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Universitas Phantastica – Reflektion #30 – Horror vs. phantastischer Horror …

© rawpixel, 123RF Free Images

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Learn More-internRisse im Fundament der Wirklichkeit – Was genau macht eigentlich Angst?

Die Faszination des Grauens begleitet die Menschheit seit jeher: Literatur (und natürlich auch Film und Serien) inszeniert Angst als kalkulierte Grenzerfahrung – und bietet zugleich Distanz, Erregung und manchmal sogar so etwas wie Katharsis. Doch „Horror“ ist nicht gleich „Horror“.
Eine hilfreiche Unterscheidung – gerade für literarische Analysen – verläuft zwischen Horror innerhalb einer stabilen, realistischen Weltordnung und Horror, der diese Ordnung selbst ins Wanken bringt. Im Folgenden geht es deshalb um die Frage:
Wie unterscheiden sich klassischer/realistischer Horror und phantastischer Horror hinsichtlich Weltmodell, Auslösern des Schreckens und dem Rezeptionsmodus? …

Als theoretischer Bezugspunkt eignet sich besonders Tzvetan Todorov, der das Fantastische weniger über einzelne Motive (Geister, Dämonen etc.) definiert als über einen Modus der Unschlüssigkeit: Ist das Geschehen rational erklärbar – oder bricht hier wirklich das Übernatürliche in die Welt ein?
Begrifflicher Hinweis: Wenn hier von „phantastischem Horror“ die Rede ist, ist damit ein Sammelbegriff für Horrorformen gemeint, die mit Regelbruch, Übernatürlichem oder epistemischer Unsicherheit arbeiten. Todorovs „das Fantastische“ ist dabei nicht identisch mit „Fantastik“ als Genreetikett, sondern meint den Schwellenzustand des Zweifelns.
 

Klassischer/realistischer Horror: Schrecken innerhalb bekannter Regeln

Unter klassischem bzw. realistischem Horror lassen sich Erzählformen fassen, deren Schrecken aus Ereignissen entsteht, die innerhalb der bekannten Natur- und Sozialordnung plausibel bleiben. Die erzählte Welt funktioniert (grundsätzlich) wie unsere Alltagswelt. Der Horror entsteht aus der Zuspitzung realer Risiken.
 

Woran erkennt man das?

Beispiele (kurz verortet)

Nebenbemerkung: Ob ein Text/Film „Horror“ oder „Thriller“ ist, bleibt eine Genrefrage. Für die Analyse ist oft entscheidender, welcher Angstmodus und welches Weltmodell vorliegt.
 

Phantastischer Horror: Regelbruch, Unsicherheit – und der Verlust von Gewissheit

Im phantastischen Horror wird die erzählte Welt durch ein Element irritiert, das dem empirischen Weltwissen widerspricht – oder es zumindest nachhaltig destabilisiert: Geister, Flüche, Dämonen, kosmische Entitäten, „unmögliche“ Ereignisse.
 

Woran erkennt man das?

Todorov als Heuristik: Unheimlich – Fantastisch – Wunderbar

Vereinfacht lässt sich Todorovs Modell so lesen:

Beispiele (kurz verortet)


Mini-Abriss: Warum diese Unterscheidung historisch Sinn ergibt

Eine lineare „Fortschrittserzählung“ wäre zu simpel, aber exemplarisch lassen sich Verschiebungen beobachten:

Die Kernunterschiede auf einen Blick

Kriterium
Klassischer/realistischer Horror
Phantastischer Horror
Weltmodell
Naturgesetze stabil
Naturgesetze gebrochen/erweitert oder als unsicher erlebt
Primäre Angstdynamik
Vulnerabilität (Körper/Soziales)
Gewissheits- und Kontrollverlust (Ontologie/Epistemologie)
Deutungsmodus
überwiegend eindeutig
häufig ambivalent; Unschlüssigkeit zentral (Todorov)
Typische Auslöser
Mensch, Körper, Natur, Institutionen
Übernatürliches, Fluch, kosmische Ordnung, „Unmögliches“
Rezeptionsangebot
„Das könnte mir passieren“
„Die Weltregeln gelten nicht (mehr)“
 

Fazit

Klassischer/realistischer Horror und phantastischer Horror unterscheiden sich weniger durch „Gruselintensität“ als durch die Logik der erzählten Welt und den Modus der Angstproduktion. Realistischer Horror radikalisiert reale Bedrohungen innerhalb stabiler Regeln; phantastischer Horror destabilisiert Regeln selbst – und erzeugt Angst aus Ungewissheit, Kontrollverlust und ontologischer Erschütterung.
Wenn man Horror also wirklich präzise analysieren will, lohnt sich fast immer ein Doppelblick:
  1. Welches Weltmodell wird vorausgesetzt?
  2. Wie stabil ist die Deutung (Eindeutigkeit vs. Unschlüssigkeit)?

Quelle(n), Vorgänger und Hilfreiches:






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