Kategorie: Sekundärliteratur

Sekundärliteratur bezeichnet Fach- und Sachliteratur, die sich mit anderen Texten (die als Primärliteratur oder Quellen bezeichnet werden) wissenschaftlich auseinandersetzt.

Utopie #52 – der NICHT-Ort in der Sekundärliteratur: Im Bann der Utopie – Kirchner, Verena – Winter, Heidelberg (2002)

Kirchner, Verena
Im Bann der Utopie
Ernst Blochs Hoffungsphilosophie in der DDR-Literatur
Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, Band 187
Winter, Heidelberg (2002)
ISBN 3825313050

Hoffnung als Motor – Hoffnung als Fessel:
Was Verena Kirchners „Im Bann der Utopie“ über DDR‑Literatur verrät
H
Verena Kirchners Studie Im Bann der Utopie setzt bei einer ebenso einfachen wie produktiven Ausgangsfrage an: Wo existiert Ernst Bloch „tatsächlich“ – und wo sind seine Spuren in der Literatur der DDR sichtbar? Damit verschiebt Kirchner die Perspektive weg von bloßen Einflusserzählungen hin zu einer literatur- und ideengeschichtlichen Spurensuche: Bloch erscheint nicht als Zitatlieferant, sondern als Denkform, die poetische Verfahren, Figurenmodelle und Deutungsmuster prägt.
Der Untertitel – Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR-Literatur – ist dabei programmatisch. Kirchner interessiert sich für Blochs „konkrete Hoffnung“ nicht als abstraktes Konzept, sondern als kulturelle Kraft, die im Sozialismus der DDR eine besondere Spannung erzeugt: zwischen utopischem Anspruch und erlebter Wirklichkeit.
 

Worum es geht – in einem Satz

Kirchner verfolgt die „Spuren“ Ernst Blochs in der DDR‑Literatur – und erklärt, wie Hoffnung als Denkform zugleich Kritik befeuern und Bindung erzeugen kann. …

Warum DDR‑Literatur dafür ein besonders scharfes Testfeld ist

Literatur in der DDR stand in einem spezifischen Erwartungsraum: Sie sollte gesellschaftlich wirksam sein (mit Anschluss an große Sinn- und Fortschrittsnarrative) und sich zugleich innerhalb politischer Grenzen bewegen. Utopie ist in diesem Kontext nicht nur ein Motiv, sondern eine Art kultureller Betriebsmodus.
Kirchner beschreibt diese Wirkung als „fatale Ambivalenz“:
  • Hoffnung als Kritikressource: Gegenwart wird am Ideal gemessen; Missstände werden benennbar.
  • Hoffnung als Bindekraft: Die Gegenwart kann als „noch nicht eingelöstes“ Versprechen gelesen werden – der Bruch wird vertagt.

Warum das heute noch relevant ist (und warum Literatur das besonders gut zeigt)

Utopische Dynamiken sind nicht nur politisch, sie sind erzählerisch: Sie leben von Figuren, Bildern, Versprechen, Aufschub – und von der Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit. Literatur kann diese Spannung präziser zeigen als programmatische Texte, weil sie Ambivalenzen nicht „auflösen“ muss: Sie kann Hoffnung zugleich ernst nehmen und unterlaufen, sie kann Scheitern darstellen, ohne den Impuls zur Veränderung zu diskreditieren. Genau darin liegt die Aktualität von Kirchners Befund: Wer in literarischen Texten beobachtet, wie das „Noch‑Nicht“ Kritik antreibt und zugleich als Bindekraft wirkt, lernt etwas über die Form, in der große Erzählungen funktionieren – gestern in der DDR, heute in vielen Debatten über Zukunft, Fortschritt und gesellschaftliche Alternativen. …
 
…Selbst nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatsgefüges stehen die Autoren im Bann der Utopie. Die Hoffnungsperspektive bildet weiterhin den universalistischen Bezugspunkt, von dem aus geschichtliche Verhältnisse und Ereignisse gegliedert, akzentuiert und gewichtet werden. Der gegenwärtige Hauptfeind der Emanzipation ist in Gestalt des Kapitalismus wieder klar konturiert. Ihm gilt ungebrochen die – z.T. auch nach Jahren noch erstaunlich undifferenzierte – Kritik. Aus dem Gegenentwurf spricht erneut die Sehnsucht nach Geschichtssinn. Fundamentalkritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen im aufklärerischen Gestus geht mit anderen Worten mit einem Mangel an Distanz zum Geltungsan-spruch der eigenen Überzeugung einher.24 Dass die Schriftsteller dabei weiter „diesen Bloch […] im Nacken“ haben, erweisen die Texte von Morgner, Fries, Wolf und Braun. … Auszug Einleitung, Seite 20

Blochs „Wille zur Utopie“: Drei Zitate, die das Spannungsfeld öffnen

Der Teilauszug „Blochs Wille zur Utopie“ ist ideal, um Kirchners Zugriff in der Rezension konkret zu machen: Bloch wird nicht nur paraphrasiert, sondern in seinen Mechanismen sichtbar.
 

PRO: Hoffnung als Weltbezug (nicht bloß Gefühl)

„Erwartung, Hoffnung, Intention auf noch ungewordene Möglichkeit: das ist nicht nur ein Grundzug des menschlichen Bewußtseins, sondern […] eine Grundbestimmung innerhalb der objektiven Wirklichkeit insgesamt.“ (Teilauszug, S. 16)
Was daran überzeugt: Hoffnung wird bei Bloch zu einem kognitiven Richtungsakt. Möglichkeit ist nicht Eskapismus, sondern ein ernstzunehmender Wirklichkeitsmodus – literarisch anschlussfähig, weil Texte das „Noch‑Nicht“ erfahrbar machen können.
 

KONTRA: Evidenzgestus statt Nachweis

„Ihr Gefühlswert macht Vollkommenheitsvorstellungen unmittelbar einleuchtend, was Nachweise erübrigt, daß ihre mögliche Realisierbarkeit zu Recht behauptet wird.“ (Teilauszug, S. 22)
Wo es kritisch wird: Wenn „Einleuchten“ Nachweise ersetzt, gewinnt Utopie rhetorische Stärke – und verliert Prüfbarkeit. Scheitern lässt sich leichter als „noch nicht“ umdeuten.
 

AMBIVALENT: Faszination als Vereinfachung

„Die Faszination, die von der Blochschen Philosophie ausgeht, ist die Faszination einer grandiosen Vereinfachung komplexer Zusammenhänge.“ (Teilauszug, S. 26)
Warum das der Kern ist: Vereinfachung ist Orientierung und Risiko. Sie erklärt Blochs Wirkmacht – und das Potenzial, Bindungen zu erzeugen, wo eigentlich Kritik erwartet wird.

Kirchners Werkzeugkasten: So findet sie Bloch im Text

Kirchner sucht Bloch‑Spuren nicht (nur) über Namensnennungen, sondern über Strukturen.
Ihre Analyseebenen:
  • Denkfiguren: „Zwar–Aber“, „Sowohl‑als‑auch“, „Noch‑Nicht“
  • Bilder/Symbole: ästhetischer „Vor‑Schein“ (Möglichkeitsräume, die Kunst sichtbar macht)
  • Figurenmodelle: Grenzüberschreiter, die an einem Ideal festhalten
Ein Leitmotiv sind Grenzüberschreiterfiguren, die sich (blochtypisch) über Vorbilder wie Don Quichotte, Don Juan, Faust beschreiben lassen: Figuren, die gegen Widerstände „trotzdem“ handeln – und dabei sowohl utopische Energie als auch Blindstellen mitführen.
Dass das Buch als Covermotiv Giorgio de Chiricos Die Heimkehr des Odysseus (1968) nutzt, ist dabei mehr als Dekor: Odysseus als Figur des Unterwegsseins und der Hoffnung auf Heimkehr passt zum „Noch‑Nicht“ als dauerhafter Denkbewegung.
 

