Universitas Phantastica – Essays, Übersetzungen #1 – zu Maurice Renard ( (* 28. 2. 1875; † 18. 11. 1939)

Maurice Renard
* 28. Februar 1875 in Châlons-en-Champagne
† 18. November 1939 in Rochefort, Département Charente-Maritime)
Das „Goldene Zeitalters“ der französischen Science-Fiction-Literatur

Info

Angeregt durch die Lektüre des kürzlich vorgestellten Sach-Comics aus dem Splitter Verlag – „Die Geschichte der Science Fiction“ – habe ich begonnen, mich intensiver mit der französischen Science Ficiton auseinander zu setzten. Hellhörig wurde ich auf Seite 76-77, wo die Bedeutung des Franzosen Maurice Renard hervorgehoben wurde. …


An dieser Stelle wurde von einem Maifest gesprochen, von dem ich noch nicht gehört hatte. Von einem Artikel in der Zeitschrift „Le Spectateur“ aus dem Jahre 1909. Das Thema – „Wissenschaftlich-Wunderbar“.

Maurice Renard
Maurice Renard

Natürlich habe ich versucht diesen Artikel in deutscher Sprache auszugraben, aber zu meiner Verwunderung war diesbezüglich nichts im Netz zu finden. Auch kein Originalscan des betreffenden Le Spectateur (obwohl sonst viele Ausgaben der Zeitung auf google.com (hier) zu finden sind). Lediglich eine Übersetzung von Arthur B. Evans ins Englische und auf openedition.org eine Version, welche auf dem Original der Zeitschrift basiert und mit Kommentaren versehen ist. Auf Französisch – natürlich.

Text mit Anmerkungen von Émilie Pézard und Hugues Chabot. Der Text wurde ursprünglich in Le Spectateur, t. I, Nr. 6, Oktober 1909, S. 245-2611 veröffentlicht. Die vorliegende Ausgabe basiert auf dem Original der Zeitschrift, das in der Bibliothèque nationale aufbewahrt wird. Rechtschreibung und Zeichensetzung wurden unverändert beibehalten. Die Typografie wurde aktualisiert, sofern sie nicht einen stilistischen Effekt darstellt: insbesondere haben wir die Großbuchstaben in den Gattungsbezeichnungen beibehalten. Alle in Klammern gesetzten Verweise auf bibliographische Angaben im Text von Renard wurden von den Herausgebern vorgenommen.…

Anmerkungen der Redaktion (Übersetzung)

Enttäuschung machte sich breit. Eine Definition der Science Fiction (natürlich noch nicht unter diesem Namen) aus dem Jahre 1909 und nirgends war eine deutsche Version aufzutreiben. Auch ein Aufruf in der Facebookgruppe, hatte wenig Erfolg, außer der Bestätigung, dass es auf Deutsch nichts gibt und der Hinweis auf die englischsprachige Version.

Nun, ich bin kein Sprachtalent und nicht ohne Grund beschäftige ich mich mit „deutschsprachiger Sekundärliteratur …“. Aber, warum sollte es nicht gelingen eine eigene Übersetzung des Artikels zu erstellen? Mein Ehrgeiz war geweckt und heute kann ich euch das Ergebnis meiner Bemühungen vorstellen.

Eine Übersetzung von „Du roman merveilleux-scientifique et de son action sur l’intelligence du progrès“ zu deutsch „„Über den wissenschaftlich-wunderbaren Roman und seinen Einfluss auf das Verständnis von Fortschritt“.

Dieser 1909 in der Zeitschrift Le Spectateur veröffentlichte Artikel ist das erste Manifest, in dem Maurice Renard die Gattung des „wunderbaren wissenschaftlichen Romans“ institutionalisiert. Er lobt dieses neue Genre sowohl in seiner Ausdehnung (Wells, Poe, Villiers de l’Isle-Adam, Stevenson, Derennes) als auch in seiner Intention: Diese Geschichten „präsentieren uns das Abenteuer einer bis zum Wunder getriebenen Wissenschaft oder eines wissenschaftlich betrachteten Wunders“. Die Verbindung von Wunderbarem und Wissenschaftlichem wird eingehend analysiert, was auch eine Poetik des Genres darstellt. Abgerundet wird die literarische Analyse durch eine erkenntnistheoretische Reflexion über die Auswirkungen des Wunder-Wissenschaftsromans auf das Verständnis des Fortschritts: Durch den radikal innovativen und oft beunruhigenden Charakter der beschriebenen Wunder entwickelt diese Gattung beim Leser eine neue Wahrnehmung der Zeit, die nicht mehr auf eine Steigerung des Komforts reduziert wird, und der Welt, die nicht mehr auf den Menschen reduziert wird. In diesem Sinne hat es „das Ziel, den Leser zu einer Betrachtung des Universums zu führen, die der Wahrheit näher kommt. …

Le Spectateur, 1909
Symbolbild

Maurice Renard wurde auch in Frankreich spät als Vorläufer der Science Fiction entdeckt und bekannt. In den sechziger Jahren wurden aus diesem Grund seine Werke zu größten Teil neu aufgelegt. Allerdings scheinen die Essays nicht dazu gehört zu haben.

