MDieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Deutsche Zeitschrift für Philosophie Band 61 (2013) Heft 4: 561–576
Abstract: Der Einfluss Ernst Blochs auf die Philosophie und die Literatur der DDR, auf die Opposition (gleich, ob kirchlich oder marxistisch) und auch auf SED-Intellektuelle ist nicht klein zu reden. Bloch wirkte. Und sein „Prinzip Hoffnung“ wurde zum Leitmotiv für verschiedene Kräfte: Hofften die Einen auf mehr bürgerliche Freiheiten und Menschenrechte, so hofften andere auf eine progressive sozialistische Entwicklung der DDR und vielleicht auch den Weltkommunismus. Seine Utopie beeinflusste Marxisten aller Couleur und fand ebenso bei Theologen positiven Nachhall, da Bloch ein ausgewiesener Kenner der religiösen, insbesondere der biblischen Materie war. Sein entgrenztes Utopieverständnis enthielt dabei für jeden etwas: Eschatologie und Chiliasmus waren ebenso präsent wie der Marxismus. Kritiker werfen Bloch deshalb vor, einen unwissenschaftlichen und völlig offenen Utopiebegriff entwickelt und verwendet zu haben. „Blochianer“ sehen hingegen im „Prinzip Hoffnung“ eine praxisphilosophische Methode, einen Ansatz, Theorie und Aktion mit dem Ziel in Verbindung zu bringen, konkrete Utopien zu verwirklichen. …
Drachen im Beowulf und andere Drachen, Friedrich Wild
F.R. Schröder
Germanisch-Romanische Monatsschrift, Nr. 44Germanisch-Romanische Monatsschrift 13/1963 (1963), F.R. Schröder (Hrsg.), Carl Winter Universitätsverlag: 216–217
Abstract: Der Verfasser erörtert die Bezeichnung für ,Drache, Schlange, Wurm* u. a. in den germanischen Sprachen und eine Reihe von Drachensagen, die sehr verschiedenen Ursprungs sind; teils indogermanischen wie Thors Kampf mit der Midgardschlange (vgl. meinen Aufsatz über das ,Hymirlied‘: Arkiv f. nord. fil. 70, 1955), teils gehen sie auf antike, teils auch auf christliche Traditionen zurück. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht Beowulfs Drachenkampf, für den Wild eine „ideale Parallele“ in der Erzählung vom Kampf des Cadmus mit der Marsschlange in Ovids Metamorphosen III, 28-96 nachzuweisen versucht (S. 27ff.); d. h. nicht etwa, dass der ags. Dichter den Drachenkampf einfach aus övid übernommen habe (die ältere heimische Überlieferung wird nicht bezweifelt), sondern dass er in Ovids Schilderung nur „mancherlei zur Ausschmückung“ gefunden und verwendet habe. Trotz der mannigfachen Unterschiede beider Berichte sprechen dafür vor allem zahlreiche Einzelzüge und stilistische Parallelen, die sich z. T. auch auf frühere Partien des Beowulf erstrecken. Damit ist ein weiterer römischer Autor als Vorbild zum mindesten sehr wahrscheinlich gemacht. …
Abstract: Der Verfasser erörtert die Bezeichnung für ,Drache, Schlange, Wurm* u. a. in den germanischen Sprachen und eine Reihe von Drachensagen, die sehr verschiedenen Ursprungs sind; teils indogermanischen wie Thors Kampf mit der Midgardschlange (vgl. meinen Aufsatz über das ,Hymirlied‘: Arkiv f. nord. fil. 70, 1955), teils gehen sie auf antike, teils auch auf christliche Traditionen zurück. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht Beowulfs Drachenkampf, für den Wild eine „ideale Parallele“ in der Erzählung vom Kampf des Cadmus mit der Marsschlange in Ovids Metamorphosen III, 28-96 nachzuweisen versucht (S. 27ff.); d. h. nicht etwa, dass der ags. Dichter den Drachenkampf einfach aus övid übernommen habe (die ältere heimische Überlieferung wird nicht bezweifelt), sondern dass er in Ovids Schilderung nur „mancherlei zur Ausschmückung“ gefunden und verwendet habe. Trotz der mannigfachen Unterschiede beider Berichte sprechen dafür vor allem zahlreiche Einzelzüge und stilistische Parallelen, die sich z. T. auch auf frühere Partien des Beowulf erstrecken. Damit ist ein weiterer römischer Autor als Vorbild zum mindesten sehr wahrscheinlich gemacht. …
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.
