a, ich habe die Zügel schleifen lassen – schleifen lassen müssen – da Zeit ein kostbares Gut ist und der Tag leider nur 24 Stunden hat. Ich hatte dabei ein schlechtes Gewissen, aber die Arbeit an der sekundärliterarischen Bibliothek und einigen Artikel und Büchern ließ keine Zeit, die Arbeit im Blog so weiterzuführen wie die Jahre zuvor. Da ich auch keine Interessierten an einer Mitarbeit finden konnte, welche eine Aufteilung der erforderlichen Arbeiten möglich machten, musste der Blog darunter leiden.
2024 werde ich aber versuchen, zumindest rudimentäre Informationen über Bücher anzubieten, indem ich jene Bücher listen werde, die laufend über meinen Schreibtisch wandern. Sollte jemand Interesse an weiterführenden Informationen verspüren, so steht ihm/ihr die Kommentar-Funktion oder die E-Mail-Funktion des Blogs gerne zur Verfügung und ich würde mich freuen, wenn diese auch genutzt würden. …
Also, was gab’s Neues – noch im alten Jahr:
Lange, Britta – Die Entdeckung Deutschlands, Science-Fiction als Propaganda, Verbrecher, Berlin (2014), Filit, Band 13, broschiert, ISBN 9783957320193
Beschreibung: Im Ersten Weltkrieg wurde das Deutsche Reich von drei Marsianern besucht. Das zumindest inszeniert ein heute vergessener Film aus dem Jahr 1916: „Die Entdeckung Deutschlands durch die Marsbewohner“. Dieser war nicht nur der erste offizielle Propagandafilm in der Kriegszeit für das Inland und das „neutrale Ausland“. Er ist zugleich ein sehr früher und bisher nicht kanonisierter Science-Fiction-Film: mit Nachrichtenabhörung auf dem Mars, Sprechschreiber und Weltraumflug, aber auch mit Einschüben, die an Märchen und Liebesfilme erinnern. Das Buch geht dem Gewirr von Geschichten nach, das das Drehbuch des jüdischen Anwalts Richard Otto Frankfurter entfaltet. Fragmente aus den Archiven ergänzen den Band und bieten heute, fast einhundert Jahre später, einen Einblick in den Zusammenhang von Film und Propaganda.
„Die Entdeckung Deutschlands“ erscheint im Rahmen der Filmliteratur-Reihe Filit. Sie wird von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen herausgegeben und entsteht in Zusammenarbeit der Deutschen Kinemathek mit dem Verbrecher Verlag.
Bidlo, Oliver – Der Ausbruch des Phantastischen, Zur phantastischen Refiguration der Wirklichkeit, Oldib, Essen (2023), Taschenbuch, ISBN 9783910869042
Beschreibung: Die Bedeutung des Phantastischen in der Gegenwart erschließt sich längst nicht mehr nur über seinen Unterhaltungswert. Phantastik ist nie nur eine bloße Widerspiegelung der uns bekannten Realität, sondern erweitert, unterminiert sie und bringt sie mitunter subversiv ins Wanken. Fantasy – und in einer weiten Fassung die Phantastik, die dann die Science Fiction und den Horror miteinschließt – und das Wissen in, von und über Fantasy können heute nicht allein als ein rein imaginäres Produkt betrachtet werden. Sie brechen vielmehr aus ihrem imaginären Gefängnis über den Brückenkopf des Lesers aus in die intersubjektiv geteilte Wirklichkeit.
Wirth, Felix – Science Fiction im Radio, Programm und Sound utopischer Hörspiele in der Deutschschweiz von 1935 bis 1985, transcroipt, Bielefeld (2023), Histoire, Band 206, Taschenbuch, ISBN 9783837665710
Beschreibung: Zwischen 1935 und 1985 wurden für das Radio der deutschsprachigen Schweiz, auch bekannt als Radio Beromünster, ca. 100 Science-Fiction-Radiohörspiele produziert. Felix Wirth widmet sich dem Sound und Programm dieser Hörspiele erstmalig. Im Zentrum seiner Analyse stehen transnationale Austauschprozesse, radiointerne Kulturpraktiken und soundhistorische Entwicklungen, die einen neuen Blick auf die schweizerische und europäische Radiogeschichte liefern. In den Text eingebettete Hörspielauszüge sowie Bilder von Dimitra Charamandas, die die Beschaffenheit der utopischen Sounds aus künstlerischer Perspektive untersuchen, bereichern die Studie auditiv und visuell.
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentar-Funktion auch gerne zur Verfügung gestellt.