Demokratie, eine entartete Staatsform …


„… Aristoteles unterscheidet drei „gute“ Staatsformen – Monarchie, Aristokratie und Politie –  sowie drei „entartete“ Staatsformen – Tyrannis, Oligarchie und Demokratie. Während in den guten Staaformen zum allgemeinen Nutzen regiert werde, sei die Tyrannis eine Alleinherrschaft zum Nutzen des Herrschers, die Oligarchie eine Herrschaft zum Nutzen der Reichen und die Demokratie eine solche zum Nutzen der Armen …“
(siehe dazu Inklngs 30, seite 246)

Inklings, Band 30Ich  muss gestehen, so habe ich das bisher noch nicht gehört. Gerd Strohmeier stellt diese und andere Grundzüge der Gewaltenteilungslehre an den Anfang seines Artikels „Ein Ring … Gewaltenteilung zu unterbinden – J. R. R. Tolkiens The Lord of the Rings aus Sicht der Gewaltenteilungslehre“.

Ich habe diesen Artikel ganz unbedarft zu lesen begonnen und bin dann unversehens über diese Textstelle gestolpert. Demokratie – eine entartete Staatsform zum Nutzen der Armen? Ich war etwas verblüfft. Kann man das wirklich so sehen? Ist unsere Demokratie also keine Demokratie im Sinne Artisoteles?

Aristoteles relativiert diese Aussage jedoch einigermaßen, indem er als beste Staatsform die mildeste Form der Demokratie vereint mit der mildesten Form der Oligarchie als Mischverfassung sieht.

Jedenfalls hat mich dieser Artikel einigermaßen zum Nachdenken gebracht. Man soll also nicht sagen, dass ältere Artikel nicht doch noch Nachwirkungen haben können.

Das Jahrbuch für Literatur und Ästhetik, herausgegeben von Dieter Petzold in seinem 30. Band aus 2013 hat überhaupt einen sehr interssanten Inhalt. Entsprungen aus einem Symposium vom 4. bis 6. Mai 2012 in Wetzlar mit dem Untertitel „The Inheritance of the Inklings – Zeitgenössische Fantasy und Phantastik bietet es eine Vielzahl von englischen und deutschen Artikel und Buchbesprechungen, die (siehe oben) absolut nicht veraltern.

Natürlich kommen auch Niccolo Machiavelli, John Locke und James Madison zu den Grundzügen der Gewaltenteilungslehre zu Wort.  Strohmeier arbeitet in der Folge in drei Kapitel das Fazit: „Tolkiens The Lord of the Rings kann – bei einer Betrachtung der makropolitischen Ebene der Erzählgeschichte – als Warnung gegenüber Gewaltenmonopolisierung bzw. Gewaltenteilung interpretiert werden. (Zitat Gerd Stohmeier, Seite 263 f.) heraus. Die Anziehungskraft der Ringe und die Notwendigkeit den Meisterring zu zerstören bilden hier die Hauptpunkte der Betrachtungen.

Außer dem angesprochenen Artikel hat mich auch Axel Köhlers Artikel „Seumas Ban MacMhuirichJames Macpherson (1736-96): Gäle und Urvater der heroischen und der unheimlichen Fantasy“ beeindruckt. Der Einfluss auf das Subgenre „Celtic Fantasy“ ist mir jetzt ein bischen deutlicher geworden.

Darüber hinaus gibt es noch als deutschsprachige Beiträge:

Josef Schreiber und Gabriele Heintz – Ist die Wirklichkeit wirklich wirklich? Phantasie und Fantasy – eine phänomenologische Annäherung.

Thomas Fornet-Ponse – Die Immanenz des Transzendenten bei Neil Gaiman

Dieter Petzold – Fischzüge im Meer der Geschichten: Salman Rushdies postmoderne All-Age-Meta-FantasyFiction

Matthias Hurst – Unschuld, Gewalt, Verdrängung: Pans Labyrinth und die Schrecken der spanischen Geschichte

Laura Muth und Pascal Klenke – Pantheon: Reloaded und Panteon: Revolutions: Darstellungen der griechischen Götterwelt im zeitgenössischen Film

Johannes Rüster – Sie sind unter uns: Augmented Reality als missing link zwischen Phantasie und Realität

Elmar Schenkel – Rumänische Phantastik, oder wie ich Mircea Eliade wieder entdeckte

und eine ganze Reihe von guten Buchbesprechungen deutsch- und fremdsprachiger Erscheinungen runden das Buch ab. Ich denke es ist es wert wieder in Erinnerung gerufen zu werden.

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