Kirchner, Verena
Im Bann der Utopie
Ernst Blochs Hoffungsphilosophie in der DDR-Literatur
Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, Band 187
Winter, Heidelberg (2002)
ISBN 3825313050
Hoffnung als Motor – Hoffnung als Fessel:
Was Verena Kirchners „Im Bann der Utopie“ über DDR‑Literatur verrät
H
Verena Kirchners Studie Im Bann der Utopie setzt bei einer ebenso einfachen wie produktiven Ausgangsfrage an: Wo existiert Ernst Bloch „tatsächlich“ – und wo sind seine Spuren in der Literatur der DDR sichtbar? Damit verschiebt Kirchner die Perspektive weg von bloßen Einflusserzählungen hin zu einer literatur- und ideengeschichtlichen Spurensuche: Bloch erscheint nicht als Zitatlieferant, sondern als Denkform, die poetische Verfahren, Figurenmodelle und Deutungsmuster prägt.
Der Untertitel – Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR-Literatur – ist dabei programmatisch. Kirchner interessiert sich für Blochs „konkrete Hoffnung“ nicht als abstraktes Konzept, sondern als kulturelle Kraft, die im Sozialismus der DDR eine besondere Spannung erzeugt: zwischen utopischem Anspruch und erlebter Wirklichkeit.
Worum es geht – in einem Satz
Kirchner verfolgt die „Spuren“ Ernst Blochs in der DDR‑Literatur – und erklärt, wie Hoffnung als Denkform zugleich Kritik befeuern und Bindung erzeugen kann. …
Warum DDR‑Literatur dafür ein besonders scharfes Testfeld ist
Literatur in der DDR stand in einem spezifischen Erwartungsraum: Sie sollte gesellschaftlich wirksam sein (mit Anschluss an große Sinn- und Fortschrittsnarrative) und sich zugleich innerhalb politischer Grenzen bewegen. Utopie ist in diesem Kontext nicht nur ein Motiv, sondern eine Art kultureller Betriebsmodus.
Kirchner beschreibt diese Wirkung als „fatale Ambivalenz“:
Hoffnung als Kritikressource: Gegenwart wird am Ideal gemessen; Missstände werden benennbar.
Hoffnung als Bindekraft: Die Gegenwart kann als „noch nicht eingelöstes“ Versprechen gelesen werden – der Bruch wird vertagt.
Warum das heute noch relevant ist (und warum Literatur das besonders gut zeigt)
Utopische Dynamiken sind nicht nur politisch, sie sind erzählerisch: Sie leben von Figuren, Bildern, Versprechen, Aufschub – und von der Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit. Literatur kann diese Spannung präziser zeigen als programmatische Texte, weil sie Ambivalenzen nicht „auflösen“ muss: Sie kann Hoffnung zugleich ernst nehmen und unterlaufen, sie kann Scheitern darstellen, ohne den Impuls zur Veränderung zu diskreditieren. Genau darin liegt die Aktualität von Kirchners Befund: Wer in literarischen Texten beobachtet, wie das „Noch‑Nicht“ Kritik antreibt und zugleich als Bindekraft wirkt, lernt etwas über die Form, in der große Erzählungen funktionieren – gestern in der DDR, heute in vielen Debatten über Zukunft, Fortschritt und gesellschaftliche Alternativen. …
…Selbst nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatsgefüges stehen die Autoren im Bann der Utopie. Die Hoffnungsperspektive bildet weiterhin den universalistischen Bezugspunkt, von dem aus geschichtliche Verhältnisse und Ereignisse gegliedert, akzentuiert und gewichtet werden. Der gegenwärtige Hauptfeind der Emanzipation ist in Gestalt des Kapitalismus wieder klar konturiert. Ihm gilt ungebrochen die – z.T. auch nach Jahren noch erstaunlich undifferenzierte – Kritik. Aus dem Gegenentwurf spricht erneut die Sehnsucht nach Geschichtssinn. Fundamentalkritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen im aufklärerischen Gestus geht mit anderen Worten mit einem Mangel an Distanz zum Geltungsan-spruch der eigenen Überzeugung einher.24 Dass die Schriftsteller dabei weiter „diesen Bloch […] im Nacken“ haben, erweisen die Texte von Morgner, Fries, Wolf und Braun. … Auszug Einleitung, Seite 20
Blochs „Wille zur Utopie“: Drei Zitate, die das Spannungsfeld öffnen
Der Teilauszug „Blochs Wille zur Utopie“ ist ideal, um Kirchners Zugriff in der Rezension konkret zu machen: Bloch wird nicht nur paraphrasiert, sondern in seinen Mechanismen sichtbar.
