Ted Williams, enttäuschend schwach …


Ted Williams - Shadowmarch, die gesamte Saga

Ted Williams – Shadowmarch, die gesamte Saga

Ja, ich weiß, Shadowmarch ist schon etwas älter (so 12 Jahre auf deutsch?), aber ich kannte es nur vom Hörensagen. Um ehrlich zu sein – die sehr günstige elektronische Gesamtausgabe, „Shadowmarch. Die gesamte Saga: GOLDEDITION – Limitierte Sonderausgabe“ für 19,90 EUR,  hat mich dazu verleitet die Saga zu kaufen. Auch der Zeitpunkt war günstig – ein Urlaub stand an, der Kindle schnell eingepackt und einmal was anderes als Sekundärliteratur war auch nicht schlecht.

Leider wurde das Leseerlebnis, je länger die Lektüre dauerte, immer zäher und enttäuschender. Nachdem so einige Besprechungen, das Werk in die Nähe von Tolkiens Mittelerde-Werken rückten, war die Erwartung schon einigermaßen hoch. Noch dazu, da ich in der „Otherland-Saga„, einen Tad Williams kennen gelernt habe, der mich zugegebener Maßen faszinierte …

Shadowmarch hat ja eine ziemlich bewegte Erscheinungsgeschichte und von Film-Drehbuch über Fernseh-Serien-Drehbuch, Internet-Fortsetzungsroman zum Printmedium hat anscheinend Spuren hinterlassen, die zwar deutlich im Fantasy-Genre zeichnen, aber sehr unwegsames Gelände durchqueren das den Autor zum stolpern bringt.

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, ob es eher ein Kinderbuch sein soll oder sich ernsthaft der Erwachsenenliteratur zuordnen will. Stellenweise sind die Dialoge so holprig, dass es schwer fällt Williams als einen Könner der Schriftsteller-Gilde zu erkennen. Speziell die zwischenmenschliche  Interaktion ist oft erschreckend eintönig und wenig inspirierend dargestellt.

Die Hauptcharaktere, die 15 jährigen Zwillinge Barrick und Briony Eddon, kommen im Grunde nie über ihr Alter hinaus, auch wenn die geschilderten Ereignisse beide einem Reifungsprozess unterwerfen, der es in sich hat. Eigentlich lesen sich die Bücher manchmal wie von 15-jährgen für 15-jährige geschrieben. Das alles muß nicht per se schlecht sein, es hat aber jedenfalls meine Erwartungen an Ted Williams so gar nicht getroffen.

Was mich aber durchaus faziniert hat, war die Zeichnung der „Elben“, hier der Zwielichter, den Qar. Ich würde sie hier den Elben gleichsetzen, allerdings in einer anderen Zeichnung. Als Sammelbezeichnung für ein Mischvolk von unterschiedlichsten Lebewesen treffen sie nicht wirklich die Elben von Tolkien. Sie sind aber das einzige, das Williams mit einem Hauch von Unheimlichkeit und einer fühlbaren Präsenz zeichnen konnte Es ist vollkommen offen, ob diese Präsenz grundlegend böse ist oder doch schlußendlich sich zum Guten wandelt.

Die Beschreibung des Vergehen dieser Qar  war ganz interessant. Zwar war auch dieser Teil der Geschichte nicht wirklich zufriedenstellend ausgearbeitet und hätte noch dringend einer umfassenden Überarbeitung gebraucht, aber im Gegensatz zu den (vermutlichen Vorbildern Tolkiens) Elben ist die Charakterisierung viel düsterer und irgendwie endgültiger.

Das Vergehen scheint totaler zu sein. Sie verschwinden nicht in unerreichbare Lande. sondern sie gehen wirklich unter und müssen den Menschen gezwungener Maßen das Revier überlassen. Auch haben Sie so gar nichts von den feinsinnigen Tolkien-Elben in Bezug auf Handwerk mitbekommen. Sie kämpfen im Grunde nur um ihr Überleben in einer Situation, die bereits hoffnungslos ist.

Besser gelingt Williams die Charakterisierung der Funderlinge, die eindeutig von den Zwergen Tolkiens inspiriert sind. Wesentlich näher am Tolkien-Original bringen Sie jedoch auch die weibliche Komponente der Zwerge ins Spiel. Auch hier fehlt jedoch die wirkliche Inspiration um dieser Seite der Zwerge etwas Neues, Ergänzendes mitzugeben. Die Figuren machen zwar oberflächlich betrachtet durchaus Spaß, aber sie könne das Klischeehafte nie ablegen.

Genauso wie die Dachlinge. Sie passen sehr gut zum Kinderbuch, bleiben aber als Volk ebenfalls recht flach. Da würde man sich oft mehr Hintergrund wünschen. ja, sie sind niedlich, spielen ihre Rolle in der Geschichte, sind aber körperlos und es fällt schwer sich wirklich auf die Figuren einzulassen. Insgesamt fehlt hier das Schicksalhafte das zum Ende der Geschichte beiträgt.

Williams hat, so scheint es mir, Shadowmarch benutzt um auszutesten wie weit man sich einem Tolkien annähern kann ohne gleich Mittelerde insgesamt abzukupfern. Ideenreichtum gut und schön, aber diese Ideen auch richtig einzusetzen und miteinander zu verbinden erfordert mehr als Williams hier zu zeigen bereit war.

Auf der deutschen Tad Williams Homepage schreibt Deborah Beale (Ted’s Frau) in: Evolution oder: Wie Shadowmarch entstand, oder so, als letzten Satz:

„Ehrlich, der einzige Feind ist die Zeit.“

und das scheint hier bei alle vier Teilen von Shadowmarch absolut zuzutreffen. Ich habe Ted Williams in meinem privaten Autorengötter-Himmel, für’s erste jedenfalls, zum Halb-Gott degradiert. Neuerlicher Aufstieg allerdings nicht ausgeschlossen – ich werde mich jetzt auch Osten Ard zuwenden. Meine Erwartungen daran sind jetzt vermutlich auf einem vertretbaren Niveau. Mal sehen wie sich das entwickelt …


siehe auch:

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  1. [Rezension] Tad Williams – Das Herz der verlorenen Dinge | Treffpunkt Phantastik

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