Universitas Phantastica – Reflektion #9 – Sage – Grundlegendes …


Selbstreflektion - Intern

Ein Problem der Sagenforschung ist die große Heterogenität des Sagenmaterials. Die Sage subsumiert inhaltlich äußerst Verschiedenartiges und besitzt eine große Elastizität und Mobilität. Wie geschaffen die Fantasy zu beeinflussen …?

Weiters bemerkt Monika Schmitz-Emans in der Leitquelle:
Das dem Wort »Sage« zugrunde liegende ahd. saga (Aussage, Meinung, Rede) bezeichnet seit dem 9. Jh. auch Erzählungen über bestimmte Ereignisse. Im Mittelhochdeutschen verbindet sich mit dieser Bedeutung gelegentlich die Vorstellung einer Unsicherheit oder unsachgemäßen Einfärbung des Berichts; manchmal bezeichnet sage auch den mitgeteilten Stoff selbst. Bis ins 18. Jh. spricht man von »Sagen« bei solchen Berichten, die sich auf Vergangenes beziehen, aber nicht beglaubigt sind. Erst im 19. Jh. bildet sich der Gattungsbegriff »Sage« heraus, bedingt durch Sammlungen entsprechend bezeichneter Texte. »Sagen« werden zusammen mit »Märchen« und »Schwänken« als Grundformen volkstümlicher Dichtung verstanden. Eine klare Abgrenzung des Begriffs gegenüber »Mythos«, »Märchen«, »Fabel«, ja selbst gegenüber »Legende« und »Novelle« liegt im Deutschen aber nicht vor. …

Und damit sind wir bei der Sage angelangt.

Sie steht zwischen dem Mythos und der geschichtlichen Überlieferung und wurde nicht gesungen, sondern erzählt. In späterer Folge bezeichnete es auch „das Gerücht“ oder „vom Hörensagen“. Die Sage wird ebenfalls den Wundererzählungen zugeordnet und zählt somit nicht direkt zu den phantastischen Genres.

Sie ordnet das Gesagte in einen historischen Kontext, eine chronologische Ordnung, nennt sogar oft historische Namen, entbehrt aber jedenfalls der historischen Beglaubigung.

Im Unterschied zu Märchen fordert die Sage den Glauben an das Erzählte, kann aber durchaus, und in heutigen Zeiten ist das auch meist so, als phantastische Geschichte aufgefasst werden. Sie ist ja voll von Zauberpraktiken, Übertritten in die Welt von Göttern, Zwergen, Riesen, Hexen und Teufeln. Die Sage ist meist verbunden mit Erschreckendem, Furcht und Grauen.

Max Lüthi - Volksmärchen und Vokssage

Max Lüthi bemerkt auf Seite 22 von „Märchen und Sage“ in: „Volksmärchen und Volkssagen, Franke, Bern (1966):

…Das Uheimliche der Sage wirkt aus einem dunklen und unerforschten Raum in die Menschenwelt hinein; niemand sagt uns, von wem die zaubermächtigen Helden oder Gegner des Helden ihre Kräfte haben …“ und
„… in der Sage erleben die Menschen das Jenseitige wirklich als Jenseitiges, als eine ganz andere Welt. Ob eine Sage von umgehenden Toten berichtet, oder von Berggeistern, Wald- und Felddämonen, Wassermännern und Nixen, Hauskobolden, Unterirdischen jeder Gattung, immer ist sie sich bewußt, dass sie Außer-Gewöhnliches im eigentlichen Sinne des Wortes erzählt. …“

Die Sage ist in ihrer Darstellung, im Gegenteil zum Märchen welches in die Fläche geht, weiter in die Tiefe gehend. Das ist kein Qualitätsmerkmal, sondern gewollte Darstellungsweise.

Wie beim Märchen, kann diese Darstellung natürlich nur an den obersten Schichten des Wissens über Sagen kratzen, aber für unseren hiesigen Zweck soll dies genügen.

Die Sagen sind sozusagen ein Steinbruch für das phantastische Genre der Fantasy. Ob die Sagen um Artus und seine Ritter der Tafelrunde, die Nibelungen-Sage oder die Sagen um Karl den Grossen und seine Paladine – die mittelalterlichen Epen aus Frankreich, England, Deutschland, Italien, Niederlande und Spanien überlebten all die Jahrhunderte und dienen der Fantasy als Quellen.

Sie gehen zurück bis in die Völkerwanderungszeit, zu den heidnischen Wurzeln unserer Zivilisationsgeschichte. Ja, sie gehen zurück bis an die Anfänge der antiken Literatur der Ilias und Odyssee.

Um sich einen wunderschönen Überblick über die Sagen des Nordens zu machen, empfehle ich:

Edund Jacoby - 50 Klassiker Mythen und Sagen des Nordens

Edmund Jacoby
50 Klassiker – Mythen und Sagen des Nordens
Gerstenberg, Hildesheim (2007), broschiert, mit zahlreichen Abbildungen, 280 Seiten
ISBN 978-3-8369-2571-6

Edmund Jacoby erzählt die 50 wichtigsten Mytehn und Sagen des Nordens und analysiert sie.


Vorgänger und Hilfreiches:


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