PRO: Hoffnung als Weltbezug (nicht bloß Gefühl)
„Erwartung, Hoffnung, Intention auf noch ungewordene Möglichkeit: das ist nicht nur ein Grundzug des menschlichen Bewußtseins, sondern […] eine Grundbestimmung innerhalb der objektiven Wirklichkeit insgesamt.“ (Teilauszug, S. 16)
Was daran überzeugt: Hoffnung wird bei Bloch zu einem kognitiven Richtungsakt. Möglichkeit ist nicht Eskapismus, sondern ein ernstzunehmender Wirklichkeitsmodus – literarisch anschlussfähig, weil Texte das „Noch‑Nicht“ erfahrbar machen können.
KONTRA: Evidenzgestus statt Nachweis
„Ihr Gefühlswert macht Vollkommenheitsvorstellungen unmittelbar einleuchtend, was Nachweise erübrigt, daß ihre mögliche Realisierbarkeit zu Recht behauptet wird.“ (Teilauszug, S. 22)
Wo es kritisch wird: Wenn „Einleuchten“ Nachweise ersetzt, gewinnt Utopie rhetorische Stärke – und verliert Prüfbarkeit. Scheitern lässt sich leichter als „noch nicht“ umdeuten.
AMBIVALENT: Faszination als Vereinfachung
„Die Faszination, die von der Blochschen Philosophie ausgeht, ist die Faszination einer grandiosen Vereinfachung komplexer Zusammenhänge.“ (Teilauszug, S. 26)
Warum das der Kern ist: Vereinfachung ist Orientierung und Risiko. Sie erklärt Blochs Wirkmacht – und das Potenzial, Bindungen zu erzeugen, wo eigentlich Kritik erwartet wird.
Kirchners Werkzeugkasten: So findet sie Bloch im Text
Kirchner sucht Bloch‑Spuren nicht (nur) über Namensnennungen, sondern über Strukturen.
Bilder/Symbole: ästhetischer „Vor‑Schein“ (Möglichkeitsräume, die Kunst sichtbar macht)
Figurenmodelle: Grenzüberschreiter, die an einem Ideal festhalten
Ein Leitmotiv sind Grenzüberschreiterfiguren, die sich (blochtypisch) über Vorbilder wie Don Quichotte, Don Juan, Faust beschreiben lassen: Figuren, die gegen Widerstände „trotzdem“ handeln – und dabei sowohl utopische Energie als auch Blindstellen mitführen.
Dass das Buch als Covermotiv Giorgio de Chiricos Die Heimkehr des Odysseus (1968) nutzt, ist dabei mehr als Dekor: Odysseus als Figur des Unterwegsseins und der Hoffnung auf Heimkehr passt zum „Noch‑Nicht“ als dauerhafter Denkbewegung.
Aufbau & Korpus: Erst Bloch‑Fundament, dann DDR‑Fallstudien
Die Studie ist klar gebaut:
Fundamentkapitel zu Bloch (Philosophie, Ästhetik, Leitfiguren, DDR‑Kontext)
Autor:innen-/Werkkapitel zu Irmtraud Morgner, Uwe Johnson, Christa Wolf, Fritz Rudolf Fries und Volker Braun
Auffällig ist die Schwerpunktsetzung auf Fries und Braun (mehrere Kapitel, detaillierte Figurenanalysen) – unter anderem entlang zweier Zeitfenster:
1970er: Don‑Quichotte‑Folien (Braun: Guevara oder Der Sonnenstaat; Fries: Das Luft‑Schiff)
frühe 1980er: Don‑Juan/Don‑Giovanni‑Folien (Braun: Hinze‑Kunze‑Roman; Fries: Alexanders neue Welten)
Damit wird sichtbar, wie sich utopische Leitbilder historisch verschieben – und wie Kritik, Ernüchterung und erneute Legitimation ineinander greifen können.
Kurzfazit
Kirchners Kernleistung ist, Utopie nicht als bloßes Thema zu behandeln, sondern als Funktionsweise: Hoffnung strukturiert Wahrnehmung, Moral, Ästhetik und politische Deutung. Der Teilauszug macht das greifbar: Blochs Denken gewinnt Kraft aus einem radikalen Möglichkeitsbezug – und trägt zugleich das Risiko in sich, über Evidenz, Vereinfachung und Zukunftsaufschub Bindung zu erzeugen.
Leseempfehlung (geeignet / eher nicht)
Geeignet für:
Leser:innen mit Interesse an DDR‑Literatur und Ideengeschichte
Studierende, die Utopie/Anti‑Utopie über Denkfiguren und Figurenmodelle analysieren möchten
Alle, die Bloch als Ambivalenzfigur lesen wollen: Hoffnung als Kritikressource und Bindekraft
Eher nicht geeignet für:
Leser:innen, die eine reine Einführung in Bloch ohne literaturwissenschaftliche Schwerpunktsetzung erwarten
Alle, die primär Plot‑Zusammenfassungen suchen (Kirchner argumentiert strukturell, nicht nacherzählerisch)
(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
keine
Verena Kirchner:Im Bann der Utopie. Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR-Literatur. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 2002.
