Kirchner, Verena
Im Bann der Utopie
Ernst Blochs Hoffungsphilosophie in der DDR-Literatur
Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, Band 187
Winter, Heidelberg (2002)
ISBN 3825313050
Hoffnung als Motor – Hoffnung als Fessel:
Was Verena Kirchners „Im Bann der Utopie“ über DDR‑Literatur verrät
H
Verena Kirchners Studie Im Bann der Utopie setzt bei einer ebenso einfachen wie produktiven Ausgangsfrage an: Wo existiert Ernst Bloch „tatsächlich“ – und wo sind seine Spuren in der Literatur der DDR sichtbar? Damit verschiebt Kirchner die Perspektive weg von bloßen Einflusserzählungen hin zu einer literatur- und ideengeschichtlichen Spurensuche: Bloch erscheint nicht als Zitatlieferant, sondern als Denkform, die poetische Verfahren, Figurenmodelle und Deutungsmuster prägt.
Der Untertitel – Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR-Literatur – ist dabei programmatisch. Kirchner interessiert sich für Blochs „konkrete Hoffnung“ nicht als abstraktes Konzept, sondern als kulturelle Kraft, die im Sozialismus der DDR eine besondere Spannung erzeugt: zwischen utopischem Anspruch und erlebter Wirklichkeit.
Worum es geht – in einem Satz
Kirchner verfolgt die „Spuren“ Ernst Blochs in der DDR‑Literatur – und erklärt, wie Hoffnung als Denkform zugleich Kritik befeuern und Bindung erzeugen kann. …
Warum DDR‑Literatur dafür ein besonders scharfes Testfeld ist
Literatur in der DDR stand in einem spezifischen Erwartungsraum: Sie sollte gesellschaftlich wirksam sein (mit Anschluss an große Sinn- und Fortschrittsnarrative) und sich zugleich innerhalb politischer Grenzen bewegen. Utopie ist in diesem Kontext nicht nur ein Motiv, sondern eine Art kultureller Betriebsmodus.
Kirchner beschreibt diese Wirkung als „fatale Ambivalenz“:
Hoffnung als Kritikressource: Gegenwart wird am Ideal gemessen; Missstände werden benennbar.
Hoffnung als Bindekraft: Die Gegenwart kann als „noch nicht eingelöstes“ Versprechen gelesen werden – der Bruch wird vertagt.
Warum das heute noch relevant ist (und warum Literatur das besonders gut zeigt)
Utopische Dynamiken sind nicht nur politisch, sie sind erzählerisch: Sie leben von Figuren, Bildern, Versprechen, Aufschub – und von der Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit. Literatur kann diese Spannung präziser zeigen als programmatische Texte, weil sie Ambivalenzen nicht „auflösen“ muss: Sie kann Hoffnung zugleich ernst nehmen und unterlaufen, sie kann Scheitern darstellen, ohne den Impuls zur Veränderung zu diskreditieren. Genau darin liegt die Aktualität von Kirchners Befund: Wer in literarischen Texten beobachtet, wie das „Noch‑Nicht“ Kritik antreibt und zugleich als Bindekraft wirkt, lernt etwas über die Form, in der große Erzählungen funktionieren – gestern in der DDR, heute in vielen Debatten über Zukunft, Fortschritt und gesellschaftliche Alternativen. …
…Selbst nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatsgefüges stehen die Autoren im Bann der Utopie. Die Hoffnungsperspektive bildet weiterhin den universalistischen Bezugspunkt, von dem aus geschichtliche Verhältnisse und Ereignisse gegliedert, akzentuiert und gewichtet werden. Der gegenwärtige Hauptfeind der Emanzipation ist in Gestalt des Kapitalismus wieder klar konturiert. Ihm gilt ungebrochen die – z.T. auch nach Jahren noch erstaunlich undifferenzierte – Kritik. Aus dem Gegenentwurf spricht erneut die Sehnsucht nach Geschichtssinn. Fundamentalkritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen im aufklärerischen Gestus geht mit anderen Worten mit einem Mangel an Distanz zum Geltungsan-spruch der eigenen Überzeugung einher.24 Dass die Schriftsteller dabei weiter „diesen Bloch […] im Nacken“ haben, erweisen die Texte von Morgner, Fries, Wolf und Braun. … Auszug Einleitung, Seite 20
Blochs „Wille zur Utopie“: Drei Zitate, die das Spannungsfeld öffnen
Der Teilauszug „Blochs Wille zur Utopie“ ist ideal, um Kirchners Zugriff in der Rezension konkret zu machen: Bloch wird nicht nur paraphrasiert, sondern in seinen Mechanismen sichtbar.