Der Essay beinhaltet eine der frühesten, wenn icht sogar die erste, Definition der Science Fiction. Renard benannte das von ihm neu definierte Genre den „wissenschaftlich-wunderbaren Roman“ aber die Definition ist eindeutig dem späteren Ausdruck „Science Fiction“ zuzuordnen. Aus diesem Grund dachte ich, sollte der Essay jedenfalls auch in Deutsch vorliegen. Ich bin kein Übersetzer und kann das hier vorliegende Endergebnis in seiner Qualität nicht einschätzen. Als Grundlage meiner Übersetzung habe ich sowohl die englische Version von Evans, als auch die französische Version von Émilie Pézard und Hugues Chabot herangezogen. Die französische Version, die dem Original entspricht, ist mit Kommentaren versehen, die von mir nicht übernommen wurden (außer einer, die dem Verständnis der Übersetzung zweckdienlich ist).

Ich habe mich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht, bei meinem ersten fachlichen Übersetzungsversuch, dem Sinn des Originals zu entsprechen. Sollte das Ergebnis gelungen sein, so mag dies die erste Übersetzung dieses Textes in die deutsche Sprache sein. Sollte sie nach dem Urteil von besseren (Profi-)Übersetzern aber schlecht sein, so möge sie Anregung und Aufforderung für jene sein das Ergebnis zu verbessern und damit der deutschen Sekundärliteratur einen (großen) Dienst zu erweisen.

Er ist der erste Essay, von drei wichtigen Essays, aus der Feder von Maurice Renard aus dem Jahre 1909. Ich habe mir vorgenommen auch die beiden weiteren zu übersetzten. Dies wären zunächst „Le Merveilleux scientifique et La Force mystérieuse de J.-H. Rosny aîné“ aus dem Jahr 1914 und danach „Le roman d’hypothèse“ aus dem Jahr 1928. Alle drei widmen sich der Definition und Betrachtung des wissenschaftlich-wunderbaren Romans und kennzeichnen den Beginn einer Definitionsreihe, die bis heute, und durch Viele, immer wieder mit neuen Elemente angereichert wird (ohne anscheinend zum Ziel zu kommen – bis jetzt). Zuletzt werde ich versuchen einen Essay von Emilie Pézard ins Deutsche zu übertragen, um auch eine Einschätzung der französischen Kritik an diesen drei Essays zu dokumentieren. Der Titel dieses Essays ist „Défense et illustration d’un genre. Le merveilleux scientifique défini par Maurice Renard (1909-1928)“.

Anmerkung:

Polaris 4

Ein interessanter Artikel über Maurice Renard findet sich in: Franz Rottensteiner, Polaris 4, Suhrkamp, Frankfurt/Main (1978), ISBN 3518069608, St 460, PhB 21, -> Jörg Krichbaum, Rein A, Zondergeld, Die Sehnsucht der Sirene nach dem Wasser – Die Welt des Maurice Renard, Seite 104-120, mit einer Bibliographie von Maurice Renard

Bibliographisch: Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • Maurice Renard
  • Du roman merveilleux-scientifique et de son action sur l’intelligence du progrès
  • Le Spactateur, 6. Oktober 1909
  • Zeitungsartikel
  • Seite 245-261

  • keine

  • [Artikel] Maurice Renard in der WIKIPEDIA

Maurice Renard (* 28. Februar 1875 in Châlons-en-Champagne; † 18. November 1939 in Rochefort, Département Charente-Maritime) war ein französischer Schriftsteller und Jurist. …

Auszug Artikel


  • [Artikel] Maurice Renard im Projekt Gutenberg

Geboren am 28.02.1875 in Chalons-sur-Marne, gestorben am 18.11.1939 in Rochefort. Als Sohn einer Juristenfamilie wurde er zunächst Gerichtsreferendar, widmete sich dann aber immer mehr der literarischen Tätigkeit. Renard ist einer der frühen Vorreiter der französischen phantastischen Literatur und Science-Fiction.…

Auszug Artikel


  • [Artikel] Maurice Renard in der ISFDB

    • Author: Maurice Renard
    • Legal Name: Renard, Maurice
    • Birthplace: Châlons-sur-Marne, Marne, France
    • Birthdate: 28 February 1875
    • Deathdate: 18 November 1939 …

Auszug Artikel


siehe auch (Auszug):


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2 thoughts on “Universitas Phantastica – Essays, Übersetzungen #1 – zu Maurice Renard ( (* 28. 2. 1875; † 18. 11. 1939)”

    1. Ich muss gestehen, zunächst war ich sehr skeptisch, was das Buch betraf. Aber gerade die Stellen wie jene von Maurice Renard (und es gibt noch ein paar mehr) haben mich dann überzeugt, dass es ein durchaus wertvoller Behelf sein kann, Science Fiction näherzubringen. Danke für dieses Buch. Für mich hat es SF aus einer etwas anderen Seite beleuchtet. Maurice Renard ist eines Erachtens in diesem Zusammenhang der Selbstfindung der SF, zu wenig beachtet und von den anglo-amerikanischen Vertretern verdeckt worden. Sekundärliterarisch eine sehr interessante Geschichte und höchst prickelnd …

       

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