Phantastik #57 – unglaublich, versponnen, wunderbar, großartig: Gegen die Religion – H. P. Lovecraft
t.sebesta
H. P. Lovecraft Gegen die Religon JMB, Hannover (2017) ISBN 9783944342948
mit Vorworten von Andrew Copson und Axel Weiß
Ein äußerst sonderbares Buch ist mir unlängst in die Hände gefallen. In der Meinung ein Exemplar des Festa-Buches zu erschwinglichem Preis aufgefunden zu haben, kam ein Buch des JMB-Verlages. Etwas verwundert begann ich der Sache auf den Grund zu gehen und fand eine Geschichte, die erzählenswert ist. Es gibt Bücher, die nicht nur aufgrund der limitierten Auflage vom Markt verschwinden, sondern auch Bücher, die nicht erscheinen dürfen und deshalb auch ihren ganz besonderen Wert haben…
Der Herausgeber und der Verleger hatten „Against Religion“ von Lovecraft, in dem Bemühen, den Text „vor dem Vergessen“ zu bewahren, übersetzt. Leider entging es dem Verleger, dass nicht nur der Primärtext von Lovecraft übersetzt wurde, sondern auch die Texte des Editors. An sich wäre dies vielleicht kein allzu großes Problem gewesen, wenn man sich mit dem Editor hätte einigen können. Aber wie es der Teufel so will, hatte dieser, wenige Wochen zuvor, einen Vertrag mit dem Festa-Verlag abgeschlossen. Jetzt war das Projekt endgültig geplatzt und es musste das Buch aus dem Handel zurückgerufen werden und durfte nicht mehr verkauft werden. Ein ziemlicher Rückschlag für den Kleinverlag – und vor allem wurde die Lust auf weitere Veröffentlichungen in dieser Liga emotional eingeschränkt und finanziell eingebremst – schade …
Und dann ist da dieser andere Lovecraft: der gut und überzeugend argumentierende Atheist. Der die Gefahren und logischen Inkonsistenzen von Religionen erkennt, analysiert und seziert. Er nähert sich seinem Sujet immer wieder von verschiedenen Seiten, lässt es nicht los, zerlegt es. Ein Lovecraft, der sich für (Teile der) Ideale der Aufklärung einsetzt, seine persönlichen Gefühle und Gedanken darlegt, und die Leserin und den Leser mitreißt in seiner inbrünstigen Verteidigung der Religionsfreiheit. …
Auszug 'Vorwort', Seite 6-8
Tja und damit ist dieses Buch selbst in einer „limitierten“ Auflage in den Handel gekommen. Festa hat ja auch entschieden 2020 aus seiner Ausgabe eine limitierte Ausgabe zu machen und daraus folgt, dass diese Auflage natürlich blitzartig abverkauft war und dass einige glückliche Einkäufer die Festa-Ausgabe, die 70 Euro kostete, derzeit zwischen 250 und 500 Euro anbieten und anscheinend auch bekommen. Man mag sagen, ihr gutes Recht, aber ich glaube, Festa hat durch dieses Vorgehen einiges an Sympathien verloren und viele enttäuschte Lovecraft-Fans zurückgelassen. Auch die gegenständliche Auflage des JMB-Verlages ist auch antiquarisch nicht aufzufinden und ich hatte vermutlich nur Glück eine Ausgabe zu finden (und ich habe einen Preis bezahlt, der einem Buch in dieser Ausführung zukommt). Ich bin neugierig, ob in Zukunft weitere Exemplare auf den Markt kommen werden – und zu welchem Preis.
