Universitas Phantastica – Reflektion #1 – Wie alles begann …


Selbstreflektion - Intern

Universitas Phantastica – die Reflektionen eines Unwissenden (oder sagen wir Halbwissenden) werden ab heute diesen Blog begleiten. Diese Reihe wird nicht wie andere Artikel geplant und vorbereitet die Artikelreihen zur Sekundärliteratur der Phantastik ergänzen. Sie wird spontan die Gedanken zu meiner Beschäftigung mit dem Thema Phantastik aufnehmen und öffentlich machen. Manchmal vielleicht zwei am Tag, manchmal vieleicht einer in der Woche. Nach meinem Wollen jedoch regelmäßig, soweit ich meiner Passion nachgehen kann. Ich möchte auch einladen sich an den Reflektionen zu beteiligen …

Die Frage die sich mir zu Beginn stellt ist folgende:

Ich bin jetzt 60 Jahre alt und beschäftige mich seit rund 45 Jahren mit phantastischer Literatur. Zuerst mit allem was irgendwie mit Science Fiction zu indentifizieren war und bei drei nicht auf dem nächsten Baum war. Perry Rhodan Leihbücher aus der Orts-Bibliothek, dann SF-Leihbücher allgemein und dann war ich Lehrling und hatte einen Arbeitskollegen, der die PR-Serie vollständig gesammelt am Dachboden hatte und auch bereit war die Hefte zu verleihen.

Der Anspruch wurde dann aber höher und die ausgewählten Bücher vielfältiger im Spektrum des Genres. Es war die (ausklingende) Zeit der ganzen großen Hard-Core-SF-Schriftsteller.

Es blieb aber nicht aus, dass so nach und nach auch die anderen Sparten der Phantastik im Bücherschrank zu finden waren. Fantasy (nach dem mir der „Herr der Ringe“ in die Hände gefallen war), Horror (nachdem mir Lovecraft über den Weg lief), Märchen (die ich immer schon liebte), Utopie (die sich von selbst ergab) und phantastische Literatur im allgemeinen (Kafka, Borges, etc. passierten halt manchmal)

Nachdem ich so an die 6000 Bände, Hefte und Fanzines gesammelt hatte stach mich der Hafer und ich übergab den größten Teil meiner (Primär-)Sammlung der SF-Bibliothek in Wien und ich konzentrierte mich auf die Sekundärliteratur.

Ich wollte mehr über die Literatur wissen, die mich mein ganzes Leseleben begleitet hat und vermutlich bis zu meinem Lebensende den überwiegenden Teil meiner Lektüre ausmachen wird – so mir Augenlicht und Verstand bis dahin erhalten bleiben. Rund 3000 Ausgaben später scheint mir aber, dass mein Wissen trotzdem nur ein Halbwissen ist. Lesen allein genügt nicht (immer).

Nun lebe ich in einer Gegend, die zwar nicht Smaugs Einöde darstellt, aber Gleichgesinnte mit denen man sich über das Gebiet der Sekundärliteratur zur Phantastik austauschen kann sind sehr spärlich gesäät. Um nicht zu sagen – nicht existent. Natürlich könnte man Wien ansteuern, aber die Wegstrecke ist doch einigermaßen groß und nervend. Und ehrlich gesagt: In den möglichen Runden steht halt doch meist die Geselligkeit im Vordergrund. Nein, halt, nichts dagegen einzuwenden, das ist schön und manchmal auch sehr lustig, aber ich suche nach Wissen und Diskussion über phantastische Inhalte.

