Wesens als rein mystische, meditative Erfahrung beschrieben. Gelehrte nutzten das „Sefer Jezira“ (Buch der Schöpfung), um Gott durch die Kombination hebräischer Buchstaben nachzueifern. Das Wesen war stumm und diente keinem praktischen Zweck; die Schöpfung war ein Beweis spiritueller Reife.

Frühe Neuzeit: Der Golem als Diener, 1674

Die Erzählung verlässt den rein innerjüdischen Kreis. Der christliche Dichter Christoph Arnold beschreibt erstmals das Motiv eines Golems, der von polnischen Juden als stummer Hausdiener aus Lehm erschaffen wird. Hier taucht auch die Aktivierung durch das hebräische Wort „Emet“ (Wahrheit) auf der Stirn auf. Das Wesen wächst unaufhaltsam und droht seinen Schöpfer zu erdrücken – ein frühes Motiv der Hybris.

Die Romantik und die Verortung in Prag, 1808–1847

Die Brüder Grimm (1808) und Achim von Arnim popularisieren den Stoff im deutschsprachigen Raum. Ab den 1830er Jahren und manifestiert durch Wolf Pascheles‘ Textsammlung „Sippurim“ (1847) wird die Legende fest mit dem historischen Rabbiner Juda Löw (dem „Maharal von Prag“, ca. 1525–1609) und der Altneu-Synagoge verknüpft. Das Motiv verschiebt sich: Der Golem wird vom bloßen Hausdiener zum Beschützer des Ghettos gegen Ritualmordlegenden.

Chajim Blochs Anthologie, 1919

Mitten in einer Phase des aufflammenden Nationalismus und Antisemitismus in Europa veröffentlicht Chajim Bloch „Der Prager Golem“. Er formt aus disparaten Sagenfragmenten eine zusammenhängende, chronologische Biografie der Kreatur – von der Tongrube an der Moldau bis zur Einmauerung der Reste auf dem Dachboden der Synagoge.

Der Sprung in die Moderne, Ab 1920

Blochs Strukturierung bildet das Fundament für die moderne Popkultur. Paul Wegeners berühmter Stummfilm „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) und Karel Čapeks Theaterstück „R.U.R.“ (1920, welches das Wort „Roboter“ prägte) führen die Traditionslinie direkt in die moderne Science-Fiction und die Debatte um Künstliche Intelligenz.

Struktur und Inhalt bei Chajim Bloch

Chajim Blochs Verdienst liegt in der redaktionellen und erzählerischen Konsolidierung. Er präsentiert den Golem primär als „Ghetto-Heandl“ und Retter in der Not. Das Werk gliedert sich im Kern in fünf miteinander verwobene Motive:

  1. Die Notwendigkeit der Schöpfung: Im Prag des späten 16. Jahrhunderts sieht sich die jüdische Gemeinde ständigen Anfeindungen und unbegründeten Anschuldigungen ausgesetzt. Rabbi Löw erschafft den Golem (genannt Yossele) nicht aus persönlicher Eitelkeit oder wissenschaftlicher Neugier, sondern als Akt der kollektiven Selbstverteidigung.
  2. Das Schöpfungsritual: Bloch beschreibt detailliert die kabbalistische Prozedur. Gemeinsam mit einem Leviten und einem Kohen (Priester) formt Rabbi Löw den Lehm im Schein von Fackeln. Die Erschaffung nutzt die vier Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft) und wird durch das Umschreiten des Körpers und das Rezitieren präziser Buchstabenkombinationen vollzogen.
  3. Die Natur des Wesens: Der Golem ist physisch übermenschlich stark, besitzt jedoch keine Seele (Neschama) und ist unfähig zu sprechen. Er gehorcht den Befehlen des Rabbiners wortwörtlich – was oft zu humorvollen oder gefährlichen Missverständnissen führt. Er patrouilliert nachts im Ghetto, um unbemerkt unterschobene Leichen (die für Ritualmord-Anschuldigungen genutzt werden sollten) abzufangen.
  4. Die Katastrophe und die Deaktivierung: Wie in fast allen Iterationen des Stoffes gerät die Schöpfung am Ende außer Kontrolle. Als Rabbi Löw an einem Freitagabend vergisst, dem Golem seinen täglichen Auftrag zu erteilen, läuft dieser Amok und verwüstet das Ghetto. Der Rabbiner muss den Golem stoppen, indem er den belebenden Namen Gottes (oder den ersten Buchstaben des Wortes Emet, sodass Met = „tot“ übrig bleibt) entfernt.
  5. Der Verbleib: Die leblose Lehmmasse wird auf dem Dachboden der Prager Altneu-Synagoge versteckt. Bloch schließt mit der bis heute faszinierenden Legende, dass die Reste des Golems dort überdauern und der Dachboden für die Öffentlichkeit strengstens gesperrt bleibt.

