Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #19 – Schrecken als ästhetische Ware: Das Kabinett der Phantasten – Heiko Postma (Hrsg.)
t.sebesta
Heiko Postma (Hrsg.) Kabinett der Phantasten (Verlagsreihe) JMB, Hannover (2010-lfd.)
Klassische Erzählungen der nicht geheuren Art…
Heute will ich erstmals eine ganze Verlagsreihe vorstellen, die meines Erachtens eine sehr interessante Möglichkeit darstellt, viele klassischen Erzählungen des Schauer/Horror-Genre kennenzulernen. …
Vielleicht ist sie für ausgeprägte Kenner des Genres nicht sonderlich interessant (was ich aber soo nicht unterschreiben würde). Für Neueinsteiger aber absolut zu empfehlen. Es handelt sich um kleine Bändchen, ja eigentlich Heftchen, deren Texte sorgfältig ediert und jeweils mit einem ausführlichen Nachwort ausgestattet sind. Diese und andere Zusatztexte sind auch die Rechtfertigung für die Aufnahme in diesen Blog über Sekundärliteratur. Als Beispiel seien 3 davon vorgestellt:
Daniel Defoe: Ein wahrer Bericht, wie eine Mrs. Veal am 8. Tag des September 1705, einen Tag nach ihrem Tod, einer Mrs. Bergrave zu Canterbury erschienen ist. – 1706 –
Daniel Defoe stürzt sich mit Eifer auf Berichte über eine Erscheinung einer soeben verstorbenen jungen Frau in Canterbury, um daraus seine erste große Erzählung zu formen – 13 Jahre vor seinem „Robinson Crusoe“…
Und damit scheint Daniel Defoe’s eigene Bewertung des Canterbury-Geschehens klar. Andererseits ist es Grund-Merkmal all seiner Schriften, auch der jeweiligen Gegenposition volle Gerechtigkeit zu zollen. Was er hier auf gleich doppelte Weise erledigt: Zum einen führt der Berichterstatter ja in der Tat alle wesentlichen Aspekte an, die Mrs. Bargrave’s Erzählung als pures Phantasiegebilde entlarven könnten. Zum anderen aber hat Defoe grad diesen erfundenen Berichterstatter, nicht ohne Ironie, so konzipiert, dass rechtschaffene Zweifel an dessen Zuverlässigkeit bleiben: …
Hier gibt es auch noch einen Anhang: Walter Scott – Über Daniel Defoe’s „Mrs. Veal“, 1827
Auszug 'Nachwort', Seite 20-27
Edgar Allan Poe: Der Fall des Hauses Usher – 1839 –
Der Klassiker von Edgar Allan Poe hier in einer Fassung, die in die Rocktasche passt und überall als Pausenfüller dienen kann. Im September 1839 das erste Mal erschienen, erfuhr der Text eine Vielzahl von Veröffentlichungen, die jedoch allesamt immer wieder von Poe bearbeitet und verändert wurden. Markant ist hier der Eingriff, den Poe beim ersten Auftreten von Lady Madeline Usher vornahm …
Nach dem „Fall des Hauses Usher“ blieben Edgar Allan Poe gerade noch zehn Jahre zu leben. Zehn Jahre, in denen er unermüdlich nach Finanziers für sein Zeitschriften-Projekt fahndete. Doch immer, wenn er kurz vor dem Durchbruch stand, kam etwas dazwischen – mal war’s eine Bankenkrise, mal seine Trunkenheit beim entscheidenden Gespräch, etwa in Washington, in der Suite des amerikanischen Präsidenten Tyler. …
Ein weiterer Klassiker, dieses Mal vom Großmeister Lovecraft. Mit diesem Text formuliert er den Mythos fertig aus und begründet damit eine lange Reihe von Veröffentlichungen (nicht nur von ihm), die diesen Mythos zu Thema haben. Außerdem tritt in diesem Text das außerirdische Wesen das einzige Mal in seinen Erzählungen auch wirklich auf. …
Mitte der 60er-Jahre zeigte sich dann auch Deutschland allmählich reif für Cthulhu und die Seinen: In der Insel-„Bibliothek des Hauses Usher“ und danach in der „Phantastischen Bibliothek“ des Hauses Suhrkamp war H. P. Lovecraft der meistgedruckte Autor. So war es vielleicht nicht völlig überraschend, als sich 1979, in seinem letzten – unvollendeten – Dialog-Roman „Julia, oder die Gemälde“, auch Arno Schmidt aufs intensivste mit H. P. Lovecraft beschäftigte. …
Auszug 'Nachwort', Seite 60-75
Da es bereits 94 Ausgaben in dieser Reihe gibt, bleibt diese Vorstellung von drei Werken natürlich nur ein sehr oberflächliches Unterfangen. Auf der Web-Site des Herausgebers oder auf der Site des Verlages (siehe weiterführende Links) kann man sich über die weiteren Werke informieren – und das sollte man auch wirklich nicht unterlassen.