Könnte man jetzt vermuten, dass man sich eben dem Internet zuwendet. Jaaaa, aber. Die Fachleute sind wohl vorhanden. Nur bin ich eben nur mit Halbwissen gesegnet und manchmal können die Fragen von solchen Typen schon sehr auf die Nerven gehen. Vor allem wenn diese einfach nicht kapieren (wollen). Außerdem habe ich auch noch keine Gruppen, Foren oder Sites gefunden, die mir das geben könnten, das mir vorschwebt. Fundierte Weiterbildung abseits schulischen oder universitären Linien. Also muss man/ich das ganze in die eigenen Hände nehmen (wird auch schon endlich Zeit …)

Jetzt hat es sich ergeben, dass ich de facto seit kurzem in Teilzeit noch drei Jahre in meinen Brotberuf tätig bin und dann den „wohlverdienten Ruhestand“ antreten werde. Somit zur Frage:

„Wie kann ich diesen erfreulichen Umstand dazu nutzen noch tiefer in die phantastische Literatur einzutauchen?“

Einen universitären Weg einzuschlagen verbietet sowohl die fehlende Studienberechtigung, als auch die Wegstrecke. Auch die Frage nach der dann auszuwählenden Studienrichtung wäre eine Anstrengende. Ein direktes Studium gibt es nicht und eigentlich möchte ich auch nicht sehr viel Zeit verlieren mit großen Umwegen.

Also habe ich mir folgendes auferlegt: Warum nicht ein Selbstversuch in Selbststudium mit Hilfe meiner großen Bibliothek – ganz gezielt und einigermaßen konsequent?

Nun brauche ich aber eine Möglichkeit der Reflektion, wenn denn schon die Personen fehlen, die mir eine solche ermöglichen. Also werde ich (versuchen) diesen Blog als Reflektionsmedium zu verwenden. Sollten jemand diese Reflektionen interessieren, so kann er ja mitlesen und sich seinen Teil dazu denken oder/und mitreflektieren.

Hans Richard Brittnacher/Markus May (Hrsg.) - Phantastik - ein interdisziplinäres Handbuch

Hans Richard Brittnacher/Markus May (Hrsg.) – Phantastik – ein interdisziplinäres Handbuch

Ich werde beginnen mit Brittnacher und Mey: „Phantastik – ein interdisziplnäres Handbuch“. Wie alle Handbücher hat es Freunde und Feinde, aber mir scheint weniger von Zweiterem als Andere. Es scheint mir genügend breit gefächert und einen ganze Zahl Artikel von Fachfrauen und -männern zu beherbergen, die geeignet sind reflektiert zu werden. Zu den verschiedensten Themen einer breit angelegten Phantastikübersicht.

So interessieren also Rezensionen über mein gewähltes Startwerk, von Simon Spiegel, die ich an der Universität Zürich gefunden habe und welche auch in Rottensteiners „Quarber Merkur, Nr. 115, Seite 236-240“ enthalten ist. Der Download, sollte das Buch nicht verfügbar sein, ist hier: Downlaod Universität Zürich / Downloadseite. Auf literaturkritik.de bespricht Rainer Zuch das Buch unter dem Titel „Die Welt als Traum und Vorstellung“ besprochen und auf Kult.online der Universität Giessen tut dies Klaudia Seibl. In aller Kürze –

Dipl.-Angl. Klaudia Seibl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Anglistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (Lehrstuhl Prof. Nünning), bemerkt zum „historischen Teil“ des Buches:
„Der historische Teil vermeidet durch seine Anlage jede Engführung des Begriffes, der für den theoretischen Diskurs über „Phantastik“ kennzeichnend ist …“ und weiter: „… Umso wichtiger, dass Brittnacher und May über Todorov hinaus ein breites Spektrum von theorietischen Ansätzen präsentieren, die unter diskursanalytischen, poststrukturalistischen, feministischen, postkolonialistischen, medientheoretisch-analytischen und weiteren Vorzeichen neue Möglichkeiten der Phantastikforschung eröffnen. …“

Dr. Rainer Zuch, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Museum Otto Ubbelohde-Haus, findet:
„Die erste Rubrik, „Genres“ verhandelt als Stichworte etwa Conte fantastique, Cyberpunkt, …. Die Stichworte werden – wo nötig, mit kulturwissensenschaftlichen Exkursen – historisch und systematisch aufgeschlüsselt und mit zahlreichen Beispielen anschaulich entwickelt. Eine Interdisziplinarität kommt aber auch hier nur teilweise zum Zuge. …“. Wichtig: „Im letzten Teil finden sich die im Vorwort angesprochenen „poetischen und poetologischen Schlüsselkonzepte der Phantastik“, die mit Stichworten […] unter andererm zahlreiche Anschlussmöglichkeiten an kulturwissenschaftliche, psychologische, anthropologosdche und weitere Fragenstellungen bieteten.“