Aufbau & Korpus: Erst Bloch‑Fundament, dann DDR‑Fallstudien

Die Studie ist klar gebaut:
  1. Fundamentkapitel zu Bloch (Philosophie, Ästhetik, Leitfiguren, DDR‑Kontext)
  2. Autor:innen-/Werkkapitel zu Irmtraud Morgner, Uwe Johnson, Christa Wolf, Fritz Rudolf Fries und Volker Braun
  3. Schluss + Apparat (Siglen, Literaturverzeichnis, Register)
Auffällig ist die Schwerpunktsetzung auf Fries und Braun (mehrere Kapitel, detaillierte Figurenanalysen) – unter anderem entlang zweier Zeitfenster:
  • 1970er: Don‑Quichotte‑Folien (Braun: Guevara oder Der Sonnenstaat; Fries: Das Luft‑Schiff)
  • frühe 1980er: Don‑Juan/Don‑Giovanni‑Folien (Braun: Hinze‑Kunze‑Roman; Fries: Alexanders neue Welten)
Damit wird sichtbar, wie sich utopische Leitbilder historisch verschieben – und wie Kritik, Ernüchterung und erneute Legitimation ineinander greifen können.

Kurzfazit

Kirchners Kernleistung ist, Utopie nicht als bloßes Thema zu behandeln, sondern als Funktionsweise: Hoffnung strukturiert Wahrnehmung, Moral, Ästhetik und politische Deutung. Der Teilauszug macht das greifbar: Blochs Denken gewinnt Kraft aus einem radikalen Möglichkeitsbezug – und trägt zugleich das Risiko in sich, über Evidenz, Vereinfachung und Zukunftsaufschub Bindung zu erzeugen.

Leseempfehlung (geeignet / eher nicht)

Geeignet für:
  • Leser:innen mit Interesse an DDR‑Literatur und Ideengeschichte
  • Studierende, die Utopie/Anti‑Utopie über Denkfiguren und Figurenmodelle analysieren möchten
  • Alle, die Bloch als Ambivalenzfigur lesen wollen: Hoffnung als Kritikressource und Bindekraft
Eher nicht geeignet für:
  • Leser:innen, die eine reine Einführung in Bloch ohne literaturwissenschaftliche Schwerpunktsetzung erwarten
  • Alle, die primär Plot‑Zusammenfassungen suchen (Kirchner argumentiert strukturell, nicht nacherzählerisch)
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Kirchner, Verena
  • Im Bann der Utopie
  • Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR- Literatur
  • Winter, Heidelberg (2002)
  • Paperback
  • 272 Seiten
  • ISBN 3825313050
Preisangaben Eurobuch

(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • keine
  • Verena Kirchner: Im Bann der Utopie. Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR-Literatur. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 2002.

Sekundärliteratur…
Ausgewertet im Besonderen: Cover/Vorspann, Inhaltsverzeichnis, Einleitung und „Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie: Der Wille zur Utopie als weltverändernde Kraft“Quelle: Amazon

  • Fritzsche, Sonja (2017): Review zu Kirchner, Im Bann der Utopie, in Utopian Studies 28(2), S. 374–379.

Sekundärliteratur…

  • Amberger, Alexander: Ernst Bloch in der DDR: Hoffnung – Utopie – Marxismus

Ergänzung …
Bedeutung: Ergänzender ArtikelQuelle: alexander-amberger.de


siehe auch (Auszug):


Die letzten Artikel im Blog:


Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.

 

Bibliotheca Universitas Phantastica #123 – Neues aus der Bibliothek

Neuzugänge und Veränderungen

vom 7. Juli bis 9. Juli 2026

MDie drei Neuzugänge sind eigentlich eher ganz spezielle Bücher im Sinne der Ausrichtung der Bibliothek. „Die Magie der Welt“ stellt die Frage der Bedeutung der Magie in der Geschichte der Menschheit. Ableitungen ins Fantasy-Genre sind da wohl erlaubt. „Im Bann der Utopie“ behandelt die Hoffnungsphilosophie Ernst Blochs in der DDR-Literatur und schlägt damit ins Utopiefach. Die vorliegende Studie weist die Präsenz des Blochschen Denkens in der Figurengestaltung, an Denkmodellen und utopischen Bildern wichtiger literarischer Werke nach. Darüber werde ich aber noch gesondert reflektieren …


Neuzugänge:
als Html-Ansicht-> 2026-07-09-Neuerungen-Bericht

image
1.

Im Bann der Utopie: Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie in der DDR-Literatur
V. Kirchner

Beiträge zur neueren Literaturgeschichte 187 (2002), Winter

ISBN 978-3-8253-1305-0

Abstract: Blochs Hoffnungsphilosophie hat die DDR-Literatur nachhaltig geprägt. Die Studie zeigt an Werken von Braun, Fries, Johnson, Morgner und Wolf, wie DDR-Autoren ihre Sozialismusauffassung und ihren Literaturbegriff in Auseinandersetzung mit der Philosophie der ‚konkreten Utopie‘ entwickeln. Eine fatale Ambivalenz wird deutlich: Einerseits ermuntert das ‚Prinzip Hoffnung‘ die Autoren, im Widerspruch zur Partei Kritik an Mißständen zu üben. Andererseits trägt es dazu bei, den Bruch mit dem System zu verhindern. Die Dialektik der Aufklärung bildet dabei in Texten der achtziger Jahre den Hintergrund, vor dem sich das ursprüngliche Anliegen der sozialistischen Revolution noch einmal beglaubigen lässt. …

Tags: Geographie->, Geographie->Europa (GE)->, Geographie->Europa (GE)->DDR, Person->, Person->Bloch, Ernst, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Utopie/Dystopie, Utopie(n)->, {04.0} Bestand/Papier

image
2.

Heldenzeit: Interpretationen zur Dietrichepik des 13. bis 16. Jahrhunderts
F. Kragl

Studien zur historischen Poetik Band 12 (2013), Winter

ISBN 978-3-8253-6074-0

Abstract: Gegenstand der Monographie ist die Dietrichepik des hohen und späten Mittelalters und mit ihr der größere Teil der deutschen Heldenepik überhaupt. Es sind dies Texte, um deren narrative und poetische Verfasstheit sich die Forschung lange Zeit nicht oder nur am Rande kümmern wollte. Der vorliegende Band versucht demgegenüber, die Erzählungen von Dietrich von Bern, seinen Kriegen und ›Abenteuern‹ – ‚Dietrichs Flucht‘, ‚Rabenschlacht‘ und ‚Alpharts Tod‘; ‚Goldemar‘, ‚Laurin‘, ‚Sigenot‘, ‚Eckenlied‘, ‚Virginal‘, ‚Rosengarten‘ und ‚Wunderer‘ – dezidiert als literarische Phänomene zu begreifen. Gerahmt von Überlegungen zur mediengeschichtlichen Situierung der Dietrichdichtung im Spannungsfeld von mündlichem Erzählen und schriftlicher Fixierung, ist das Ziel, in Einzelinterpretationen die evidente hermeneutische Resistenz der Dietrichepik präzise zu umreißen, um auf diese Weise die Poetik dieses sprödesten Genres der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Erzählliteratur näher zu bestimmen. …

Tags: Dietrichepik, Epoche(n)->, Epoche(n)->13. Jahrhundert, Epoche(n)->14. Jahrhundert, Epoche(n)->15. Jahrhundert, Epoche(n)->16. Jahrhundert, Held(en)->, Held(en)->-dichtung, Held(en)->-figuren, Held(en)->-sage(n), Interpretation(en)->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.0} Bestand/Papier

image
3.

