Universitas Phantastica – Reflektion #3 – Antike – Fabeltiere und -pflanzen …


Selbstreflektion - Intern

Welche Rolle spielt die Antike in der modernen Phantastik, wie wird Altertum und Antike zeitlich verortet, Grundsätzliches über Themen und  Motive der Antike und spezielleres über Fabeltiere und -pflanzen aus dem griechisch-orientalischen Mythenraum …

In medias res – geht’s los in der Antike. Um sich mal die Zeitspanne anzusehen, welche hier in Rede steht zeigen wir die Jahreszahlen auf die hier schlagend werden.

Die Antike lokalisiert man etwa 800 v. Chr. bis 600 n. Chr., wobei das antike Griechenland, der Hellenismus und das Römische Reich gemeint sind. Sie ist Teil des Altertums, das  ungefähr 3.500 v. Chr. mit dem Beginn der Schriftlichkeit beginnt. In erweitertem Sinne zählt man auch die altorientalischen, nahöstlichen Hochkulturen wie Ägypten, Mesopotanien, Assyrien und Persien, sowie Kleinasiens, dazu.

Das ist schon mächtig Holz vor der Hütte, sprich eine laaaange Zeit der Kultur, aus der sich Bestandteile in die phantastische Literatur der Moderne und Gegenwart gerettet haben.

Hier wird auf Erich Ackermann verwiesen:

Phantastische Welten

Erich Ackermann
Von mythischen Figuren und Zauberdingen. Die Wurzeln der Phantastik in der Antike
in:
Thomas Le Blanc/Wilhelm Solms (Hrsg.)
Phantastische Welten – Märchen, Mythen, Fantasy
Veröffentlichungen der Europäischen Märchengesellschaft, Band 18
Erich Röth Verlag, Regensburg (1994), gebundene Ausgabe, 254 Seiten
ISBN 3-87680-364-0, Seite 59-84

Die Themen und Motive der Antike, welche die Phantastik nach Ackermann im wesentlichen beeinflusst und geprägt haben, sind:

  • Zauberei und Zauberdinge
  • Fabeltiere und Fabelpflanzen
  • Die Anderswelt – Fabelreiche und Utopien
  • Vorformen der Science Fiction
  • Gespenster- und Gruselgeschichten
  • Der märchenhafte Held: Sword-and-Sorcery-Phantastik

Text- und Bildzeugnisse der antiken mythologischen Vorstellungswelten bzw. des Volks- und Aberglaubens finden Eingang in Mythen, Sagen und Fabeln. Da stört es auch nicht, dass die Griechen sozusagen die Logik erfunden haben. Sie waren trotzdem noch tief verstrickt in die Irrationalität von Mythos und Glaube.

[Anmerkung:] Ich habe bisher eher den Eindruck gehabt, dass es sogar verpönt war, die phantastische Literatur bis in die Antike zurückzuführen. Andererseits heißt es ja auch nur, dass sozusagen Versatzstück sich bis in unsere Zeit erhalten haben.

Zaubergürtel, -schleier, -netz, -stab, -ring, -salben und -kräuter sind bei ihren Göttern wohlbekannt und mythologische Vorbilder wie Kirke und Medea sorgen für reiches Anschauungsmaterial an Hexen und entsprechenden Zauber und dunkle Magie. Selbst Platon verwendet in seiner Politeia einen Zauberring um einer philosophischen Frage auf den Grund zu gehen.

[Anmerkung:] Dies verstärkt meine Ansicht, dass man diesen Menschen in der Antike nicht das (bewußte) phantastische Denken absprechen kann, wie es mir manchmal vorkommt. Dieses phantastische Denken ist etwas anderes als  das als real genommene Verständnis von Göttern und Halbgöttern im Lebensraum der Menschen.

Ein berühmtes Beispiel einer phantastischen Inspiration aus der Antike?
Lukian berichtet von einem ägyptischen Zauberer namens Pankrates der einem Türrigel, einem Besen und einem Stößel Kleider anlegt und per Zauberspruch die Arbeit der Menschen verrichten läßt. Sein Schüler will es ihm alleine gleichtun, aber die Rückverwandlung gelingt nicht. Der Stößel holt unaufhaltsam Wasser und überschwemmt der ganze Haus – bis der Meister wieder die Ordnung herstellt.
Bekannt?
Tja, Goethe hat sich da inspirieren lassen – oder war das ein Plagiat? Nein, die Rechte waren wohl schon erloschen :).