PRO: Hoffnung als Weltbezug (nicht bloß Gefühl)
„Erwartung, Hoffnung, Intention auf noch ungewordene Möglichkeit: das ist nicht nur ein Grundzug des menschlichen Bewußtseins, sondern […] eine Grundbestimmung innerhalb der objektiven Wirklichkeit insgesamt.“ (Teilauszug, S. 16)
Was daran überzeugt: Hoffnung wird bei Bloch zu einem kognitiven Richtungsakt. Möglichkeit ist nicht Eskapismus, sondern ein ernstzunehmender Wirklichkeitsmodus – literarisch anschlussfähig, weil Texte das „Noch‑Nicht“ erfahrbar machen können.
KONTRA: Evidenzgestus statt Nachweis
„Ihr Gefühlswert macht Vollkommenheitsvorstellungen unmittelbar einleuchtend, was Nachweise erübrigt, daß ihre mögliche Realisierbarkeit zu Recht behauptet wird.“ (Teilauszug, S. 22)
Wo es kritisch wird: Wenn „Einleuchten“ Nachweise ersetzt, gewinnt Utopie rhetorische Stärke – und verliert Prüfbarkeit. Scheitern lässt sich leichter als „noch nicht“ umdeuten.
AMBIVALENT: Faszination als Vereinfachung
„Die Faszination, die von der Blochschen Philosophie ausgeht, ist die Faszination einer grandiosen Vereinfachung komplexer Zusammenhänge.“ (Teilauszug, S. 26)
Warum das der Kern ist: Vereinfachung ist Orientierung und Risiko. Sie erklärt Blochs Wirkmacht – und das Potenzial, Bindungen zu erzeugen, wo eigentlich Kritik erwartet wird.
Kirchners Werkzeugkasten: So findet sie Bloch im Text
Kirchner sucht Bloch‑Spuren nicht (nur) über Namensnennungen, sondern über Strukturen.
Bilder/Symbole: ästhetischer „Vor‑Schein“ (Möglichkeitsräume, die Kunst sichtbar macht)
Figurenmodelle: Grenzüberschreiter, die an einem Ideal festhalten
Ein Leitmotiv sind Grenzüberschreiterfiguren, die sich (blochtypisch) über Vorbilder wie Don Quichotte, Don Juan, Faust beschreiben lassen: Figuren, die gegen Widerstände „trotzdem“ handeln – und dabei sowohl utopische Energie als auch Blindstellen mitführen.
Dass das Buch als Covermotiv Giorgio de Chiricos Die Heimkehr des Odysseus (1968) nutzt, ist dabei mehr als Dekor: Odysseus als Figur des Unterwegsseins und der Hoffnung auf Heimkehr passt zum „Noch‑Nicht“ als dauerhafter Denkbewegung.
Aufbau & Korpus: Erst Bloch‑Fundament, dann DDR‑Fallstudien
Die Studie ist klar gebaut:
Fundamentkapitel zu Bloch (Philosophie, Ästhetik, Leitfiguren, DDR‑Kontext)
Autor:innen-/Werkkapitel zu Irmtraud Morgner, Uwe Johnson, Christa Wolf, Fritz Rudolf Fries und Volker Braun
Auffällig ist die Schwerpunktsetzung auf Fries und Braun (mehrere Kapitel, detaillierte Figurenanalysen) – unter anderem entlang zweier Zeitfenster:
1970er: Don‑Quichotte‑Folien (Braun: Guevara oder Der Sonnenstaat; Fries: Das Luft‑Schiff)
frühe 1980er: Don‑Juan/Don‑Giovanni‑Folien (Braun: Hinze‑Kunze‑Roman; Fries: Alexanders neue Welten)
Damit wird sichtbar, wie sich utopische Leitbilder historisch verschieben – und wie Kritik, Ernüchterung und erneute Legitimation ineinander greifen können.
Kurzfazit
Kirchners Kernleistung ist, Utopie nicht als bloßes Thema zu behandeln, sondern als Funktionsweise: Hoffnung strukturiert Wahrnehmung, Moral, Ästhetik und politische Deutung. Der Teilauszug macht das greifbar: Blochs Denken gewinnt Kraft aus einem radikalen Möglichkeitsbezug – und trägt zugleich das Risiko in sich, über Evidenz, Vereinfachung und Zukunftsaufschub Bindung zu erzeugen.
Leseempfehlung (geeignet / eher nicht)
Geeignet für:
Leser:innen mit Interesse an DDR‑Literatur und Ideengeschichte
Studierende, die Utopie/Anti‑Utopie über Denkfiguren und Figurenmodelle analysieren möchten
Alle, die Bloch als Ambivalenzfigur lesen wollen: Hoffnung als Kritikressource und Bindekraft
Eher nicht geeignet für:
Leser:innen, die eine reine Einführung in Bloch ohne literaturwissenschaftliche Schwerpunktsetzung erwarten
Alle, die primär Plot‑Zusammenfassungen suchen (Kirchner argumentiert strukturell, nicht nacherzählerisch)
(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
keine
Verena Kirchner:Im Bann der Utopie. Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR-Literatur. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 2002.