E.D. Martino

(2025)

ISBN 978-3-7518-0407-3

Abstract: Für Ernesto de Martino ist die Magie weder ein einziger großer Irrtum noch etwas in der Evolution unserer Gesellschaften Überwundenes, sondern beschreibt das für die Menschwerdung unabdingbare existenzielle Drama, das einen über Gegenstände vermittelten Bezug von Ich und Welt überhaupt erst ermöglicht. Dabei lauert der Zusammenbruch der Ordnungen, die von de Martino sogenannte Krise der Präsenz, auch in der zeitgenössischen, modernen Welt. Was aber folgt daraus, wenn man die in Ritualen von Magiern und Schamanen formulierten Ansprüche ernst nimmt? Ernesto de Martino schrieb dieses Buch rund um Europas Stunde Null, in der Hoffnung auf eine »umfassende Befreiung des Geistes«. Mit ungekannter Radikalität stellt seine umfangreiche, 1948 erstmals erschienene Studie die Frage nach der Rolle der Magie in der Geschichte der Menschheit. Mit dieser um Selbstaussagen und Rezeptionszeugnissen angereicherten Ausgabe wird ein Klassiker nicht nur der italienischen Kulturtheorie erstmals in Deutschland zugänglich. …

Tags: Magie->, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, {04.1} Bestand/Digital

Veränderungen (Korrekturen, Ergänzungen):
als Html-Ansicht-> 2026-07-09-Änderungen-Bericht

image
1.

Die Literatur des Grauens
H.P. Lovecraft

(1985), Edition Phantasia

ISBN 3-924959-01-3

Abstract: limitierte Ausgabe, 703/1000

Tags: Gruselgeschichte, Literatur->Horror- und Schauer-, Person->, Person->Lovecraft, H. P., Phantastik->, Phantastik->Literatur, Phantastik->Theorie(n), Roman(e)->Schauerroman->, Romantik->, Romantik->Schauerroman, Unheimlich->, Unheimlich->Literatur, [01] zur Bearbeitung, [08] Import BookCat, {04.0} Bestand/Papier

image
2.

H.P. Lovecraft

Ullstein Taschenbuch 36544 (1987), Ullstein

ISBN 3-548-36544-2

Abstract: Erste gekürzte deutschsprachige Ausgabe

Tags: Grauen, Horror->, [01] zur Bearbeitung, [08] Import BookCat, {04.0} Bestand/Papier

3.

H. P. Lovecrafts Literatur des Grauens
S. T. Joshi

Pandora Nr. 2Pandora (Shayol) 2 (2007), H. Riffel, H. Kettlitz, J. Clute (Hrsg.), SHAYOL Verlag Ronald Hoppe: 104–115

ISBN 978-3-926126-73-3

Abstract: Essay …

Tags: Horror->, Horror->Theorie, Person->Lovecraft, H. P., [08] Import BookCat, {04.0} Bestand/Papier

image
4.

Dr.F. Weinreich

(2026)

Abstract: Der König des Horrors über das Genre und dessen Konservativismus

oder auch gleich direkt in das

Repository
Sofern die Dokumente im Internet zum Download angeboten werden, sind sie auch im Repository per Klick erreichbar.


Die letzten Artikel:


Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.

 
 
 

Science Fiction #132 – realistische Spekulation über Möglichkeiten: Deutschland. Ein Science-Fiction – Rickels, Laurence A.

Rickels, Laurence A.
Deutschland. Ein Science Fiction.
in: Meister, Carolin / Rickels, Laurence A. (Hrsg.) – Ghostarbeiter: über technische und okkulte Medien
Kadmos, Berlin (2014)
ISBN 9783865992420
 
Deutschland als Science-Fiction-Diagnose…
 
D
Wer sich für Fantastik/Fantastik-Debatten in Deutschland interessiert – insbesondere für die Linie von Technikphantasien, Dystopie und Utopiekritik – findet in Laurence A. Rickels’ „Deutschland. Ein Science-Fiction“ einen Text, der sich wie eine Mini-Monografie im Aufsatzformat liest: Rickels nutzt Science-Fiction nicht als Nische der Populärkultur, sondern als kulturgeschichtliches Diagnoseinstrument. „Deutschland“ erscheint dabei als Problem- und Projektionsfläche, die in Genres, Medien und Technikutopien fortlebt – oft dort, wo direkte historische Erzählung aussetzt.
Der Aufsatz ist deshalb so ergiebig, weil er Fantastik nicht nur inhaltlich (Raumfahrt, Androiden, Zukunft) adressiert, sondern methodisch: Er fragt, welche kulturellen Arbeiten (Trauer, Reparation, Integration, Verdrängung) Genres leisten – und wie Technik- und Mediengeschichte diese Arbeiten mit organisiert. …

 
Laurence A. Rickels’ Beitrag „Deutschland. Ein Science-Fiction“ lässt sich als medien- und kulturtheoretische Fallstudie lesen, die Science-Fiction nicht primär als Literaturgattung, sondern als kulturelles Dispositiv behandelt. Der Text verbindet Genre-Geschichte, Technik- und Populärkultur sowie psychoanalytisch informierte Begriffe (u. a. Trauer, Empathie, Integration) zu einer Argumentation, in der „Deutschland“ weniger als geografisch-nationale Kategorie denn als Problem- und Projektionsfigur innerhalb der Science-Fiction-Traditionen erscheint.
 
Strukturell arbeitet der Artikel über mehrere miteinander verschränkte Themenfelder: Erstens zeichnet Rickels eine Linie, in der „Deutschland“ als früher Impulsgeber technischer Imagination (u. a. im Umfeld filmischer Projektionen wie Fritz Lang) und zugleich als später verdrängter bzw. umcodierter Bezugspunkt der Nachkriegs-SF erscheint. Science-Fiction fungiert dabei als Speicherform, in der Gewaltgeschichte und ihre Nachwirkungen nicht direkt, sondern über Zukunftsformen und Technikmotive weiterarbeiten. Zweitens rückt Rickels die Figur des Androiden und das Motiv des „Empathietests“ ins Zentrum. Das „Androiden-Problem“ wird nicht als Frage technischer Eliminierung, sondern als Problem sozialer und psychischer Integration gefasst. Adoleszenz erscheint in diesem Zusammenhang als zeitlich begrenzte Inszenierung von Psychopathie, aus der ein Hinauswachsen möglich ist; dadurch wird die Grenzziehung zwischen „menschlich“ und „nicht-menschlich“ als Frage affektiver und trauerbezogener Kompetenz modelliert.
 
Drittens erweitert der Text die Perspektive auf Nachkriegskultur und Populärmedien: Die Nachkriegskarriere Wernher von Brauns und die Disney-Formate um „Tomorrowland“ werden als Bestandteile einer kulturellen Maschinerie beschrieben, die technische Zukunftsbilder, Schuld- und Produktivitätsnarrative sowie politische „Integration“ ineinander verschaltet. In diesem Kontext erscheint Science-Fiction als Infrastruktur, die bestimmte gesellschaftliche Verständigungen über Technik und Zukunft performativ herstellt, statt sie nur abzubilden. Viertens thematisiert Rickels die Nachkriegsordnung (u. a. Morgenthau, Adenauer, Wiedergutmachungspolitik) und diskutiert – auch über Hinweise auf Pynchon – die auffällige Abwesenheit des Holocaust in bestimmten Zukunftsentwürfen als Symptom kultureller Umdefinitionen. Die These, dass „Wiedergutmachung“ eine Sprache der Bewertung und Kompensation etabliert, wird als Teil einer symbolischen Ökonomie entfaltet, die produktive, aber auch riskante Verschiebungen ermöglicht.
 
Der Beitrag arbeitet stilistisch mit dichter Montage, schnellen Übergängen und einer hohen Referenzdichte (Genre, Geschichte, Psychoanalyse, Popkultur). Die Argumentation ist weniger als linearer Nachweis angelegt denn als Folge von Verknüpfungen, die den Leser:innen ein assoziativ-theoretisches Mitdenken abverlangen. Als Stärke kann gelten, dass Rickels Science-Fiction konsequent als kulturelle Form ernst nimmt, in der historische Konflikte, Affektpolitiken und Medienumgebungen zusammenlaufen. Zugleich setzt der Text für eine reibungslose Lektüre Vorwissen bzw. Bereitschaft zur Theoriearbeit voraus; eine explizite Begriffsführung oder didaktische Entfaltung der Referenzen ist nicht sein primäres Ziel.
 
