Horror-, Schauer- und Gespensterliteratur #20 – Schrecken als ästhetische Ware: Das große Buch der Naturgeister – Nancy Arrowsmith
t.sebesta
Nancy Arrowsmith Das große Buch der Naturgeister Weitbrecht, Stuttgart (2000) ISBN 352271685X
Mit einem Nachwort von Michael Korth
Es ist fast unmöglich, die Unzahl von übernatürlichen Gestalten der Geisterwelt in eine Systematik zu gießen. Nancy Arrowsmith versucht dennoch die europäischen Elben nach Art, Gattung und Familie zu klassifizieren, Kennzeichen und Verbreitung zu beschreiben und Mitteilungen über deren Lebensgewohnheiten und ihren Umgang mit den Menschen anzugeben. Der Name Elben ist hier gleichzusetzen mit Elfen oder Albae der nordischen Mythologie – wobei – so ganz genau nimmt es die Autorin mit der Einteilung nach diesem Muster wohl nicht. Aber in diesem Sektor der Literatur ist ein bisschen Ellenbogenfreiheit nicht ungewöhnlich …
Wie ernst man es mit Naturgeistern nimmt, ist wohl einem selbst überlassen, aber dass diese Gestalten in der Fantasyliteratur und teilweise auch in der Horror-/Schauer-/Geisterliteratur einen festen Platz haben, ist meines Erachtens unbestritten. In diesem Buch werden die Elben in drei Hauptgruppen unterteilt. Die Licht-Elben als Meister der Verwandlung und Reisende durch die Dimensionen. Die Dunkel-Elben mit ihrer Erdgebundenheit und ihrer mitunter sehr strengen Bindung an menschliche Behausungen. Zuletzt die Dämmer-Elben als zahlreichste Gruppe, die aufgrund der auferlegten Beschränkungen von Ort, Zeit und Raum am leichtesten vom Menschen wahrgenommen werden. …
Ich hoffe, einen Beitrag zur leichteren Identifizierung der europäischen Elben zu leisten und größeres Interesse für sie zu wecken, indem ich dem Leser die Augen öffne für ihre Existenz in unserer Zeit. Eine meiner schwierigsten Aufgaben war es, die älteren, glaubwürdigeren und vollständigeren Fassungen der Volkserzählungen und mündlichen Überlieferungen von den neueren, christianisierten und entstellten Versionen zu trennen. Wenn es zutrifft, was die moderne Märchenforschung behauptet, dass die meisten Volkserzählungen ihrem Wesen und Ursprung nach aus der Steinzeit stammen, und wenn man bedenkt, dass Naturgeister schemenhaft und wandlungsfähig sind, so ist es einleuchtend, dass ihre Kodifikation und Klassifikation zumindest problematisch ist. Jedes System ist unvollständig und Widersprüchen ausgesetzt. …
Auuszug 'Einführung', Seite 9-14
Jedenfalls ist es ein schönes gebundenes Buch, mit gutem Papier und sehr schönen Illustrationen. Es ist ein Buch, dass man gerne zur Hand nimmt, wenn man ein bisschen träumen will und Märchen nicht abgeneigt ist. Es liegt hier in der zweiten deutschen Neuausgabe vor und beinhaltet auch ein umfangreiches Quellenregister und eine ansehnliche Bibliographie. Das angeführte Nachwort von Michael Korth sucht man allerdings vergeblich – das dürften die Elben wohl still und heimlich entfernt haben – wer weiß warum? …
[biographisches] Nancy Arrowsmith auf ullstein-buchverlage.de
Nancy Arrowsmith ist die Autorin des Kultbuches A Field Guide to the Little People das seit 30 Jahren in vielen Ausgaben erschien und in Deutschland gerade unter dem Titel Elben, Trolle, Hobgoblins ? Die Geister von Mittelerde und andere Fabelwesen im Piper Verlag wieder aufgelegt wurde. Sie ist die Gründerin und langjährige Chefredakteurin der ersten deutschen Biogartenzeitschrift Kraut & Rüben, die bereits seit 22 Jahren erscheint.…
Die Wiederentdeckung und Bewahrung klassischer phantastischer Literatur stellt eine der faszinierendsten Nischen des modernen Publikationswesens dar. Ein herausragendes Beispiel für dieses editorische Engagement ist die im JMB Verlag erscheinende Reihe Das Kabinett der Phantasten. Geprägt durch das Zusammenspiel von Verleger Jens Bolm und dem Herausgeber, Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer Dr. Heiko Postma, widmet sich dieses ambitionierte Projekt der systematischen Aufarbeitung von Meisterwerken der Schauerliteratur, der Phantastik und der unheimlichen Belletristik vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Der folgende Essay analysiert das literarische und konzeptionelle Profil dieser Reihe, beleuchtet den historischen Hintergrund und untersucht die besondere Rolle der wissenschaftlichen Kommentierung für das Lesepublikum. …