Die Kernaussage für die Gegenwart: Das Golem-Paradoxon

Für die heutige Leserschaft transportiert Blochs Werk eine zeitlose, hochaktuelle Meta-Ebene. Der Golem steht sinnbildlich für das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie.

Das Golem-Paradoxon: Der Mensch erschafft ein Werkzeug, um eine existenzielle Schwäche auszugleichen (beim Golem die physische Verwundbarkeit des Ghettos; in der Moderne die Limitierung des menschlichen Geistes oder der Arbeitskraft). Doch das Erschaffene entwickelt durch seine inhärente Seelenlosigkeit und die starre Befehlstreue eine Eigendynamik, die den Schöpfer letztlich bedroht.

Bloch zeigt auf, dass Technologie und künstliche Schöpfungen ohne ethisches Fundament und ohne ständige menschliche Kontrolle unweigerlich destruktiv werden. Damit schlägt „Der Prager Golem“ die Brücke von einer frühneuzeitlichen jüdischen Schutz-Erzählung zu den modernen Fragestellungen der Ethik von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz. …

 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Bloch, Chajim
  • Der Prager Golem
  • Von seiner „Geburt“ bis zu seinem „Tod“
  • Dr. Blochs Wochenzeitschrift, Wien (1919)
  • gebundene Ausgabe
  • Originlausgabe
  • 152 Seiten
  • 2. Auflage, Harz, Berlin (1920), 232 Seiten
Preisangaben Eurobuch (mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • Mit Vorwort von Chajim Bloch und einem Geleitwort von Hans Ludwig Held
  • 2. Auflage enthält zusätuzlich ein „Vorwort zur 2. Auflage“ von Chajim Bloch vom 11. Juli 1920
  • [Bloch, Chajim] Der Prager Golem: Von seiner „Geburt“ bis zu seinem „Tod“. Nach einer Handschrift bearbeitet. Wien 1919 ->

Relevanz:
Die untersuchte Primärquelle, welche die modernen Einzellegenden erstmals zu einer Gesamterzählung bündelte.Quelle: Goethe Universität, Freimann-Sammlung

  • [Dekel, Edan / Gurley, David Gantt] How the Golem Came to Prague. In: Jewish Quarterly Review, Vol. 103, No. 2, 2013, S. 241–258.

Relevanz:
Zentrale wissenschaftliche Arbeit zur Genese des Golem-Mythos und dessen Verortung im Prag des 19. Jahrhunderts.Quelle: Digitalisat der Hebrew University

  • [Gelbin, Cathy S.The Golem: From Enlightenment Monster to Artificial Intelligence. In: Bulletin of the German Historical Institute, No. 69, 2021/2022, S. 79–94.

Relevanz:
Hervorragende historische Kontextualisierung der Rezeption von Christoph Arnold (1674) bis hin zur Verknüpfung mit künstlichen Menschen.Quelle: Dokument des GHI Washington

  • [Fernández Urtasun, RosaFrom the golem to the robots: a visual evolution of a myth. In: Journal of Aesthetics & Culture, Vol. 16, 2024.

Relevanz:
Analysiert die visuelle und popkulturelle Weiterentwicklung des Stoffes nach Blochs Publikation (Wegener-Filme, Čapek).Quelle: Open-Access-Artikel bei Taylor & Francis

  • [Zdenek, Annie] Leo Perutz (1882-1957): Nachts unter der steinernen Brücke. In: Recherches germaniques, No. 41, 2011, S. 59–71.