Fabeltiere und -wesen beleben in rauher Zahl die Mythen. Pagasus, Kentauren, Minotaurus, Sirenen, Shpinxen, Meeresungeheuer, Nixen, Silene und Satyrn, Chimären, Kerberos, Gorgonen, Phönix, Greif, Basilisk, Einhorn waren so präsent, dass schon Lukan (ja, ja der gleiche wie oben) das Fabelgetier in seinem Roman „Wahre Geschichte“ parodierte. Aus den phantastischen Welten von heute sind diese Wesen kaum wegzudenken und Gestaltenwandler, wie so manche Gottheit, ebenso. Die ursprünglich im Griechischen beheimateten Wesen und Unwesen vermehren sich im Zuge des Hellenismus um orientalisch geerdete Verwandte und ihre Zahl ist (fast) Legionen (um auch die Römer mit einzubeziehen).

Auch der Drache treibt schon sein Unwesen und dieses Wesen hat wohl in der Fantasy einen besonderen Stellenwert bekommen. Sehr interessant und vielfältig als Figur läßt sich darüber ganz gesondert eine Betrachtung vornehmen, die allerdings diesen Rahem sprengen würde und daher gesondert von mir erfolgen wird.

Im Zuge dessen soll auf folgendes Buch verwiesen werden:

Hans Schöpf - Fabeltiere

Hans Schöpf
Fabeltiere
VMA-Verlag, Wiesbaden (1992), gebundene Ausgabe, 168 Seiten
ISBN 978-3-92812-704-2
In dem vorliegenden Buch sind alle „klassischen“ Fabeltiere
zusammengefasst und beschrieben

In späterer Zeit wird vielen dieser Gestalten auch eine christliche Deutung gegeben und sie gehen so auch im Zuge der Natursymbolik in die Religion ein.

Ähnliches wie für die Fabelwesen gilt auch für die pflanzlichen Arten in der Phantastik. Allen voran die Allraune oder Mandragora, deren magische Wirkung bis Hanns Heinz Ewers nachwirkt.

Tja, womit wir uns heute nur bis Pos. 239 vorgearbeitet haben und diese Position auch noch ein Weilchen nicht verlassen werden …


PS:

Phantastische Welten von Le Blanc/Solms ist auch anderweitig zu empfehlen:

1. Einfach Phantastisch / Wilhelm Solms (Autor/in) (9-22)
2. Phantasie als Wahrnehmungskraft / Franz Vonessen (Autor/in) (23-40)
3. Von den mythischen Wurzeln her in die Zukunft blicken / Felicitas Betz (Autor/in) (41-58)
4. Von mythischen Figuren und Zauberdingen / Erich Ackermann (Autor/in) (59-84)
5. Von Geoffrey zu Handke / Otfrid Ehrismann (Autor/in) (85-114)
6. Science Fiction, Horror, Fantasy / Helmut W. Pesch (Autor/in) (131-146)
7. Tintenkleckser aus Oxford / Gisbert Kranz (Autor/in) (147-158)
8. Ausflug in die Anderswelt / Hans-Christian Kirsch (Autor/in) (159-176)
9. Kein Feld für Fantasy / Annette Breitenfeld (Autor/in) (177-190)
10. Ich erschaffe (m)eine Welt / Peter Marginter (Autor/in) (191-206)
11. Dem sanften Flöter lauschen / Maria Christa Maenersdoerfer (Autor/in) (207-216)
12. Laudatio auf Carl Amerys „Das Geheimnis der Krypta“ / Gustav Schröder (Autor/in) (217-222)
13. Fantasy-Rollenspiele, eine neue Form des Erzählens / Niels Kappeller (Autor/in) (223-236)
14. Was ist „gute“ Fantasy? / Unbekannt (237-250)

Vorgänger und Hilfreiches:


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