Chajim Bloch (geboren am 27. Juni 1881 in Nagybocskó, Österreich-Ungarn; gestorben am 23. Januar 1973 in New York) war ein bedeutender chassidischer und kabbalistischer Rabbiner, Publizist und Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Vermittler der jüdischen Mystik und Folklore im deutschsprachigen Raum des frühen 20. Jahrhunderts. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine literarischen Bearbeitungen osteuropäischer jüdischer Sagen – allen voran der Legende um den Golem von Prag. Mitten in den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er sein Werk „Der Prager Golem: Von seiner ‚Geburt‘ bis zu seinem ‚Tod‘“ in Wien. Bloch schuf damit kein rein fiktionales Werk, sondern sammelte, sichtete und systematisierte die verstreuten mündlichen und schriftlichen Sagen des Prager Ghettos. Dieses Essay analysiert die historische Entwicklung des Golem-Mythos, die spezifische Struktur von Blochs Erzählungen und dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Schöpfungsmythen. …
A]lfred Noe, widmet diesen Band der stilistischen Untersuchung französischer Prosa. Genauer gesagt französischer Horrorliteratur des 19. Jahrhunderts. …
Bölsches Büchlein ist eine populärwissenschaftliche „Brückenarbeit“ zwischen Drachensage und Naturgeschichte. Die Leitfrage lautet sinngemäß: Warum ist das Drachenbild so weltweit stabil – und welche realen Naturerfahrungen (Fossilien, große Reptilien, „ungeheure“ Tiere) könnten die Imagination immer wieder gespeist haben? Esist eines dieser kleinen Bücher, die sich nicht recht entscheiden wollen, ob sie wissenschaftlich informieren oder literarisch verführen sollen – und gerade deshalb zu den interessanteren Exemplaren ihrer Gattung gehören. Es ist ein Text aus einer Zwischenzone: populärwissenschaftlich, ja, aber mit einem spürbaren Sinn für den Sog alter Bilder. Bölsche schreibt nicht über Drachen, um sie endgültig „wegzuerklären“. Er schreibt über sie, weil er merkt, dass man sie nicht loswird. …
Friedrich Wilds Studie Drachen im Beowulf und andere Drachen ist keine populärwissenschaftliche „Drachenkunde“ im heutigen Fantasy-Sinn, sondern ein philologisch und kulturhistorisch argumentierender Beitrag zur Frage, wie mittelalterliche Texte – vor allem das altenglische Epos Beowulf – ihr Drachenmotiv formen und welche Traditionslinien dabei wirksam werden. Der Text erschien als Abhandlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und ist entsprechend als gelehrte, quellengesättigte Untersuchung angelegt. …
Dieses Mal war es nicht wirklich viel, aber dafür sehr interessant für mich. Erstens habe ich noch einen Beitrag zu Ernst Bloch und die DDR aufgefunden und eingetragen. Und Zweitens – die Drachen lassen mich derzeit nicht los. Drei Veröffentlichungen habe sich aus dem Fundus erhoben und lassen mich überlegen, ob ich ein vor einiger Zeit angefangenes Essay zu Thema „Drachen in der Fantastik“ nicht doch endlich einmal zu Ende bringen sollte. Mal sehen …
Florian Kragls Monographie widmet sich der deutschen Dietrichepik des hohen, späten und „spätesten“ Mittelalters – und damit einem zentralen Segment der deutschsprachigen Heldenepik jenseits des Nibelungenlieds. Der Autor setzt bewusst dort an, wo die ältere Forschung lange Zeit entweder stoff- und sagengeschichtlich rekonstruieren wollte oder die Texte als „spröde“ Randzone der mittelalterlichen Erzählliteratur behandelte. Kragl nimmt demgegenüber eine programmatische Position ein: Die Dietrichdichtung soll als literarisches Phänomen gelesen werden – mit eigener Poetik, eigenen Erzählverfahren und eigener ästhetischer Logik.
Im Zentrum steht dabei eine breite Textpalette, die von den bekannten Erzählkomplexen um Dietrichs Flucht und die Rabenschlacht bis zu aventiurehaften Einzeltexten wie Goldemar, Laurin, Sigenot, Eckenlied, Virginal, Rosengarten und Wunderer reicht. Kragl verortet diese Texte zudem mediengeschichtlich im Spannungsfeld von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung – eine Perspektive, die sowohl die Überlieferungsform als auch die literarische Gestalt der Texte ernst nimmt. …
Zur antiquarischen Sichtung wurde eurobuch.com und diebuchsuche.at benutzt und soll euch zeigen, dass es preisgünstige Möglichkeiten gibt ältere Titel zu erstehen. Reguläre Preise beziehen sich in der Regel auf Amazon.de-Angaben. Alle Preisangaben sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung und selbstverständlich völlig unverbindlich. Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bücher sind in der Regel vorhanden und werden bei Anforderung über die Kommentarfunktion auch gerne zur Verfügung gestellt.