Insgesamt bietet „Deutschland. Ein Science-Fiction“ eine Deutung von Science-Fiction als historisch aufgeladene Kulturtechnik, in der „Deutschland“ als Signatur von Integrations- und Übersetzungsproblemen (Technik, Gewaltgeschichte, Empathie) wiederkehrt. Der Artikel eignet sich besonders für Fragestellungen, die Genre nicht nur textimmanent, sondern im Verbund mit Mediengeschichte, politischer Nachgeschichte und Affekttheorie untersuchen. …
 
Laurence Rickels liest die posttraumatische Wiedervereinigung Deutschlands und Kaliforniens in Dicks Simulacra als Allegorie auf die Geschichte des SF-Genres. …
Auszug Vorwort

Worum geht’s? Fünf argumentative Bewegungen

1) „Deutschland“ als Science-Fiction-Archiv: von Lang zur Nachkriegs-SF

Rickels setzt bei einer Genealogie an, die deutsche Zukunftsbilder eng mit Medien- und Technikgeschichte verschaltet: Fritz Langs Bildräume und die frühe Film-SF markieren einen Ursprung, aus dem heraus „Deutschland“ als technikfantastische Projektionsmacht sichtbar wird – Rakete, Gravitation, Grab/Start, Aufbruch und Kontrollphantasie. (Rickels Laurence – Deutschland. Ein Science-Fiction)
Entscheidend ist dann die Verschiebung: Nach 1945 ist „Deutschland“ nicht einfach nur ein Herkunftslabel, sondern wird im Genre als Integrationsproblem weitergeführt. Science-Fiction wird – in Rickels’ Zugriff – zu einem Speicher, in dem die Nachgeschichte (Schuld, Gewalt, politische Neuordnung) nicht frontal, aber wirksam verarbeitet wird.
 

2) Androiden, Adoleszenz, Empathie: Fantastik als Testlabor

Eine der stärksten Passagen ist Rickels’ Modellierung des Androiden-Topos: Das „Androiden-Problem“ sei nicht durch Eliminierung zu lösen, sondern durch Integration – und Integration heißt hier: Empathie testen.
Rickels koppelt diese Figur an Adoleszenz: Jugendzeit erscheint als eine „zeitbasierte“ Inszenierung von Psychopathie, die nicht notwendig endgültig ist, sondern als Übergang gedacht werden kann. Damit verschiebt er das Fantastische vom reinen Spektakel in eine anthropologische und soziale Grenzdiagnostik: Wer/was ist „menschlich“, wenn Empathie (und Trauerfähigkeit) unsicher wird? (Rickels Laurence – Deutschland. Ein Science-Fiction)
Für eine deutschsprachige Fantastik-Diskussion ist das produktiv, weil es den Androiden (und allgemeiner: das Nicht-Menschliche) nicht als „Other“ fixiert, sondern als Spiegel einer gesellschaftlichen Normalisierung: Fantastik zeigt nicht nur das Unheimliche, sie zeigt, wie Normalität hergestellt wird.
 

3) Populärkultur als Zukunftsmaschine: Disney, „Tomorrowland“, von Braun

Im weiteren Verlauf verbindet Rickels Technikgeschichte und Kulturindustrie: Wernher von Brauns Nachkriegskarriere und die Disney-Inszenierung der Raumfahrt („Tomorrowland“) werden zu einer Art Integrationsapparat.
Hier zeigt sich ein Kern von Rickels’ Schreibweise: Er liest Populärkultur nicht „nur“ ideologiekritisch, sondern als Ort, an dem Zukunftserzählungen gesellschaftliche Widersprüche operativ machen – also: anschlussfähig, erzählbar, konsumierbar. Das Fantastische (Weltraum, Zukunft) ist nicht Fluchtpunkt, sondern Infrastruktur, die die Gegenwart sortiert.
 

4) Deutsche Fantastik als Spannungsfeld von Utopie und Katastrophe: Laßwitz vs. Wells

Für meinen derzeitigen Fokus „Technikdystopie und Utopiekritik 1897–1925“ ist besonders die Rückbindung an Kurd Laßwitz (Auf zwei Planeten, 1897) interessant. Rickels positioniert Laßwitz als frühen, deutschen Knotenpunkt, der eine andere Mars- und Zukunftslogik ermöglicht als die später kanonische Katastrophenlinie, die häufig mit H. G. Wells verbunden wird.
Ohne dass Rickels daraus eine schlichte „Deutschland = Utopie“-Behauptung macht, wird doch sichtbar: Fantastik in Deutschland kann als Debatte über Zukunftsformen gelesen werden – und diese Debatte kippt historisch (und politisch) in andere Register, in denen Technikverheißung, Gewaltgeschichte und „Integration“ sich überlagern.
 

5) Wiedergutmachung, Holocaust-Abwesenheit und die Grenzen der Reparation

Im dritten Teil greift Rickels explizit auf Nachkriegspolitik (u. a. Adenauer/Wiedergutmachung) und auf die Frage der (Nicht-)Darstellbarkeit bzw. Abwesenheit des Holocaust in bestimmten Nachkriegs-Zukunftsdiskursen aus.
Science-Fiction erscheint hier als problematischer, aber aufschlussreicher Raum: Gerade das, was nicht auftaucht, kann als Symptom wirken. Rickels bindet diese Beobachtung an eine Ökonomie der Reparation, in der Produktivität als Maßstab eingesetzt wird – mit dem Effekt, dass „Ausgleich“ zugleich etwas verdecken und etwas neu organisieren kann
 

Warum der Sammelband Ghostarbeiter mehr ist als „Verpackung“

Auch wenn Rickels’ Aufsatz im Vordergrund steht: Der Sammelband Ghostarbeiter. Über technische und okkulte Medien liefert die theoretische Grundtemperatur, aus der der Text hervorgeht. Die Leitfigur der „Ghostarbeit“ denkt Kultur als Arbeit am Nicht-Integrierten: Reste, Verluste, Verdrängtes, das in „Krypten“ eingeschlossen bleibt und als Störung wiederkehrt.
Damit wird verständlich, warum Rickels Science-Fiction so konsequent als Medienphänomen liest: Zukunftsbilder hängen an den Bedingungen dessen, was eine Kultur speichern, senden und sichtbar machen kann.
 

Ein Aufsatz für alle, die SF nicht nur „lesen“, sondern als Kulturtechnik verstehen wollen

„Deutschland. Ein Science-Fiction“ eignet sich besonders für Leser:innen, die Fantastik als Konfliktfeld begreifen: zwischen Technikverheißung und Utopiekritik, zwischen Populärkultur und politischer Nachgeschichte, zwischen dem, was erzählt werden kann, und dem, was als Abwesenheit nachwirkt.
Wenn man bereit ist, sich auf die dichte Montage einzulassen, bekommt man kein bequemes Genre-Urteil, sondern einen Text, der Science-Fiction als historisch aufgeladene Kulturtechnik lesbar macht – und „Deutschland“ als Signatur von Integrations- und Übersetzungsproblemen in diesen Zukunftsformen.
 