Relevanz:
Sekundärliteratur zur Einbettung des Prager Golem-Stoffs in die Prager Literatur der Zwischenkriegszeit (u.a. Wolf Pascheles‘ „Sippurim“ von 1847).Quelle: Eintrag im OpenEdition Portal

siehe auch (Auszug):


Die letzten Artikel:


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Über den Schreibtisch #010 – Neues und Antiquiertes: Von Tolkien genug, Horror und Hässlichkeit/Schönheit und Inklings-Newsletter ?

Zu und über Tolkien?, Inklings-News und Horror in Hollywood
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aben wir von Tolkien schon die Nase voll? Diese Frage stellt Frank Weinreich – Die Hässlichkeit und die Schönheit Hollywoods im Horror? – Neuigkeiten von den Inklings-News …


Wieder drei Texte aus dem Internet-Universum …

Wagner, Silvan – Der Horror der eigenen Hässlichkeit und die Schönheit Hollywoods, Kontingenzverarbeitung in Vanilla Sky (2001) durch die
Zitation des Horrors, in: Van Bebber, Jörg [Hg.] – Dawn of an evil Millennium. Horror/Kultur im neuen Jahrtausend, Büchner, Darmstadt (2011), ISBN 9783941310223, Seite 76-81

Beschreibung: Amokläufe, Terroranschläge, Vergeltungskriege, Umweltkatastrophen und globale Seuchen: Seit Beginn des neuen Jahrtausends scheint ein Schreckensszenario das nächste zu jagen. In der Alltagsberichterstattung der omnipräsenten Massenmedien werden diese grauenvollen Ereignisse zu einer apokalyptischen Horrorgeschichte umgedeutet und ein Klima der Angst erzeugt.

Die Sphäre der Kultur(industrie) bleibt von den breit geführten Angstdiskursen nicht unberührt: Horror hat Hochkonjunktur, egal ob in Film oder Fernsehen, Literatur oder Comic, Rockmusik oder Videogame. Beste Voraussetzungen also für ein »böses Millennium«, ein Zeitalter voller Schrecken.

In Dawn of an Evil Millennium widmen sich 92 Beiträge den Phänomenen des jüngsten Horrors, von Silent Hill und Resident Evil über True Blood und Dead Set bis hin zu The Walking Dead, den Hostel-Filmen und Saw 3D. Das weite Spektrum kulturwissenschaftlicher Ansätze kommt zur Anwendung, um die Vielfalt der neuen Horrorwelle in aller Prägnanz zu analysieren.

Download: academia.edu am 18. Jänner 2024

Anmerkung: Das Buch ist in Print vergriffen, als ePDF aber noch erhältlich

 


Cullmann, Carsten / Hecke, Marthe-Siobhán (Hrsg.) – Inklings Newsletter, Nr. 10 und Nr. 11, Inklings-Gesellschaft für Literatur und Ästhetik e.V., o.A. (2023), _Reihe_, PDF, ohne ISBN

Beschreibung:

FürNr. 10 –

…mit dem insgesamt zehnten Newsletter können wir nun auf ein Jahr Herausgabeschaft seit der Übernahme von Maria Fleischhack zurückblicken. Die Phantastik ist quicklebendig, und wir zum Glück auch. Vom 29. April bis 1. Mai fand das Inklings-Symposium „Dem Tode zum Trotz: Unsterblichkeit und Wiedergeburt in der Phantastik“ in Magdeburg statt. Neben den 22 Vortragenden besuchte auch ein breites Publikum unsere Konferenz. Als Ehrengast berichtete Owen A. Barfield über das Leben und Werk seines Großvaters, des „first and last Inkling“. Da Carsten umfänglich in der Organisation eingespannt war und Marthe leider nicht teilnehmen konnte, muss dieser Newsletter ohne Konferenzbericht auskommen. …