Wir freuen uns sehr, die Lesungsreihe aus dem „Kabinett der Phantasten“ (Hrsg. von Heiko Postma) präsentieren zu dürfen. Die Lesungen werden organisiert von der Frankfurter Buchhandlung Weltenleser und hätten eigentlich letztes Jahr in persona stattfinden sollen. Nun haben auf diese Weise viel mehr Leute Zugriff darauf! Wir wünschen gutes Gruseln mit „Was war Es?“ von Fitz James O’Brien, gelesen von Stéphane Bittoun. …
[Rezension] Lovecraft – Gegen die Religion – von Sorben – auf dementophobia.net
H.P. Lovecrafts Gegen die Religion ist eine Übersetzung einer Sammlung von Briefen und Essays, die HPL zum Thema Religion verfasste. Herausgegeben wurde die 240 Seiten umfassende deutsche Ausgabe von Sebastian Bartoshek, Fabian Dombrowski sowie Stephanie Dreyfürst und erschien im August diesen Jahres beim jmb-Verlag.…
Bis zum Erhalt des Buches war mir Antonio Tabucchi im phantastischen Zusammenhang noch nicht aufgefallen. So wie mir italienische Sekundärliteratur in deutscher Übersetzung auch kaum untergekommen ist. …
Zwei sehr interessante Bücher wurden in die Bibliothek aufgenommen. Zunächst das gestern besprochene Buch „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“. An sich eher als begleitende Literatur angekauft um das Thema „Helden“ zu beleuchten, fand sich ein höchst interessanter Essay zu Aristos „Orlando Furioso“ darin. Dieses Werk wird das nächste Thema in den Reflektionen sein. Das zweite Buch ist ein höchst interessantes Buch zum Thema Bibliotheken in der Literatur. Die sechs Essays welche die phantastische Literatur direkt betreffen findet ihr in der Folge aufgeführt. E. T. A. Hoffmann, J. L. Borges, Stanislaw Lem, Umberto Eco, Michel Rio, H. P. Lovecraft und Jasper Fforde werden im Thema beleuchtet …
Wer ist ein Held und wie wird man dazu? Was heute Marketingagenturen, soziale Medien und PR-Abteilungen übernehmen, war auch in der Frühen Neuzeit ein hochkomplexer Prozess. Der im Jahr 2013 im Harrassowitz Verlag erschienene Sammelband „Heroen und Heroisierungen in der Renaissance“, herausgegeben von Achim Aurnhammer und Manfred Pfister, widmet sich genau diesem Phänomen. Für interessierte Laien öffnet das Buch ein faszinierendes Fenster in eine Zeit, in der das moderne Verständnis von Ruhm, Individualität und Verehrung maßgeblich geprägt wurde. …
Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Dieser weltberühmte erste Satz aus Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ (1915) ist weit mehr als ein genialer Einstieg in eine tragische Familiengeschichte. Er markiert den präzisen historischen Wendepunkt, an dem die klassische Phantastik des 19. Jahrhunderts starb und die moderne Fantastik der Gegenwart geboren wurde. Der Literaturwissenschaftler Tzvetan Todorov stellte in seiner strukturalistischen Gattungstheorie fest, dass Kafka das traditionelle Prinzip der Phantastik grundlegend ausgehebelt hat. Doch wie genau funktionierte dieser fließende Übergang von der quälenden Unschlüssigkeit zur absurden Selbstverständlichkeit? …
Da kommen noch Nachschläge zum Golem-Thema und ein Download zum Thema literarisches Kunstwerk. Ursprünglich erschienen 1931 von Roman Ingarden. Es ist unter anderem ein Quellwerk für „Fantasy-Theorie und Geschichte“ von Helmut Pesch aus der Sekundärliterarischen Reihe des EDFC: Materialien zur phantastischen Literatur. Die Anschlussarbeiten beziehen sich auch alle auf Chajim Bloch, E. T. A. Hoffmann und Ror Wolf. Die Dissertation von Ulrike Schnaas untersucht den Einsatz des Fantastischen und dessen Funktionen in der zeitgenössischen Prosa. Also ran ans Werk …
Chajim Bloch (geboren am 27. Juni 1881 in Nagybocskó, Österreich-Ungarn; gestorben am 23. Januar 1973 in New York) war ein bedeutender chassidischer und kabbalistischer Rabbiner, Publizist und Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Vermittler der jüdischen Mystik und Folklore im deutschsprachigen Raum des frühen 20. Jahrhunderts. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine literarischen Bearbeitungen osteuropäischer jüdischer Sagen – allen voran der Legende um den Golem von Prag. Mitten in den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte er sein Werk „Der Prager Golem: Von seiner ‚Geburt‘ bis zu seinem ‚Tod‘“ in Wien. Bloch schuf damit kein rein fiktionales Werk, sondern sammelte, sichtete und systematisierte die verstreuten mündlichen und schriftlichen Sagen des Prager Ghettos. Dieses Essay analysiert die historische Entwicklung des Golem-Mythos, die spezifische Struktur von Blochs Erzählungen und dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Schöpfungsmythen. …
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