(mit einem Klick kannst du dir das aktuelle Ergebnis auf eurobuch.com ansehen)
alle angefügten Bände aus dem Englischen
Übersetzer: Heiko Postma
Band 1 mit Anhang
[Artikel] Heiko Postma in der WIKIPEDIA
Heiko Postma (* 26. Juli 1946 in Wesermünde, heute Bremerhaven), am Nachnamen kenntlich als Friese, ist ein deutscher Publizist, Schriftsteller und Übersetzer. …
Der JMB Verlag wurde 2008 in Hannover gegründet und entstand aus einer Verlagsauslieferung. Der Verlag ist wirtschaftlich unabhängig. Das Kürzel JMB steht für die Initialen des Verlagsgründers Jens M. Bolm …
[Bibliographie] Die Verlagsreihe „Kabinett der Phantasten“ in der Webpräsenz bei Heiko Postma
Daniel Defoe • Bram Stoker • H. Clauren • Friedrich Gerstäcker • Robert Louis Stevenson • E. T. A. Hoffmann • Lord Byron • John William Polidori • Washington Irving • Sheridan LeFanu • Théophile Gautier • Prosper Mérimée • Franz von Gaudy • Edward Bulwer-Lytton • Auguste Villiers de L’Isle-Adam • Joseph von Eichendorff • Edgar Allan Poe • Frederick Marryat • Montague James • Pierre Mille …
A]lfred Noe, widmet diesen Band der stilistischen Untersuchung französischer Prosa. Genauer gesagt französischer Horrorliteratur des 19. Jahrhunderts. …
Hier habe ich ein Werk, bei dessen Einordnung ich ein bisschen Schwierigkeiten hatte. Literarische Phantastik betreffen oder doch eher reiner Horror/Schauer? …
Es ist ja vielleicht schon mal gut, wenn man einmal den Horror erklärt bekommt. Baumann geht dem Phänomen Horror auf den Grund und erklärt die psychologische Wirkung. …
Zwei Veröffentlichungen samt ihrer enthaltenen Artikel liegen heute an. Ein Werk zur Schauerliteratur ab 1800 bringt einige Essays. Fünf Essays sind englischsprachig und daher nicht in die Bibliothek aufgenommen (die findet ihr hier). Die „Protokolle“ bringen zwei Essasy zu H. C. Artmann. Das Übernatürliche ist bei ihm von vornherein eine gesetzte, augenzwinkernde Realität, die vom Erzähler wie selbstverständlich hingenommen wird. Für interessierte Laien bietet H.C. Artmann einen hervorragenden Zugang zur modernen Literatur. Seine phantastischen Texte fordern uns nicht auf, an Geister oder Vampire zu glauben, sondern an die grenzenlose Freiheit des Erzählens. Vielleicht einen Versuch wert? …
Wer heute nach Büchern oder Filmen sucht, in denen das Unmögliche passiert, stößt unweigerlich auf den Begriff „Fantasy“. Doch im literaturwissenschaftlichen und journalistischen Kontext greift diese Gleichsetzung zu kurz. Um das Wesen der klassischen Phantastik zu begreifen, hilft der Vergleich mit epischen Elfen-Sagas erstaunlich wenig. Viel ergiebiger ist der Kontrast zu ihrer direkten Nachfahrin: der modernen Fantastik. Während beide Gattungen das Unmögliche mitten in unserer realen Welt ansiedeln, trennen sie Welten in der Art und Weise, wie ihre Figuren auf das Wunderbare reagieren. Ein Blick auf das Genre des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeigt, wie aus der Angst vor dem Unbekannten eine moderne Lebenseinstellung wurde. …
Drei Bücher und vier wissenschaftliche Arbeiten haben sich unter dem Dach der Bibliothek eingefunden. Star Trek ist wohl eine unendliche Geschichte, das neue Fantasia-Magazin ist angekommen und ein Werk zu Helden und Heldenliedern aus dem Mittelalter. Die wissenschaftlichen Arbeiten sind mir bei der Recherche in die Hände gefallen. Themen: Alraune-Motivgeschichtliche Studien, phantastische Darstellungen in ausgewählten Werken, Wechselwirkungen zwischen Literatur und Wissenschaft bzw. die Zukunft des Schreckens in Dystopien. Recht bunt gemischt, schaut es euch an …
Wer heute durch eine Buchhandlung stöbert, stolpert unweigerlich über farbenprächtige Cover von Drachenbänden, düsteren Geistergeschichten oder fernen Zukunftsvisionen. All diese Bücher verschwinden im allgemeinen Sprachgebrauch oft unter dem vagen Prädikat „fantastisch“. Doch wer sich der Literatur aus wissenschaftlicher oder journalistischer Perspektive nähert, stellt fest: Ein einziger Buchstabe entscheidet hier über grundlegend verschiedene historische und strukturelle Konzepte. Die Unterscheidung zwischen „Phantastik“ und „Fantastik“ ist keineswegs eine pedantische Schrulle von Sprachpflegern, sondern ein scharfes Werkzeug zur Ordnung von Literaturgeschichte. …
Die „Widersprüche“ von Jean Améry sind in zwei Auflagen der Bibliothek erwachsen. Darin wäre im Besonderen der Essay „Gewalt und Gefahr der Utopie“ hervorzuheben. Diesen Artikel findet man auch in „Merkur, Nr. 253“ aus dem Jahr 1969. Dort ist auch der Essay „Zukunftsforscher und Zukunftsverhinderer“ von Robert Jungk zu lokalisieren. In „Die kollektive Intelligenz“ von Pierre Lévy hingegen findet sich u.A. „Kunst und Architektur des Cyberspace“, wobei auch das ganze Buch nicht zu verachten ist. Auf „humanithesia.org“ findet sich dazu eine umfangreiche, nach Kapiteln aufgegliederte, Rezension. Mein Rat: lesen …
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