Für Nr. 11 –

…seit der letzten Ausgabe ist der Newsletter zweistellig, wir läuten jetzt also sozusagen unsere Teenager-Ausgaben ein. Wie das in dieser Zeit der Veränderung so ist, haben uns seit der letzten Ausgabe einige Studierende verlassen, die, mit Erwerb des Abschlusses, ihre Zeit anderen Dingen widmen. Wir danken Euch herzlich und wünschen Euch alles Gute. Für „Nachwuchs“ ist bereits gesorgt. Nichtsdestoweniger ist es uns gelungen, auch für diesen Newsletter wieder zehn Rezensionen zu versammeln, die Ihnen und Euch vielleicht noch als letzte Inspiration für die anstehenden Weihnachtsbesorgungen dienen können. Wir müssen an dieser Stelle, in guter alter Tradition, unseren Rezensent*innen herzlich danken, ohne deren fleißige Bereitschaft, sich unserem kritischen Blick auf ihre Texte zu unterziehen, es diesen Newsletter nicht geben würde. …

Download: Inklings-Newsletter am 18. Jänner 2024, derzeit Newsletter 1-11 vorhanden


Weinreich, Feank, el al. – Wurde zu Tolkien noch nicht genug gesagt?, Zeitschrift für Fantastikforschung 11.1, o. A. (2024), Download, ohne ISBN

Beschreibung: 2023 ist das Jahr, in dem sich der Todestag von J. R. R. Tolkien zum fünfzigsten Mal jährt. Das Gedenken an einen Autor, dessen Einfluss ein ganzes Genre in beispielloser Weise dominiert und damit eine ebenso beispiellose Menge an Studien und Forschungsliteratur hervorgebracht hat, ist ein Anlass, darüber nachzudenken, ob die zu beobachtende Konzentration auf einen Autor und sein Werk vielleicht überzogen ist. Das wirft die Frage auf, ob es nicht besser wäre, wenn sich die Beschäftigung mit der Phantastik im Besonderen und dem Phantastischen im Allgemeinen in gewisser Weise von der Tolkien-Forschung lösen würde.

Download: zff.openlibhums.org am 1. Februar 2024

Anmerkung: Ein sehr interessanter Artikel. Frank Weinreich, Thomas Honegger,  Mariana Rios Maldonado,  Friedhelm Schneidewind,  Rev. Tom Emanuel,  Thomas  Fornet-Ponse beantworten hier die im Eingang gestellte Frage aus ihrer Sicht. Besonders hervorheben möchte ich die Aufforderung dazu von Marianna Rios Maldonado: „…Rassismus sowie der Art und Weise, wie Tolkien heute noch gelesen wird, problematisieren: Von wem geht das Interesse für Tolkien aus und welche Absichten stehen dahinter? Ich beziehe mich hier konkret auf die Art und Weise, wie rechtsextreme, weiß-suprematistische Gruppen und Bewegungen in Ländern wie Italien, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich ihre Interpretationen von Tolkiens Texten instrumentalisiert haben, um ihre Weltanschauung zu verbreiten und mehr Anhänger für ihre Sache zu gewinnen. Dies ist nichts Neues und geht bis auf die Jahre unmittelbar nach der Veröffentlichung von The Lord of the Rings zurück. Die akademische Welt und breitere Kreise des Fandoms müssen diese Erscheinungen als das erkennen, was sie sind, nämlich ebenfalls als Teil der Geschichte der Tolkien-Leserschaft. Wenn wir keine entscheidende, nuancierte Diskussion darüber führen, wie Tolkiens literarisches Werk weiterhin von der rechtsextremen Ideologie (vor allem im Internet) als Waffe eingesetzt wird, und wir dann auch noch mit der Tolkien-Forschung Schluss machen, geben wir der aktuellen Welle des Faschismus nach, die durch die Vereinnahmung kultureller Produkte, die ihren Zwecken und Bedürfnissen dienen, weiter an Schwung gewinnt. Wenn sich die Tolkien-Forschung auf ausgetretene Pfade beschränkt, anstatt neue und innovative Lesarten zu fördern, die stets von Neuem zeigen, wie Tolkiens Texte zwar Teil und Spiegelbild unterdrückerischer Machtstrukturen sind, aber auch in der Lage sind, ihnen zu trotzen oder zu entkommen, dann lassen wir die Tolkien-Forschung im Stich. Insbesondere lassen wir Leserinnen und Fans aus marginalisierten Gemeinschaften im Stich, die in Mittelerde Freude und ein Gefühl der Zugehörigkeit gefunden haben.…“ Quelle: Artikel