Dr. Simon Spiegel, Mitglied der Schweizer Filmakademie, der Gesellschaft für Fantastikforschung und der Science Fiction Research Association, hat auch einiges zu sagen:

Quarber Merkur 115

Franz Rottensteiner – Quarber Merkur, Nr. 115

„Die echten Versäumnsse des Bandes sind auf einer strukturellen Ebene auszumachen, wobei gewisse Probleme dem Thema inhärent sind. Allen voran die angesprochene Schizophrenie des Phantastikbegriffes, die das gesamte Buch durchzieht. Es ist der erklärte Anspruch der Herausgeber einen Überblick ‚zu Theorien, zu medialen Ausprägungen, den unterschiedlichen Genres, den dominierenden Diskursen des Phantastischen, den prominentesten Themen und Motiven sowie der Poetik des Phantastischen.‘ zu geben“.
Er hat aber insgesamt wesentlich mehr Kritik in seine Besprechung gepackt. Z.B:
„…Ganz anders dagegen das von den Herausgebern verantwortete Kapitel zu Fantastiktheorien, das sich in erster Linie auf die klassische Tradition konzentriert und in dem man SF-Theoretiker wie Darko Suvin oder Samuel Delany ebenso vergeblich suchen wird wie die Fantastikforscher Brian Attebery, Edward James oder Farah Mendelson …[…] … Hier wie an anderen Stellen wird deutlich, dass der Fokus des Handbuchs trotz der angestrebten Breite insgesamt auf der deutschsprachigen und tendenziell eher der literaturwissenschaftlichen Forschung liegt. … […] … Meine Kritik gilt denn auch vor allem dem Umstand, dass die Gewichtungen nicht thematrisiert und transparent gemacht werden. Stattdessen werden unterschiedliche Konzeptionen und Ansätze stillschweigend nebeneinandergesetzt. Der Grad der Uneinheitlichkeit ist dabei in einigen Fällen regelrecht stoßend. …[…]… Ähnlich beim Index: Auf ein Titelregister wurde komplett verzichtet, was die gezielte Suche nach Werken beträchtlich erschwert. Der Sachindex wiederum scheint automatisch ohne nachträgliche Kontrolle erstellt worden zu sein – mit teilweise absurden Ergebnissen. …“

(Die Zitate stammen aus den oben verlinkten Publikationen.)

So ich habe nun einen kleinen Einblick in die (vermeindlichen) Vorzüge und Schwächen des Werks gewonnen und bleibe dabei: „Das Buch wird mein Startwerk“. Hier werde ich meinen Selbstversuch im Selbststudium beginnen. Vielleicht kann ich die Schwächen ja in diesem Bemühen mildern und nachverfolgen und die Stärken verwerten.

Eines hoffe ich in dieser Arbeit ebenfalls zu erreichen: Die Grundlagen für eine Vortragreihe zum Thema Phantastik, die im Rahmen einer Volkshochschule die Grundlagen der Phantastik behandelt und sichtbar macht. Darauf wurde ich schon mehrmals angesprochen, fühlte mich aber nicht sicher genug in meinem Wissen um es auch wirklich durchzuziehen. Das sollte sich jetzt ändern.

Ich habe mir jetzt zum physischen Buch auch die Kindle-Version besorgt. Da läßt sich schön arbeiten damit. Zwar bin ich eher papier-affin, aber die Anmerkungs- und Markierungsfunktion im Kindle schlagen halt doch Bleistift und Marker im Buch und außerdem ist der Gewichtsvorteil bei Reisen nicht wegzudiskutieren.

Also, Position 167 von 24362 . 1% …

„Die Phantastik, die lange unter dem Verdacht der Trivialität stand, hat sich mittlerweise, nicht zuletzt Dank der kulturwissenschaftlichen Neuperspektivierung der philologischen Disziplinen, zu einem bedeutenden, nach wie vor kontrovers diskutierten Forschungsgegenstand entwickelt. Auch in der Literatur …


Vorgänger:


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