Bibliographisch: Antiquarisch:Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Rickels, Laurence A.
  • Deutschland. Ein Science-Fiction
  • in: Meister, Carolin / Rickels, Laurence A. (Hrsg.) – Ghostarbeiter: über technische und okkulte Medien
  • Kadmos, Berlin (2014)
  • Taschenbuch
  • 188 Seiten, hier Seite 149-170
  • ISBN 9783865992420

Preisangaben Eurobuch

(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)

  • keine
  • Rickels, Laurence A.: Wikipedia-Eintrag
    Onlinequelle …
    Bedeutung: kurze Beschreibung des Autors und Hinweis auf Hauptwerk (Germany. A Science Fiction. Fort Wayne AntiOedipus Press, 2015, ISBN 978-0-9892391-7-2)…Quelle: Wikipedia

  • Rezension von Rickels „Germany: A Science Fiction (2015): Rezension von David Agranoff am 17. Oktober 2020

Sekundärliteratur …
Bedeutung: „Man muss schon ein Akademiker oder ein Science-Fiction-Theorie-Nerd sein, der sich wie ich intensiv damit beschäftigt. Verdammt, das ist genau die Art von Buch, die man mir ins
Gehirn implantieren könnte. Das größte Kompliment, das ich dem Buch machen kann, ist wohl, dass es im Regal zwei Plätze neben Damon Knights „In Search of Wonder“ steht. Das ist ein MUSS für Science-Fiction-Theoretiker, und ich bin froh, dass ich es gelesen habe. …
Quelle: larickels.com

  • Rickels, Laurence A.: Webpräsenz des Autors
Onlinequelle…
Bedeutung:  Webpräsenz des Autors und weitere Hinweise auf sein Schaffen wie z.B. „Der integrierte Vampir“ nebst vielen InterviewsQuelle:larickels.com

siehe auch (Auszug):


Die letzten fünf Artikel im Blog:


Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Die Links wurden bei Aufnahme einmal überprüft auf unerwünschte Inhalte. Auf Änderungen der Link-Inhalte nach Aufnahme in den veröffentlichten Korpus habe ich keinen Einfluss. Sollten unerwünschte Inhalte also trotz Prüfung vorkommen, so verständigen Sie mich bitte, damit ich den Link entfernen kann. Die vorhandenen Bild- und Textzitate dienen lediglich zur Information über den verlinkten Inhalt und sollen keinesfalls Rechte der tatsächlichen Verfasser schmälern.

 
 

Bibliotheca Universitas Phantastica #122 – Neues aus der Bibliothek

Neuzugänge und Veränderungen

am 4. Juli bis 6. Juli 2026

MZwei relativ neue Veröffentlichungen sind gestern vorstellig geworden. „Hither Shore Nr. 21“ und „Von Robin Hood zu Robin of Sherwood“. Hither Shore hat den üblichen Nachteit, dass alle Artikel bis auf einen auf englisch veröffentlicht wurden. Offenbar legt man keinen Wert darauf, auch hierzulande ohne Hürden gelesen zu werden. Bei „Von Robin…“ wurden nicht alle Artikel in die Datenbank übernommen, weil nicht alle relevant (der Phantastik) gewidmet sind. Für eine Gesamtübersicht hier bitte ToC (Table of Content) verwenden. Sehr gefallen hat mir auch „Ghostarbeiter“ mit dem Artikel „Deutschland. Ein Science-Fiction„. Dazu morgen noch eine Besprechung. Auch „Fantastik bei Georg Klein“ ist nicht zu verachten …


Neuzugänge:
als Html-Ansicht-> 2026-07-06-Neuerungen-Bericht

image
1.

K. Achatz

Bamberger Studien zu Literatur, Kultur und Medien 4 (2012), Univ. of Bamberg Press

ISBN 978-3-86309-094-4

Abstract: Georg Kleins Romane sorgen für Verwirrung: Einerseits greift Klein auf typische trivialliterarische Genres wie etwa den Agenten- oder Arztroman zurück, andererseits fühlen sich die Leser an die fantastisch unheimlichen Szenarien E. T. A. Hoffmanns oder Kafkas erinnert. Vergeblich suchen viele Leser einen versteckten Sinn, den sie hinter all den Irreführungen in Kleins Texten vermuten. Die vorliegende Arbeit erläutert, welche Textstrategien in Kleins Romanen diese Verstörung und Verwirrung der Leser hervorrufen. Kleins ersten vier Romanen liegt jeweils ein triviales Genre zugrunde: Agentenroman, Detektivroman, Horrorroman und Arztroman. Der Autor durchbricht das starre Schema der Trivialliteratur und verfremdet die Genres mithilfe bestimmter erzähltechnischer Verfahren. Viele Rezensenten verorten die Kleinschen Romane deshalb in der fantastischen Literatur. Tatsächlich bietet die literaturwissenschaftliche Diskussion der Fantastik geeignete Ansatzpunkte, um die erzähltechnischen Strukturen in Kleins Romanen zu untersuchen. Der Theoretiker Uwe Durst bestimmt in Anlehnung an Tzvetan Todorov das Fantastische als Grenzphänomen: Wo in einem Text Unschlüssigkeit darüber herrscht, ob ein Ereignis rational zu erklären ist oder nicht, liegt Fantastik vor. Sobald der Zweifel zugunsten einer realistischen oder einer wunderbaren Erklärung aufgelöst wird, verlässt der Text den Bereich des Fantastischen. Während Todorov das Wunderbare als Abweichung von der physikalischen Wirklichkeit betrachtet, setzt Durst rein innerfiktionale Maßstäbe an. Das fantastische Ereignis stellt seiner Ansicht nach nicht die Realität, sondern vielmehr innerfiktionale Konventionen infrage. Genau an diesem Punkt lässt sich an Kleins Spiel mit den trivialen Genres anknüpfen. Durch den Einsatz bestimmter erzähltechnischer Strategien, etwa den Einsatz unzuverlässiger Erzähler oder multiperspektivischen Erzählens, erzeugt er Fantastik und durchbricht so die Regeln der Genrekonvention. Sowohl bei Todorov als auch bei Durst ist der entscheidende Faktor die Wahrnehmung der Unschlüssigkeit durch einen impliziten Leser, der die Inkompatibilität verschiedener Erklärungsmodelle im Text registriert. Beide verankern den Leser so als textinterne Struktur in der Theorie. Durch eine Betrachtung realer Leser-Rezensionen wird validiert, inwiefern Dursts Theorie auch der Wahrnehmung der tatsächlichen Rezipienten entspricht: Eine Gegenüberstellung der Textphänomene, an denen die Leser sich stören, und der Analyseergebnisse zeigt, dass Kleins Einsatz von Fantastik für die Verwirrung der Rezipienten verantwortlich ist. Diese sehen mehrheitlich die trivialen Genres als Grundlage der Romane. Die meisten betonen jedoch auch, dass es sich um weit mehr als Schema-Literatur handelt – was aber genau mit den trivialliterarischen Texten passiert, kann keiner in Worte fassen. Der Genrebezug weckt beim Leser Erinnerungen an bestimmte Schemata, die dann als Schablone an den Text herangetragen werden. Nach und nach zerstört Klein das Genremuster, die erwartete Kohärenz stellt sich nicht ein. An dieser Stelle wäre der Leser gefordert, seine Erwartungshaltung an die veränderte Situation anzupassen. Klein jedoch verfremdet das Bezugsgenre, indem er fantastische Verfahren einsetzt. Die destabilisierenden Erzähltechniken versetzen sowohl professionelle Rezensenten als auch Laien-Leser in einen desolaten Zustand. Mit Dursts Theorie der Phantastik lässt sich also nicht nur die Struktur der Kleinschen Romane entschlüsseln, sie bietet auch eine einleuchtende Erklärung für die Leserreaktionen. …

Tags: Fantastik->, Person->, Person->Klein, Georg, Sekundärliteratur->Phantastik, {04.1} Bestand/Digital

image
2.