Die letzten Artikel im Blog:


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Artikel, Essays und Kurztexte zur Phantastik #19: Bewältigungsstrategien: Schauerliteratur und Verschwörungstheorien in: Im Spannungsfeld der Aufklärung

Matthias Hurst
Im Spannungsfeld der Aufklärung
Winter, Heidelberg (2001)
ISBN 3825311759
Verschwörungstheorien erklärt …

In diesem Buch zu Rationalismus und Irrationalismus in Literatur, Film und Fernsehen (hier zu seiner Vorstellung im Blog) gibt es im Kapitel I.-Rationalismus und Irrationalismus-Sichtweisen der Moderne I ein Unterkapitel, dass es wert ist extra vorgestellt zu werden. Nicht unbedingt zum Themas Phantastik, sondern aufgrund der aktuellen Situation der allgemeinen Gesellschaft …


Im Grunde geht es im einleitenden Kapitel um das Thema Vernunft und Angst. Mit der beginnenden Aufklärung um 1700 herum lichtet der menschliche Geist in Europa und im Zuge der Aufklärung werden die Grundlagen der heutigen Geisteswelt gelegt. Damit verbunden wird die Angst vor dem Unbekannten und Unerklärbaren in das Innenleben des Menschen verschoben. Als Bewältigungstheorien bieten sich da sowohl die Schauerliteratur, als auch Verschwörungstheorien, an …

Zwei Bewältigungsstrategien der durch die zunehmenden Aufklärungsbemühungen induzierten Ängste lassen sich vorderhand feststellen: Zum einen die Thematisierung der Angst in der Literatur und zum anderen die radikale Rationalisierung, die in sämtliche Bereiche des Lebens mit unerschütterlichem Aufklärungswillen vordringt, auch wenn diese Strategie – betrachtet man die hauptsächliche Ursache der neu entstehenden Ängste, nämlich die Aufklärung selbst – fruchtlos, ja geradezu kontraproduktiv erscheinen muss. …

Auszug 'Bewältigungsstrategien: ...', Seite 53-79

Wenn man sich für die Entstehung und Wirkung von Verschwörungstheorien interessiert, dann ist das Unterkapitel 3.2-Verschwörungstheorien ein hervorragender Text, um sich damit auseinanderzusetzen. Mich hat es verblüfft, in einem Buch zur und über die Epoche der Aufklärung einen so fundierten Text zu Verschwörungstheorien zu finden. Entstanden 2001 ist dieser Text gerade heutzutage eine wertvolle Information. Man versteht dann so einiges (—***seuftz***—)…

Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Matthias Hurst
  • Im Spannungsfeld der Aufklärung
  • Von Schillers Geisterseher zur TV-Serie The X-FIles: Rationalismus und Irrationalismus in Literatur, Film und Fernsehen 1786-1999
  • Winter, Heidelberg (2001)
  • gebundene Ausgabe, 8°GR-Groß-Oktav
  • 610 Seiten
  • ISBN 3825311759

 

Kleinster Preis: € 25,00, größter Preis: € 110,78, Mittelwert: € 36,00
(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • keine

[Artikel] Verschwörungstheorie in der WIKIPEDIA

Als Verschwörungstheorie wird im weitesten Sinne der Versuch bezeichnet, einen Zustand, ein Ereignis oder eine Entwicklung durch eine Verschwörung zu erklären, also durch das zielgerichtete, konspirative Wirken einer meist kleinen Gruppe von Akteuren zu einem oftmals illegalen oder illegitimen Zweck.…

Auszug Artikel


[Artikel] Verschwörungstheorien-Warum sind sie so verbreitet und was kann man dagegen tun? – auf lpb-bw.de

Wie funktionieren Verschwörungstheorien? Welche Rolle spielt das Internet bei der Verbreitung von Verschwörungstheorien? Worin bestehen konkret die Gefahren von Verschwörungstheorien? Und wie können Verschwörungstheorien entkräftet werden? …