Sekundärliteratur…
Ausgewertet im Besonderen: Cover/Vorspann, Inhaltsverzeichnis, Einleitung und „Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie: Der Wille zur Utopie als weltverändernde Kraft“Quelle: Amazon
Fritzsche, Sonja (2017): Review zu Kirchner, Im Bann der Utopie, in Utopian Studies 28(2), S. 374–379.
Es kam ziemlich protzig daher. 2,5 kg schwer und in einer Größe, dass normale Regale es nicht schlucken. 34,5 x 23,8 x 4 cm groß. Auch der Titel zeugt nicht gerade von Bescheidenheit: „The Book“ …
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
In ihrem Roman „Die nicht sterben“ begibt sich die Autorin Dana Grigorcea auf die Spuren des berühmtesten aller Vampire ins gegenwärtige Rumänien
von Sascha Seiler auf literaturkritik.de
Ja, ja – unsere Freunde, die Vampire – hier eine Rezension, eine Empfehlung, eine Versuchung …
Jedoch ist Die nicht Sterben alles andere als ein bluttriefender Horrorthriller, was einige Leser enttäuschen, andere aber vielleicht auch aufatmen lassen wird. Tatsächlich ist Grigorceas Roman zu großen Teilen eine Groteske, die gleichermaßen genüsslich wie verworren das post-kommunistische Rumänien seziert. […]
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
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Eine Empfehlung für einen sprachgewaltigen Autor, der leider viel zu früh von uns gegangen ist …
Mit leichter Hand flicht Zafon Elemente aus Schauer-, Bildungs- und Liebesliteratur ein, spielt mit Versatzstücken aus Thriller und historischem Roman und lässt, ähnlich wie in der Tetralogie, auch der Geschichte in der Geschichte ihren gebührenden Platz. Trotz der tiefen Verwurzelung aller Erzählungen im Kosmos der Vergessenen Bücher ist es keineswegs notwendig, tiefer mit diesem vertraut zu sein, da es Zafóns erzählerisches Geschick erlaubt, die kurzen Prosastücke auch völlig unabhängig davon zu genießen. […]
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
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Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
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Christian Heck und Rémy Cordonnier entschlüsseln in einem hochwertigen Bildband die Bedeutungen von Tierdarstellungen in mittelalterlichen Handschriften
von Simone Hacke auf literaturkritik.de
Im Besonderen möchte ich auch auf die phantastische Komponente hinweisen, die im Mittelalter mit seinen wunderbaren Erscheinungen und phantastischen Tierwesen durchaus gegeben ist …
Vorgestellt werden im vorliegenden Band 100 Tiere, die grob fünf Großgruppen zugeordnet werden können. Die größte Gruppe ist die der Vögel, in der Wildvögel (Adler, Eule, Rabe) ebenso betrachtet werden wie Singvögel (Amsel, Lerche, Sperling) oder domestizierte Vögel (Huhn, Gans). Den Menschen in ihrem Alltag am nächsten stand die zweite Gruppe der domestizierten Tiere wie Esel, Hund, Pferd, Schaf, Hausschwein, Ziege oder Biene, deren Bedeutung jedoch weit über den häuslichen Bereich hinausreichte. Bei der dritten Gruppe der exotischen Tiere werden unter anderem Affe, Löwe, Krokodil, Elefant, Skorpion und Panther vorgestellt, die in den mittelalterlichen Handschriften ebenso ihren Platz hatten wie die vierte Gruppe der einheimischen wilden Tiere wie Eichhörnchen, Wildschwein, Hirsch, Wolf, Fledermaus, Schlange oder Spinne. Da die Vorstellungs- und Bilderwelt des Mittelalters zudem stark von wunderbaren Erscheinungen geprägt war, darf natürlich auch die letzte Gruppe der fantastischen Tierwesen, zu denen etwa Basilisken, Drachen, Einhörner, Greifen oder Kentauren gehörten, in dieser mittelalterlichen Tierenzyklopädie nicht fehlen. [Hervorhebung durch den Verfasser des Blogartikels][…]
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
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Im Gegensatz zur klassischen Spider-Man Geschichte erzählt die Geschichte eines Lebens keine Episode und kein Abenteuer, sondern in etwas komprimierter Form das Leben von Peter Parker aka Spider-Man. Von den 60ern bis in die Gegenwart erzählt der Comic eine Geschichte, die knapp 6 Jahrzehnte umfasst und zwar mit allen Hochs und Tiefs, die Peter erleben/erleiden musste. So werden seine Beziehungen zu Mary Jane und Gwen thematisiert, seine Freundschaft zu Harry, aber auch das Leben mit anderen Superhelden. Ebenso finden die Schurken ihren Platz in der Handlung und sogar die große Klon-Saga wird in ihren Grundzügen thematisiert. […]
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
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