Von Robin Hood zu Robin of Sherwood: Legende – Kollektivsymbol – Serienheld

(2025), O. Bidlo, F. Weinreich (Hrsg.), Oldib Verlag

ISBN 978-3-910869-18-9

Abstract: Robin Hood – eine weltbekannte Legende, die zum Symbol für Gerechtigkeit und Fürsorge wurde, fasziniert seit mindestens 800 Jahren die Menschen. Der das Unrecht bekämpfende Bogenschütze, seine große Liebe Marion und die tapfere Gemeinschaft der mit ihm im Sherwood Forest lebenden Merry Men regen die Menschen bis heute an. Durch die Fernsehserie Robin of Sherwood aus den 1980er-Jahren und ihre Interpretation wurde dieses Symbol erneut mit Bedeutung und Hoffnung für eine als allzu kalt und nach Sinn suchend empfundene Realität aufgeladen. Dieser von Now is here – Deutsche Robin of Sherwood Gesellschaft e. V. initiierte Sammelband zeichnet in fachwissenschaftlichen Beiträgen die Geschichte Robin Hoods im Wandel der Zeit nach und deutet die mit dem Phänomen verbundenen Metaphern rund um den Kampf um Gerechtigkeit für die einfachen Menschen. Er verortet die Legende in Kultur, Medien sowie ontologisch und erklärt die ganz besondere Geschichte der Entstehung und Bedeutung der Robin-Interpretation in der vierzig Jahre alten Fernsehserie Robin of Sherwood. Die dreizehn Beiträge von Forschenden und von in Now is here engagierten Personen reichen von Fachaufsätzen über Erfahrungsberichte aus dem Fandom, von den Dreharbeiten bis hin zu persönlichen Perspektiven, die die menschliche Seite und Bedeutung einer Serie aufzeigen, die mehr sein wollte als bloße Unterhaltung. …

Tags: Legende(n)->, Legende(n)->Robin Hood, Literarische Figur(en)->, Literarische Figur(en)->Robin Hood, Sekundär->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.0} Bestand/Papier

3.

Einleitung in „Von Robin Hood zu Robin of Sherwood“
Bidlo und Dr.F. Weinreich

Von Robin Hood zu Robin of Sherwood: Legende – Kollektivsymbol – Serienheld (2025), O. Bidlo, Dr.F. Weinreich (Hrsg.), Oldib Verlag: 12–14

ISBN 978-3-910869-18-9

Tags: Einleitung(en), Legende(n)->, Legende(n)->Robin Hood, Literarische Figur(en)->, Literarische Figur(en)->Robin Hood, Sekundär->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.0} Bestand/Papier

4.

Magie im Mittelalter
M. Dahlmann

Von Robin Hood zu Robin of Sherwood: Legende – Kollektivsymbol – Serienheld (2025), O. Bidlo, F. Weinreich (Hrsg.), Oldib Verlag: 48–53

ISBN 978-3-910869-18-9

Abstract: Einblick in die Gesetzmäßigkeiten der Magie …

Tags: Legende(n)->, Legende(n)->Robin Hood, Literarische Figur(en)->, Literarische Figur(en)->Robin Hood, Magie->, Sekundär->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.0} Bestand/Papier

5.

Mystik, Magie und Gesetzlosigkeit – Robin of Sherwood und die Tradition der Sword-and-Sorcery Fantasy
J.T.M. Eilmannn

Von Robin Hood zu Robin of Sherwood: Legende – Kollektivsymbol – Serienheld (2025), O. Bidlo, F. Weinreich (Hrsg.), Oldib Verlag: 124–140

ISBN 978-3-910869-18-9

Tags: Fantasy->, Fantasy->Genre->, Fantasy->Genre->Sword-and-Sorcery, Legende(n)->, Legende(n)->Robin Hood, Literarische Figur(en)->, Literarische Figur(en)->Robin Hood, Magie->, Mystik->, Sekundär->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.0} Bestand/Papier

image
6.

Tolkien und seine Herausgeber:innen: = Tolkien and his editors

Hither Shore Band 21 (2024) (2025), T. Fornet-Ponse, T. Honegger, E. Koch (Hrsg.), Oldib-Verlag

ISBN 978-3-910869-17-2

Abstract: Das Jahrbuch enthält unter anderem die Beiträge des Interdisziplinären Seminars der DTG vom Aachen 11. bis 13. Oktober 2024 Es enthält Beiträge von Michaël Devaux, Verlyn Flieger, Peter Grybauskas, Wayne G. Hammond, Christina Scull, Allan Turner, Thomas Fornet-Ponse, Łukasz Neubauer, Thomas Honegger, Ryan Jay Syler, Jacob Langenhahn, Jonathan Nauman, Intoine Paris, Sebastian Krinner …

Tags: Medien->, Medien->Medienart->, Medien->Medienart->Jahrbuch, Person->, Person->Tolkien, Christopher, Person->Tolkien, J. R. R., Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.0} Bestand/Papier

7.

Vater und Söhne, oder: Die Suche nach CJRT in JRRTs Fikiton
T. Honegger

Tolkien und seine Herausgeber:innen: = Tolkien and his editorsHither Shore Band 21 (2024) (2025), T. Fornet-Ponse, T. Honegger, E. Koch (Hrsg.), Oldib-Verlag: 62–83

ISBN 978-3-910869-17-2

Abstract: Dieser Beitrag untersucht die tiefe literarische und persönliche Beziehung zwischen J.R.R. Tolkien und seinem Sohn Christopher Tolkien und argumentiert, dass sich ihre Verbundenheit in der wiederkehrenden Vater-Sohn-Dynamik in Tolkiens Romanen widerspiegelt. Anhand von Werken wie „The Lost Road“ identifiziert der Aufsatz halbautobiografische Elemente, die die enge und kreative Partnerschaft zwischen den beiden widerspiegeln, wobei Christopher sowohl als literarischer Nachlassverwalter als auch in vielerlei Hinsicht als Co-Autor fungierte, der das Vermächtnis seines Vaters bewahrte und prägte. Letztendlich stellt der Aufsatz Christopher als die literarische Reinkarnation“ von J.R.R. Tolkien dar, dessen redaktionelle Arbeit Wissenschaft und Erzählkunst miteinander verband, um den Mythos von Mittelerde fortzuführen und zu vervollständigen. …

Tags: Medien->, Medien->Medienart->, Medien->Medienart->Jahrbuch, Person->, Person->Tolkien, Christopher, Person->Tolkien, J. R. R., Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.0} Bestand/Papier

8.

Herne the Hunter: Schamanismus, Initiation und kollektives Gedächtnis
J. Klinger

Von Robin Hood zu Robin of Sherwood: Legende – Kollektivsymbol – Serienheld (2025), O. Bidlo, F. Weinreich (Hrsg.), Oldib Verlag: 56–78

ISBN 978-3-910869-18-9

Tags: Gedächtnis->, Gedächtnis->kollektives, Initiation, Legende(n)->, Legende(n)->Robin Hood, Literarische Figur(en)->, Literarische Figur(en)->Robin Hood, Schamanismus, Sekundär->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.0} Bestand/Papier

image
9.

Ghostarbeiter: über technische und okkulte Medien

Kaleidogramme Band 118 (2014), C. Meister, L.A. Rickels (Hrsg.), Kulturverlag Kadmos

ISBN 978-3-86599-242-0

Abstract: Mit Beiträgen von Carolin Meister, Rainer Metzger, Eva Meyer, Laurence Rickels, Inge Stephan, Klaus Theweleit und Beat Wyss. Ghostarbeit ist Arbeit an den Geistern. Theoretisch wie genealogisch weist Ghostarbeit auf die wechselseitigen Beziehungen zwischen technischen und okkulten Medien. So inszenierte der moderne Spiritismus in Séancen mit okkulten Medien oder Geistersehern technische Medialität gleich mit. Besonders die neue Möglichkeit der Liveübertragung war der Kommunikation mit Geistern wahlverwandt. Die Frage, ob die okkulte Medialität von den neuen Medien überholt worden sei, durchzieht die spiritistische Literatur dieser Zeit. Warum sich weiter exklusiv auf okkulte Medien stützen, wenn das Telefon eine direkte Verbindung verspricht? Dass die Reichweite der gespenstischen Heimsuchung auf der Wellenlänge des technisch-medialen Fortschritts schwingt, zeigte Friedrich Kittler in seiner Genealogie der Medien: »Das Totenreich ist eben so groß wie die Speicher- und Sendemöglichkeiten einer Kultur. Medien, wird bei Klaus Theweleit zu lesen sein, sind immer auch Flugapparate ins Jenseits.« Theweleits Verständnis von Medialität im technischen wie okkulten Sinne ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes. Aus Anlass seines 70. Geburtstags versammelt Ghostarbeiter Beiträge, die aus unterschiedlichen Perspektiven zentrale Inhalte von Theweleits Werkes umkreisen – und dabei nicht zuletzt einem Gedanken Rechnung tragen, der schon auf Hegel zurückgeht: nämlich dass jede Kulturarbeit und Geisteswissenschaft einen Ghost als Gast beherbergt. …

Tags: Geist(er)->, Ghosts, Kongress, Medien->, Medien->okkulte, Medien->technische, Okkultismus, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Science Fiction, Sekundärliteratur->begleitende Literatur, Spiritualität, {04.0} Bestand/Papier

10.