Auszug Artikel


[Artikel] Schauerliteratur in der WIKIPEDIA

Die Schauerliteratur (englisch gothic fiction) bzw. der Schauerroman (englisch gothic novel) ist ein literarisches Genre der Phantastik, das Mitte des 18. Jahrhunderts in England entstand und seine Blüte am Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte. …

Auszug Artikel



siehe auch (Auszug):


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Artikel, Essays und Kurztexte zur Phantastik #8: Einleitung(en) in: Ein Totenschädel aus Zucker – Alden H. Norton

Alden H. Norton
Ein Totenschädel aus Zucker
Heyne, München (1971)
ohne ISBN
Horrorstories und deren Einleitungen …

In diesem Buch ist, nach meiner Kenntnis, einer der wenigen bekannten, ins Deutsche übersetzten Texte von Moskowitz abgedruckt. Ein Vorwort zu einer Anthologie von Horrorstories. Diese ist aber im Inhaltsverzeichnis nicht einmal vermerkt worden…


Zudem wurden die Stories mit einer kleinen Einleitung versehen, die Insiderwissen verraten. Diese Einleitungen zu den einzelnen Stories sind jedoch nicht gezeichnet. Es geht weder aus dem Vorwort, noch aus den Texten hervor, wer diese Einleitungen geschrieben hat …

Diesem Band liegt die Absicht zugrunde, Arbeiten anerkannter Schriftsteller vorzustellen, die durch ihren Umgang mit dem Übernatürlichen und dem Grauen berühmt geworden sind. Mehrere Autoren zusammenzustellen, ist an sich nicht schwierig, aber von jedem eine Erzählung auszuwählen, die selten oder gar noch nie in einer Anthologie erschienen ist, das ist etwas anderes. …

Auszug 'Einleitung', Seite 7-8

Nach meinem Gefühl sind die Stories von Sam Moskowitz eingeleitet worden und nicht von Alden H. Norton, aber bestätigt bekomme ich das jedenfalls nicht. Also habe ich die Einleitungen sekundärliterarisch als „Anonym“ einstufen müssen. Oder kann das jemand widerlegen? .…

Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Alden H. Norton (Hrsg.)
  • Ein Totenschädel aus Zucker
  • Horrorstories
  • Heyne, München (1971)
  • Taschenbuch
  • 143 Seiten
  • ohne ISBN

Kleinster Preis: € 0,25, größter Preis: € 647,20, Mittelwert: € 4,48

(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • Aus dem Amerikanischen
  • Übersetzer Walter Brumm

  • [Artikel] Sam Moskowitz in der WIKIPEDIA

Sam Moskowitz (* 30. Juni 1920 in Newark (New Jersey); † 15. April 1997 ebenda) war ein US-amerikanischer Science-Fiction-Autor und -Herausgeber. …

Auszug Artikel


  • [Forum] Sam Moskowitz in Forum „Phantastische Literatur“

Da heute sein 100. Geburtstag begangen worden wäre, nutze ich die Gelegenheit, auf den rührigen Autor, Kritiker, Forscher und Herausgeber Sam Moskowitz hinzuweisen. Moskowitz war und ist gewiss ein wichtiger Mann für den Bereich der SF und die Weird Fiction, wo er sich gerade auch der Magazin- und Fan-Kultur annahm. …

Auszug Artikel


  • [Artikel] Das „First Fandom“ in der WIKIPEDIA

Der Ausdruck First Fandom kommt aus dem Bereich der Science Fiction. Man versteht darunter zunächst einmal die Gesamtheit jener am Fandom (Fangemeinschaft) der Science Fiction Interessierten, welche bereits vor der Abhaltung des ersten Worldcon vom 2. Juli – 4. Juli 1939, in der Caravan Hall in New York, unter dem Vorsitz von Sam Moskowitz, aktiv um das Fandom bemüht waren.…

Auszug Artikel


siehe auch (Auszug):


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Artikel, Essays und Kurztexte zur Phantastik #7: Vampire und Interview in: Fantasia, Nr. 14

Franz Schröpf (Red.)
Fantasia, Nr. 14
EDFC, Passau (1982)
ohne ISBN
Dracula, Vampire aus aller Welt und James Cawthorn

Die Nummer 14, der Reihe Fantasia, bringt verhältnismäßig wenig sekundärliterarisches Material. Selbst die Rezensionen halten sich in Grenzen. Ein altes Problem der Redakteure, die Autoren sind zurückhaltend mit ihren Lieferungen. …


Wenn wir mit den Rezensionen beginnen aus dem Bereich der Fantasy – querbeet -, dann die Neuerscheinungen mit einer Liste von April bis September-  nicht uninteressant – und dann folgen Rezensionen zu Sachbüchern wie „Liebe, Tod und Teufel“ und „Gott und die Götter“. Danach viele Sachbücher zur Antike und Occulta.

