von Hungry Minds auf thebook.de
Von (Un)Sinn, (Un)Wert und (Un)Brauchbarkeit …
Es gibt kein anderes Buch wie dieses. Derzeit sind Informationen über Erfindungen hier und da in langweiligen Lehrbüchern und Handbüchern verstreut, die weder verständlich noch inspirierend sind. The Book präsentiert die bedeutendsten Fakten über unsere Kultur und kombiniert diese mit den Ideen, die nicht von dieser Welt sind, und wunderbaren Illustrationen. Es ist das erste Buch dieser Art über diese spektakulären Erfindungen. […]
Es kam ziemlich protzig daher. 2,5 kg schwer und in einer Größe, dass normale Regale es nicht schlucken. 34,5 x 23,8 x 4 cm groß. Auch der Titel zeugt nicht gerade von Bescheidenheit: „The Book“ – prangt da im silbrig-blau unterlegten Look von der Titelseite. „Der ultimative Wegweiser zum Wiederaufbau einer Zivilisation“.
Gleich vorweg: Das Buch ist etwas für Buch-Liebhaber. Es strömt den Geruch von Buch aus. Liegt schwer und wichtig in der Hand, ist eine Augenweide am Pult und im Regal und hat alles, was ein Buch zu einem wertvollen und geschätztem Besitz macht.
Hungry Minds, anscheinend in London ansässig, bietet für Interessierte eine eigene deutschsprachige Website, in der neben der Kaufmöglichkeit (aber Vorsicht: prüfe zuvor noch andere Kaufplattformen) einiges an interessanten Informationen rund um das Buch angeboten wird.
Nun, ob das Buch ein Kompendium zum Wiederaufbau einer Zivilisation nach einem Shutdown ist, das sei dahingestellt, aber das Buch ich eine Fundgrube menschlicher Kulturleistungen.
Geht man nun zuerst vom Text aus, so wird in den beispielhaft angeführten Themenbereichen Medizin, Werkstoffe, Mechanik, Militär, Alltagsleben, Landwirtschaft, Unterhaltung, Musik und Gesellschaft eine Vielzahl an Mechanismen, Prozessen und Materialien beschrieben, die auf dem Weg der Menschheit in das Heute gefunden, erfunden und praktiziert wurden und werden.
Die 400 Seiten sind angefüllt, ja fast schon überladen mit Illustrationen:
„Faszinierende selbst gemachte Illustrationen kombinieren Ingenieurzeichnungen und mittelalterliche Kunst und stellen die Struktur von Geräten und Materialien des Multiversums dar. Dieses Buch zeigt, wie neue Ideen in verschiedenen Multiversen bei verschiedenen Erfindern entstehen. The Book ist die Hommage an die menschliche Vorstellungskraft, an die Fähigkeit, außerhalb der alltäglichen Realität zu denken. Es wurde von Träumern für Träumer gemacht. Seva und Timur, die Gründer von The Book“
(Quelle: Webpage „The Book“)
Obwohl mich viele Illustrationen an solche in lang vergangenen Kinder-Wissens-Bücher erinnern, finde ich sie trotzdem passend. Der teilweise cyperpunkige Look erzeugt ein Retro-Gefühl, das etwas Heimeliges und Behütendes in sich trägt.
Cyberpunk ist ein Subgenre der Science-Fiction, das sich durch seine dystopischen Zukunftsvisionen, die Verschmelzung von Mensch und Technologie sowie die Themen der sozialen Dekadenz und der Macht großer Konzerne auszeichnet. Es entstand in den 1980er Jahren und wurde durch Werke wie William Gibsons „Neuromancer“ populär.
„The Book“ scheint Elemente des Cyberpunk aufzugreifen, indem es die Errungenschaften der menschlichen Zivilisation in einem Kontext darstellt, der sowohl die Fortschritte als auch die potenziellen Gefahren technologischer Entwicklungen beleuchtet. Die aufwendigen Illustrationen, die eine Mischung aus Ingenieurzeichnungen und mittelalterlicher Kunst darstellen, könnten als visuelle Hommage an die Ästhetik des Cyberpunk verstanden werden, die oft komplexe technische Darstellungen und eine Verschmelzung von Vergangenheit und Zukunft beinhaltet.