Der gehörnte Gott und Hexen als Ausdruck sozialer Rebellion
S. Preis

Von Robin Hood zu Robin of Sherwood: Legende – Kollektivsymbol – Serienheld (2025), O. Bidlo, F. Weinreich (Hrsg.), Oldib Verlag: 79–91

ISBN 978-3-910869-18-9

Tags: Gott/Gött(in/er)->, Gott/Gött(in/er)->gehörnter, Hexe(n)->, Legende(n)->, Legende(n)->Robin Hood, Literarische Figur(en)->, Literarische Figur(en)->Robin Hood, Sekundär->, Sekundärliteratur->Fantasy, Teufel(s)->, {04.0} Bestand/Papier

11.

Deutschland. Ein Science-Fcition
Rickels

Ghostarbeiter: über technische und okkulte MedienKaleidogramme Band 118 (2014), C. Meister, L.A. Rickels (Hrsg.), Kulturverlag Kadmos: 149–170

ISBN 978-3-86599-242-0

Abstract: Wer sich für Fantastik/Fantastik-Debatten in Deutschland interessiert – insbesondere für die Linie von Technikphantasien, Dystopie und Utopiekritik – findet in Laurence A. Rickels’ „Deutschland. Ein Science-Fiction“ einen Text, der sich wie eine Mini-Monografie im Aufsatzformat liest: Rickels nutzt Science-Fiction nicht als Nische der Populärkultur, sondern als kulturgeschichtliches Diagnoseinstrument. „Deutschland“ erscheint dabei als Problem- und Projektionsfläche, die in Genres, Medien und Technikutopien fortlebt – oft dort, wo direkte historische Erzählung aussetzt. Der Aufsatz ist deshalb so ergiebig, weil er Fantastik nicht nur inhaltlich (Raumfahrt, Androiden, Zukunft) adressiert, sondern methodisch: Er fragt, welche kulturellen Arbeiten (Trauer, Reparation, Integration, Verdrängung) Genres leisten – und wie Technik- und Mediengeschichte diese Arbeiten mit organisiert. …

Tags: Geist(er)->, Geographie->, Geographie->Europa (GE)->, Ghosts, Kongress, Medien->, Medien->okkulte, Medien->technische, Okkultismus, Sekundärliteratur->, Sekundärliteratur->Science Fiction, Spiritualität, {04.2} Bestand/Papier+Digital

12.

Sherwood Forest als Wachtusmzone: Erzwungener Eskapismus in Star Trek
M. Stübecke

Von Robin Hood zu Robin of Sherwood: Legende – Kollektivsymbol – Serienheld (2025), O. Bidlo, F. Weinreich (Hrsg.), Oldib Verlag: 159–164

ISBN 978-3-910869-18-9

Tags: Legende(n)->, Legende(n)->Robin Hood, Literarische Figur(en)->, Literarische Figur(en)->Robin Hood, Sekundär->, Sekundärliteratur->Fantasy, Sekundärliteratur->Science Fiction, Star Trek->, {04.0} Bestand/Papier

13.

Vom Zauber des Zurückblickens
Dr.F. Weinreich

Von Robin Hood zu Robin of Sherwood: Legende – Kollektivsymbol – Serienheld (2025), O. Bidlo, F. Weinreich (Hrsg.), Oldib Verlag: 16–32

ISBN 978-3-910869-18-9

Abstract: Zur Phantasmisierung von Historie …

Tags: Legende(n)->, Legende(n)->Robin Hood, Literarische Figur(en)->, Literarische Figur(en)->Robin Hood, Sekundär->, Sekundärliteratur->Fantasy, {04.0} Bestand/Papier