Kommen wir zu den Artikel:

Dracula lebt von Klaus-Michael Vent: Dracula-Adaptionen in Deutschland

Falls Bram Stoker wieder zum Leben erweckt würde oder – wie seine bekannteste Romanfigur – als Untoter durch die Welt streifen könnte, ständen seinen zahlreichen Nachahmern einige unangenehme Nächte bevor, und sie hätten Glück, wenn sie nicht die Tantiemen für ihre Plagiate in flüssiger Währung zahlen müssten. Ich möchte mich im folgenden nur auf die in Deutschland erschienen Dracula-Adaptionen beziehen; es gibt derer mehr als genug: …

Auszug 'Dracula lebt', Seite 11-15

Vampire aus aller Welt von Tom Rogers: Eine Betrachtung – Was es nicht so alles gibt, an Vampirgestalten rund um den Erdball

Nach dieser Auflistung von Vampiren könnt ihr euch sicher denken, warum ich nicht sicher bin, dass die Film-Vampire wirklich die Creme de la Creme darstellen.  Auf jeden Fall aber sind sie nicht DERMASSEN dumm!

Auszug 'Vampire aus aller Welt', Seite 17-22

Interview mit James Cawthorn – James Cawthorn , geboren am 21. Dezember 1929, war ein Fantasy-Illustrator, Comiczeichner und Autor, der intensiv mit dem Schriftsteller Michael Moorcock zusammenarbeitete. Er starb am 2. Dezember 2008.

Die grundlegende Schwäche meiner Arbeiten ist, dass ich sie nie genügend vorausplane. Es gibt Wege, wie man einen Effekt, den man erzielen will, planen kann. Der einzige wahre Weg, einen Strip zu planen, ist, wenn man eher seitenweise als panelweise vorgeht. Dies mach eich auch zu einem gewissen Grad, obwohl ich dazu tendiere, um das Objekt herumzuzeichnen, …

Auszug 'Interview mit James Cawthorn', Seite 23-30

Ach ja, ab Seite 141 gibt’s noch eine „SF-Ecke“ mit Kurz-Rezensionen zu Science Fiction-Büchern. Thats it, damit sind wir dieses Mal zum Ende gelangt. Interessant war’s trotzdem…

Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Franz Schröpf (Red.)
  • Fantasia, Nr. 14
  • EDFC, Passau (1982)
  • Fanzine, broschiert, A5, Klebebindung
  • Originalausgabe
  • 154 Seiten
  • ohne ISBN

derzeit antiquarisch leider nicht greifbar

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keine

  • [Bibliographie] Franz Schröpf als Herausgeber – auf chpr.at

Christian Pree hat eine sehr umfangreiche Bibliographie von Franz Schröpf als Herausgeber zusammengestellt. Mich wundert es ein bisschen, dass Franz Schröpf in seinem Wirken kaum Spuren im Internet hinterlassen hat ……

Auszug Artikel


  • [Essay] Mentor der Fantasy. Die unendliche Geschichte – Hugh Walker und die Magira-Serie

In einem Gespräch mit Franz Schröpf erläuterte Hugh Walker seine Vorstellungen über die verschiedenen Ebenen der Romane, die Franz Schröpf formulierte:…

Auszug Artikel


  • [Artikel] Klaus-Michael Vent in der WIKIPEDIA

Klaus-Michael Vent (* 14. März 1957 in Stolberg (Rheinland)) ist ein deutscher Autor und Schriftsteller von Sachbüchern und Romanen.…

Auszug Artikel


siehe auch (Auszug):


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