Sekundärliteratur…
Ausgewertet im Besonderen: Cover/Vorspann, Inhaltsverzeichnis, Einleitung und „Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie: Der Wille zur Utopie als weltverändernde Kraft“Quelle: Amazon
Fritzsche, Sonja (2017): Review zu Kirchner, Im Bann der Utopie, in Utopian Studies 28(2), S. 374–379.
Es kam ziemlich protzig daher. 2,5 kg schwer und in einer Größe, dass normale Regale es nicht schlucken. 34,5 x 23,8 x 4 cm groß. Auch der Titel zeugt nicht gerade von Bescheidenheit: „The Book“ …
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.
Ernst Bloch Geist der Utopie Bertelsmann, Gütersloh (1964?)
Bearbeitete Neuauflage der zweiten Fassung von 1923
Hhmmm, wohl ein Klassiker der Philosophie, aber ob ich den gebacken kriege? Dieses Buch war Blochs Debüt und erschien in seiner ersten Fassung 1918. Nicht politisch-gesellschaftliche Fragen stehen im Vordergrund, sondern eher religionsphilosophisch-ästhetische Themenstellungen. Hier haben wir die stark geänderte zweite Fassung vorliegen, die 1923 vorgelegt wurde…
Schwieriges Buch, aber was soll’s, gehört auch zur Familie. Am Besten ist es, man nimmt sich mal die Zusammenfassung des Buches (siehe weiterführende Links) auf getabstract.com vor – dann kommt man schon in die Gänge
Nirgendwo haben wir so klar wie hier sowohl die Motivation wie die Intention der Bücher „Geist der Utopie“ und „Das Prinzip Hoffnung“. Es kam nicht darauf an, die Geschichte der utopischen Stoffe um einen neuen zu vermehren. Erkannte Utopie lässt sich – eben als Utopie – nicht fortsetzen…
Auszug 'Nachwort', Seite 332-341
Auch das oben zitierte Nachwort von Hans Mayer, „Ernst Bloch und der Geist der Utopie“, möchte ich jedem vor der Lesung des Buches ans Herz legen. Kann nicht schaden …
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Lesebändchen
Schutzumschlag? – Hier vermutlich verloren
[Abstract] Geist der Utopie – von anonym – auf getabstract.com
Während des Ersten Weltkriegs, als der junge Ernst Bloch Geist der Utopie verfasste, hatten Erneuerungsbewegungen Hochkonjunktur. Expressionisten und Esoteriker, Sozialisten und jüdische Messianisten, sie alle verband die Hoffnung auf Erlösung, ob nun durch Kunst oder Rausch, Revolution oder Religion. Ernst Blochs fulminantes Debüt vereint all diese auf den ersten Blick unvereinbaren Strömungen zu einem streckenweise schwer verdaulichen Mix. In bester kulturkritischer Manier wettert der Autor gegen die geistig flache und triviale Moderne. Rettung bieten laut Bloch die organisch-expressionistische Kunst, Tagträume und religiöse Vorstellungen, die dem Menschen den Weg zu seinem eigenen Innern, zu seinem utopischen Noch-nicht-Bewussten und einem gelungenen Leben weisen. Blochs überschäumendes Pathos, sein Sendungsbewusstsein und messianischer Impetus mögen heute befremdlich wirken – seine Botschaft, hinter dem Schein des Tatsächlichen das Wahre zu erkennen, spricht jedoch nach wie vor viele Menschen an. …
Ernst Simon Bloch (* 8. Juli 1885 in Ludwigshafen am Rhein; † 4. August 1977 in Tübingen) war ein deutscher Philosoph. Bloch stellte sich in die Tradition der Schriften von Karl Marx und wird heute dem Neomarxismus zugeordnet. …
Robert Albert Bloch (* 5. April 1917 in Chicago; † 23. September 1994 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Autor von Science-Fiction- und Horrorliteratur sowie von Drehbüchern. Er schrieb über 30 Romane und Hunderte Kurzgeschichten. Berühmt wurde insbesondere sein Buch Psycho (1959), auch durch die gleichnamige Hitchcock-Verfilmung. …
Es kam ziemlich protzig daher. 2,5 kg schwer und in einer Größe, dass normale Regale es nicht schlucken. 34,5 x 23,8 x 4 cm groß. Auch der Titel zeugt nicht gerade von Bescheidenheit: „The Book“ …
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.