Veränderungen (Korrekturen, Ergänzungen):
als Html-Ansicht-> nein

225090 78M7AY52 1 technische-universitat-dortmund-ag-virtual-machining 50 creator asc 1 1 1 title 1 45470 https://sebesta-seklit.net/wp-content/plugins/zotpress/
%7B%22status%22%3A%22success%22%2C%22updateneeded%22%3Afalse%2C%22instance%22%3Afalse%2C%22meta%22%3A%7B%22request_last%22%3A0%2C%22request_next%22%3A0%2C%22used_cache%22%3Atrue%7D%2C%22data%22%3A%5B%7B%22key%22%3A%22K823RDJL%22%2C%22library%22%3A%7B%22id%22%3A225090%7D%2C%22meta%22%3A%7B%22creatorSummary%22%3A%22Hempfer%22%2C%22parsedDate%22%3A%222013%22%2C%22numChildren%22%3A0%7D%2C%22bib%22%3A%22%26lt%3Bdiv%20class%3D%26quot%3Bcsl-bib-body%26quot%3B%20style%3D%26quot%3Bline-height%3A%201.35%3B%20%26quot%3B%26gt%3B%5Cn%20%20%26lt%3Bdiv%20class%3D%26quot%3Bcsl-entry%26quot%3B%26gt%3B%5Cn%5Cn%20%20%20%20%26lt%3Bdiv%20class%3D%26quot%3Bcsl-block%26quot%3B%26gt%3B%26lt%3Bb%26gt%3B%26lt%3Bb%26gt%3BAristos%20%26%23x201E%3BOrlando%20Furioso%26%23x201C%3B%26lt%3B%5C%2Fb%26gt%3B%26lt%3B%5C%2Fb%26gt%3B%26lt%3B%5C%2Fdiv%26gt%3B%5Cn%5Cn%5Cn%20%20%20%20%26lt%3Bdiv%20class%3D%26quot%3Bcsl-block%26quot%3B%26gt%3BK.W.%20Hempfer%26lt%3B%5C%2Fdiv%26gt%3B%5CnHeroen%20und%20Heroisierungen%20in%20der%20RenaissanceWolfenb%26%23xFC%3Btteler%20Abhandlungen%20zur%20Renaissanceforschung%20Bd.%2028%20%282013%29%2C%20A.%20Aurnhammer%2C%20M.%20Pfister%20%28Hrsg.%29%2C%20Harrassowitz%20Verlag%20in%20Kommission%3A%2045%26%23x2013%3B70%5Cn%5Cn%20%20%20%20%26lt%3Bdiv%20class%3D%26quot%3Bcsl-block%26quot%3B%26gt%3BISBN%20978-3-447-06772-0%26lt%3B%5C%2Fdiv%26gt%3B%5Cn%26lt%3B%5C%2Fdiv%26gt%3B%5Cn%26lt%3B%5C%2Fdiv%26gt%3B%22%2C%22data%22%3A%7B%22itemType%22%3A%22bookSection%22%2C%22title%22%3A%22Aristos%20%5C%22Orlando%20Furioso%5C%22%22%2C%22creators%22%3A%5B%7B%22creatorType%22%3A%22editor%22%2C%22firstName%22%3A%22Achim%22%2C%22lastName%22%3A%22Aurnhammer%22%7D%2C%7B%22creatorType%22%3A%22author%22%2C%22firstName%22%3A%22Klaus%20W.%22%2C%22lastName%22%3A%22Hempfer%22%7D%2C%7B%22creatorType%22%3A%22editor%22%2C%22firstName%22%3A%22Manfred%22%2C%22lastName%22%3A%22Pfister%22%7D%5D%2C%22abstractNote%22%3A%22Auch%20Klaus%20Hempfer%20geht%20es%20in%20seiner%20Lekt%5Cu00fcre%20von%20Ariosts%20Orlandofiirioso%20um%20Zusammenh%5Cu00e4nge%20von%20gender%20und%20genre%20in%20der%20Konstruktion%20und%20%20Konfiguration%20von%20Heldenrollen%2C%20nun%20aber%20bezogen%20auf%20die%20m%5Cu00e4nnliche%20Rolle%20des%20cavaliere.%20Dessen%20Rolle%20wird%20in%20Ariosts%20zwischen%20m%5Cu00e4nnlich%20bestimmtem%20Epos%20und%20weiblich%20konnotiertem%20romanzo%20bewusst%20oszillierendem%20Gedicht%20in%20durchaus%20diskrepanter%20Weise%20konstruiert%2C%20wobei%20diesen%20%20Oszillationen%20entgegenkommt%2C%20dass%20beide%20Gattungen%20auch%20in%20dieser%20Hinsicht%20selbst%20schon%20hybrid%20sind%3A%20Das%20Heldenepos%20singt%20von%20den%20arme%20ebenso%20wie%20von%20amore%2C%20und%20der%20arturische%20romanzo%20cavallerescho%20zeigt%20ganz%20andere%20Geschlechterordnungen%20als%20der%20der%20karolingischen%20Tradition.%20Ariosts%20Orlando%20ist%20gleichzeitig%20der%20heroisch%20f%5Cu00fcr%20das%20christliche%20Abendland%20streitende%20Karlspaladin%20und%20ein%20von%20privatistischem%20Gl%5Cu00fccks-%20und%20Liebesstreben%20umhergetriebener%20fahrender%20Ritter.%20Wie%20sich%20besonders%20deutlich%20am%20zentralen%20Motiv%20von%20Orlandos%20pazzia%20zeigen%20l%5Cu00e4sst%2C%20die%20einerseits%20in%20die%20heroische%20N%5Cu00e4he%20eines%20Hercules%20fiirens%20und%20andererseits%20eines%20kom%5Cu00f6dienhaften%20Liebeswahns%20ger%5Cu00fcckt%20wird%2C%20spielt%20Ariost%20in%20seinem%20Text%20die%20unterschiedlichen%20Konzeptionen%20m%5Cu00e4nnlichen%20Heroentums%20gegeneinander%20aus%2C%20um%20zu%20allen%20auf%20Distanz%20zu%20gehen.%20So%20dekonstruiert%20er%20den%20Helden%20und%20.entessentialisiert%2A%20das%20Heroische%20schon%20am%20Anfang%20seiner%20fr%5Cu00fchneuzeitlichen%20Geschichte.%5CnDas%2016.%20Jahrhundert%20sucht%20den%20Heroismus%20als%20charakterliche%20Disposition%20zur%20Leidenschaft%2C%20als%20furor%20heroicus%2C%20zu%20bestimmen.%20Damit%20einher%20geht%20eine%20philosophische%20Nobilitierung%20der%20Leidenschaften%20als%20heroischer%20Erkenntnis-instrumente.%20Auch%20wenn%20solche%20philosophischen%20Spekulationen%20an%20die%20Pla-tonische%20Enthusiasmos-Lehre%20%20und%20mehr%20noch%20an%20den%20neuplatonischen%20Humanismus%20ankn%5Cu00fcpften%2C%20der%20die%20g%5Cu00f6ttliche%20mania%2C%20den%20Juror%20divinus%2C%20schon%20Dichtern%20und%20Philosophen%20zuschrieb%2C%20nobilitierte%20erst%20Giordano%20Brunos%20epochaler%20Dialog%20De%20gli%20heroici%20furori%20%281585%29%20die%20Leidenschaften%20zum%20he-roischen%20.Willen%20zur%20Erkenntnis%2A.%20Dass%20dieser%20erkenntnistheoretische%20Heroismus%20unabh%5Cu00e4ngig%20vom%20Erfolg%20ist%2C%20erl%5Cu00e4utert%20Hanna%20Klessinger%20%28Frei-b%5Cu00fcrg%5C%2FBr.%29%20paradigmatisch%20an%20dem%20Akt%5Cu00e4on-Sonett%2C%20mit%20dem%20Bruno%20den%20.H%5Cu00f6hepunkt%20des%20heroischen%20Wegs%2A%20illustriert%3A%20Die%20.Wahrheitsjagd%2A%20gipfelt%20in%20der%20Emanzipation%20des%20Schauens%20und%20im%20Opfer%20als%20tragischem%20Triumph.%20%5Cu2026%20%28aus%20dem%20Vorwort%29%22%2C%22bookTitle%22%3A%22Heroen%20und%20Heroisierungen%20in%20der%20Renaissance%22%2C%22date%22%3A%222013%22%2C%22originalDate%22%3A%22%22%2C%22originalPublisher%22%3A%22%22%2C%22originalPlace%22%3A%22%22%2C%22format%22%3A%22gebundene%20Ausgabe%22%2C%22ISBN%22%3A%22978-3-447-06772-0%22%2C%22DOI%22%3A%22%22%2C%22citationKey%22%3A%22%22%2C%22url%22%3A%22%22%2C%22ISSN%22%3A%22%22%2C%22language%22%3A%22deutsch%22%2C%22collections%22%3A%5B%2278M7AY52%22%2C%22CVQD47A6%22%2C%22M3BSNS4P%22%5D%2C%22dateModified%22%3A%222026-07-12T21%3A16%3A27Z%22%2C%22tags%22%3A%5B%7B%22tag%22%3A%22Epoche%28n%29-%3E%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Epoche%28n%29-%3ERenaissance%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Held%28en%29-%3E%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Held%28en%29-%3E-dichtung%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Held%28en%29-%3E-figuren%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Held%28en%29-%3E-geschiche%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Person-%3E%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Person-%3EAriosto%2C%20Ludovico%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Sekund%5Cu00e4rliteratur-%3E%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Sekund%5Cu00e4rliteratur-%3EFantasy%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22Sekund%5Cu00e4rliteratur-%3EPhantastik%22%7D%2C%7B%22tag%22%3A%22%7B04.2%7D%20Bestand%5C%2FPapier%22%7D%5D%7D%7D%5D%7D
Aristos „Orlando Furioso“
K.W. Hempfer
Heroen und Heroisierungen in der RenaissanceWolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung Bd. 28 (2013), A. Aurnhammer, M. Pfister (Hrsg.), Harrassowitz Verlag in Kommission: 45–70
ISBN 978-3-447-06772-0

oder auch gleich direkt in das

Repository
Sofern die Dokumente im Internet zum Download angeboten werden, sind sie auch im Repository per Klick erreichbar.


Die letzten Artikel:


Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com  und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.

 
 
 

Utopie #51 – der NICHT-Ort in der Sekundärliteratur: Das Schicksal aller Utopien – Döll, Dr. Emil

Döll, Dr. Emil
Das Schicksal aller Utopien
oder socialen Charlatanerien
und das verstandesgemäss Reformatorische
C. G. Naumann, Leipzig (1897)

Emil Dölls Anti-Utopie (1897): Warum „soziale Charlatanerien“ Konjunktur hatten

E
Utopien sind für Emil Döll keine harmlosen Gedankenspiele, sondern gefährliche Heilsversprechen. In seiner Schrift von 1897 attackiert der Wirtschaftswissenschaftler „Zukunftsmalereien“ als realitätsfern – und fordert stattdessen „verstandesgemäße“ Reformen. Eine textnahe Lektüre zeigt, wie sehr Döll seine Zeit als Übergangsepoche begreift: wissenschaftlicher Fortschrittsglaube, soziale Spannungen und massenwirksame Ideologien bilden den Resonanzraum seiner Polemik. …

Worum es geht – in einem Satz

Döll argumentiert, dass absolute Gesellschaftsentwürfe (Utopien) an Realität und Menschenbild scheitern und oft als verführerische „Charlatanerien“ wirken; sinnvoll seien nur schrittweise, logisch begründete Reformen.
 

Continue reading „Utopie #51 – der NICHT-Ort in der Sekundärliteratur: Das Schicksal aller Utopien – Döll, Dr. Emil“ →