Die Entstehungsgeschichte des Buches seit 2020, von der Idee über eine Kickstarter-Kampagne bis hin zur Zusammenarbeit mit Experten und Illustratoren, spiegelt den DIY-Geist wider, der auch im Cyberpunk präsent ist. Diese Bewegung betont oft die Macht der Individuen und kleinen Gruppen, große und innovative Projekte außerhalb traditioneller Strukturen zu realisieren. Die Illustratoren sind meiner Meinung nach aber auch die wahren Helden dieses Buches.
Insgesamt könnte „The Book“ durch seine Darstellung technologischer und kultureller Errungenschaften sowie durch seine künstlerische Gestaltung als ein Werk angesehen werden, das sowohl von der Geschichte als auch von den Visionen des Cyberpunk inspiriert ist. Dies könnte es besonders für Leser interessant machen, die sich für die Schnittstelle von Technologie, Kunst und Gesellschaft interessieren.
Das Buch lädt einem ein, in der menschlichen Kulturgeschichte zu stöbern. Es regt an, sein Wissen etwas aufzufrischen, und es lässt staunen, was so alles als selbstverständlich genommen wird, obwohl es das eigentlich nicht ist oder sein sollte.
Und so stellt sich die Frage, ob dieses Buch einen Geldbetrag jenseits der 100 Euro rechtfertigt? Sieht man es alleine vom Handwerklichen her, so kann man einen solchen Preis durchaus rechtfertigen. Die solide Verarbeitung in Halbleinen mit starkem Einband, die Papierqualität, das Lesebändchen garantiert ein sehr gutes Buch, dessen Qualität für ein langlebiges Lesevergnügen bürgt. Die künstlerische Qualität der Illustrationen, die Verständlichkeit der Texte und die Auswahl der Themen, lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig.
Aber, im Grunde ist es ein Jugendbuch und so frage ich mich, ob die Zielgruppe für dieses Buch den Aufwand auch trägt.
Die Analyse von „The Book“ zeigt wichtige Aspekte, die bei der Bewertung solch eines außergewöhnlichen Werkes berücksichtigt werden sollten. Die Kombination aus ästhetischer Qualität und inhaltlicher Tiefe macht es in der Tat zu einem potenziellen Schatz für Bildung und Sammlung.
Die Entscheidung über den Preis ist oft eine schwierige Abwägung zwischen Produktionskosten, Zielmarkt und dem wahrgenommenen Wert des Buches durch den Konsumenten. Bei einem Preis von über 100 Euro ist es entscheidend, dass der Verlag oder die Autoren deutlich machen kann, was dieses Buch von anderen unterscheidet.
Für Bildungseinrichtungen könnte „The Book“ als eine Art Lehrmittel angesehen werden, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zur ästhetischen Bildung beiträgt. In diesem Kontext könnte der Preis als Investition in qualitativ hochwertige Bildungsressourcen gerechtfertigt sein.
Für Sammler und Kunstliebhaber bietet das Buch möglicherweise einen doppelten Wert: als Besitztum und als Inspirationsquelle. Die Geschichte seiner Entstehung und die damit verbundene Leidenschaft und Hingabe können es zu einem noch begehrenswerteren Objekt machen.
Letztendlich wird der Markt entscheiden, ob der Preis gerechtfertigt ist. Es bleibt abzuwarten, wie das Buch von der Zielgruppe aufgenommen wird und ob es die Erwartungen an ein Bildungs- und Kunstwerk erfüllen kann. Die Einschätzung, dass es für diejenigen, die den Wert erkennen, eine lohnende Anschaffung sein könnte, ist ein wichtiger Punkt, der potenzielle Käufer dazu anregen könnte, über den rein monetären Wert hinaus zu denken.
Mich hat das Buch für sich eingenommen …
… und zu den letzten Artikel im Blog:
Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.




























