[NETigkeiten] #4 Phantastikon wieder geschlossen — keine Rettung möglich!?

Michael Perkampus gibt endgültig auf …

Mit gelindem Entsetzen musste ich feststellen, dass phantastikon.de nach der Weihnachts-/Neujahrpause nicht mehr zu erreichen war. Anfangs ging ich von einer Umbauphase aus, musste aber dann leider feststellen, dass Michael Perkampus die Seite endgültig aufgeben will …

phantastikon.de
phantastikon.de am 4.1.2020

 

Ich habe gute Kontakte nach USA und kann deshalb viel Artikel in Übersetzung bieten. Interessieren tut das niemand. Natürlich könnte ich einfach mit weniger Content weitermachen, aber wozu? Bei uns ist das Interesse an dieser Art umfassender Phantastik-Artikel nicht besonders groß. […] gegenüber den zahlreichen Bücherbloggern konnten wir uns nicht behaupten. Der deutschsprachige Raum ist nicht für so was offen, jeder kocht hier sein eigenes Süppchen. Ich mach ja trotzdem weiter mein Ding, aber das Phantastikon ist gescheitert […]

Auszug Email

Als ich im Mai schon die erstmalige Schließung vermelden musste, hatte ich noch Hoffnung, dass es nicht wirklich zu einem vollständigen Aus käme. Es hatte auch in der Folge den Anschein, als würde Michael Perkampus mit neuem Elan und einem Refresh auf der Seite trotzdem wieder durchstarten können.

Leider sieht Michael nun wegen (scheinbar?) fehlendem Interesse die Balance zwischen Aufwand und Erfolg extrem gestört und macht Schluss.

Ist es wirklich so, dass im deutschsprachigen Raum das Interesse an einer phantastischen Seite mit qualitativ hochwertigen Artikeln kaum existent ist? Hat eine solche Seite wie Phantastikon.de wirklich keine Zukunft? Ist die Auseinandersetzung mit sekundärliterarischen Aspekten der Phantastik nicht szenegerecht?

Nun, als Blog für Sekundärliteratur trifft mich diese Erkenntnis von Perkampus schon. Möglicherweise sind/waren die Erwartungen von Michael zu hoch gegriffen, aber grundsätzlich würde ich zu einer anderen Einschätzung gelangen. Ja, auf sozusagen tätliche Anerkennung darf man wohl nicht warten und große moralische Unterstützung liegt hier auch nicht in der Luft. Auch liegt die Bereitschaft zu einer, wie immer gearteten, Mitarbeit bei solchen Projekten eher darnieder. Aber, als sozusagen „selbstverständlichen“ Service in der Versorgung von Hintergrundmaterial und unterhaltendem Beiwerk ist schon ein gewisses Interesse bemerkbar.

Es liegt meines Erachtens auch daran, dass sehr viel Möglichkeiten zur Vernetzung nicht wahrgenommen werden. Die Foren(betreiber) stehen den Bloggern mit Skepsis gegenüber. Die Blogger nehmen untereinander die Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung nicht wahr. Die Facebook- und Twitterwelt ist überhaupt eher eine der Solo-Unternehmer und Ego-Shooter der Szene.

Jetzt aber Schluss mit der negativen Weinerlichkeit – wir arbeiten (und ich meine auch arbeiten) alle für unsere allerliebste Beschäftigung – der mit der Phantastik – leider ab jetzt ohne Phantastikon.de. Die Seite wird mir abgehen und ich meine sie hinterlässt eine Lücke in der Szene,  besonders im Bereich der dunklen Phantastik. Wir anderen werkeln weiter und vielleicht lässt uns die vergebene Chance Phantastikon.de ein bisschen nachdenken und Schlüsse ziehen, die es besser machen. Jedes Ende ist auch ein Anfang und jede Niederlage birgt auch neue Möglichkeiten.

Michael Perkampus wird sicherlich in anderen eigenen Projekten im Bereich der Phantastik weitermachen und ich wünsche ihm dafür mehr Erfolg und Anerkennung als zuletzt. Und, was weiß man – vielleicht gibt es ja eines Tages eine Auferstehung …

Lassen wir Perkampus das letzte Wort:

[…] Das “Phantastikon” ist nach fünf Jahren geschlossen. Es wäre dort nicht möglich (oder angebracht) gewesen, das eigene Holz zu verschüren; will heißen: es war am Ende doch mehr ein Korsett, das bestimmte Textangebote ausschloss. Die Reflexion über die eigene Arbeit aber, die mich von den höchsten Höhen (ich nenne Jean Paul, Arno Schmidt, Cioran oder Thomas Ligotti), bis in die tiefsten Niederungen des Groschenromans und auch des Films führt, ist für mich von essenzieller Bedeutung, um Fiktion zu verstehen und sie in der für mich richtigen Weise gegen die “Realität” einzusetzen, die ich auch nur dann akzeptieren kann, wenn sie wahr (d.h. “phantastisch”) ist. Was das aber bedeutet, unterscheidet sich ebenfalls von der gängigen Auffassung. Weder Hoch- noch Tief habe ich in der Literatur je gesehen (man muss schon sehr auf seinem Gehirn sitzen, um eine derart kulturfaschistische Auffassung zu vertreten; aber sobald – wie Eichendorff sagte – ein Lied in den Dingen schläft, erweckt es mein Interesse. […] Artikel Über…


Anmerkung(en):weiterführende Links:
  • keine
  • [Seite] Perkampus „Veranda“
    […] Auf dieser Seite werden nun also die unterschiedlichsten Textarten vorgestellt. Lektüren, Aufsätze, eine Audioabteilung, Filme, Gedichte und sofort stehen an der Seite von Werktagebüchern, Fragmenten und Fotografien. Es gibt Übersetzungen und Gastartikel – ein großes Spektrum, das am Ende als Dokument zu lesen ist. […] Auszug Artikel

… und zu den letzten Artikel im Blog:


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